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Full text of "Geschichte und Religion des Judentums (D) vom 16.Jhdt. bis Gegenwart.pdf"

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Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

Davidowicz Version 06.07.2003 

SS 2003 Seite 1 



Geschichte und Religion des Judentums ( D ) 
16. Jhdt bis zur Gegenwart 



Mitschrift der Vorlesung von 
Ao. Univ.Prof. Dr. Klaus DAVIDOWICZ 



Unter Zugrundelegung des Skriptums von Dr. Davidowicz. 
upgedatet, teilweise ergänzt und strukturiert 

Mit Zeittafel und Glossar jüdischer Termini. 

Bis inkl. Vorlesung Semesterende 



^ 



30 



Geschichte und Religion des Judentums (D) 

Davidowicz 
SS 2003 



lö.Jhdt. bis Gegenwart 

Version 06.07.2003 
Seite 2 



Prinzipielles 
0.1 Vorlesung 



aus dem KoVo 



0.2 Prüfung 



O Termin: 
O Stoff: 

O Skriptum: 
O Leseliste: 



Ende des Semesters, weitere 2 Semester je 3 T 

MÜNDLICH, ein ausgewähltes Einzelthema aus der Vorlesung; 

möglichst selbst erarbeitet, nicht nur Vorlesung reproduzieren ! 

im Anhang; 



0.3 Vorlesungsdaten 









Vorlesung 


Inhalt 




Vorlesung 


Inhalt 


1 


11.03.2003 





8 


27.05. 





2 


25.03. 





9 


03.06. 





3 


01.04. 





10 


17.06. 





4 


08.04. 





11 


24.06. 





5 


06.05. 


Feiertag 








6 


13.05. 











7 


20.05. 












0.4 Verwendete Bücher / Literatur 



Autor 


Titel 


erschienen 


DAVIDOWICZ K. 


Judentum . 16Jhdtbis Gegenwart 


Skriptum 


GRÜBEL Monika 


Judentum 






Brockhaus Lexikon 2003 





Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 



Davidowicz 
SS 2003 



Version 06.07.2003 
Seite 3 



Geschichte und Religion des Judentums in der Neuzeit 

Sommersemester 2003, 

Klaus Davidowicz 



Themen 



16. Jahrhundert 



1 Judentum in der italienischen 

Renaissance 

2 Das „goldene Zeitalter" in Polen 

17. -18. Jahrhundert 



Esoterik und Aufklärung 

3 Messianische Bewegungen 

4 Die Aufklärung (Haskala) 

19. Jahrhundert 



5 Die Reformbewegung 

6 Die Neo-Orthodoxie - S.R Hirsch 

7 Jüdische Historiographie 

8 Antisemitismus im 19. Jahrhundert 

20. Jahrhundert 



Renaissance jüdischer Kultur in Ost und 
West 

9 Zionismus 

Probleme jüdischer Identität 

10 Die Schoa 
Post-Schoa Problematik 

Juden in Europa, den USA und Israel 
heute 

11 Anhang 

Film: „Juden in Polen" 

Bibliographie 

Zeittafel 

Glossar 






Sprechstunde nach Vereinbarung : 
4277 433-14 
Klaus.davidowicz@univie.ac.at 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

Davidowicz Version 06.07.2003 

SS 2003 Seite 4 



1 JUDENTUM IN DER ITALIENISCHEN RENAISSANCE 



1.1 Einführung 



Es gibt verschiedene Methoden und Ansätze einen Überblick über die Geschichte und 
Religion des Judentums in der Neuzeit zu gestalten. 

Sehr oft wird dabei die Zentrumstheorie angewendet. Dabei geht man davon aus, welche 
jüdischen Zentren die Diaspora besonders beeinflußt oder besondere Werke hervorgebracht 
haben, so wie im Mittelalter Spanien, in der Renaissance Italien und Polen, später dann 
Deutschland und heute Amerika und Israel. 

Eine andere Methode ist es, Personen und ihre Werke in das Blickfeld zu stellen. Das wird 
dann eine Galerie der Persönlichkeiten, von Isaak Luria über Moses Mendelssohn und Franz 
Rosenzweig zu Levinas und Leibowitz. 

Ich neige zu einer Methode, die ein bißchen von beidem ist, aber vor allem eine Frage ins 
Zentrum der Untersuchung stellt: 

• Was war der Antrieb für die j eweiligen Werke, 

• wo liegen die Hintergründe? 

Stellt man sich fortwährend im Laufe der wechselvollen jüdischen Geschichte die Frage nach 
den Ursachen und Hintergründen, schälen sich eine Reihe von Elementen heraus, die immer 
wieder ans Licht kommen und eine kleine jüdische Ideengeschichte bilden: 

• Assimilation, 

• Aufklärung, 

• Reform, 

• Tradition, 

• Kabbai a, 

• Zionismus. 

Elemente, die entscheidend für die jüdische Geschichte waren und sind. 

Diese Elemente möchte ich ihnen anhand von Beispielen aus der jüdischen Geistesgeschichte 

näherbringen. 

Zwei Dinge werden sie hier nicht oder nur wenig davon erfahren, das eine sind bloße 

Aneinanderreihungen von Daten, die können sie in jedem Buch oder in der EJ nachlesen. Der 

zweite Punkt ist, dass ich hier die Geschichte und Religion der Juden behandle, es soll keine 

Abfolge der Verfolgungen und Vernichtungen werden. Es gibt genug Bücher, in denen man 

nachlesen kann, was man Juden alles antat, aber selten finden sie dort, wer diese Juden 

eigentlich waren, was sie gedacht und gemacht haben. 



1.2 2. Geschichtlicher Hintergrund 



Ich beginne heute mit der Renaissance im italienischen 16. Jahrhundert. Hier haben wir das 
geradezu klassische Thema. Judentum und Kultur der Umgebung. 

Wie reagiert das ital. Judentum auf die aufblühende Kultur der Renaissance? 



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Überhaupt nicht oder übernimmt es sie, stellt die eigene Tradition in Frage bishin zur 
völligen Assimilierung oder kommt es zu einer fruchtbaren Entwicklung wie im 
islamischen Spanien? 

Das italienische Judentum ist uralt, es gibt Spuren bereits seit der Römerzeit. Es gab immer 
wieder jüdische Ansiedlungen, stets klein. 

Vor dem 13. Jahrhundert war es einer Handvoll Juden erlaubt, sich nördlich von Rom 
anzusiedeln. Ab dem 13. und 14. Jahrhundert sollte das anders werden. Wie sie wissen, hatte 
die Kirche zu jener Zeit begonnen, Christen die Geldwirtschaft zu verbieten, und Juden war 
der Zutritt zu Handwerkszünften verwehrt, so dass man ihnen den Geldverleih überließ. So 
kam es, dass einzelne ital. Stadtstaaten einzelne jüdische Geldverleiher einluden. Diese 
bekamen eine bestimmte Aufenthaltsgenehmigung, eine condotta= Vertrag. 

Diese widerum zogen andere Juden, teils aus familiären Gründen, nach. So entstanden in 

Ancona, Urbino, Perugia, Padua, Bologna oder Milano kleine jüd. Gemeinden, die von der 

Machtposition der Geldverleiher am Hof abhingen. 

Wenn es zu Vertreibungen kam (meist durch kirchliche Kampagnen, wie von Bernardino von 

Siena oder Antonio von Florenz), wanderte man meist nicht weit, sondern zum nächsten 

Stadtstaat. 

Diese Geldverleiher waren oft nicht nur Finanzmenschen, sondern auch Gelehrte, Ärzte, 

Astrologen, Astronomen, Philosophen oder Kabbalisten. Waren sie es nicht, wurden sie zu 

Mäzenen, die Gelehrte finanziell unterstützten. Ab dem 15. Jahrhundert begannen die 

Gemeinden zu wachsen (dies kann man an der wachsenden Zahl von Synagogen und 

Friedhöfen sehen), dies hing auch mit den Vertreibungen in Spanien und Deutschland 

zusammen. 

1.3 Renaissance 

Die Blüte des jüdisch-spanischen Mittelalters endete nicht mit der Vertreibung. Ihre Erben 
waren die Vertreter der Kultur der italienischen Juden zur Zeit der Renaissance, die sozusagen 
den Epilog dieser Epoche bildet. 



1.3.1 Was war die Renaissance des 15. Jahrhunderts? 



Es war eine Wiedergeburt der Ideale der Antike. 

Das Christentum schüttelte die Ketten der mittelalterlichen Aske und Scholastik ab. Es 

befreite sich von der kirchlichen Überwachung, von den Idealen der Sündlosigkeit und 

Heiligkeit, und schaute auf die Kultur der Griechen und Römer. 

Diese vorchristliche Welt sollte das Modell der Renaissance sein. Der Renaissance-Mensch 

beginnt sein „ich" zu entdecken, seine Freiheit und Unabhängigkeit, seine Individualität, sein 

Selbstbewußtsein und seinen freien Willen. 

Drei Hauptlinien entwickelten sich: 

• der Aristotelismus, 

• der Humanismus und 

• Neoplatonismus. 

Der Humanismus schaute auf den Menschen, nicht auf seine Herkunft, seine Klasse. So hatten 
die Juden oft viel größere Freiheiten als anderswo. 



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1.3.2 Judentum 



In den ital. Universitäten studierten Juden Naturwissenschaften, Astronomie und Medizin. 

Unter Leo X. (Giovanni de Medici) als Papst in Rom, lebten die Juden Roms so friedlich, 
dass sie nach Jerusalem schrieben, ob es schon Zeichen dafür gegeben hätte, dass die 
messianische Ära bereits begonnen habe. Natürlich waren die Bedingungen unter denen 
Juden lebten, von Stadt zu Stadt anders. In der Renaissance wurden die pantheisti sehen Ideale 
der Antike, die Vielzahl der Götter und die Kraft und Schönheit der Körper wiederentdeckt. 
Denken Sie an die Sixtinische Kapelle des Michelangelo, wo Gott dargestellt ist, der Adam 
schafft. 

Wie wirkte dies auf Juden ? 

Frühe Erforschungen der Juden in der Renaissance (wie Cecil Roth) sind trotz ihres durchaus 

lesenswerten Stils als überholt zu betrachten - neuere Erforschungen sind von Robert Bonfil 

oder David Ruderman. 

Roth sah in der jüd. Renaissancekultur eine Imitation. Juden schufen in Genren, die typisch 

für die Renaissance waren: Geschichte, Rhetorik, Biographie und Poetik, und bisher im 

Judentum vorherrschende lit. Gattungen, wie Auslegung, Predigt, Grammatik und Poetik 

wurden humanistisch modifiziert. Roth schrieb, „Wi es kristelt sich, azoi yidelt sich"- so wie 

es der NichtJude macht, so macht es der Jude nach. Das ist Unsinn durch eine traditionelle 

Brille gefiltert. Die jüd. Kultur der Renaissance war ein fruchtbares Aufnehmen von ganz 

bestimmten Werten unter einer bestimmten Auswahl. 

Sie übernahmen nicht das humanistische Weisheitsideal der Griechen und Römer. Ihnen 

wurde bewußt, als sie in ihre eigene Vergangenheit schauten, dass sie selbst eine Weisheit, 

eine Sprache und Literatur besaßen, die älter als die der Griechen und Römer war. 

Um zu vermeiden, die fremden Völker nachzuahmen, versuchten sie zu beweisen, dass in 

ihren Quellen bereist die humanistischen Ideale und Weisheiten existierten und diese die 

Griechen und Römer beeinflußt hatten. 

Sie schrieben Werke zu Grammatik, Rhetorik, Poetik, Geschichte und polit. Philosophie, auf 

hebräisch oder italienisch, indem sie biblische Modelle anstatt der griech.-röm. heranzogen. 



1.3.3 Beispiele für die jüd. ital. Renaissance 



Es entstand eine Öffnung zu einer Welt, die sich im Aufbruch befand, und keine Assimilation, 
es war stattdessen eine Teilnahme an der Renaissance mit ihrer Betonung der freien 
Forschung. 

Der Arzt Mose di Rieti (1388-1460) 

schrieb eine Art hebräische Divina Comedia (Dante) und 
Jehuda ben Issak Arbabanel (Leone ebreo, 1460-1 523) 

schuf mit den Dialoghi di amore ein wichtiges Stück Renaissance-Philosophie. Es geht 

um die Liebe, das Wichtigste ist nicht der Besitz, sondern der Genuß des Schönen und 

Guten, verkörpert durch den Geliebten. 

Yehuda Messer Leon (1420-1490), 

Arzt und Lehrer, der in Padua, Mantua und Neapel lebte. 

Wichtigstes Werk ist „The Book of the Honeycom's Flow-Nofet Tzufim" (Mantua 

1475, engl. 1983). Er hatte Rhetorik studiert und versuchte diese in der Bibel zu 



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entdecken. Er kam zum Schluß, dass alle Lehren der Rhetorik dort zu finden sind, ja, 

dass diese die Quelle der Rhetorik sei. 

Z. B: Psalm 45 beginnt mit „Nach der Weise der Lilien" In dem Wort 
„Schoschanim" sah er das „Schesch", was auf die sechs Teile der Rhetorik 
hinweist: Einführung, Erklärung der Fakten, Teilung, Beweis, Widerlegung, 
Schluß. Er verstand unter diesem Psalm eine rhetorische Beweisführung über 
den Messias, seine Taten und Eigenschaften, aufgrund dessen man ihn als 
Messias erkennt. Oder 2 Sam 14, 1-20 enthält eine Unterhaltung, die er als 
Beispiel der Rhetorik ausweist. 

Die Poeten hatten es einfacher, in der Bibel Beispiele poetischer Natur zu finden, wie es der 
erste jüd. Historiker seitFalvius Josephus, Azariah de Rossi (1511-1578), unternahm. Man 
hatte das Studium der Geschichte als Zeitverschwendung betrachtet, gleich ob man 
Talmudist, Philosoph oder Kabbaiist war, alle lehnten die Geschichte ab. 

Nun wurden allein im 16. Jahrhundert rund ein Dutzend historischer Arbeiten verfaßt. Dies 
zeigt eine bedeutende Veränderung an, die auf humanistisches Gedankengut zurückgeht. Man 
sollte in die Geschichte zurückgehen, um auszuwählen und zu studieren, um daraus für die 
Gegenwart zu lernen. 

Rossis „Meor Enajim-Erleuchtung der Augen" 

von 1573 entstand zufällig. Er floh nach einem Erdbeben 1571 aufs Land. Dort 
befragte ihn ein christlicher Gelehrte nach dem Original des Aristeasbriefes. So 
neugierig geworden befaßte er sich mit Schriften, deren Original verloren oder einfach 
vergessen war. Sein dreiteiliges historisch-kritisches Werk beschäftigt sich seit 
vielerlei Themen, wie Philo, der Septuaginta, jüdischer Chronologie. Er bewies, dass 
die Bezeichnung „seit Erschaffung der Welt" mittelalterlich ist, ebenso wie der 
„antike" Jossipon. Er verglich rabbin. Tradition mit profaner Litertaur als 
Kontrollinstanz. Sein Werk wurde heftig bekämpft, Josef Karo erließ sogar ein Dekret, 
dass man das Buch verbrennen müsse, starb jedoch vorher. Man durfte es erst ab 25 
lesen. Die Haskala entdeckte es wieder und ließ es 1794 neu drucken. 

Ein markantes Beispiel für die Biographie ist Yochanan Alemanno (1435-1504), ein Lehrer, 
Rabbiner und Arzt. Er verfaßte das „Lied von Shlomos Aufstieg", indem er zeigte, dass 
König Shlomo ein „uomo universale", ein „chakham shalem" gewesen sei, indem er alle 
bekannten Künste und Wissenschaften beherrscht hat. 

Erst die Renaissance, die den Menschen ins Zentrum rückte, machte eine literarische Gattung 
wie die Biographie möglich. 

Leone (Yehuda Arie) Modena (1571-1648) 

aus Venedig war Dichter, Prediger, Musiker, Astrologe, Alchemist und Spieler. In 
„Qol Sakhal -Stimme des Unvernünftigen" griff er die rabbinische Tradition an und 
betrachtete die Vervielfältigung der Gebote als Mittel, mit der die Rabbinen über das 
jüdische Volk herrschen wollen. Sein „Chajje Jehuda = Das Leben Jehudas" ist eine 
offene Autobiographie, über gescheiterte Liebe, gescheiterte Berufe, immerhin 26, 
Spielleidenschaft etc. 

Yehuda Portaleone aus Mantua 



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suchte in der Bibel das Vorbild für Bühnenstoffe, für Dramen und Tragödien und 
erkannte, dass Job die Urzelle der Tragödie sei. In den Midraschim fand er Vorbilder 
der geistvollen Komödie. 

Umgekehrt beeinflußten auch viele jüd. Gelehrte christliche Gelehrte und Gedankengut. Viele 
der Humanisten in Florenz suchten nach der verlorenen gemeinsamen Urtradition aller 
Weltreligionen. Der erste Anhänger der Richtung, die glaubte, in der Kabbala die verlorene 
Uroffenbarung zu finden, um zu einem tieferen Verstehen der antiken Philosophen, aber auch 
des christlichen Gedankentums zu gelangen, war der Humanist 
Graf Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494). 

Schon sehr früh lernte Pico viele Sprachen, darunter Arabisch und Chaldäisch, sowie 
Philosophie und Theologie. Pico sah in der Kabbala eine geheime jüdische 
Überlieferung, die bereits oben erwähnte "verlorene Urtradition" der Menschheit, die 
eine Vor-Deutung des Christentums beinhaltet. Wie sehr Pico aber auch unter dem 
Eindruck des Neupythagoräismus mit seiner besonderen Wertschätzung der Zahl 
stand, zeigt sein Interesse für Buchstabenkombinationen und Sprachspekulationen. In 
seiner Schrift "Heptaplus" erklärt Pico bspw., das hebräische Wort für Himmel, 
schamajim, setze sich aus esch = Feuer und majim = Wasser zusammen. Wie groß die 
Ignoranz dem Judentum gegenüber war, aus welchen Verdrehungen und Verzerrungen 
das Bild des Juden in der damaligen Zeit geprägt war, zeigt Pico in seinem Buch 
"Über die Würde des Menschen" : "Schon beim Hören des Wortes Kabbala schien 
meine Gegner ein Entsetzen zu üb erschleichen. Unter der Kabbala stellten sie sich 
nicht Menschen, sondern Zaubertiere, Kentauren oder irgendwelche Wunderwesen 
vor. Eine amüsante Episode. Einer der Gegner wurde gefragt, wer denn eigentlich 
Kabbala sei. Er antwortete: Das war ein abtrünniger Wicht und ein dämonischer 
Gesell, der Verfasser vieler Schriften gegen Christen. " 

Pico beabsichtigte, einen Philosophenkongreß in Rom abzuhalten und dort die von 
ihm aufgestellten 900 Thesen zur Diskussion zu stellen. 

Eine der Thesen lautet: 

"Es ist kain Kunst, die uns mer gewiss mach von der gothait Christi dan Magia 
und Cabala." Die päpstliche Kurie untersagte den Kongreß, worauf Pico eine Ver- 
teidigung seiner Thesen 1486 veröffentlichte, was einen päpstlichen Bann zur Folge 
hatte. 

Vier Jahre später traf Pico mit dem deutschen Humanisten Johannes Reuchlin (1455- 
1522) in Florenz zusammen. Durch diese Begegnung wurde Reuchlin sehr beeindruckt 
und Picos Schriften regten ihn an, sich selbst mit der Kabbala zu beschäftigen. Sechs 
der neun Hauptarbeiten Reuchlins haben die hebräische Sprache und das Judentum 
zum Thema, zwei darunter die "receptio symbolica" der Juden, die Kabbala. Das erste 
Buch Reuchlins, das sich mit Problemen des Judentums ernsthaft befaßt, "De Verbo 
Mirificio", steht noch unter den frischen Eindruck der Begegnung mit Pico und der 
Beziehung zu dem hochgebildeten jüdischen Arzt Jakob ben Jechiel Loans in den 
Jahren 1492-1493. 

Reuchlin 

schuf mit seinem Werk 'De Verbo." eine bunte Mischung aus Theologie, Philosophie, 
wie bspw. die neuplatonischen Spekulationen über die Urtradition, und Dichtung. 'De 
Verbo." stellt natürlich das Christentum als die wahre Religion heraus. Dabei stellt 



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Reuchlin manche Begriffe wie bspw. die "Traditionskette" oft verwirrend oder einfach 
falsch dar. Das "wundertätige Wort" ist der Gottesname. 

Der Höhepunkt von Reuchlins Schrift ist Capnions Erklärung der drei schöpferischen 
Gottesnamen in drei verschiedenen Weltzeitaltern. 

• Im ersten Weltzeitalter, dem der Natur, habe der dreikonsonantige Gottesname, 
Schin, Dalet und Jod = Schadai schöpferische Kraft, 

• im zweiten, dem Zeitalter des Gesetzes, besitze das Tetragrammaton Jod, Heh, 
Wav, Heh diese Macht und 

• im dritten, der Zeit der Gnade oder Erlösung, hätte, durch die Einschiebung 
eines Schin, der Name Jod, Heh, Schin, Wav, Heh = Jeschuh (die hebräische 
Form von Jesus), dieser die Kraft der Schöpfung. Der Name Jesu sei das 
verbun mirificum, in dem der unaussprechliche Name Gottes aussprechbar 
geworden sei. 

Reuchlins Spätwerk, "De Arte Cabbalistica" , ist der erste bedeutende Schritt zur 
europäischen Kabbai aerforschung. Hier wird die Kabbala als Urtradition befunden, die 
göttliche Dinge zum Inhalt hat und bereits durch Adam im Paradies von der 
Menschheit "empfangen" wurde, während früher Reuchlin Abraham als Überlieferer 
dieser verlorenen Wahrheiten bezeichnet hatte. 



1.3.4 Niedergang 



Im 16. Jahrhundert, dem Zeitalter der Reformation, sank der Zenit der Renaissance und der 
jüdischen Kultur in Italien, die Zeit des Ghettos begann (bis 1800). Dies hängt auch mit den 
Kämpfen der Reformation und Gegenreformation zusammen. Die Kirche verteidigt und 
spaltet sich, was in blutige Kriege mündet. 

Während der Gegenreformation wird die völlige Trennung der Christen von anderen 
„schädlichen" religiösen Einflüssen gefordert. 

1516 wird das Ghetto von Venedig (Wandlung des Wortes Ghetto, zuerst bezeichnet es nur 
die Gegend, in der das Judenquartier liegt, neben einer Gießerei getto, die Juden 
beziehen das auf das Wort get Scheidung, daher im Laufe der Zeit Ghetto als 
Synonym für die Trennung) gegründet, 

1553 befiehlt Julius III. eine Talmudverbrennung, 

1555 gibt Paul IV die Bulle "Cum nimis absurdum" heraus, wodurch 

1555 das Ghetto von Rom entsteht. 



2 JUDEN IN POLEN 

Die Erforschung der Geschichte der Juden in Polen beginnt mit Pionieren wie Moses Schorr, 
Majer Ba 3 aban und Simon Dubnowl. Nach ihnen haben u.a. S.W. Baron^, Alexander Hertz, 
Moses Shulvass^, Bernard Weinryb und Gershon David Hundert^ umfassende Forschungen 



1 Simon Dubnow, History of the Jews in Russia and Poland from Earliest Times to the Present Day, Philadelphia 
1916. 

2 S. W. Baron, A Social and Religious History of the Jews, Bd. 3 1957 Bd. 10 1965 Bd. 16 (Poland-Lithuama 
1500-1650) 1976 

3 Moses A. Shulvass, Jewish Culture in Eastern Europe. The Classical Period, New York 1975. 



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vorgelegt, die in den letzten Jahren von Institutionen wie dem „Center for Polish-Jewish 
Studies"5 in Oxford, dem „Research Center on Jewish History and Culture in Poland" an der 
Jagiellonen Universität Krakau^ oder dem „Institut für die Geschichte der Juden in Polen" 7 in 
Warschau fortgeführt werden. Dennoch steht noch vieles aus.8 

„Ba 3 abans Werk wartet auf Historiker, die es, gestützt auf neue methodologische 
Einsichten und einen erweiterten Wissensstand, in neuer Weise fortführen. Die 
Wissenschaft, das polnische und das jüdische Volk sowie beider Kultur haben solche 

Historiker bitter nötig. "9 

Der Schriftsteller S.J. Agnon erzählt auf legendäre Weise über die Anfänge des jüdischen 

Polen: 

„Israel sah, dass die Verfolgungen immer weiter gingen, dass immer neue Nöte über 
sie hereinbrachen, dass die Unterdrückung immer härter wurde und die Herrschaft des 
Frevels immer neue Verhängnisse über sie verfügte. Da standen sie nun am Kreuzweg 
und fragten sich, welchen Pfad sie wählen sollten, um ihren Seelen Ruhe und 
Erholung zu finden. Da fiel ein Zettel vom Himmel: Geht nach Polen! (...) Warum 
aber nannten sie es Polen? Es sprach die Gemeinde Israel vor dem Heiligen, gelobt sei 
Er: Herr der Welt, wenn die Stunde meiner Erlösung noch nicht gekommen ist, 

nächtige hier mit uns in der Nacht der Zerstreuung meines Volkes." 10 

Polin, hebr. für Polen, ergibt durch die Silbentrennung das Wortspiel po-lin („hier 
übernachte"). Dieses Wortspiel stammt von dem herausragenden Krakauer Talmudgelehrten 
R. Moses b. Israel Lazarus Isseries (gen. ReMa, 1525-1572). Wie beliebt solche 
volkstümlichen Etymologien und Wortspiele waren, zeigt die sehr ähnliche Geschichte aus 
dem osmanischen Reich über die Stadt Konya. 

„Zwei Heilige kamen von Khorassan, sanft fliegend und schwebend, bis sie die Gipfel der 
beiden Berge sahen, die die Konya-Ebene begrenzen. Der Anblick gefiel ihnen, und einer 



4 Gershon David Hundert, The Jews in a Polish Private Town, The Case of Opatöw in the Eighteenth Century, 
Baltimore 1992; ders., Security and Dependence: Perspectives on Seventeenth-Century Polish-Jewish Society 
Gained through a Study of Jewish Merchants in Little Poland, Diss., Columbia University New York 1978. 
-> Das Center for Jewish-Polish Studies gibt die Zeitschrift „Polin" heraus. Daneben erscheinen die dort 
stattfindenen Symposien, wie „The Jews in Old Poland 1000-1795", hg. von Anthony Polonsky, Jakub Basista 
und Andrzej Link-Lenczowski, Oxford 1993. 

" Das Krakauer „Research Center" gibt u.a. die „Studia Polono-Judaica" (1991- ) heraus und das Sammelwerk 
„The Jews in Poland (1992 - )". 

' Das Warschauer „ ydowski Instytut History czny w Polsce" gibt u.a. die Zeitschrift „Biuletyn ydowskiego 
instytutu history cznego" (1954- ) und die Reihe „Dzieje ydöw w Polsce" („Geschichte der Juden in Polen") 
(1993- ) heraus. 

° Eine ausgezeichnete Bibliographie ist „The Jews in Poland and Russia. Bibliographical Essays", hg. von 

Gershon David Hundert und Gershon C. Bacon, Bloomington 1984; eine sehr gute Quellensammlung ist Dieter 

Fettke, Juden und NichtJuden im 16. und 17. Jahrhundert in Polen, Frankfurt a.M. 1986, eine Analyse der 

gesellschaftlich-ökonomischen Beziehungen zwischen Juden und NichtJuden im Spiegel rabbinischer 

Responsen. 

^ Jacob Goldberg, Majer Ba 3 aban - der führende Historiker der polnischen Juden, in: Judaica 51, Heft 1, Basel 

März 1995, S. 17. 

10 S.J. Agnon, Polen (hebr.), Tel Aviv 1929, S.9. 



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fragte den anderen: 'konalim mi?' - (Sollen wir uns hier niederlassen?), und der andere 
antwortete: 'Kon ya!' (Gewiß, laß dich nieder!)"! 1 

2.1 Das goldene Zeitalter 

Das viel gerühmte goldene Zeitalter der Juden in Polen blühte als auch Polen auf dem Zenit 

stand: ca. 1500-1648. Nach Verfolgungen in Deutschland, vor allem zwischen 1298 und 

1348. 

Der päpstliche Legat Kardinal Commendoni schrieb um 1565: 

„In diesen Gegenden sind große Massen von Juden anzutreffen, denen man hier noch 
nicht die gleiche Verachtung wie sonst entgegenzubringen pflegt. Ihre Lage ist bei 
weitem nicht so elend und ihre Beschäftigungen nicht durchweg erniedrigender Art; 
vielmehr gibt es unter ihnen Grundbesitzer, Großkaufleute und auch Männer, die sich 
mit dem Studium der Medizin und der Astronomie abgeben. Sie besitzen große 
Reichtümer und werden nicht nur zu den anständigen Menschen gezählt, sondern sind 
diesen zuweilen sogar übergeordnet. Weit davon entfernt, irgendein sie von den 
Christen unterscheidendes Abzeichen zu tragen, erfreuen sie sich sogar des Rechtes, 
Waffen bei sich zu führen, wie sie denn überhaupt im Genüsse des Vollbürgerrechtes 

sind." 12 

Im 15. Jahrhundert gab es mehr als 60 Gemeinden, zwischen 20. und 30.000 Juden, im 16. 

100.000, um 1648 300.000. 

Im 14. und 15. Jahrhundert waren Juden in allen Sparten des Handels tätig, von Vieh bis 

Kleidung, handelten mit Venedig und Italien, Krim und Konstantinopel. Zunächst war im 15. 

Jahrhundert ein deutlich rationaler Strang unter den Juden zu sehen. Sie lernten die 

traditionellen Schriften, aber auch Astronomie und Medizin, und Philosophie, vor allem eine 

Vorliebe für den Aristotelismus. 

Litauen, vor allem Wilna, sollte eine Hochburg der Tradition, verstärkt durch Rationalismus, 

bleiben. 

Im 16. und 17. Jahrhundert war Polen, gleich mit dem ökonomischen und demographischen 
Wuchs, das Zentrum der Aschkenasi sehen Kultur. Mordechai b. Abraham Jaffe, Schalom 
Schachna aus Lublin, Salomo Luira, waren große Talmudgelehrte. Moses Isseries hatte die 
Glossen zum Schulchan Aruch verfaßt. Man baute nicht nur faszinierende Holzsynagogen, 
sondern auch der hebräische Buchdruck florierte. Purim wurde wie Karneval gefeiert, Spiele 
und Stücke und Volkslieder zeigen. 



2.1.1 Vierländersynode 



Die jüdische Selbstverwaltung fand ihren bedeutendsten Ausdruck in der 1580 gegründeten 
„Vierländersynode" (Großpolen, Kleinpolen, Ruthenien, Litauen). Etwa 730 Gemeinden 
wurden in diesem Rat vertreten. 1623 wurde der selbständige Sejm („Rat") der Juden 
Litauens gegründet. 

Neben religiösen und sozialen Belangen zahlte die Synode die seit 1549 eingeführte 
Kopfsteuer der Juden an die Krone. Diese goldene Zeit darf man sich nicht als eine sorglose 



1 1 Zitiert nach Annemarie Schimmel, Mystische Dimensionen des Islam, die Geschichte des Sufismus, München 

1995, S.463. 

12 Julius Höxter, Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur, Band 2, Zürich 1983, S.56. 



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Zeit vorstellen. Es ging den Juden einfach besser als in anderen Ländern, in denen sie noch 
härter verfolgt wurden, bzw. die Ansiedlung noch stärker erschwert wurde. 

2.2 Ritualmordlegende - Verfolgungen - Kossakenmassaker 

Die polnisch-jüdische Geschichte kennt eine nahezu endlose Reihe von 
Ritualmordbeschuldigungen, wie 1598 in Lublin, obwohl König Stephan Bathory die 

Blutbeschuldigung unter Strafe gestellt hatte. 13 

Trotz königlicher Privilegien (wie das aus dem Jahr 1453 durch König Kazimierz IV. 
Jagiellonczyk) kam es aus religiösen, ökonomischen oder politischen Gründen immer wieder 
zu mehr oder minder schweren Verfolgungen, wie 1483 zur Vertreibung aus Warschau und 
Krakau und 1495 aus Litauen. 

Der polnische AntiJudaismus wurde stets von der katholischen Kirche gefördert, wie die 
antijüdische Synode von 1420 oder Erscheinungen wie der Franziskanermönch Johannes 
Capistrano, der um 1453 als „Judengeißel" bezeichnet wurde, zeigen. Aus dem früheren po- 
lin wurde po-lon-jah („hier ruhte Gott") im 17. Jahrhundert. 

Historische Eckdaten sind der westfälische Frieden von 1648 und die erste polnische Teilung 
von 1772. In diesen 130 Jahren führten Kriege und Aufstände zur ökonomischen 
Destabilation des Landes und zu einer tiefen Krise der jüdischen Gemeinden. 

Nach der Einschränkung der Handelsrechte wandten sich die Juden verstärkt der Pacht zu. Als 
Verwalter polnischer Güter gerieten sie zwischen zwei Fronten - auf der einen Seite standen 
die katholischen adligen Gutsbesitzer und auf der anderen die entrechteten russisch 
griechisch-orthodoxe Leibeigenen. Die Gleichgültigkeit und Verachtung des Pan („Herr") 
gegenüber seinen Knechten wurde mit grenzenlosem Haß vergolten, der meist die 
verwaltenden Juden traf. 

Die Bauern schlössen sich hier und dort zu kriegerischen Verbänden zusammen. Gegen Ende 

des 16. Jahrhunderts hatte sich bereits eine Kriegergemeinschaft auf der Dnieper-Insel Sie - 

die Zaporager (von za porogami „jenseits der Stromschnellen") mit Kosaken - 

zusammengeschlossen. 

Es waren freie Krieger, die von Beutezügen lebten. Die unterdrückte Leibeigenenschaft sah in 

ihnen eine „nationale Garde", von denen sie sich die Freiheit erhofften. 

Von 1591 begann eine Reihe von Kosakenaufständen, wobei es, wie 1637, zu Pogromen 

kam. 

Der große Kosakenaufstand wurde erst 1648 (nach jüd. Zählung 5408) unter Bohdan 
Chmielnicki (1595-1657)14 entfacht, jenem Jahr, das nach einer Stelle des Zohar das 
Erlösungsjahr sein sollte^. 



13 Simon Dubnow, Weltgeschichte des jüdischen Volkes, Berlin 1925-30, Band VII, S.120IT. 

14 Siehe: Bernard Weinryb, Hebrew Chronicles on Bohdan Khmel'nyts'kyi and the Cossack-Polish War, in: 
Harvard Ukrainian Studies, Bd. I. 1977, S. 153-177; Joel Raba, Between Remembrance and Denial, the Fate of 
the Jews in the War of the Polish Commonwealth during the Mid-Seventeenth Century as shown in 
contemporary Writings and Historical Research, New York 1995. 

15 Zohar I, 139b (Midrasch haNeelam). 



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Diese Zeit sollte als gezerot tach we-tat („Vertreibungen der Jahre 408 und 409 ") in die 

jüdische Geschichte eingehen. 

Durch den Kosakenaufstand, der sich gegen Polen und Juden richtete, wurden ca. 300 

jüdische Gemeinden vernichtet und ca. 100.000 Juden auf grausame Weise ermordet, wie 

man in zeitgenössischen Chroniken lesen kann: 

„Den einen zog man die Haut ab, um das Fleisch den Hunden vorzuwerfen, andere 
wieder wurden bei lebendigem Leibe begraben; schwangeren Frauen schlitzte man den 

Bauch auf, Säuglinge wurden auf Lanzen gespießt und den Müttern gereicht." 16 

R. Shabbetai Sheftel Horowitz bezeichnete die Massaker als „dritte Tempelzerstörung". 17 

Chmielnicki gilt in der Ukraine bis heute als bedeutender Freiheitskämpfer und seine 
Reiterstatue ziert einen Platz in Kiew. Tossafot Yom Tov ben Nathan Heller verfaßte unter 
dem Eindruck der Massaker das Klagelied „El Male Rachamin". Polen wurde durch die 
Invasion Moskaus (1654) erschüttert, wobei es zu weiteren Massakern an der jüdischen 
Bevölkerung während des Schwedeneinfalls (1655) kam. 

In Folge des sogenannten „Krieges der blutigen Sintflut" blieben von etwa 450 000 Juden 

180 000 übrig. 18 Der türkisch-polnische Krieg, der offen im Dezember 1671 ausgebrochen 
war, hatte dazu geführt, dass die Ukraine und Podolien durch den „Vorfrieden von Buczacz" 
von 1672 türkisch wurden. Erst durch den „Frieden von Karlowitz" 1699 wurden 
Polen/Litauen die Grenzen von 1668 wieder zugestanden. Der „Große Nordkrieg" (Ende 
1721), Hungersnöte, Pest, Zerstörung der Städte, Inflation taten ein Übriges, um das soziale 
Gefüge zu unterhöhlen. 

Bei den Hajdamakenrevolten (1734-1736) wurden wiederum jüdische Gemeinden vernichtet 
und ca. 100 000 polnische und jüdische Menschen fanden den Tod. Das am Abgrund 
befindliche Polen erließ eine Flut von Steuererhöhungen für die polnischen Juden. Da die 
Selbstverwaltung die Garantie für die Schulden der Einzelnen übernommen hatte, konnte sie 
den Forderungen des Staates nicht mehr nachkommen und musste erhebliche Schulden 
machen. 

Die „Vierländersynode" wurde 1764 ganz abgeschafft und der polnische Sejm zog von 
diesem Zeitpunkt an die Kopfsteuer direkt ein. Die soziale Desorganisation schuf Spannungen 
zwischen den Gemeindeführern und den Mitgliedern. Posten wurden für persönliche Vorteile 
ausgenützt. Die moralische Autorität der Rabbiner und Vorstände der Gemeinden geriet ins 

Wanken, da Posten mit denjenigen besetzt wurden, die das meiste Geld bezahlen konnten. 19 
Mitunter wurde die Führung der Gemeinden von Familienclans bestimmt. Die Yeshiwot 
konnten durch die Flut der Steuererhöhungen oft nicht mehr erhalten werden. Die 
traditionellen Strukturen der Gemeinden wurden zunehmend scharf kritisiert und viele 
suchten Schutz bei nichtjüdischen Gerichten. 

Die folgende Beschwerde jüdischer Bürger aus Litauen ist symptomatisch für jene Zeit: 



1" Nathan Hannover, Yeven, S.45. 

1 ' Shmuel Ettinger, Bogdan Chmielnicki, in: EJ, Jerusalem 1972, Band 5, S.483. 

18 H. Roos, Polen von 1668-1795, in: Handbuch der europäischen Geschichte, Band 4, Stuttgart 1968, S.696- 
698 

19 Dubnow, Geschichte VII, S.1721T 



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„Wir, die jüdischen Einwohner von Schaulen, erklären mit Tränen in den Augen, dass 
wir weder einen Rabbiner noch Obere brauchen... da sie Erpressung treiben, 
miteinander Übles aushecken und uns ganz und gar zugrunde richten, und da sie 
miteinander versippt sind, berauben sie uns unserer letzten Münze, nur um sich selbst 
zu bereichern. "20 

Im Zuge der immer lauter werdenden Kritik an den Führern der Gemeinde, wandelten sich 
Vereine - wie die Handwerkerinnungen, die eigene Betstuben oder Synagogen unterhielten - 

zu einer massiven Opposition. 21 Diese Kritik fand ihren Niederschlag in der „Musar"- 
Literatur mit Schriften wie R. Berechja Berach ben Eliakim Getz' „Sera Berach Schelischi". 
Die Schwäche der Selbstverwaltung wurde von der Kirche, sowie von staatlichen Organen, 
geschickt genützt. Sie mischten sich ein, wenn es um die Besetzung von jüdischen Ämtern 
ging. Ein christlicher Missionar schrieb damals über den Niedergang der jüdischen 
Autonomie: 

„Wie kindisch und lächerlich ist es doch, von eurer Macht und euren Freiheiten zu 
reden, da ihr sogar das Recht, euren Bräuchen nachzugehen, von den christlichen 
Herren käuflich erwerben müsset! Auch eurem Rabbiner wird sein Amt nur dadurch 
zuteil, dass es für ihn bei dem ortsgewaltigen Christen auf Lebenszeit gekauft oder für 
eine bestimmte Frist gepachtet wird. In gleicher Weise ersteht ihr auf Lebenszeit oder 
für eine bestimmte Frist die Würde des Kahalältesten. Weder wäre euch der Besitz 
eurer Synagogen sicher, noch eine jüdische Lebensweise möglich, wenn ihr nicht dem 
Staate als Ganzem und außerdem jedem Wojwoden, Unterwojwoden und allen 
sonstigen Beamten Tribut zollen würdet."22 

Die Zahl der Ritualmordprozesse nahm in den Jahren 1700-1760 erschreckend zu. 23 

Wie z. B. in ytomierz (1753). 

In ytomierz starb ein Kind und der korrupte Bischof Kajetan So 3 tyk hatte 33 Juden verhaften 

und foltern lassen. Der Bischof konnte während der Untersuchungen 500 Dukaten und Pelze 

erpressen. 24 

Der dänische Botschafter in Warschau Beregard berichtete über ihn: 

„Der Bischof spielt gerne Karten und liebt den Luxus, spielt aber den Glaubenseiferer, um der 

Königin zu gefallen... "25 

Und Beregards Nachfolger Haxthausen schrieb über So 3 tyk: 

„So 3 tyk hat sich auf 200.000,- Dukaten verschuldet - sein jährliches Einkommen beträgt 

45.000,- fl., er fährt daher aufs Land, läßt einige der Magie verdächtige Juden verbrennen, um 

sie zu beerben. "26 

Die meisten der verhafteten Juden wurden zu einem grausamen Tod verurteilt: 



2 ^ P. Marek, Ewreiskaia Starina 12 (1928), S.89, zitiert nach Geschichte des jüdischen Volkes, hg. von Haim 
Hillel Ben-Sasson, München 1980, Band 3, S.51. 

21 Ben-Sasson, Geschichte, S.52. 

22 Ben-Sasson, Geschichte, S. 173-174. 

2 -'Samuel Aba Horodezky, Mystisch-religiöse Strömungen unter den Juden in Polen im 16.-18. Jahrhundert, 
Leipzig 1914, S.67. 

24 Ba'aban, Studien und Quellen, S.43. 

2 - ) Zitiert nach Ba 3 aban, Studien und Quellen, S.44. 

2 " Zitiert nach Ba 3 aban, Studien und Quellen, S.44. 



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„Der Henker soll ihnen die Arme und Hände mit Baumwolle umwickeln, dieselben 
mit Pech belegen und anzünden. So sollen sie mit brennenden Armen und Händen 
durch die Stadt getrieben werden, wonach der Henker einem jeden drei Hautstreifen 

schinden und dann alle lebend vierteilen soll. "2 7 

Es gab eine öffentliche Entrüstung in Polen über die Vorgehensweise des betrügerischen 
Bischofs. Erst durch einen weiteren Ritualmordprozeß wendete sich das Blatt. 

Auf Betreiben des Bischofs Anton Wo 33 owicz wurde versucht, den Juden von Jampol einen 
Ritualmord unterzuschieben. Man verhaftete 15 und folterte sie, wobei zwei starben. Einer 
von ihnen, Eliakim ben Asser Selig, konnte fliehen und informierte die Vierländersynode, die 
wiederum Selig als Vertreter zu Papst Benedikt XIV schickte. Der Papst beauftragte im 
Sommer 1758 den Nuntius Visconti in Warschau mit einer Untersuchung. Diese zog sich in 
die Länge. Aber die Propagandamaschine drehte sich weiter. 

Die antijüdische Hetzschrift des Franziskanerpaters Gaudentius Pikulski wurde auf lateinisch 
und polnisch in Lemberg 1760 veröffentlicht. Z 3 o(ece Yydowska przeciwko Bogu i 
blifniemu.... („Die jüdische Bosheit gegen Gott und den Nächsten..."). In Pikulskis Schrift war 
ein Büchlein von Jan Serafinowicz mitabgedruckt, dessen Wahn sich gut mit Pikulskis 
Propaganda zusammenspannen ließ. 
Laut Dubnow war Serafinowicz ein Rabbiner, der geisteskrank wurde. Trotz seiner 

offensichtlich gestörten Psyche ließen ihn Priester auf den Namen Michael Neophyt taufen. 28 
Serafinowicz' Traktat durchzieht der Gedanke, Juden brauchten christliches Blut. Dabei 
erreicht er schwindelerregende Höhen des Wahnwitzes, indem er bekannte Riten verdreht und 
neue erfindet: bei der Hochzeit würden die frisch Vermählten nicht einen Schluck Wein, 
sondern Christenblut trinken, einem Toten würde man ein mit Blut getränktes Ei auf die 
Augen legen, der geschäftliche Erfolg von Juden hänge von einem mit christlichem Blut 
geschriebenen Talisman ab etc. Aufgrund der in diesem Buch beschriebenen Lügen wollte 
der Kleinsejm des Adels zu Wisznja 1761 folgende Punkte durchsetzen: alle jüdischen Bücher 
sollen verbrannt werden, im Schrifttum und im Gottesdienst dürfe nur noch Polnisch oder 
Latein benützt werden, jeder jüdische Gottesdienst solle von zwei Christen bewacht 
werden. 29 

Doch die Ritualmordbeschuldigungen hängen nicht nur mit übler Propaganda und 
allgemeinem Judenhaß zusammen. Durch zunehmenden Bevölkerungswachstum verarmten 
die unteren Schichten immer mehr. Um das Leben der Familie zu erhalten, wurde oft ein 
ungewolltes Neugeborenes ermordet. Auch Kinder vermeintlich untreuer Frauen wurden 
Opfer. Durch den Druck der antijüdischen Propaganda der polnischen Kirche wurden 

Kindsmorde als Ritualmorde getarnt. 30 

Erst 1763 gelang es den jüdischen Gemeinden bei Papst Clemens XIII. eine Art von 
Sendschreiben als Schutzbrief zu erhalten. Verfaßt hatte es della Serras Nachfolger Nuntius 
Visconti in französischer Sprache, als Adressat war Minister Graf Brühl vermerkt: 



27 Ba 3 aban, Studien und Quellen, S.40 

28 Dubnow, Geschichte, Band 7, S.124. 

29 Dubnow, Geschichte, Band 7, S.156. 

™ Hillel Levine, Economic Origins of Antisemitism, New Haven 1991, S. 183-190. 



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„Seine Heiligkeit möchte zur allgemeinen Kenntnis bringen, dass der Heilige Stuhl 
zuletzt alle Begründungen untersucht hat, auf die die Meinung gestützt ist, dass die 
Juden menschliches Blut brauchten, um Mazze zu machen und dass sie daher schuldig 
seien am Mord christlicher Kinder. Die Untersuchung ergab, dass man erkannt hat, 
dass es überhaupt keine genügend klaren und sicheren Beweise gibt, die ausreichen 
würden, um das Vorurteil aufrechtzuerhalten, und dass man sie wegen solcher 
Verbrechen für schuldig erklären könnte. Daher darf man im Fall solcher Anklagen 
das Urteil nicht auf die erwähnten Gründe stützen, sondern an konkrete Beweise 
halten, die unmittelbar den vorliegenden Fall betreffen und das den Juden 

vorgeworfene Verbrechen klarzustellen vermögen. "31 

Polen war ein Land, in dem der Katholizismus eine nicht zu unterschätzende Kraft bildete. 
Seit 1668 wurde der Abfall vom Katholizismus mit Landesverweisung bestraft. 
1718 war der letzte „Reformierte" aus dem Senat ausgeschlossen worden. Zur Zeit eines 
August III (1733-1763) durften Hofwürden, Staatsstellen und Richterposten nur noch an 
Katholiken vergeben werden. König Jan II. Kazimierz Wasa legte am 1.4. 1656 seine Krone 
auf den Altar der Kathedrale in Lemberg und rief Maria zur Königin der polnischen Krone 
und Patronin des Landes aus. Am 29.1 1. 1768 hatte sich der Kleinadel unter Pu 3 aski zur 
„Konföderation von Bar" in Podolien zusammengeschlossen, um die Russen zu vertreiben, 
den ungeliebten König Stanis 3 aw August Poniatowski (1764-1795) abzusetzen und die 
uneingeschränkte Herrschaft der katholischen Kirche sicherzustellen. 
Der letzte Kampf um Polens Unabhängigkeit wurde in Czestochowa geschlagen, die im 
August 1772 als letzte polnische Festung geräumt wurde. 

2.3 Krise der Tradition - Chassidismus 

Der Zusammenbruch der traditionellen Gesellschaftsstruktur der Juden in Polen führte, 
zusammen mit dem Prozeß der Expansion der lurianischen Kabbala zu einer tiefen Krise der 
Tradition. 

Der Niedergang der rabbinischen Autorität, der Verlust der persönlichen Sicherheit und die 
zunehmende Verarmung, verstärkte die messianische Hoffnung und den Wunsch nach 
religiöser und sozialer Erneuerung. Dubnow und bedeutende Historiker nach ihm sahen durch 
die Kosakenmassaker und die Erschütterungen der jüdischen Tradition die mystischen 

Bewegungen als Folgeerscheinung einer sozial-ökonomischen Krise. 32 

Hier muss allerdings zwischen den einzelnen polnischen Gebieten differenziert werden. 

Chassidismus nur als Antwort auf die allgemeine desolate Situation zu sehen wird durch den 
historischen Hintergrund Podoliens widerlegt. Podolien, die Wiege des Chassidismus, befand 

sich seit Beginn des 18. Jahrhunderts in einem Aufschwung. 33 Gewiß gab es viele Verarmte - 
es gab auch eine beachtliche Zahl von Kaufleuten, deren zunehmender Wohlstand sich in 



3 1 Die päpstlichen Bullen und die Blutbeschuldigung, München 1 900, S. 1 49. 

32 Dubnow, Weltgeschichte, Berlin 1928, Band 7, S. 84-226. 

33 Siehe die Einleitung von Hunderts „Security and Dependence", sowie Mordechai Nadav, Pinsk, Tel Aviv 
1973, S.99-103. 



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jener Zeit zu entfalten begann. 34 Allerdings war Podolien ein Landstrich, in dem im 
Volksglauben der Juden, Polen und Ukrainer der Glaube an Dämonen und andere 
übernatürliche Erscheinungen sehr verbreitet war und gleichsam das Erbe von Juden und 
Christen war. Ebenso gab es Gruppierungen der russischen mystische Sekten wie die Khlysty 

oder die Dukhabory in Podolien. 3 5 Sie waren in den Jahren nach dem großen Schisma von 
1666/67 entstanden. Es wurden über 100 Sekten mit mehr als einer Million Anhängern 
gezählt.36 Die verschiedenartigen russischen Sekten hatten eines gemeinsam: der Gläubige 
kann sich Gott auch außerhalb der normativen Kirche nähern. Die Methoden, die dabei 
angewendet wurden, um diesen Zustand zu erreichen, reichen von selbstkasteinder Askese zu 
wilden Trinkgelagen. 

Es war das Zeitalter der populären Mystik. Die Elemente der Natur bekamen in der 
polnischen Folklore jener Zeit zunehmend ein geheimnisvolles Eigenleben, das eigenen 
Herrschern und Lehren unterworfen ist, unabhängig von dem Wissen der Menschen. Neben 

dieser Welt der Natur existieren die verschiedenen Welten der Geister und Dämonen. 37 Die 
Rezeption bekannter Legenden und zeitgenössischer Dämonenaustreibungen schlug sich 
nieder in populären Büchern wie rahv ce (Kav Ha-Jaschar) von Zwi Hirsch Kaidanover 
(Koidonover, gest. 1712). Kav entspricht nach der Gematria den 102 Kapiteln des Buches und 
Ha-Jaschar ist ein Acrostichon von „Hirsch". 

Kaidanover beschreibt in anschaulichen Bilder die Strafen und Peinigungen all jener, die sich 
nicht an die Gebote halten. 

„Die verfluchte Lilith, die Mutter aller Dämonen, die aufgrund unserer zahlreichen Sünden so 
viele böse Beschlüsse gegen Israel erhoben hat, ist in jedem Haus, in dem falsche Schwüre 
sind. Sie lebt in diesem Haus und schlachtet kleine Kinder, Gott verhüte. Und in dem Raum 

oder in der Stadt, in der falsche Schwüre sind, herrscht gewöhnlich die Armut."38 

Bei den polnischen Kabbalisten, die meist bei den italienischen Kabbalisten gelernt hatten, 
spielt die Beschäftigung mit der Seelenwanderung, dem Bösen und die Dämonologie eine 
entscheidende Rolle. 39 Die dunklen Spekulationen des polnischen Kabbalisten R. Samson 
von Ostropol bezeichnet er selbst als „lurianisch". Spuren davon finden sich allerdings nicht 
in den lurianischen Schriften. Es ist authentische „polnische Kabbala", die sich durch den 
Hinweis „lurianisch" zu legitimieren versucht. Auch finden sich in seinen kabbalistischen 
Visionen, die ihm durch einen himmlischen „Maggid" offenbart wurden, zahlreiche Zitate aus 



■^ Gershon David Hundert, The Conditions in Jewish Society in the Polish-Lithuanian Commonwealth in the 
Middle Decades of the Eighteenth Century, in: Hasidism Reappraised, hg. von Ada Rapoport-Albert, London 
1996, S.45-51. 
-'-' Torsten Ysander, Studien zum Bestschen Hasidismus, Uppsala 1933, S. 372-392. 

-'" Paul Miliukov, Outlines of Russian Culture, Band 1: Religion and the Church, Philadelphia 1943, S.71ff; 
siehe: Konrad Grass, Die russischen Sekten, Leipzig 1905-14; Serge Bolshakoff, Russian Nonconformists, 
Philadelphia 1950. 
3 ' William I. Thomas, Florian Znaniecki, The Polish Peasant in Europe and America, New York, S. 206-207. 

-'° Zwi Hirsch Koidonover, Kav Ha-Yashar, Frankfurt a.M. 1705, Kapitel 56. 

39 Moshe Idel, „One from a Town, Two from a Clan" - The Diffusion of Lurianic Kabbala and Sabbateanism: A 

Re-Examination. In: Jewish History, hg. von Kenneth R. Stow, vol. 7, No. 2 Haifa Fall 1993, S.90. 



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Büchern, die völlig unbekannt sind. 40 R. Samson starb während der Chmielnicki-Massaker. 

In der zeitgenössischen Chronik „Yeven Metzulah" lesen wir: 

„Unter ihnen gab es einen weisen und verständigen und göttlich inspirierten 
Kabbalisten, dessen Name war: unser Lehrer und Meister Rabbi Samson aus der 
heiligen Gemeinde Ostropols. Ein Engel wäre ihm jeden Tag erschienen und hätte ihm 
die Geheimnisse der Tora gelehrt. Der Mystiker verfaßte einen Kommentar zum 
Sohar, basierend auf der Kabbala des ARI, gesegnet sei sein Andenken. Aber er wurde 
nie veröffentlicht. Der Engel hatte ihm von dem kommenden Massaker berichtet, 
damit durch aufrichtige Reue der böse Beschluß abgewendet werden könne. Er 
predigte häufig in der Synagoge und hielt die Menschen zur Reue an, damit das Böse 
nicht kommen kann. Alle Gemeinden bereuten aufrichtig, aber es reichte nicht aus, da 
der böse Beschluß bereits besiegelt war."41 

Die Beschäftigung mit den dämonischen Seiten der Kabbala beeinflußte das Gedankengut 

und die Folklore der polnischen Juden bis hin zu den Schriften eines Isaac Bashevis Singer. 

1660 schrieb der polnische Kabbaiist R. Jakob B. Moses Temerles über die Verbreitung der 

kabbalistischen Lehren: 

„Sie haben sich nach allen Seiten ausgebreitet (...). Sie sind in den Gassen bekannt (...) 
und die Erde ist voller Wissen. Wahrhaftig, alle, groß und klein, sind über die 
Mysterien des Herrn gut unterrichtet. Damit aber tröste ich mich in meinem Kummer: 
das große Streben und Verlangen unserer Zeitgenossen nach dieser verborgenen Weis- 
heit zu sehen, und alle - Volk und Priester, klein und groß - verlangen danach, zum 
Mysterium des Herrn zugelassen zu werden und nach ihm zu leben. Gewiß bedeutet 
dies, dass unsere Rettung nah ist."42 

3 MESSIANISCHE BEWEGUNGEN 

Jahrhundertelang hatten die Juden in der Diaspora in ihrer von der Traditon bestimmten 
Daseinsordnung gelebt. 

Die traditionelle Lebensordnung vermittelt das stetige Bewußtsein, im Exil zu wohnen und 
den Blick nach Zion zu richten, womit keinesfalls ein politischer Zionismus gemeint ist, 
sondern das messianische Zeitalter, welches die erhoffte Rückkehr nach Palästina und den 
Wiederaufbau des Tempels bringen würde. 

Seit dem späten 17. Jahrhundert wurde diese jüdische Lebensform durch messianische 
Bewegungen und der jüdischen Aufklärung, die eindeutig mit dem Namen Moses 
Mendelssohn (1729-1786) verbunden ist und die allgemeinen politischen Verhältnisse 
erschüttert. 43 

Was hat die lurianische Kabbala und ihr messianischer Mythos vom Exil der göttlichen 
Lichtfunken mit der aufsehenerregenden Bewegung des Sabbatai Zwi zu tun? 



40 Yehuda Liebes, Mysticism and Reality: Towards a Portrait of the Martyr and Kabbaiist, R. Samson 
Ostropoler, in: Jewish Thought in the Seventeenth Century, hg. von Isadore Twersky und Bernard Septimus, 
Cambridge, Mass. /London 1987, S. 23 Off. 

41 Nathan Hanover, Yeven Metzulah - Abyss of Despair, New Brunswick / London 1983, S. 63-64. 

42 Scholem, Zwi, S. 102-103. 

43 Siehe: Jacob Katz, Lradition and Crisis, New york 1993; Michael A. Meyer, Von Moses Mendelssohn zu 
Leopold Zunz, München 1994. 



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Die Ideen der lurianischen Kabbalisten, vor allem die von Sarugs, beeinflußten die 
Propagandaschriften von Sabbatai Zwis Propheten Nathan von Gaza (MaHARaN; 1643- 
1680). 

Einer der wesentlichen Unterschiede zu anderen messianischen Erhebungen ist der Umstand, 
dass sie nicht auf ein einzelnes Gebiet oder Land beschränkt blieb, sondern die Juden im 
Jemen, Persien, Kurdistan, Polen, Holland, Italien oder Marokko erfaßte. 
Ein nicht zu unterschätzender Faktor für die zunehmende Entfachung der messianischen 
Hoffnungen waren die grausamen Pogrome in Osteuropa. Die Frage nach der Bedeutung der 
Chmielnicki-Massaker für den Ausbruch der sabbatianischen Bewegung ist bislang 

unterschiedlich beantwortet worden. 44 Ein Historiker wie Simon Dubnow vertrat die These 
eines unmittelbaren Einflusses. Scholem dagegen, der von den Methoden der 
Geistesgeschichte beeinflußt war, erklärte den Sabbatianismus phänomenologisch. Er schob 
Dubnows These beiseite, indem er behauptete: 

„Wenn die Massaker von 1648 auch nur in irgendeiner Hinsicht die Hauptursache waren, 
warum stand dann der Messias nicht inmitten der polnischen Juden auf? (...) Es ist kaum 
anzunehmen, dass die marokkanischen Juden durch die Massaker von 1648 besonders 

betroffen waren, von denen sie wahrscheinlich ohnehin nur wenig erfuhren. "45 

Natürlich hatten die Juden im Jemen oder in Marokko nichts oder nur sehr wenig von den 
Kosaken-Unruhen gehört. Aber alle jüdischen Gemeinden jener Zeit, ganz gleich ob sie 
blühten oder dahin vegetierten, hatten neben dem gemeinsamen Erbe der lurianischen 
Kabbala und der Hoffnung auf einen Messias eines gemeinsam: 

Die Unsicherheit und Angst vor Verfolgungen. Ereignisse, wie die Wiederaufnahme der 
Juden in England 1656, die Vernichtung zahlreicher jüdischer Gemeinden während des 
30jährigen Krieges (1618-1648) und der daraus resultierende Strom verzweifelter 
Flüchtlinge46 j hielten das messianische Feuer am Lodern. 

Darüber hinaus sollte man die Frage stellen: Was bedeuteten die Massaker in der Ukraine für 
Sabbatai Zwi? 

3.1 Sabbatianer 



3.1.1 Sabbatai Zwi 



In den türkischen Häfen hatte er Opfer der Aufstände gesehen, die durch türkische Juden von 
den Tartaren freigekauft wurden. Die Unruhen waren für Sabbatai Zwi ein Zeichen der 
Geburtswehen des Messias. Daneben sagte Sabbatai Zwi, dass der Messias ben Joseph, der 
leidende Messias, der dem Messias ben David nach der Tradition vorangeht, ein Opfer der 
Massaker namens Abraham Zalman gewesen sei. 



44 Siehe: Jacob Barnai, The Outbreak of Sabbateanism: the East European Factor, in: The Journal of Jewish 
Thought and Philosophy 4 (1994), S.171-183. 

45 Scholem, Sabbatai Zwi, S.24. 

46 Siehe: Yosef Kaplan, Jewish Exiles from Ashkenaz and Poland in Amsterdam during the thirty Year War and 
the Massacres of 1648-1649 (hebr.), in: Culture and Society in Jewish Medieval History: Memorial Volume for 
H.H. Ben-Sasson, hg. von Menachem Ben-Sasson, Reuben Bonfil, Yosef Hacker, Jerusalem 1989, S. 587-622. 



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Und schließlich heiratete Sabbatai Zwi Sara, die die Massaker erlebt hatte und von sich sagte, 
sie würde die Frau des Messias werden. All das waren Punkte, die für das Selbstverständnis 
Sabbatai Zwis nicht unerheblich waren. 

Er wurde 1626 in Smyrna geboren, in einer Zeit, in der das osmanische Reich bereits den 
Zenit seiner Blüte überschritten hatte. 47 Er erhielt eine traditionelle Ausbildung und lernte 
bei R. Joseph Eskapha. 

Er wurde mit 18 Jahren Chacham („Weiser", die sephardische Bezeichnung für Rabbi). Doch 
er trat in keiner Gemeinde ein Amt an. Seine Familie kam stattdessen für seinen Unterhalt 
auf. Bereits in jener Zeit zeigte sich bei ihm neben einer heftigen Neigung zur Aske eine 
geradezu exzentrische Frömmigkeit. 

Er vertiefte sich ohne die Anleitung eines Lehrers in kabbalistische Schriften. Vor allem 
studierte er den Zohar. Daneben faszinierte ihn das Sefer ha-Kana, das den Sinn der Gebote 
kabbalistisch deutet. Paradoxerweise stieß er erst Jahre später auf die lurianische 
Gedankenwelt. Seine Umwelt war dagegen deutlich von der lurianischen Welt mit ihren 
messianischen Implikationen geprägt, ohne die die messianische Erhebung keinen großen 
Widerhall gefunden hätte. Zeitzeugen berichteten über Sabbatai Zwis seltsame ekstatische 
Ausbrüche, auf die meist Phasen tiefster Melancholie folgten. Er schwankte zwischen 
erschütternden Depressionen und höchsten Euphorien hin und her. 

Samuel Gandur, ein Anhänger Sabbatai Zwis, schrieb 1665: 

„Man sagt von ihm [Sabbatai Zwi], dass er seit 15 Jahren von Leiden folgender Art 
niedergedrückt wird: Es verfolgt ihn eine Depression, die ihm keine Ruhe läßt und ihm 
nicht einmal zu lesen erlaubt, ohne dass er zu sagen vermöchte, welcher Art dieser 
Angstzustand eigentlich sei, der über ihn gekommen sei. So nimmt er ihn auf sich, bis 
die Depression von seinem Sinne weicht, um dann in großer Freude zu seinen Studien 
zurückzukehren. Er leidet schon viele Jahre lang an dieser Krankheit, und kein Arzt 
weiß dafür eine Heilung, sondern sie gehört zu jenen, die vom Himmel [verhängt] 
werden. "48 

Später vollzog Sabbatai Zwi im Zustand der Euphorie wunderliche Taten, die zur Haalcha im 
völligen Widerspruch standen. Diese absonderlichen Handlungen erwartete man nicht von 
einem jungen Chacham. Später nannten seine Anhänger sie Ma'assim sarim (befremdliche 
Handlungen). Seine krankhaften Euphorien wurden als Phasen der Erleuchtung bezeichnet. 

Verwirrt durch die mythische Vielheit der kabbalistsichen Welt der Sefirot versuchte Sabbatai 
Zwi herauszufinden, wo denn eigentlich unter dieser Fülle göttlicher Attribute der Gott Israels 
zu finden sei. Schließlich soll sich ihm in einer seiner Visionen sein „Gott des Vertrauens" 
offenbart haben. Er identifizierte ihn mit der Sefira Tiferet, die als Gottesnamen im Zohar das 
Tetragrammaton hat. 

Er entwickelte aber ein trini tarisches Gottesbild. Diese Trinität sind die drei Bänder oder 
Knöpfe des Glaubens, die auf Elementen aus den Zohar beruhen: dem „heiligen Alten", dem 
„heiligen König" oder „Gott Israels" und der „höchsten Matrone" oder „Schechina". Die Idee 



4' Joseph Nehama, Histoire des Israelites de Salonique, Saloniki 1959, Band 5, S.7-8, 55-98. 

4° Zitiert nach Gershom Scholem, Sabbatai Zwi, der mystische Messias, Frankfurt a. M. 1 992, S. 1 54. 



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der drei Bänder kann auch von sufistischen Orden beeinflußt worden sein. Sabbatai Zwi soll 
mit Niyazi Misri (gest. 1697) bekannt gewesen sein, einem bedeutenden Mitglied des 
sufistischen Khalvatiyya-Ordens, und Sufiverse wurden bei den Riten der Dönme verwendet. 

Im sufistischen Bektashi-Orden bilden Allah, Muhammad und Ali eine Art Trinität. Wie in 
den kabbalistischen Schulen so spielen auch in dem nach Hadjdji Bektash (1247-1338)49 
benannten Orden Zahlenspekulationen und die Seelenwanderung eine große Rolle. 50 

Sabbatai Zwi begann nun etwas für die jüdische Tradition im Grunde Ungeheuerliches zu tun. 
Er kombinierte Buchstabenspekulationen zum Tetragrammaton und sprach diesen eigentlich 
unaussprechlichen Namen Gottes öffentlich aus. Diese Dinge hatten für ihn den Zweck der 
Restauration der göttlichen Harmonie. Außerdem behauptete er, dass die Patriarchen 
gekommen seien und ihn eingeölt hätten. Schließlich sei Elia erschienen und hätte ihn am 21. 
Sivan (11. Juni 1648) gesalbt. Dieser Tag wird übrigens bis heute bei den sabbatiani sehen 
Dönme als Fest gefeiert. Er verkündete, dass das messianische Zeitalter der Erlösung 
angebrochen sei. Die immer häufiger werdenden Aktionen des kuriosen Kabbalisten Sabbatai 
Zwi wurden immer mehr öffentlichen Ärgernis. Er gewann dadurch keine Anhänger, 
geschweige denn, dass jemand in ihm den Messias gesehen hätte. 

Zwischen 1651 und 1654 wurde Sabbatai Zwi aus Smyrna verbannt. Zu seinen komischen 
Aktionen war noch ein Streit mit seinem ehemaligen Lehrer Eskapha hinzu gekommen. 
Sabbatai Zwi hatte gesagt, dass sein kleiner Finger größer sei als die Lenden Eskaphas. Er zog 
weiter nach Saloniki und Konstantinopel. Er wurde auch aus diesen Städten verbannt, als er 
wiederum seine Kombinationen des Gottesnamens aussprach. Er stellte Ritus und Liturgie 
völlig auf den Kopf. In Saloniki, damals immerhin die größte jüdischen Gemeinde des 
osmanischen Reiches, feierte er eine Hochzeit mit einer Tora-Rolle. Ein anderes 
aufsehenerregendes Ereignis war die Feier von den drei Wallfahrtsfesten innerhalb einer (sie!) 
Woche. 

Der Zohar hatte zwischen einer Tora der Schöpfung, die die Tora des Exils sei, und einer 
Tora der Emanation, einer Tora der geistigen Welt, die sich erst im messianischen Zeitalter 
offenbaren würde sollte, unterschieden. 

Die alten Kabbalisten sahen in ihnen keinen inhaltlichen Widerspruch. Sie verstanden 
darunter vielmehr eine endzeitliche neue Deutung, bzw. ein völliges Verständnis der Tora. 
Aber bei Sabbatai Zwi wurde aus dieser Idee in antinomisti scher Weise ein Gegensatz. Bei 
extremen Anhängern sollten sich Gebote in Verbote wandeln und umgekehrt. Um diese 
schwindelerregenden Gedanken traditionell zu untermauern, zogen sie z. B. eine Passage im 
Achtzehngebet heran. Durch eine andere Lesart wurde dort aus Mattir Assurim (der die 
Gefangenen befreit) Mattir Issurim (der das Verbotene erlaubt). Sabbatai Zwi erklärte seine 
Vorgehensweise folgendermaßen. Seit 1648 hätte die Schechina begonnen sich aus dem Exil 
zu erheben. Dieser Prozeß sei nun beendet. Daher habe sich nun die Tora der Emanation, die 
Tora des messianischen Zeitalters, manifestiert. Viele Riten, wie die mitternächtlichen 
Trauergottesdienste um die Schechina sind dadurch überflüssig geworden. 

Sabbatai Zwis ruheloses Wanderleben endete 1662, als er sich in Jerusalem niederließ. Dort 
fiel er durch seine asketischen Übungen dem jungen Talmudstudenten und Kabbalisten 



4" Dies könnte ebenso nur legendär sein, Georg Jacob vermutet, dass der tatsächliche Ordensgründer Balim 
Baba (gest. 1516) gewesen ist: Die Bektaschijje in ihrem Verhältnis zu verwandten Erscheinungen, München 
1900, S.24. 

-^ Annemarie Schimmel, Mystische Dimensionen, S.476, siehe das Standardwerk zum Bektashi-Orden: John 
K. Birge, The Bekatshi Order of Dervishes, London 1937 (reprint 1965). 



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Nathan von Gaza auf, der von den Anhängern Sabbatai Zwis später „Heilige Leuchte" 
genannt werden sollte. Nach einem intensiven Studium lurianischer Schriften begann Nathan 
Visionen, die er in einem Brief von 1667 beschrieb: 

„Während ich mich nun in Heiligkeit und Reinheit in einem besonderen Zimmer ein- 
geschlossen und unter großem Weinen die Bußgebete des Morgengebets verrichtet 
hatte, kam der Geist über mich, meine Haare sträubten sich, meine Knie schlotterten, 
und ich schaute die Merkaba, und ich sah Visionen von Gott, den ganzen Tag über und 
während der ganzen Nacht, und wurde der wirklichen Prophetie gewürdigt wie 
irgendeiner der Propheten; die Stimme sprach zu mir und begann mit den Worten: So 
spricht der Herr. Und mit äußerster Klarheit prägte sich meinem Herzen ein, auf wen 
sich meine Prophetie bezog [das heißt auf Sabbatai Zwi] (...). Bis zum heutigen Tag 
hatte ich nie wieder eine so große Vision, sondern sie blieb in meinem Herzen 
verborgen, bis sich der Erlöser in Gaza selbst offenbarte und sich als den Messias 
verkündete; erst damals erlaubte mir der Engel zu verkündigen, was ich gesehen 

hatte." 51 

Sabbatai Zwi schien in der Zwischenzeit immer stärker zu fühlen, dass etwas mit ihm nicht 
ganz in Ordnung war. Er suchte Hilfe für seine seelischen Probleme. Durch einen Brief des 
Samuel Gandur erfuhr er, dass ausgerechnet Nathan anderen Menschen in geistigen Nöten 
helfen könne. Eine wirklich groteske Begegnung. Gershom Scholem geht soweit, von 
„Patient" und „Seelenarzt" zu sprechen. 

Doch der wahrscheinlich wirklich psychisch schwer kranke Sabbatai Zwi wurde von Nathan 

überzeugt, dass er der Messias sei. Dies sei der Grund für seine ungewöhnlichen Zustände. 

Nathan, der sich als der Prophet des Messias sah, initierte die messianische Bewegung. 

Nathan schrieb um 1665 ein pseudepigraphisches Traktat, das angeblich ein gewisser R. 

Abraham im Mittelalter verfaßt hätte. 

„Siehe, Mordechai Zwi wird im Jahr 5386 [1626] ein Sohn geboren werden, und er 
wird Sabbatai Zwi genannt werden. Er wird den großen Drachen bezwingen und die 
Kraft der bissigen Schlange und die Kraft der gekrümmten Schlange aufheben. Er 
wird der wahre Messias sein. (...) Sein Königreich wird ewig währen, und es gibt 

außer ihm keinen Erlöser für Israel." 52 

Sabbatai Zwis psychisches Auf und Ab wurde von Nathan in weiteren kabbalistischen 
Schriften in mythischen Bildern messianisch gedeutet, wie in seinem Drusch ha-Tanninim 
(Abhandlung über die Drachen) aus dem Sommer 1666. Beim Bruch der Gefäße sei die Seele 
des Messias ins Reich des Bösen hinab gestürzt. In dieser Welt der Schalen (hebr. Kelippot) 
lebt sie zusammen mit den Schlangen. Das Ringen des Messias mit den Schlangen 
versinnbildlicht die geistigen Kämpfe des Sabbatai Zwi während seines Wechsels zwischen 
Euphorie und Depression. Spätere Handlungen wie Sabbatai Zwis Apostasie werden mit Hilfe 
dieses Schemas für Nathan erklärbar. Die Messiasseele muss tief in die Welt der Schalen 
hinabsteigen und befremdliche Dinge tun. 

Lurianische Symbolik, traditionelle und volkstümliche Apokalyptik wurde von Nathan 
verwandelt, um seine messianische Lehre zu verbreiten und ihre positive Aufnahme zu 
sichern. Er, der „Prophet aus dem Heiligen Land", bestätigte durch seine Präsenz die Glaub- 



51 Scholem, Sabbatai Zwi, S.240-241. 

52 Scholem, Sabbatai Zwi, S.257 



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Würdigkeit des Messias. Nathan rief zum Gebet und zur Umkehr auf. Der erste Höhepunkt der 
messianischen Bewegung sollte in Nathans Heimatstadt Gaza stattfinden. 

Am 17.Siwan (31. Mai) 1665 wurde Sabbatai Zwi in Gaza als Meschiach Elohei Jaacov (der 

Gesalbte des Gottes Jakobs) ausgerufen. 

R. Jakob Najara und die gesamte versammelte Gemeinde huldigte ihn. 

Er wählte 12 rabbinische Gelehrte als Repräsentanten der 12 Stämme aus. Natürlich 

veränderte er, der vermeintliche Messias, erneut Liturgie und Brauchtum.Die Mehrheit der 

Rabbiner Jerusalems lehnten ihn jedoch ab und bannten ihn im Sommer 1665. 

Bedingt durch die große Erlösungshoffnung der Juden verbreitete sich die Bewegung von 
Smyrna über Safed nach Damaskus und Aleppo. Die Messiassehnsucht führte in Städten wie 
Damaskus zu Massenhysterien. So konnte es vorkommen, dass sich fanatisierte Anhänger zu 
Boden warfen und Prophezeiungen stammelten. 

Zu all dem Aufruhr machten eine Fülle von märchenhaften Gerüchte die Runde. So hörte man 
von sagenhaften Eroberungen durch die wiedergekehrten verlorenen 10 Stämme. Zu all dem 
kam, dass man dachte, dass durch die Ankunft des Messias die Gebotserfüllung nur noch als 
„geistige Betrachtung" zu verstehen und die Möglichkeit einer praktischen Befolgung unmög- 
lich geworden sei. 

So drehte Sabbati Zwi die Regeln der Halacha ganz wie es ihm gerade in den Sinn kam. Diese 
„gebotenen Übertretungen" galten als Zeichen der nun beginnenden messianischen Zeit. Er 
legte den Sabbat auf den Montag, rief Frauen zur Toralesung auf und aß öffentlich rituell 
verbotene Speisen. Außerdem teilte er die Welt unter seinen Brüdern Elia und Joseph auf. Er 
ernannte sie zum König der Türkei und Kaiser von Rom. Maßlose Überteibungen, die 
schriftlich und mündlich verbreitet wurden, wie die Behauptung, dass alle christlichen 
Kirchen in die Erde versunken seien, taten ihr übriges, um die Aufregung weiter zu entfachen. 

In einem Brief Nathans vom September 1665 erklärte er den ersten Teil der Veränderungen, 
die in den „verborgenen Welten" durch den Beginn der Erlösung stattgefunden hätten. Er 
kündigte Konsequenzen für die praktischen Anwendungen der kabbalistischen Lehren an. Im 
weiteren Verlauf des Briefes erzählte Nathan auch den Verlauf der Geschehnisse, bis die 
Erlösung erreicht sein wird: Sabbatai Zwi würde kampflos den türkischen Sultan entmachten. 
Nach fünf Jahren würde er zum schließlich zum legendären Fluß Sambatyon gehen und die 
13jährige Tochter Rebekka des wieder erweckten Moses heiraten. 

Er zog immer mehr Menschen, Rabbiner, Gelehrte und einfache Juden in der ganzen Diaspora 

an. Viele verkauften ihre ganze Habe trotz kritischer Stimmen wie die des Hamburger 

Rabbiners Jakob Sasportas (1610-1698). 

So findet man in den Erinnerungen der Hamburger Jüdin Glückel von Hameln (1645-1724) 

folgende Beschreibung: 

„Manche haben Haus und Hof und alles Ihrige verkauft, da sie hofften, jeden Tag 
erlöst zu werden. Mein sei. Schwiegervater (...) hat sein Haus und seinen Hof und alle 
guten Hausgeräte (...) stehen lassen und seine Wohnung nach Hildesheim verlegt. Von 
dort hat er uns hierher nach Hamburg zwei große Fässer mit Leinenzeug geschickt; 
darin waren allerhand Speisen (...) und alles, was sich gut hält. Denn der alte Mann hat 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

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gedacht, man würde ohne weiteres von Hamburg nach dem Heiligen Lande fahren. 
Diese Fässer haben wohl länger als ein Jahr in meinem Hause gestanden. "53 

Sabbatai Zwi kehrte nach einem Aufenthalt in Aleppo im September 1665 nach Smyrna 
zurück. Vor Jahren hatte man ihn als verrückten Kabbalisten aus der Stadt gejagt. Nun war er 
triumphal heimgekehrt. Er besetzte eine Synagoge, in der sich Gegner verschanzt hatten. Als 
man von ihm verlangte, er solle als Messias doch ein Wunder tun, gab er eine äußerst 
schlagkräftige Antwort. Das Wunder würde sein, dass sie ihn auch ohne ein Wunder als 
Messias huldigen würden. Das Wunder geschah wirklich. In diesem aufsehenerregden Tagen 
setzte Sabbatai Zwi sogar das endgültige Datum der Erlösung fest. Es sollte der 15. Siwan 
5426 (18. Juni 1666) sein. Das Jahr 1666 war auch in christlich-chiliastischen Kreisen 
bedeutend: Nach einer Auslegung von Off 13 sollte 1666 entsprechend der dort genannten 
„Zahl des Tieres 666" das Erlösungsjahr mit der Wiederkehr Jesu sein. 

Die blühende Handelsstadt Smyrnaverwandelte sich durch Sabbatai Zwi in ein tosendes 
Chaos. Das städtische Treiben versiegte und eine allgemeine euphorische Feststimmung 
breitete sich aus. Wilde Bankette lösten sich mit rituellen Kasteiungen ab. In der Nacht zogen 

Fackelzüge durch die Stadt und Menschen riefen aus: „Lang lebe Sabbatai Zwi! ".54 

Sabbatai Zwi begab sich am 30. Dezember 1665 nach Konstantinopel. Dort wurde er im 
Verlaufe tumultartiger Entwicklungen von der osmanischen Gerichtsbarkeit, die jede Form 
von Revolten normalerweise schnell unterdrückte, verhaftet wurde. Am 19. April 1666 wurde 
er in die Festung Gallipoli überführt. Während seiner Haftzeit durfte er Besucher empfangen 
und durch seinen Sekretär Samuel Primo Briefe senden. 

Seine Gefangennahme wurde von seinen unzähligen Anhängern symbolisch gedeutet: 
Sabbatai Zwi wäre jetzt im Migdal 'Oz (fester Turm, in Anlehnung an Sprüche 18,10). 
Nathans Schrift Drusch ha-Tanninim, die ein paar Monate nach Sabbatai Zwis Überführung 
nach Gallipoli erschienen war, tat ihr übriges, um diese Gedanken zu untermauern. 

Der Sommer 1666 war der Höhepunkt der sabbatianischen Bewegung. Jeder erwartete große 
Ereignisse. Ein geradezu tragikomisches Ende begann durch die Gestalt eines polnischen 
Kabbalisten, Nehemia Kohen. Dieser verbrachte einige Tage bei Sabbatai Zwi, um sich von 
dessen Messianität zu überzeugen. Doch Nehemia kam zum Schluß, dass Sabbatai Zwi nicht 
den traditionellen Messiasvorstellungen entsprechen würde. Außerdem hielt er sich selbst für 
den Messias. Er zeigte Sabbatai Zwi bei den osmanischen Behörden wegen Anstiftung zum 
Aufruhr an. Er wurde am 16. September vor den Sultan in Adrianopel geführt. Dieser ließ ihm 
die Wahl zwischen Tod und Konversion zum Islam. 

Sabbatai Zwi wurde Moslem. Unter seinem neuen Namen, Aziz Mohammed Effendi, bekam 
er den Ehrentitel eines Kapici Bashi (Wächters der Palastpforten). 

Ende Jänner 1667 wurde die öffentliche Ausübung des sabbatianischen Kultes vom Rabbinat 
in Konstantinopel gebannt. 

Die Anhänger Sabbatai Zwis vor dessen Übertritt zum Islam sind keineswegs als 
„Sabbatianer" zu bezeichnen. Sie waren gläubige Juden, die ihre traditionellen 



-" Denkwürdigkeiten der Glückel von Hameln. Übersetzt und herausgegeben von Alfred Feilchenfeld. Frankfurt 

a.M. 1987, S.61-62. 

54 Scholem, Sabbatai Zwi, S.423-424. 



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Messiasvorstellungen durch Sabbatai Zwi bestätigt sahen. Sie wandten sich nach diesem 
skandalösen Finale wieder dem normativen Judentum zu. 

Anders verhält es sich mit den Anhängern Sabbatai Zwis, die auch darüber hinaus in ihm den 
Messias sahen. Sie, die Ma'aminim (Gläubige), fühlten sich als das „wahre Israel" im 
Gegensatz zu den traditionellen Juden. Diese wurden von den Sabbatianern als kofrim 
(Verneiner) bezeichnet. Der Übertritt wurde als ein notwendiger Schritt des Messias gesehen 
und auch von Nahan dementsprechend interpretiert. Die Messiasseele müsse tief in die Welt 
des Bösen hinabsteigen, um die göttlichen Funken zu erlösen. Daher müsse er völlig 
widersinnige Handlungen begehen. 

Nathan kehrte nie wieder nach Palästina zurück und starb nach einem ruhelosen Wanderleben 
1680. 

Aus einer messianischen Volksbewegung wurden so geheime Gruppen, die mit allen zur 
Verfügung stehenden Mitteln von den Instanzen der jüdischen Tradition verfolgt wurden. 

Wie konnte diese doch sehr antinomistische Bewegung so viele fromme Juden, Rabbiner und 
Gemeindeälteste in ihren Bann schlagen? 

Ein entscheidender Faktor ist die Tatsache, dass die Bewegung ihre Ideen unter dem 
Schutzmantel der lurianischen Kabbala entwickelt hatte. 

Als Sabbatai Zwi zehn Jahre nach seiner Konversion, am 17. 9. 1676, starb, war dies nicht das 
Ende der sabbatianischen Bewegung. Sabbatai Zwis Tod wurde z. B. als Verhüllung gesehen. 

Es entstand eine Legende über den Tod Sabbatai Zwis. Sie erzählt, dass Sabbatai Zwis Grab 
am dritten Tag nach dessen Tod von seinem Bruder Elia besucht wurde. Ein Drache hätte das 
Grab bewacht und es wäre leer gewesen, aber erfüllt von Licht. 

Nach der von den Sabbatainern adaptierten Seelenwanderungslehre wird sich seine Seele 
wieder als Messias verkörpern. 

Abraham Miguel Cardozo (1626-1706) war neben Nathan einer der bedeutendsten Theologen 
der sabbatianischen Bewegung. Cardozo lehrte, dass der Messias durch seine Berufung und 
die Sünden Israels zur Konversion und zu seltsamen Handlungen gezwungen sei. Seine 
Aufgabe sei es, die Welt des Bösen von innen her zu zerstören. Cardozo erläuterte die 
Notwendigkeit der Apostasie für den Messias. Aber er schränkte ein, dass dies Handeln nur 

für den Messias allein gelte, nicht für das Volk. 5 5 

Nach dem Ende Sabbatai Zwis erschütterten verschiedenste sabbatianische Affären die 
Länder und unterhöhlten die traditionelle Struktur der jüdischen Gemeinden: Gegen Cardozo, 
den sabbatianischen Prediger Nehemia Chayon (1655-ca.l730) und Moses Chajim Luzzatto 
(RaMCHaL; 1707-1746) verhängte man den Bann. 

Luzzatto traute man nicht zu, Offenbarungen durch einen „Magid" würdig zu sein^ö un d 
verdächtigte ihn des Sabbatianismus, da auch er sich als Messias wähnte. Eine Folge dieser 
Kontroverse war die Verbrennung seiner Bücher. Weite Kreise zog der Amulettenstreit von 



- > - > Siehe: Gershom Scholem, Über die Theologie des Sabbatianismus im Lichte Abraham Cardozos (1928), in: 
ders, Judaica 1, Frankfurt a.M. 1986, S.l 19-147; Carlo Bernheimer, Some New Contributions to Abraham 
Cardoso's Biography, in: JQR , hg. von Cyrus Adler, vol. 18, London 1927/28, S. 97-132. 

*" Isaiah Tishby, The Sabbatian Movement and the Image of Sabbatai Sevi in the Writings of M.H. Luzzatto and 
his Students, in: Culture and Society, S.687-717. 



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Hamburg. Jakob Emden hatte den Oberrabbiner der Dreigemeinde Altona-Hamburg- 
Wandsbeck, Jonathan Eibeschütz (1690-1764), bezichtigt, ein Verfasser von Amuletten und 

ein geheimer Anhänger Sabbatai Zwis zu sein. 57 Die hohe Wogen schlagende Kontroverse 
um Eibeschütz spaltete die jüdischen Gemeinden in zwei Lager, obb nun der glänzende 
Talmudist und Prediger Eibeschütz nicht nur Amulette, sondern ebenfalls die sabbatianischen 
Schriften We-avo ha- Jörn el ha-Ajin (Und ich kam heute zur Quelle) und Sehern 'Olam 
(Name der Welt) verfaßt hätte. 

Heutige Forscher, wie Yehuda Liebes^ und Maurice-Ruben Hayoun^ vertreten die 
Meinung, dass Eibeschütz gewiß Sabbatianer gewesen ist. Offiziell belegte Eibeschütz 1755 
als Oberrabbiner der Dreiergemeinde Altona-Hamburg-Wandsbeck die Sabbatianer mit einem 
Bann. Emden dagegen belegte Eibeschütz in seiner Privatsynagoge mit einem Bann, konnte 
aber dessen Absetzung als Oberrabiner nicht durchsetzen. Die antisabbatianischen Kämpfe 
setzten sich bis ins 19. Jahrhundert fort, wie der Bann gegen R. Nathan ben Simon Adler Katz 

(1 74 1-1800) 60 zeigt. 

Zwei Möglichkeiten besaßen die Anhänger Sabbatai Zwis nach dessen Apostasie: 

• Entweder konnten sie die Konversion als ein Mysterium sehen und weiterhin 
äußerlich das Leben orthodoxer Juden führen, aber dennoch im Herzen Sabbatianer 
bleiben. Diese „gemäßigten Sabbatianer" nannte man später „Schebslach" oder 
„Schoepsen". 

• Oder sie wurden „radikale Sabbatianer" und folgten Sabbatai Zwi nach, indem sie 
Moslems wurde. Eine Gruppe aus ca. 200 Familien entstand auf diese Weise in 
Adrianopel. 61 



3.1.2 Dönme 



Nach Sabbatai Zwis Tod wurde aus dieser Gruppe, zunächst geführt von Jakob Philosoph, 
genannt Querido (der Geliebte), in Saloniki die sabbatianischen Dönme („Konvertierte"). 62 

Philosoph war der Bruder von Sabbatai Zwis letzter Frau Jochebed. Äußerlich lebten sie als 
Moslems. Im Verborgenen pflegten sie sabbatianische Riten und heirateten nur untereinander. 

Für die Dönme galt nur die oben besprochene „Tora des messianischen Zeitalters". 



5 ' Siehe: Jacob Emden, Memoires de Jacob Emden ou l'anti-Sabbatai Zewi, übersetzt und eingeleitet von 
Maurice Rüben Hayoun, Paris 1992; Jacob Joseph Schacter, Rabbi Jacob Emden: Life and Major Works, Diss. 
Harvard Uni versity, Cambridge, Mass. 1988, S. 370-488. 

58 Yehuda Liebes, Sefer Zadik Yesod Olam- Mitus Shabbetai, in: Daat I (1978), S.73-120, Liebes' Aufsätze 
zum Sabbatianismus sind gesammelt in: ders., Sod haEmunah HaShabtait (On Sabbateanism and its Kabbalah, 
collected Essays), Jerusalem 1995. 

5" Maurice-Ruben Hayoun, Rabbi Ja'akov Emdens Autobiographie oder der Kämpfer wider die sabbatianische 
Häresie, in: Judentum im deutschen Sprachbereich, S.232 

"^ Rachel Elior, Rabbi Nathan Adler of Frankfurt and the Controversy Surrounding Hirn, in: Mysticism, Magic, 

S.223-242. 

"^Gershom Scholem, The Crypto-Jewish Sect of the Dönmeh (Sabbatians) in Turkey, in: ders., The Messianic 

Idea in Judaism, New York 1 97 1 , S. 1 47ff, deutsch : Die krypto-jüdische Sekte der Doenmeh (Sabbatianer) in der 

Türkei, in: Numen, International Review forthe History of Religions, vol. VII, Amsterdam 1960, S. 93- 122, 

62 Scholem, Kabbalah, S.337-332. 



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So zelebrierten sie orgiastische Riten wie das „Fest des Lammes". 

Dies ist ein Frühlingsfest am 22. Adar. Nach dem Verzehr eines neugeborenen Lammes 

pflegen die anwesenden verheirateten Paare wechselweise Verkehr miteinander. Diese 

irdischen Vereinigungen sollen die kosmischen nicht nur symbolisieren, sondern auch 

vorantreiben. 

Andere Festtage sind mit dem Leben und der Konversion Sabbatai Zwis verbunden, wie das 

Feiern des Tischa be-Av als Geburtstag Sabbatai Zwis. 63 ihr Glaube basierte auf den „18 

Glaubensartikeln" (hebr. sedarim), die noch zu Lebzeiten Sabbatai Zwis verfaßt wurden^4 

Die Zahl 18 erinnert an das jüdische (Achtzehngebet und entspricht nach der Gematria dem 

Wort chai (Leben). Außerdem ist sie die heiligste Zahl der Sufis, mit denen Sabbatai Zwi in 

Kontakt stand. Besonders der Orden der Bektashi-Derwische weist Parallelen zu den Dönme- 

Riten auf. Die Glaubensartikel beinhalten den Glauben an den Messias Sabbatai Zwi, das 

Gebot, nur untereinander zu heiraten und die sabbatiani sehen Feste zu halten. 

So lautet das zweite Gebot: 

„Sie sollen an seinen Messias glauben, der der wahre Erlöser ist. Es gibt keinen anderen 

Erlöser außer ihm, unserem Herrn, unserem König, Sabbatai Zwi, aus dem Samen des Hauses 

David, möge seine Majestät hoch erhaben sein. "65 

Durch einer von den Dönme veranstaltete Propaganda kam es 1683 zu einer 
Massenkonversion. 200 bis 300 jüdische Familien traten zum Islam über.66 Nach Carsten 
Niebuhr lebten um 1774 ca. 600 Dönme-Familien in Saloniki. 

Die Dönme zerfielen im Laufe der Zeit in drei Gruppen: 

• die „Izmirlis", sozusagen Anhänger der ersten Stunde, 

• die „Jakovim" und schließlich 

• die „Konyosos". Diese drei Gruppen entsprechen auch ihren sozialen Hintergründen. 
Das Oberhaupt der „Konyosos" war Baruchia Russo (ca. 1690-1740), nach der 
Konversion zum Islam Osman Baba genannt. In dessen radikaler Untergruppe, 
hauptsächlich getragen von Kleinhandwerkern und Arbeitern, entfalteten sich Lehren 
von antinomisti sehen und orgiastischen Praktiken. Die sonst bei den Dönme heftig 
umstrittene schlichte Umwandlung von Geboten in Verbote und umgekehrt, soll dort 
praktiziert worden sein. . Russo verstand sich als Reinkarnation der Seele von 
Sabbatai Zwi. Er schickte Emissäre nach Polen, Deutschland und Habsburg. 

In einem Reisebericht berichtet Karl Braun eine Geschichte über die Konyosos: 

„Die Konja sind arme Handwerker, Tagelöhner und Lastträger und leben in den 
höheren östlichen Stadtvierteln zerstreut. Vor einigen Jahren erschien ein junger 
Deunme vor dem Kadi in Salonik und erklärte, dass er Muhamedaner werden wollte, 



"3 Einen Teil der Liturgie hat Scholem veröffentlicht: A Prayerbook from the Dönmeh from Izmir (hebr.), in: 
Kiryat Sefer 18 (1941), S.119-147, S:181-202. 

"4 Gershom Scholem hat diese Glaubensartikel aus der Ms. Amarillo (Ben-Zvi-Institut Ms. 2262, S. 161 -165) im 
hebr. Original, als auch in engl. Übersetzung veröffentlicht: The Sprouting of the Hörn of the Son of David 
(hebr.), in: Tarbiz, vol. 32 (Jerusalem 1962), S. 67-79, engl, in: In the Time of Harvest, Essays in Honor of Abba 
Hillel Silver, New York 1963, S. 368-386 (die engl. Übersetzung ist nicht ganz wortwörtlich, sondern teilweise 
kommentierend) . 

"-'Hier ist auch Sabbatai Zwis Synonym, AMIRAH, enthalten, Scholem, The Sprouting (hebr. Fassung), S.77. 
66 Gershom Scholem, The Crypto-Jewish Sect , S.149. 



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SS 2003 Seite 28 

weil er dies nur dem Scheine nach sei; der Kadi schickte ihn zum Pascha und dieser 
entließ ihn mit der Weisung, sich noch einige Tage über sein Vorhaben zu bedenken, 
und wenn er dann noch darauf beharre, wieder zu kommen. Der junge Mann erschien 
nicht wieder, und die Sache wäre vergessen worden, wenn sich der Kadi ihrer nicht 
nach einigen Wochen zufällig wieder erinnert hätte; man stellte Nachforschungen an, 
und die Deunme behaupteten anfangs, der junge Mann habe die Stadt verlassen und 
sei auf Reisen gegangen. Als man aber die Paßregister nachschlug und seinen Namen 
nicht darin fand, gestanden die Deunme, dass er gestorben sei. Nun wurde die Leiche 
ausgegraben, und man behauptete, dass sie Spuren von Erdrosselung gezeigt habe; wie 
dem auch sei, die Deunme mussten die größten Anstrengungen machen, um die Sache 
beizulegen. "67 

Diese höchst wunderliche Gemeinschaft verschwand aber nicht im Laufe der wechselvollen 

Jahrhunderte. 

Sie überlebte bis in unsere Tage. Nach Scholem lebten vor dem 1. Weltkrieg zwischen 10 und 

15.000 Dönme in der Türkei. 

Nathan Peter Levinson beschreibt die aktuelle Situation: 

„Heute befolgt nur eine kleine Gruppe von ungefähr 3000 bis 4000 Dönmeh, 
Karakasch genannt, die traditionellen Vorschriften, auch bezüglich der Mischehen. 
Weitere 40 000 bis 60 000 Dönmeh haben heute nur noch vage Erinnerungen und 
beachten keine Riten oder Ehebegrenzungen mehr."68 

Andere Berichte sprechen von 33.000 Dönme in der heutigen Türkei: 

„Ihr religiöser Kalender beinhalt konventionelle jüdische Feiertage, wie Rosch 
Haschana und Jörn Kippur, aber auch weniger orthodoxe, wie das Fest des Lichts. Bei 
diesem treffen sich verheiratete Paare in einem Privathaus, schlachten ein Lamm, 
singen Psalmen und tauschen dann die Partner. Sie glauben, dass aus diesen 
Vereinigungen eines Tages die Reinkarnation Sabbatai Zwis geboren wird. Ihre 
Gemeinde unterhält verschiedene geheime Synagogen, kabbalistischen Jeschiwot und 
einen religiösen Gerichtshof "69 

1996 plante Ilgaz Zorlu mit einer Gruppe der Dönme nach Israel auszuwandern und zum 
Judentum zurückzukehren. 

Er sprach deswegen mit dem israelischen sephardischen Oberrabbiner, Eliahu Bakshi Doron. 
Dieser verlangte eine normale Konversion als Bedingung, worauf Zorlu nicht einging. 

„Viele hoffen auf das Jahr 2000, in dem große historische Veränderungen stattfinden 

sollen, vielleicht sogar die Rückkehr von Sabbaati Zwi."70 



"' Karl Braun, Eine türkische Reise, Erinnerungen aus Saloniki, Wiesbaden 1876, S.160. 

"° Levinson, Messias, S.93. 

"^ Aubrey Ross in: The Jerusalem Report vom 9.1.1 997, S. 1 1 , die relativ große Zahl der Dönme wurde mir 

durch priv. Informanten bestätigt 

70 Ross, S.U. 



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3.2 Frankisten 



3.2.1 Jakob Leibowicz, genannt „Frank" 



Jakob Leibowicz, genannt „Frank" oder „Frenk" (1726-1791), verstand sich als Nachfolger 
von Sabbatai Zwi und Baruchia Russo. Bedingt durch den intensiven Austausch zwischen den 
Gruppen in Polen und den Dönme sowie durch die wandernden Prediger des Sabbatianismus 
wurde Jakob Frank bereits in seiner Jugend zum Sabbatianer, geprägt durch den 
Antinomismus der „Konyosos". 

Franks Lehrworte, wahrscheinlich ursprünglich in Jiddisch verfaßt, sind nur noch in 
polnischen Handschriften erhalten. 

An einem mystischen Ort, möglicherweise der Welt der Sefirot, begegnet Frank dem Sabbatai 

Zwi, den er den „Ersten" nennt. 

„Ich hatte in Saloniki eine Vision (...). Als ich in das erste Zimmer hineinging, gab 
man mir eine Rose als Zeichen, damit ich mit ihr in das zweite gehen konnte, und so 
immer weiter von einem zum anderen. Und so flog ich in die Luft. Und ich hatte zwei 
Jungfrauen, zu meiner linken und zur rechten und deren Schönheit die Welt nicht 
gesehen hat. In diesen Zimmern sah ich meist Frauen und Mädchen, aber in anderen 
waren ganze Versammlungen von Schülern und Lehrern. Und wo man mir nur das 
erste Wort sagte, begriff ich daraus den ganzen Inhalt und die ganze Erkenntnis. Diese 
Zimmer waren zahlreich. Im Letzen aber sah ich den 'Ersten', der auch als Lehrer mit 
seinen Schülern saß und er war mit einem frenkischen Gewand bekleidet. Dieser 
fragte mich sofort: 'Bist Du der weise Jakob? Ich hörte, dass Du stark und mutigen 
Herzens bist. Bis zu diesem Punkt bin ich gegangen, aber von hier aus habe ich keine 
Macht, weiter fortzuschreiten. Wenn Du willst, stärke Dich und Gott möge Dir helfen. 
Denn sehr viele Vorfahren haben diese Last auf sich genommen und sind diesen Weg 
gegangen, aber sie sind gefallen.' In diesem Moment zeigte er mir durch das Fenster 
dieses Zimmers einen Abgrund, verdeckt durch ungewöhnliche Schwärze. Und über 
dem Abgrund sah ich auf der anderen Seite einen Berg, dessen Höhe selbst die 
Wolken zu berühren schien. In diesem Moment rief ich: 'Um jeden Preis werde ich 
mit Gottes Hilfe gehen.' Und dann begann ich schräg in der Luft hinab in den 

Abgrund zu steigen, bis ich den Grund erreichte. "71 

Die zahlreichen Zimmer könnte man als Symbol für die Sefirot oder für die Hechalot sehen. 
Wie Frank hinabsteigt, so steigen auch die Hechalot-Mystiker zur Merkawa hinab. Um an den 
Dienstengeln vorbeizukommen, benützen diese magische Siegel, Frank eine Rose. Das erste 
Zimmer kann nur die Schechina sein, da sie in kabbalistischen Schriften als Pforte in die 
göttliche Welt beschrieben wird. 72 

Die zwei Jungfrauen, die Frank begleiten, könnten Symbole für die obere und untere 
Schechina^ sein. 



71 „Worte des Herrn" Ms. Krakau 6969, Zbiör..., § 1. 

72 Zohar I 82a. 

73 Zohar I 25a. 



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Frank sieht die himmlischen Lehrhäuser und erfährt jene magische Erkenntnis, die bereits in 
der Hechalot-Mystik beschrieben wird: ohne Mühen und Schweiß die Geheimnisse der Tora 
sofort zu verstehen 74 

Schließlich trifft Frank auf Sabbatai Zwi. Dieser erklärt ihm seine Machtlosigkeit und die 
Gefahren des Weges, auf dem so viele Vorfahren schon gescheitert sind. Wohin führt dieser 
Weg? Er führt zur „anderen Seite", die Gegenwelt der Sefirot. Das weist auf die Theoretiker 
der sabbatianischen Kabbala, wie Cardozo, aber auch auf die Dönme hin. Sie hatten versucht 
die paradoxe messianische Lehre Sabbatai Zwis zu verstehen. Die Bestätigung der 
messianischen Tora sei das Gegenteil der Tora des Exils. Folglich muss man, wie Sabbatai 
Zwi, in die Welt der Schalen hinabsteigen. War es das Ziel der alten Kabbalisten, in die Welt 
der Sefirot aufzusteigen, so kann jetzt nur die Aufgabe heißen, sich zur „anderen Seite", zur 
Welt des Bösen, auf den Weg zu machen. 

Das Symbol der frankisti sehen Lehre ist ein „V": Zunächst führt der Weg steil nach unten in 
den Abgrund, in die Schwärze und Tiefe der dämonischen Gegenwelt. Dann aber soll er 
endlos hinauf zum Leben führen. 

Aufgrund von Visionen präsentierte sich Frank als „Auserwählter". Er tritt allerdings nicht in 
die messianische Reinkarnationskette ein, die vom „Ersten" und „Zweiten" (Russo) 
konsequenterweise zu einem „Dritten" übergeht. Denn dieser „Dritte" sieht sich als Vollender 
der Aufgabe, an der sich bereits u.a. die Patriarchen, Moses, Sabbatai Zwi und Baruchia 
Russo versucht hatten. Dabei identifiziert sich Frank hauptsächlich mit Jakob, versteht sich 
aber nicht als dessen Reinkarnation. So wie Jakob auf Abraham und Isaak gefolgt ist, so 
folgte Frank auf Sabbatai Zwi und Baruchia. Aber der „wahre Jakob" ist nicht der Messias 
ben David. Er geht dem wahren Messias, der „Jungfrau", als Wegbereiter voran und 
übernimmt gewissermaßen die traditionelle Rolle des Messias ben Josef. 

Frank trat während seines Aufenthalts bei den Dönme nicht zum Islam über. Seine teils 

schockierenden Handlungen in Saloniki führten zum Konflikt mit jenen, die in Frieden, ohne 

Zusammenstöße mit der jüdischen Gemeinde und geduldet von der osmanischen Herrschaft, 

leben wollten. 

Er provozierte die Juden Salonikis und riskierte den Aufruhr. Es ist unklar, ob eine eventuell 

von Frank geplante Machtübernahme schlicht scheiterte. 

Vielleicht wurde er von den Dönme rasch abgeschoben und/oder als Dönme-Botschafter nach 

Polen geschickt. Als er von den türkischen Juden verfolgt wurde, konnte er jedenfalls mit 

keinerlei Unterstützung von Seiten der „Konyosos" rechnen. Später, als er von den polnischen 

Rabbinern verfolgt wurde, wird er durch die Konversion zum Islam erneut im osmanischen 

Reich sein Glück versuchen. 

Der Kontakt zwischen Dönme und Frankisten blieb auch über den Tod von Frank hinaus 
bestehen. So berichtete ein Dönme 1920 in Wien über Beziehungen zu bestimmten 
„Katholiken" in Warschau. 

Frank wurde das Oberhaupt einer sabbatianischen „Kompanie", den „Zohariten" in Polen. Im 
Kampf um ein eigenes Reich für ihre Gruppe gerieten sie zwischen die Mühlen des 
polnischen Rabbinats und der katholischen Kirche Polens. Das podolische Rabbinat hatte die 
Frankisten aus den Gemeinden verbannt und sie 1756 für „vogelfrei" erklärt. 



'4 Übersetzung der Hekhalot-Literatur, hrsg. von Peter Schäfer, Tübingen 1987, Band 2, §§ 285-§§ 294, S. 269- 
279. 



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„Möge man sie aus der jüdischen Gemeinschaft ausschließen, mögen ihre Frauen und 
Töchter als Huren, ihre Kinder als Bastarde gelten, damit sie sich nicht mit uns 
vermischen können." '^ 

Der Text des Bannes, den der Lemberger Rabbiner Chaim Rappaport mit 13 anderen 
Rabbinern unterzeichnet hat, wurde unter dem Titel „ Cherev pifioth " (Scharfes Schwert) 
publiziert.^ Unter dieses scharfe Schwert fiel auch die Kabbala. Da man die mißverstandene 
Kabbala als Quelle für den Sabbatianismus ansah, wurde angeordnet, den Zohar erst ab dem 
30. und die lurianische Kabbala erst ab dem 40. Lebensjahr studieren zu dürfen. 

Die Frankisten versuchten Hilfe durch die polnische Kirche zu bekommen und wollten als 
geschlossene Gruppe zum Christentum konvertieren. 

Bischof Dembowski war damit einverstanden, aber nur unter der Voraussetzung einer 
offiziellen Disputation zwischen Frankisten und Rabbinat, um noch andere Juden von der 
Richtigkeit der Konversion zum Christentum zu überzeugen. Diese Disputationen fanden 
1757 und 1759 statt, wobei die Frankisten auch nicht vor der Ritualmordlüge Halt machten. 

Aus der Not der Stunde heraus sah Frank nur noch in einer Scheinkonversion im Sinne der 
Dönme die letzte Möglichkeit, weiter bestehen zu können. Das taktische Ziel waren 
Schutzbrief und Ansiedlungsmöglichkeit. Zunächst sollten nur er und sein engster Kreis 
konvertieren. Dies entsprach der sabbatianischen Lehre, dass antinomistische und 
„befremdliche" Taten nur der Messias vollziehen muss. Die Taufe als Notwendigkeit 
innerhalb der frankisti sehen Lehre wurde erst später, als es nicht mehr anders möglich war, 
aufgenommen. 

Dennoch vollzogen viele Frankisten schon jetzt die Taufe, Frank selbst 1759 in Warschau. 
1760 wurde er unter Anklage des Scheinchristentums verhaftet und zu lebenslanger 
Festungshaft in Czenstochau verurteilt. Nach der ersten polnischen Teilung 1772 wurde Frank 
von den Russen befreit. 

Es ist unklar wann genau Frank in Offenbach angekommen ist. Nach der „Chronik" war es 

am 3. März 1787. Eine Ausweisung von dem Haus Habsburg ist durch Dokumente nicht 

belegt. 

Warum gerade Offenbach a. M.? 

Der regierende Fürst Wolfgang Ernst von Ysenburg war bekannt, eine offenes Herz für 

„religiöse Schwärmer" zu haben. Unter den protestantischen Ysenburgern war Frank vor der 

katholischen Inquisition geschützt. Daneben war Fürst Wolfgang Freimaurer. Wie bunt das 

Offenbacher Klima war, zeigt auch die Figur des ersten katholischen Pfarrers von Offenbach, 

Birkenfeld. Er schloß sich dem Illuminatenorden an und gründete 1812 die Offenbacher 

Freimaurerloge. ' ' 

Laut Trautenberger war Frank mit der Frau des Olmützer Festungskommandanten, Baron 
Bender, befreundet, die eine geborene Gräfin Ysenburg und ebenfalls Freimaurerin war. 
Baron Bender war im Juli 1785 nach Laxenburg versetzt worden.78 



'-' Zitiert nach Dubnow, Geschichte, Band 7, S.198. 

'" Wieder abgedruckt bei Emden, S.7b und Alexander Kraushar, Frank und seine Anhänger, hebr. Ausgabe, 
Band 1, Warschau 1895, S.77-81. 
77 Arnberg, Von Podolien, S.24. 
'° Trautenberger S.15. 



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Es ist aus den Quellen nicht ersichtlich, ob der „Baron von Frank", wie er sich nun nannte, 
das Ysenburgische Renaissance-Schloß am Mainufer mietete oder kaufte. 

Dort residierte Frank zurückgezogen als eine Art unabhängiger Souverän in seinen letzten 
Lebensjahren. Hier wurden vermutlich die „Worte des Herrn" beendet. Seine fürstliche 
Hofhaltung in der Offenbacher „Berseba" wurden offensichtlich wiederum von der 
Warschauer und Prager Kompanie bezahlt. Die genauen Quellen der Finanzierung sind noch 
ungeklärt. Symptomatisch für die phantastischen Beschreibungen von Franks Hof in den 
zahlreichen Blättern jener Tage, ist die Beschreibung des Einzuges Franks. Es ist natürlich 
möglich, dass es sich so tatsächlich abgespielt hat, da Frank äußerlichen Pomp, Aufwand und 
sabbatianisch-grüne Uniformen sehr schätzte. 

Selbst in der Öffentlichkeit war bekannt, dass die Warschauer Anhänger Franks ihn immer 
noch finanziell unterstützen. Dieser lebte als „Baron von Frank" und keinerlei Verfolgungen 
sind für seine letzten Offenbacher Jahre bekannt. Auch wenn in den Zeitungsartikeln der 
Frankfurter Blätter jener Zeit viele Spekulationen verbreitet wurden, wer Frank und Eva 

waren, so war die jüdische Gemeinde in Offenbach^^ über ihre wahre Identität unterrichtet. 
Daneben hat sich Frank offenbar von der offenen Missionstätigkeit unter den Juden 
zurückgezogen. Nach dem Offenbacher Memorbuch bestand kein Kontakt zwischen 

Frankisten und jüdischer Gemeinde. 80 

Ebenso wußte die hessische Obrigkeit sehr gut über Frank Bescheid. 1791 beauftragte der 

hessische Landgraf den Kreistagsgesandten, den Geheimen Rat von Barckhaus-Wiesenhütten, 

mit Erkundigungen über das Treiben der Frankisten in Offenbach. 

„Der Aufenthalt eines fremden und unbekannten Menschen zu Offenbach, dessen 
Namen selbst, man nur mutmaslich weis, der ungemein große Aufwand, den er führt, 
und alle das Sonderbare und Geheimnisvolle, was ihn umgibt, haben die Neugierde 
des Publizi sehr lange erregt. Da dieser Mensch nun sogar bewaffnete Leute um sich 
versamlet, sofort dieses die Aufmerksamkeit des Herrn Kurfürsten zu Mainz und die 
Unsrige, erregen müsten."81 

Der Geheime Rat antwortete mit einer ausführlichen Brief, in dem er Frank als Ausläufer der 

Bewegung um Sabbatai Zwi bezeichnet. 

„Die gegenwärtig in Offenbach wohnenden Pohlen sind Mitglieder dieser Gemeinde, 
und sie ist in Pohlen und (...) in Mähren ziemlich zahlreich. Nach ihrer Meinung sind 
die Mosaischen Gesetze zwar nicht ganz aufgehoben, haben aber doch die Heiligkeit 

und Verbindlichkeit, die ihnen die übrigen Juden beilegen, nicht mehr."82 
Und über den „Baron von Frank" berichtete er: 

„Der Nähme Franck ist nicht sein eigener Familien Nähme, sondern der allgemeine 
Nähme, womit die polnischen Juden ihre türkischen Mitbrüder benennen; Sein 

eigentlicher Name ist mir unbekannt."*" 



' ^ Stein, Zu den Frankisten in Offenbach, S. 163. 

°v Gedenkbücher von Offenbach am Main und anderen deutschen Gemeinden, hg. von C. Duschinsky, Frankfurt 

a. M. 1924, S. 82. 

81 Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Abteilung E 8 A Nr. 323/2: Blatt 3. 

82 Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Abteilung E 8 A Nr. 323/2: Blatt 6. 

83 Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Abteilung E 8 A Nr. 323/2: Blatt 8. 



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All die phantastischen Erzählungen und Beschreibungen über den Offenbacher Hof, wie sie 
vor allem die „Gartenlaube", Schenck-Rinck, Quelle und andere Schreiber verbreitet haben, 
sind eher Produkte der Romantik und Schauerromantik. Hier sind bereits die Titel Programm: 
„Ein geheimnißvoller Glaubensfürst", „Zwei fürstliche Geheimnisse neuerer Zeit", „Die 

immerwährende Maskerade" oder „Der Prophet von Offenbach". °4 

In einer stillen Stunde am winterlichen Kamin haben sie sicher immer noch ihren Reiz, auch 

wenn die zuweilen vorkommenden antijudaistischen Tendenzen abgeschmackt sind. So 

versuchte Schenck-Rinck Eva von ihrer jüdischen Herkunft zu lösen: 

„Weder die Familie, noch insonderheit Fräulein Eva von Franck ließ in ihrer 
Persönlichkeit, Auftreten und Benehmen nicht im Entferntesten eine jüdische Abkunft 

vermuthen, ihr ganzes Auftreten war das einer geborenen Fürstin. " 8 ^ 

Auch in zeitgenössischen Autobiographien finden sich, wie z. B. bei Karl Cäsar von 
Leonhard, Erinnerungen an Frank, worin ebenso Phantasie mit authentischem Material 
verwoben wurde: 

„Schabbathaische Juden, Geschenke bringend, wallfahrten in Menge aus dem Osten 
nach Offenbach; die Stadt gewann durch solche Besuche und durch vorübergehende 
Niederlassungen. Das Ereignis machte tiefen Eindruck, von Mund zu Mund pflanzte 
sich die Kunde fort. Wenige Tage gingen vorüber, ohne dass mein Vater nicht Briefe 
erhielt von Offenbacher Befreundeten; einzelne Wahrnehmungen, Bemerkungen, 
Vermuthungen wurden mitgetheilt; von Allem wußte Niemand Rechenschaft zu 

geben" 86 
Die Zahl der Anhänger, die sich im Schloß und in der näheren Umgebung angesiedelt hatten, 

dürfte nach neueren Erforschungen, zu Höchstzeiten nicht mehr als ca. 400 betragen haben. 8 ^ 
Die oft übertriebenen Zahlen in der Sekundärliteratur gehen auf einen Brief des Fürsten 
Wolfgang Ernst von Ysenburg an seinen Sohn Karl vom 14.3. 1792 zurück: „Bey 800 Polen 

sind hier wohnhaft." 88 

Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass zahlreiche Anhänger eigens für Franks 
Beerdigung angereist waren, der am 10. 12. 1791 an einem Schlaganfall verstorben war. 
„12. Dezember 1791, Montags: Frank, von, H. Baron Jac. Jos. Haupt der hiesigen 
Polen, stirbt den 10. Morgens früh zwisch. 4. und 5, an einem Schlagfluß, alt etliche 
Jahre über 70. (Anm. begraben) um 4 Uhr Nachmittags, mit Geläut, nach Erlaubniss 
des Herrn Geh. Raths Nollenbeckß. Die Lutheraner haben auch geläutet und die 

Leiche mit Musik begleitet." 8 " 
Beer berichtet anhand von Zeitzeugenberichten über die Beerdigung Franks. Dieser Bericht 

wird in ähnlichen Worten auch bei Leonhard^O, in zeitgenössischen Blättern oder späteren 
Beschreibungen der Frankisten wiederholt nacherzählt: 



°4 Genaue bibliographische Angaben zu den Artikeln befinden sich im Quellenanhang zum 1. Kapitel. 

85 Schenck-Rinck, Polen, S.U. 

°"Karl Cäsar von Leonhard, Aus unserer Zeit in meinem Leben, Stuttgart 1854, Band 1, S.27. 

°' Klaus Werner, Ein neues „Frankisten" -Dokument, in: FJB 16 (1988), S.203. 

"" Der Brief ist abgedruckt bei Kraushar, Frank, Band 1, S.275. 

°" Evangelischer Gemeindekirchenverband Offenbach, Register der Deutsch-Reformierten Gemeinde 

Offenbach, Buch VI, Sterbematrikel 1791, veröffentlicht in: Königsfeld, Geschichte und Lopographie der Stadt 

Offenbach, 1822, S. 138. 

™ Leonhard, Aus unserer Zeit, S. 29-30. 



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„Alle seine damals in Offenbach anwesende Anhänger, deren Zahl zu eben dieser Zeit 
über 800 war, begleiteten die Leiche. Voran gingen die Weibspersonen, sowohl 
verheirathete als ledige, deren Anzahl ungefähr 200 war. Alle waren weiß gekleidet, 
die Haare mit weißem Band durchgeflochten, und hielten brennende Wachskerzen in 
der Hand. Nach ihnen kam die Leiche im offenen Sarge, getragen von seiner 
Dienerschaft, und eingehüllt in einen rothen seidenen, mit Hermelin gefütterten Talar, 
den er bei Lebzeiten gewöhnlich zu tragen pflegte. Zunächst dem Sarge folgten seine 
drei Kinder, dann die Dienerschaft nebst seiner siebenzig Mann starken Leibgarde, 
und den Beschluß machten, die übrigen Mannspersonen. Diese hatten eben so, wie die 
Weiber, brennende Fackeln in den Händen, ihre Haare waren mit einem weißen Bande 
gebunden, und ihre Arme mit weißem Flor umwunden. So ging der Zug durch 
Offenbach nach dem allgemeinen Begräbnißplatz hin. Man setzte die Leiche hier ab, 
deckte den Deckel auf den Sarg, der ganz mit weißem Atlas überzogen, und mit 
goldenen Fransen,Quasten und anderen Zierrathen versehen war. Um ihn in die Gruft 
zu lassen, gebrauchte man statt der Stricke weißes Tuch, womit der Sarg noch 
bekleidet wurde. Nun fing die ganze aus 800 Personen, Männer, Weiber und Kinder - 
denn auch diese wurden auf den Armen der Mütter der Leiche nachgetragen - auf 
einmal ein Jammergeschrei an, dass die Luft erbebte, und unzählige Thränen 

entströmten allen Augen. "91 

Die weitere Geschehnisse rund um Eva, ihre aus Warschau zurückgekehrten Brüder Rochus 
und Josefund den Frankistenhof in Offenbach werden durch verschiedene Dokumente aus 
den dortigen Archiven, zahlreiche Zeitungsberichte und zeitgenössische Erinnerungen, sowie 
ausufernde Spekulationen über die „wahre Identität Evas" dokumentiert. 

Auch die Erinnerungen eines Moses Porges, der 1781 in Prag geboren wurde, sind erst bei 
einer Bearbeitung dieser Periode auszuwerten, da sie zur Geschichte der Prager und 
Warschauer „Kompanie" gehören. Die Handschrift, in der Evas Träume und Visionen 
aufgezeichnet wurden, ist verloren. 

Für eine ausführliche Studie zu Leben und Lehre von Eva Frank, die angeblich am 7.9. 1816 
in Offenbach gestorben ist, und den Frankisten im 19. Jahrhundert sind weitere Forschungen 
unentbehrlich. 

„Wundert Euch nicht, wenn Ihr in regnerischer September- oder stürmischer 
Decembernacht die wankenden Gestalten auf dem ehemaligen Kirchhofe Offenbachs 
erblickt, das Haupt entblößt, das Knie gebeugt, die Seele in tiefer Andacht versunken - 
sie feiern die Tage, an denen der 'heilige Vater', 'die heilige Mutter' sich 'unsichtbar 

gemacht', und beten kniend an den Gräbern von Jakob und Eva Franke. "92 

Seine Lehre ist eine anarchistische Utopie von der erlösenden Kraft der Zerstörung, die durch 
den Weg in den Abgrund zum Leben führen soll. 

Vor dem Hintergrund der Krise der jüdischen Tradition im untergehenden Polen des 18. 
Jahrhunderts entstand eine sabbatianisch-kabbalistische Lehre im Geiste der Gnosis 
(„Erkennen"), wobei sufistische als auch chassidische Einflüsse nachweisbar sind. 



91 Beer, Geschichte, Band 2, S.327-328. 

"2 Eginhard Quelle, Das Grab eines Propheten in Offenbach, in: Illustriertes Familienbuch zur Unterhaltung und 

Belehrung häuslicher Kreise, Jahrgang 7, Band 7, Heft 6, Triest 1857, S. 209. 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

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Aufgrund der sozialen und ökonomischen desaströsen Verhältnisse der polnischen Judenheit 
kommt Frank zu dem Schluß wie viele Gnostiker vor ihm: Das Leid der Menschen ist 
fürchterlich, die Welt absolut böse und kann daher nicht die Schöpfung eines guten Gottes 

sein. 93 Franks spirituelles Ziel war die kabbalistische Welt des Da'at. Seine Lehre beruht auf 
der sabbatianischen Trinität, den „drei Bändern oder Knöpfen des Glaubens", die bei ihm 
„heiliger König", „großer Bruder" und „Jungfrau" heißen. 

Aber anders als in den komplexen, nur schwer einsichtigen Schriften von Nathan aus Gaza 
oder Abraham Cardozo bedient sich Frank einer äußerst einfachen, ja geradezu 
volkstümlichen Sprache. 

Zur Unterstützung zieht er dabei hauptsächlich Zitate aus dem Pentateuch und dem Zohar 
sowie volkstümliche Geschichten aus der Kultur der Umgebung heran, die wortwörtlich 
zitiert bzw. paraphrasiert oder an die eigene Lehre angepaßt wurden. So wie die Chassidim 
die Worte eines BeSchT oder Nachman sammelten und aufzeichneten, so stellten Franks 
„Brüder" die Worte ihres „Herrn" zusammen. 94 

Die Welt ist für Frank die Schöpfung des Bösen, der wahre Gott ist absolut verborgen. Nur 
die Gläubigen können in seine Welten vordringen. Zwischen diesem guten Gott und den 
Menschen stehen die bösen drei Weltenlenker. Alle Gesetze, Regeln, Verordnungen unserer 
Welt sind Gesetze des Todes, die den Menschen abhalten, zum guten Gott zu gelangen. Daher 
muss man alle Gesetze der Welt aufheben, um zum Leben zu kommen. 

Franks Weg ist gepaart mit der Vorstellung von der militärischen Disziplin, die ihn 
paradoxerweise begleitet. Der Soldat, der seinem General blindlings gehorcht und keine 
Befehle diskutiert, wurde von Frank idealisiert. 

Franks Ziel war der Weg zum großen Bruder Esau, einem mystischen Esau, der sich an einem 
Ort vor Gott befindet, einem Ort, wo es keine Gesetze gibt, nur das Leben. Der Frankist kann 
alle Gewänder der Welt scheinbar annehmen. So führt ihn sein Weg durch die Religion 
Edoms (gemeint ist der Katholizismus). 

Mittelpunkt der frankisti sehen Lehre ist der neue Entwurf der Schechina. Frank bezeichnete 
sie als Jungfrau und verbot, den Begriff Schechina zu erwähnen. 95 Nach Frank hatten sich 
bereits alle bedeutenden Vorväter, wie Abraham, Isaak, Jakob und Moses, um die Jungfrau 
bemüht, die sich in verschiedenen Personen, wie in Rahel, manifestiert hat."" Frank 
behauptet, dass Sabbatai Zwi und David in Wirklichkeit weiblichen Geschlechtes gewesen 
seien. Da in ihnen die Messiasseele war, bedeutet dies, dass auch sie Verkörperungen der 
Schechina gewesen sind? Frank verneint dies. Sie wollten sie, die Schechina, führen. Doch sie 
scheiterten, genau wie alle anderen Vorväter. Moses Befreiung aus Ägypten konnte ebenso 

nicht vollständig sein, da das Fundament der Erlösung die Jungfrau sei. 97 Sabbatai Zwis 
Weiblichkeit wäre geheim gewesen, daher konnte er nichts erreichen. Aber jetzt würde es 



"^ „Worte des Herrn" §586, § 1419, bei Alexander Kraushar, Frank i frankisci polski, zwei Bände, Krakau 1895. 
"4 Harris Lenowitz, An Introduction to the Sayings of Jacob Frank, in: Proceedings of the Eighth World 
Congress of Jewish Studies 1981, Division C Thought and Literature, Band 2 Jewish Thought, Kabbalah and 
Hasidism, Jerusalem 1982, S.93-98. 

95 „Worte des Herrn" Kraushar §1 195, Band 2, S.316. 

96 „Worte des Herrn" Ms Krakau 6969, Zbiör..., §123. 

97 „Worte des Herrn" Ms Krakau 6969, Zbiör..., §725. 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

Davidowicz Version 06.07.2003 
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durch die Jungfrau einen für alle Leute sichtbaren weiblichen Messias geben. 98 Sabbatai Zwi 

hätte wie König David nur den Weg zu ihr gezeigt. Aber keiner hatte die Sache zu Ende 

geführt. 

„Ihr dachtet, dass der Messias ein Mann sein wird. Aber das kann auf keine Weise sein, weil 

das Fundament die Jungfrau ist. Sie wird der wahre Messias sein, sie wird alle Welten führen, 

weil alle Waffen in ihren Händen sind.""" 

In der Beschreibung der Jungfrau zieht Frank Elemente aus den Esthererzählungen heran. 100 
Stark beeinflußte ihn der Marienkult um die „Schwarze Madonna" des Klosters von 
Cz^stochowa. Die „Schwarze Madonna" führe zur anderen „Jungfrau", zur Schechina. Die 
Taufe wird hierbei als notwendige Stufe gesehen. In Anlehnung an Bahir und Zohar, wo 
beschrieben wird, dass die Schechina wie eine Prinzessin in einem Turm ist, beschreibt Frank 

einen tatsächlichen Turm des Klosters. 101 

Noch im Kloster hat er in Anlehnung an die Marienverehrung kleine Porträts von Eva 
anfertigen lassen, die sich heute in der National Library in Jerusalem befinden. Eva als 
Verkörperung der Schechina war allerdings ein Element, das zu Franks Lebzeiten nicht in 
Erscheinung trat. Die Jungfrau war für Frank noch verborgen und seine Aufgabe war die, sie 
zu befreien. Die „Schwarze Madonna" weist auf die wahre Jungfrau hin, deren Manifestation 
der endgültigen Erlösung vorangeht. 

„Gehen die Könige und Herren zum Porträt der Jungfrau in Czenstochau nicht mit 
großer Demut? Sie sind klüger als ihr, weil sie wissen, dass alle Macht bei ihr ist und 
in ihrer Hand. So wie man sagte, dass Christus auferstanden ist, so wird auch sie sich 
aus der Erde erheben und vor ihr werden alle Königreiche dienen." 102 

Natürlich stehen dabei die Anhänger Franks unter der Massa duma (Last des Schweigens) - 
sie schweigen über ihren eigentlichen Glauben. 

Aber nicht alle Frankisten sind diesen Weg konsequent bis zum Ende gegangen. Spätere 
Anhänger Franks standen zwar nach außen noch in der Tradition, hatten aber innerlich bereits 
einen absoluten Bruch mit ihr vollzogen und in ihren Vorstellungen eine radikale Aufklärung 
mit mystischen Akzenten verbunden. 

Da Frank in seinem Kampf gegen das rabbinische Judentum nicht vor Ritualmordlüge und 
Taufe Halt gemacht hatte, blieb er eine äußerst umstrittene Gestalt. 

Seine kabbalistischen Lehren wurden wenig beachtet. 103 So schrieb sein früher Biograph 

Alexander Kraushar: 

„Ungeordnet aus Fetzen der christlichen Dogmen und Zoharbegriffen, vereinigt mit 
fremdartigen okkulten Prinzipien, bringen sie ein Chaos der wertlosen Klänge hervor, 
die den Kopf des Hörers mit dem Strom der hebräischen, griechischen, babylonischen 
und den aus der weißen Magie entlehnten Worten, schwindlig machen, damit unter 



98 „Worte des Herrn" Ms Krakau 6969, Zbiör..., §609. 

99 „Worte des Herrn" Kraushar §1046, Band 1, S.426-427. 

100 „Worte des Herrn" Kraushar §2147, Band 2, S.383. 

101 „Worte des Herrn" Kraushar §996, Band 1, S.424. 

102 „Worte des Herrn" Ms Krakau 6969, Zbiör..., §778. 

1^3 Siehe: Klaus Samuel Davidowicz, Jakob Frank, der Messias aus dem Ghetto, Frankfurt a. M. 1998. 



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Davidowicz Version 06.07.2003 
SS 2003 Seite 37 

dem Druck einer solchen Mischung sein Wille schwindet und er sich blind den 

Befehlen der Ausleger ergibt." 104 
Es geht nicht an, als Chronist der jüdischen Philosophie- und Geistesgeschichte, allein die 
Lehren eines Maimonides, eines Mendelssohns oder eines Moses Cordovero zu betrachten. 
Und nur weil Franks Biographie so erschreckend ist, dürfen dann seine kabbalistischen 
Lehren nicht salonfähig sein? Muss man sie als „haltloses Gestammel" herabwürdigen, um 
eine Nichtauseinandersetzung zu legitimieren? 

Die Geschichte der frankisti sehen Gruppen im 19. und 20. Jahrhundert, wie das langsame 
Aufgehen der Frankisten in der polnischen Gesellschaft, sowie überhaupt die Erforschung der 
Kabbala in Deutschland und Österreich zur Zeit des Barocks und der Romantik sind noch 
nicht weit gediehen. 

Einige der vieldeutigen Mystiker, wie z. B. Ephraim Joseph Hirschfeld, stehen in einer 
gewissen Abhängigkeit oder auch Abgrenzung zum Frankistenhof in Offenbach. 



3.2.2 Ephraim Joseph Hirschfeld 



In den letzten Jahren erfuhr die lange vernachlässigte Rezeption der Kabbala in der frühen 
Neuzeit ein starkes Interesse. 

Dennoch sind zwei der faszinierendsten Figuren jener Epoche noch nicht erschöpfend 
erforscht worden, 

• Ephraim Joseph Hirschfeld (ca. 1758 in Karlsruhe geboren - 27.1. 1820 in Offenbach 
verstorben) und 

• Moses Dobruska (Brunn 12.7.1753 - Paris 5. April 1794). 

Leon Ruzieka (1866-1931) hatte intensiv die Familiengeschichte der Dobruskas studiert. 
Ursprünglich plante er eine Studie zu Moses Dobruska, die er unter dem Titel "Vom Ghetto 
zur Guillotine. Moses Dobruschka - Franz Thomas von Schönfeld - Junius Frey. Ein 
Lebensbild aus der theresianischen, josephini sehen und der französischen Revolutionszeit" 
verfassen wollte. Teile dieser geplanten Studie sind im Nachlaß, der im Wiener Stadtarchiv 
ruht, erhalten, sowie umfangreiche Abschriften aus Archiven. Aus diesen über 1000 Seiten 
umfassenden Vorarbeiten ist nur ein kurzer Artikel in der Zeitschrift „Jüdisches Archiv" 
entstanden, da Ruzieka vor Vollendung der geplanten Arbeit starb. 

Allerdings war Ruzieka laut Joseph Karniel ein 

„wenig systematisch arbeitender Amateurhistoriker, dessen Emsigkeit zwar 
lobenswert ist und dessen Fleiß mir viel Mühe ersparte, dessen Angaben aber oft 
ungenau sind. Ich 

versuchte, sein Material einigermaßen zu ordnen, um zumindest einen Teil seiner 
Lebensarbeit der wissenschaftlichen Öffentlichkeit bekanntzugeben. Trotz aller 
Anstrengungen gelang es mir nicht, alles zu überprüfen, da ein Teil der Quellen, auf 

die Ruzieka sich stützte, Bränden zum Opfer fiel oder nicht greifbar war." 105 



104 Kraushar, Band II, S. 185. 

1^5 Joseph Karniel, Jüdischer Pseudomessianismus und deutsche Kultur, der Weg der frankisti sehen Familie 
Dobruschka- Schönfeld im Zeitalter der Aufklärung, in: Jahrbuch des Instituts für Deutsche Geschichte, Beiheft 
4, hg. von Walter Grab, Tel Aviv 1982, S.32. 



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SS 2003 Seite 38 

Bislang ist zu Hirschfeld spannender Biographie und Werk keine Einzelstudie erschienen, nur 
einige Artikel. Gershom Scholem hatte sich 1962 als erster Hirschfeld gewidmet und nannte 
ihn zurecht „einen verschollenen jüdischer Mystiker der Aufklärungszeit". 106 Kurz danach 
untersuchte Jacob Katz in zwei Studienl07 Hirschfelds Beziehungen zu Moses Mendelssohn 
und seine freimauerische Aktiviäten. 

Wiederum Scholem erwähnte noch einige Details zu Hirschfeld in einem Buch zu Moses 
Dobruska, der zu Hirschfeld eine enge Beziehung hatte. 

In dieser Studie zeichnet Scholem Dobruskas abenteuerliches Leben - vom Frankisten zum 
österreichischen Dichter und Freimaurer - nach. Da Scholem kurz nach der Veröffentlichung 
dieses Werkes starb, konnte er sein geplantes Buch zu Hirschfeld nicht mehr schreiben. 
Er und Jacob Katz hatten nur Teile des Materials zu Hirschfeld und Dobruska ausgewertet 
und veröffentlicht, das sie in Archiven gesehen, bzw. bereits kopiert hatten. Daher steht eine 
gründliche Analyse von Hirschfelds Werk und seiner Beziehungen zum Hof der Frankisten in 
Offenbach noch aus. 

Viele Dokumente zu Hirschfeld lagern in den Bibliotheken der Grossloge der Freimaurer in 
Den Haag und Kopenhagen, der Klossischen Handschriftensammlung der Haager Bibliothek 
und dem Scholem-Archiv der Nationalbibliothek in Jerusalem. 
Auch zu Dobruska gibt es neben seinen kaum betrachteten literarischen Werk noch 

zahlreiches unveröffentlichtes Material, das ebenfalls nicht berücksichtigt wurde. 108 Nach 
diesen wertvollen Vorarbeiten drohte Hirschfeld wieder der Vergessenheit anheimzufallen 
und Dobruska tauchte zuweilen in Studien zum Frankismus auf. Erst Christoph Schulte und 
Andreas Kilcher befaßten sich im Zusammenhang ihrer Studien zur Kabbalarezeption in der 
Romantik wiederum mit Hirschfeld. 

Ephraim Joseph Hirschfeld , 

ein jüdischer Kabbaiist und aktiver Freimaurer, ist einer jener Gestalten des ausgehenden 18. 

Jahrhunderts, in dessen Werk zugleich philosophische Spuren von Kant und kabbalistische 

Elemente eines Isaak Luria zu finden sind. Durch ihn aber können wir auch sehen, wie 

sabbatianisch-frankistisches Gedankengut, also Lehren jener aufsehenerregenden 

messianischen Bewegungen des 17. und 18. Jahrhunderts, in den Köpfen einiger Denker 

jener Zeit zum Umbruch von Tradition zur Moderne hin führte. 

Die Bedeutung dieser vom normativen Judentum ja als häretisch verbannten Lehren Sabbatai 

Zwis und Jakob Franks bei denjenigen, die dem Sabbatianismus und Frankismus nahestanden, 

aber nicht zum Islam oder Christentum konvertiert sind, ist bis auf Scholems Studien zum 

Prager Frankismus so gut wie unerforscht. 



l^ 1 " Gershom Scholem, Ein verschollener jüdischer Mystiker der Aufklärungszeit: E. H. Hirschfeld, LBIYB 7 
(1962), S.247-279. 

^' Jacob Katz, Jacob Katz, Moses Mendelssohn und E. J. Hirschfeld, Bulletin des Leo Baeck Institutes 28 

(1 964), S. 295-3 1 1 ; Jacob Katz, The First Controversy over Accepting Jews as Freemasons (hebr.), Zion 25 

(1965), S.171-205. 

IUö Archive de France Paris: 

Akte F 7 4637: betr. Francois Chabot, Dobruskas Schwager 

Akte T 1524: Briefe, Gedichte, philosophische Texte von Dobruska 

Archiv der Stadt Wien: 

Biographisch-genealogische Sammlung, Nachlaß Ruzieka, Karton 5, Mappen VI-VIII, Sammlung von Leon 

Ruzieka (1866-1931) 

Allgemeines Verwaltungsarchiv Wien: 

Israelitische Kultusakte IV T 9, Karton 7: Dokumente zur Familie Dobruschka- Schönfeld 



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Hirschfelds Leben und Werk ist in Verbindung mit den Prager Frankisten-Familien wie 
Wehle, Bondi, Hoenig oder Porges zu sehen. Auch sie verblieben im Judentum und haben in 
ihren Schriften sogar eindeutig aufklärerische Tendenzen, wie man in der von Nathan M. 
Gelber veröffentlichten Autobiographie von Moses Porges nachlesen kann. 109 

Eigentlich hieß der Sohn des talmudisch und kabbalistisch gebildeten Kantors Joseph 
Hirschel Darmstadt aus Karlsruhe Ephraim Joseph Hirschel. 

Der Familienname läßt aufhorchen. Die Mutter Jakob Franks hieß Rachel Hirschl aus 
Rszeszöw. Seine Cousine war die berühmte Schöndl Hirschel, später Dobruska (Breslau 
1735-Wien 17.5.1791) aus Brunn, deren Sohn Moses Hirschfelds Leben stark prägen sollte. 
Bereits Joseph Hirschel suchte den Kontakt mit NichtJuden in wichtigen Positionen. So 
widmete er 1770 eine yiddische Übersetzung eines Torakommentars des Moses Alscheich 
dem Markgrafen Karl Friedrich von Baden. Goethes Schwager, Johann Georg Schlosser, war 
Oberamtmann im Dienst des Markgrafen. Er war sehr interessiert an aufgeklärten jüdischen 
Erziehungsmethoden und setzte sich für den talentierten jungen Ephraim Joseph ein. Er sorgte 
dafür, dass Hirschfeld ab 1773 das Karlsruher Gymnasium und später in Strasbourg die 
Universität besuchen konnte. Nach Franz Joseph Molitor (1779-1860), einem der wichtigsten 
christlichen Kabbalisten des 19. Jahrhunderts, schloß Hirschfeld sein Medizin-Studium nicht 

ab, weil ihm die Mittel ausgegangen seien. 1 10 Er ergänzte sein traditionelles Wissen durch 
eine breite Allgemeinbildung. Er sprach Französisch, Latein und Deutsch. Die für diese Zeit 
noch ungewöhnliche Verbindung von Tradition und Moderne musste ihn nach Berlin zu 
Moses Mendelssohns führen. 

Von 1779 bis zum August 1781 blieb Hirschfeld in Berlin. Aufgrund der Empfehlung 
Schlossers wird er Buchhalter und Hofmeister bei David Friedländer. Die Beziehung zu 
Mendelssohn wurde bereits von Jacob Katz beleuchtet, der auch die wenigen Quellen hierzu 
aufgefunden hat, wie ein Empfehlungsschreiben Mendelssohns: 

„Vorzeiger dieses, Herrn Ephraim Hirschel von Karlsruhe, der mir von dem 
berühmten Herrn Hofrath Schlosser in Emmendingen bestens anempfohlen wurde, und 
in Rücksicht seiner Talente, als auch seines edlen Herzens alle Empfehlung verdient, 
hat eine Zeitlang allhier gelebt, war Buchhalter und Hofmeister bei meinem Freunde 
Herrn David Friedländer, und hatte in meinem Hause fleissigen Umgang. Bei seiner 
Abreise von hier wünschet er ein paar Zeilen von meiner Hand zum Andenken, und 
bei denen, die meinen Worten allenfalls Glauben beimessen, zum Zeugnisse seiner 
untadelhaften und vielmehr lobenswürdigen Aufführung. Keines von beiden kann 

einem so jungen rechtschaffenen Manne versagt werden."! 1 1 

Hirschfeld hatte wohl eine streitsüchtige Natur und einen etwas schwierigen Charakter, wie 

man an Isaak Daniel Itzigs kritischer Beschreibung sehen kann: 

„Hirschfelds Betragen war übrigens nach meinem Urteil während seines hiesigen 
Aufenthaltes etwas bizarre; welches aber, um den Sinn dieses Wortes keiner 
Zweideutigkeit auszusetzen, wahrlich nur darin bestand, dass er zu 2, 3 und mehreren 
Monaten seine Stube nicht verliess, in Gesellschaft nicht selten um keinen Preis zum 



^"„Erinnerungen an den Frankistenhof in Offenbach", jidd., hg. von Nathan M. Gelber, in: Schriften des 
jiddischen wissenschaftlichen Instituts Yiwo Band I, Warschau 1929, S. 265-296. 
1 1U p ranz Joseph Molitor verfaßte 1820 eine kurze und 1824 eine längere Geschichte des Ordens der 
„asiatischen Brüder". Jacob Katz veröffentlichte die kurze Version als Anhang zu seinem Artikel in Zion 25 
(1965), S. 204-205. In: Kloss, Beschrijving der Verzamelingen van het Groot-Oosten der Nederlanden, 
Handschriften der Klossianischen Bibliotheek, Den Haag 1888, XIV, 1-2, sind beide Versionen enthalten. 
1 1 1 Katz, Mendelssohn, S.295. 



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Sprechen zu bringen war, und, wie man sagt, die angenehmsten Sommertage im Bette 
mit Lesen zubrachte. Mendelssohn schrieb diese Bizarrerie einem hohen Grade von 

Hypochondrie zu, die sich seiner bemächtigt." H2 

Doch Mendelssohn und der Kreis der Haskala wird im Laufe seines Berlin-Aufenthaltes 
zunehmend von Hirschfeld abgelehnt. Später wird er in seiner Schrift „Biblisches Organon" 
die Verbindung von Vernunft und Religion als falsch beschreiben und stattdessen den Weg 
der theosophi sehen Kabbala einschlagen. 

In einem Brief vom 27.3. 1796 bat Hirschfeld den Landgrafen Christian von Hessen- 
Darmstadt um Unterstützung für die Drucklegung. Er kritisiert die Unkenntnis oder Leugnung 
der Bibel und greift die Haskala an: 

„Wenn in dem Reiche der Volksmeinungen oder Volksbegriffen eine Anarchie 
entstehet, so hat sie, nach meiner Überzeugung ihren Sitz einzig und allein in der 
Lauheit des Glaubens. Diese Lauheit artet am Ende, wie gewöhnlich, in Unglauben 
und ins Freidenken aus, welches zusammen nicht selten Gott im Himmel und den von 
Gott eingesetzten gesalbten Häuptern auf Erden Trotz bietet, und beiden zugleich die 
innere Ehrfurcht entziehet. (...) Dieses nun nennen die Herren Aufklärung. Man 
predigt eine trockene Moral nach Vernunftgründen, und dasjenige, was wir Glauben 

nennen, ist in ihren Augen ein Hirngespinst."! 13 

Dieser Weg von der Tradition über die Aufklärung hin zur Mystik ist einzigartig. Selbst bei 
den Prager Frankisten führte ihr geistiger Gang über die jüdische Tradition zum Crypto- 
Frankismus hin zur Aufklärung. In Molitors Beschreibung Hirschfelds werden die Berliner 
Jahre übrigens gar nicht erwähnt. 

1782 ging Hirschfeld nach Innsbruck, wo er beim jüdischen Inhaber der tirolischen 
Salzniederlage Gabriel Uffenheimer als Buchhalter tätig ist. In diese Zeit fällt die 
folgenschwere Begegnung mit Freiherr Hans Heinrich von Ecker und Eckhofen (1750-1790). 
Ecker und Hirschfeld bildeten, wie sich J. B. P. von Hartenfels ausdrückte "ein paar 

Originale", das Gefahr kauft, sich gegenseitig zu ruinieren. 1 14 

Ecker, ein junger Offizier mit ständigen Geldsorgen, hatte um 1776 in Burghausen den Orden 
der Gold- und Rosenkreuzer „Rotae et aureae crucis" gegründet. Die Mitglieder, die einen 
kabbalistischen Ordensnamen führten, merkten bald, dass Ecker die Gelder des Ordens 
unterschlug und er floh über München nach Wien. Der Orden der Gold- und Rosenkreuzer 
schloß ihn aus. Ecker wurde Mitglied, bzw. begründete in Wien die alchemistisch- 
rosenkreuzerische Loge „Zu den sieben Himmeln" und warb ab 1781 für sein neues System 

der „ hochwürdigsten, mächtigsten und weisen Orden der Ritter und Brüder des Lichts".! 15 



1 12 Katz, Mendelssohn, S. 309-3 10. 

113 Zitiert nach: Katz, Mendelssohn, S.304. 

1 14 Handschriften der Klossiansche Bibliotheek XIV 7a, 32, zitiert nach Katz, Jews and Freemasons, S.238, 
Anm. 26. 

1 1 -> Siehe Hans Heinrich Freiherr von Ecker und Eckhoffen, Abfertigung an den ungenannten Verfasser der 
verbreiteten sogenannten: Authentischen Nachricht von den Ritter- und Brüder-Eingeweihten aus Asien, 
Hamburg (Selbstverlag) 1788; System des hochwürdigsten, mächtigen und weisen Ordens der Ritter und Brüder 
des Lichts, in: Der Signatstern oder die enthüllten sämtlichen sieben Grade und Geheimnisse der mystischen 
Freimaurerei nebst dem Orden der Magus oder Ritter des Lichts, mit allen geheimen Schriftzeichen, mysteriösen 
Ceremonien, wundervollen Operationen usw. für Maurer und die es nicht sind, Stuttgart (Verlag von J. Scheible) 



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Auch Eckers Bruder Hans Carl Freiherr von Ecker und Eckhoffen, der später mit seinem 
Bruder zusammen wirkte, hatte in Hamburg eine Loge „Zum flammenden Stern" errichtet, in 

der, was für damalige Zeiten revolutionär war, auch Juden aufgenommen wurden. 1 16 

Allerdings wurde 1782 im Freimaurer-Konvent in Wilhelmsbad gegen den „Orden der Ritter 
und Brüder des Lichts" Sturm gelaufen, da sie Eckers Verbindungen zum Rosenkreuzertum 
kritisierten. 

Ecker veränderte er auf Veranlassung des Landgrafen Carl von Hessen-Kassel (1744-1836) 
die Struktur seines Ordens, da er auch unter das Verbot der Hochgradsysteme fiel. Der neue 
Orden waren die „Ritter und Brüder St. Johannes des Evangelisten aus Asien in Europa" , 
kurz die „Asiatischen Brüder". Großmeister wurde Graf Sinzendorf und Fürst Karl von 
Liechtenstein Ordensprotektor. Er ist dadurch bedeutend, dass er gleichsam für Christen als 

auch für Juden offen war. 1 17 

Molitor zur Ordensgeschichte: 

„Die Instruktionen der Brüder des Lichts waren aus der Cabbala entlehnt. Der Orden 
wurde bey der Maurer-Welt verdächtig; Eckhof, ein Graf Thun oder Thurn und andere 
vermochten ihn nicht mehr aufrecht zu erhalten, er lösste sich gleichsam auf. Eckhof 
begab sich auf Reisen und versuchte ihn unter einem andern Nahmen zu restauriren. 
Bey der Gelegenheit machte er die Bekanntschaft mit Hirschfeld in Inspruck, woselbst 
letzterer bey der Salz-Niederlage angestellt war. Er nahm ihn in den Orden auf und mit 
sich nach Wien um ihm bey der Verbindung des Ordens der Brüder des heil. Johannes 
aus Asien beyzustehen. (...) Eckhof und Hirschfeld standen noch immer in Verbindung 
mit Schönfeld. Da letzterer sich aber höchst unanständig betrug, so entfernten sie ihn 
vom Orden und mittelst einer Summe Geldes, womit man seine Schulden bezahlte, 

überliess dieser seine Stelle an Hirschfeld." 1 18 

Der hier erwähnte Baron Franz Thomas von Schönfeld, der auch bei der Gründung des 

Ordens beteiligt war, 1 19 ist niemand anderes als Moses Dobruska. Seine Mutter Schöndl 
hatte als Cousine Jakob Franks ein offenes Herz für Sabbatianer, wie Wolf Eibeschütz, dem 

Sohn von Jonathan Eibeschütz. 120 Daneben war sie eine äußerst erfolgreiche Geschäftsfrau. 
Nach dem Tod ihres Mannes Salomon Salman Dobruska (1715-1774) übernahm sie das von 
ihm errungene Tabakmonopol, wurde Besitzerin des Pottaschemonopols und trieb die 
Kopfsteuer von jüdischen Reisenden ein. 



1866, S. 1-147; Die Brüder St. Johannis des Evangelisten aus Asien in Europa oder Die einzige wahre und ächte 
Freimaurerei nebst einem Anh(ang), die Fesslersche kritische Geschichte der Freimaurerbrüderschaft und ihre 
Nichtigkeit betreffend von einem hohen Obern, Berlin (Johann Wilhelm Schmidt) 1803. 
1 1" Siehe seine Schrift: Werden und können Israeliten zu Freimaurern aufgenommen werden? Hamburg 1788. 
1 1 ' Zur Geschichte des Ordens und seiner Lehren: Karl R. H. Frick, Die Erleuchteten, gnostisch-theosophische 

und alchemistisch-rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Graz 

(Akademische Druck- und Verlagsanstalt) 1973, S. 454-499. 

118 Mohtor über die asiatischen Brüder (1820), Zion 25 (1965), S.204. 

1 1" Allgemeines Handbuch der Freimaurereri, Leipzig 1900, Band 1, S.50. 

'■^ Samuel Krauss, Schöndl Dobruschka, in: Festschrift für Armand Kaminka, Wien 1937, S. 143-148. 



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Nach Salomons Tod ließen sich zehn ihrer zwölf Kinder taufen. 121 

Moses ließ sich am 17. 12. 1775 zusammen mit seiner Frau Elke Joß in Prag taufen, wohl 
unter Beeinflussung von Jakob Frank, der bis 1786 in Brunn residierte. Dobruskas Leben ist 
symptomatisch für Franks Lehre der Masken und Verhüllungen. Als Franz Thomas Schönfeld 
erhielt Dobruska den Posten eines „Judenbücherzensoren" .122 Q re i j a hre später, am 25.7. 
1778, wurde er zusammen mit seinen zwei ebenfalls getauften Brüdern als „Edler von 
Schönfeld" in den Adelsstand erhoben. 123 g r t m g [ m Orden den Namen Isaak ben Joseph, 
bzw. Sacharia und brachte sabbatianisch-frankistische Elemente in die Ordenslehren hinein, 
wie Teile aus dem sabbatianischen Werk („...und ich werde heute zur Quelle kommen"), das 
Jonathan Eibeschütz zugeschrieben wird. Molitor hatte den (falschen) Schluß gezogen, dass 
Schönfeld der Enkel von Eibeschütz gewesen sei und dessen kabbalistische Schriften geerbt 
hätte. 124 

"Die Übersetzung dieser im Original ungewöhnlich schwierigen Seiten, die in den 
Lehrschriften der Asiatischen Brüder' (Berlin 1803) gedruckt vorliegt, beweist in der 
Tat, dass der Übersetzer imstande war, einen so abstrusen Text mit Verständnis zu 
durchdringen. Die synkretisti sehen Tendenzen der Asiatischen Brüder', die Judentum 
und Christentum zu vereinigen suchten, entsprachen durchaus den verwandten 
Tendenzen der Frankisten, die denn auch Schriften aus diesem Kreis, wie Hirschfelds 
'Biblisches Organon' (Offenbach 1796) in ihrer Propaganda verwandten. Auf diesem 
Boden trafen sich Schönfeld und Hirschfeld. Was den Frankisten Schönfeld zu den 
Freimaurer Hirschfeld zog, zog den Freimaurer Hirschfeld zu den Frankisten, mit 

denen er später in Offenbach die engsten Beziehungen unterhalten hat." 125 

Schönfelds großes literarisches Werk umfaßt Schauspiele, Gedichte, Herrscherloblieder, 
Bibelübersetzungen und philosophische Abhandlungen. Jakob Franks Vorliebe zum 
Militarismus verwandelt sich in Schönfelds Kriegsgedichten zur Poesie. Als Schönfeld dem 
von ihm verehrten Klopstock eine Ausgabe seiner „Davids Kriegsgesänge" schickte, enthielt 
seine Widmung eine Beschreibung der Kriegstänze des Heeres Davids. 126 

Auf dem Titelblatt von „Davids Kriegsgesängen" steht die Widmung: 

„Dem Heere Josephs. Ein Denkmahl will ich Deinem Namen weihn, für Zeit und 
Folgezeit! Du sollst der Preis der Völker sein, für eine Ewigkeit! Psalm 45". 

In der Vorrede schrieb er: 

„Ich habe folgende Psalmen für gegenwärtigen Krieg so erbauend, so begeisternd, so 
passend gefunden, dass ich sie aus der ganzen Sammlung herausgehoben, und für was 
sie sind - Davids Kriegsgesänge - hinausgegeben. Sie sind zwar nicht immer im 



121 Leon Ruzieka, Die österreichischen Dichter jüdischer Abstammung Moses Dobruska=Franz Thomas von 
Schönfeld und David Dobruska=Emanuel von Schönfeld, in: Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische 
Familien-Forschung, Heft 23 September 1930, S.287-288. 

122 Archiv der Stadt Wien, Biographisch-genealogische Sammlung, Nachlaß Ruzieka, Blatt 350. 

123 Nachlaß Ruzieka, Blatt 240. 

124 Molitor über die asiatischen Brüder (1824), Zion 25 (1965), S.204. 

I 2 - 5 Gershom Scholem, Ein Frankist: Moses Dobruschka und seine Metamorphosen, in: Max Brod. Ein 
Gedenkbuch, hrsg. von Hugo Gold, Tel Aviv 1969, S. 84. 

I 2 " Blumenlese der Musen, Wien 1790, S. 100-102, Schönfelds „Davids Kriegsgesänge", Wien 1788, war eine 
deutsche Bibelübertragung direkt aus dem Hebräischen. In der Wiener Stadt- und Landesbibliothek finden sich 
viele seiner Werke, darunter auch Stücke und Schäferspiele. 



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engsten Verstände Kriegsgesänge - bald Königsgebete bald Volksgebete; Stimmen des 
Triumphs wechselnd mit Seufzern der Gefangennehmung, so wie die vielfältigen und 
verschiedenen Ereignisse des Krieges, sind sie auch vielfältig und verschieden. Ihr 
Karakter ist jener rasche feurige des Morgenlands - der kennt keine Mittelstrasse; sein 
Klima ist für jede kalte Philosophie zu heiß - hiezu kömmt jenes auffahrende 
unbändige Jugendfeuer eines Zeitalters, wo die Offenbarung, diese Erzieherin des 
Menschengeschlechts, dasselbe noch als Kind am Gängelbande führte; wie kann man 
von so feurigen Menschenkindern, die des Aufgangs Flammenströme trinken, noch 
dazu in jenem jungen Zeitalter eine Kultur fordern, zu der das Menschengeschlecht - 
selbst eines kältern Himmelstrichs - kaum in seinem männlichen Alter heranreift?" 12V 

Im Nachlaß von Schönfeld befinden sich viele unveröffentlichte Gedichte und 
Bibelübertragungen. Diese Dokumente zeigen, dass er in einem faszinierenden Reigen aus 
Aufklärung, Mystik und Freimaurertum lebte. 

Scholem vermutet bei der „relativen Inhaltsarmut" dieser Papiere, dass „der größte Teil und 
vor allem seine Korrespondenz nach Deutschland und Österreich schon vorher beiseite 

geschafft wurde." 128 

Neben Übersetzungen, wie den „sieben Bußpsalmen", gibt es Blätter voller gematrischer 

Spekulationen. 

So möchte Schönfeld die Trinität durch Zahlenspekulationen mit den Worten 

(„Fleisch"), .(„Geist"), („Sohn) und .(„Vater") .(„eins") und 

. („Wille") beweisen. Das Wort hat den Zahlenwert drei, das Wort („drei") 

hat drei Buchstaben etc. Schönfelds „23 Principes generaux de la Cabale" sind bereits von 

Scholem veröffentlicht worden. 129 Schönfeld war aber nicht nur Dichter, sondern wie seine 
Mutter, höchst erfolgreich bei Geschäften. Er hatte mit Berliner Bankiers ein Abkommen 
getroffen, wonach alle Geschäfte mit Habsburg nur durch ihn und Schöndel abzuwickeln 
seien. 130 Auch war er seit 1788 Hauptheereslieferant von Joseph II. 131 Schönfeld hatte 1784 

Hirschfeld in Brunn in den Orden der 'Asiatischen Brüder" feierlich aufgenommen. 132 Ob 
Hirschfeld damals auch Jakob Frank begegnet ist, ist noch unklar. 

Schönfelds, der kabbalakundige Übersetzer des Ordens, sollte nun durch Hirschfeld 
zunehmend ersetzt werden, der im April 1785 nach Wien gekommen war. Allerdings fühlte 
sich Hirschfeld dieser Aufgabe nicht gewachsen und bat seinen Bruder Pascal in Maastricht, 

der offenbar ein tieferes jüdisches Wissen als er hatte, nach Wien zu kommen. 133 



^ 2 ' Schönfeld, Davids Kriegsgesänge, die Vorrede hat keine richtige Paginierung, der Beginn des Zitats steht 
auf einer Seite "2" und endet auf einer Seite ohne Paginierung, die nächste Seite führt dann allerdings eine "3", 
wobei die restlichen Seiten überhaupt keine Paginierung mehr haben. 

128 Scholem, Em Frankist, S.82. 

129 Scholem, Em Frankist, S.90-92. 

130 Taschenbuch für Mähren, hg. von Joseph Georg Trassier, Brunn 1803, S. 109. 
131 Wien, Hofkammerarchiv 398, Copie Articul Quarta 1788, Blatt 312. 

I-* 2 Im Kopenhagener Archiv der dänischen Freimaurer liegt eine Schrift Hirschfelds, in der er die Aufnahme 

beschreibt. 

13 3 Einige unveröffentlichte Briefe Pasqals befinden sich in den Handschriften der Klossiansche Bibliotheek 

XIV 7a. 



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Dort nannten sich die Brüder Ephraim Joseph (Ordensname Marcus ben Bina) und Pascal 
Hirschl nun Hirschfeld oder Hirschmann. Nach Katz sollen sie sich sogar zuweilen das 
aristokratische „von" angemaßt haben. 

Der Einfluß rabbinischer, kabbalistischer und sabbatiani scher Schlagworte, Ideen und 
Elemente vor allem durch Schönfeld auf die Regeln des Ordens der „Asiatischen Brüder" ist 
enorm. Der Großmeister bekam den rabbinischen Ehrentitel „Chacham Hakolel" und 
Hirschfeld wurde zum „Oker Harim" - der, der Berge versetzen kann. 

„Die sogenannte kabbalistische Richtung des Ordens ist im wesentlichen Pseudo- 
Kabbala, und was die Beobachter so nennen, ist in Wirklichkeit ein Amalgam 
verschiedener Elemente, die sich klar identifizieren lassen. Die beiden Grundelemente 
sind die Spekulationen von Saint-Martin in dem 1775 erschienenen Werk ,Des Erreurs 
er de la Verite" und die, vor allem Jakob Böhme und Paracelsus verpflichteten, aber 
durch ihren christlich-kabbalistischen Charakter besonders merkwürdigen 
Darlegungen über die Schöpfung in dem, bei den Theosophen des 18. Jahrhunderts in 
Deutschland überaus einflußreichen ,Opus Mago-Cabbalisticum et Theosophicum' 
des Georg von Welling, das seit 1735 einigemal aufgelegt wurde. Diese Hauptquellen, 
die aber niemals mit Namen genannt werden, sind an nicht wenigen Stellen mit 
weiteren, in der Tat jüdischen und kabbalistischen Glanzlichtern versehen." 134 

Als Joseph II. am 11. 12. 1785 mit seiner Logenreform die alchemistisch arbeitenden Logen 
ausschalten wollte, bedeutende das das Ende für die „Asiatischen Brüder": 

„Die asiatischen Logen-Apparate verschwanden allenthalben mit fabelhafter 
Geschwindigkeit, die Costüme der verschiedenen Grade wanderten nach Ausmerzung 
gewisser charakteristischer Details zum Trödler und Maskenverleiher. Die Gold- und 
Silberschmiede Wiens, insofern die Brüder Freimaurer waren, beschäftigten sich 
Wochen lang mit Einschmelzung der asiatischen Bundes-Insignien und Kleinode, das 
Laboratorium auf der Landstraße geriet in Verfall, diente aber vorher als Schauplatz 
eines eigentümlichen Autodafe, das in der Nachbarschaft nicht wenig Aufregung und 
Bestürzung verursachte. Man war nämlich übereingekommen, dort eine Unzahl der 
von den Brüdern eingeforderten und von den Logenvorstehern überkommenen 
asiatischen Diplome und Certificate den Flammen zu opfern, - ein Vorsatz, der mit 
solcher Übereilung und Vehemenz vollführt wurde, dass schwarze, stinkende 
Rauchwolken die ganze Umgebung überfluteten und Fetzen brennenden Pergaments 
mit sich führend, plötzlich den Ruf: ,Feuer! ' veranlaßten. Der Wächter des 
Stephanturmes gab das bekannte Signal, die Feuerspritzen eilten herbei, aber der Pöbel 
zeigte gute Lust, eher zu plündern, als zu löschen, und machte Miene, das Haus 
stürmen zu wollen. Nur mit Mühe gelang es den armen Brüdern... das sogenannte 
, Goldkocherhaus' mit heiler Haut zu verlassen." 135 



Durch die Unterstützung des Landgrafen Carl von Hessen gehen Ecker und Hirschfeld nach 
Schleswig, wo es ebenfalls eine Gruppe der 'Asiatischen Brüder" gab. 



l-*4 Scholem, Ein verschollener Mystiker, S.266. 

135 Die Asiatischen Brüder in Berlin und Wien, Latomia 22 (1863), Heft 1, S.33ff. 



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SS 2003 Seite 45 

1790 wurde Hirschfeld allerdings aus dem Orden der „Asiatischen Brüder" ausgeschlossen. 

Die Gründe sind nicht ganz klar, da die Dokumente hierzu bislang unauffindbar sind. 136 g s 
gab in Schleswig zahllose Streitereien (auch war man gegen die Aufnahme von Juden in den 
Orden), die schließlich in einen Prozeß mündeten. Ecker klagte Hirschfeld wegen 
Morddrohungen und dieser Ecker wegen unbezahlter Schulden. Auch behauptete Ecker, 
Hirschfeld habe sich als Christ ausgegeben. 

Hirschfeld kam unter Hausarrest. Bevor Prozeßende starb allerdings Heinrich Ecker im 
August 1791 . Im Februar 1792 kam Isaak ben Joseph alias Schönfeld als Retter in der Not 
nach Schleswig und zahlte 550 Taler, um Hirschfeld frei zu bekommen. Hirschfelds Versuche 
mit Hilfe von Schönfeld wieder zu Ansehen im Orden in Schleswig zu kommen, scheiterten, 
wie man in einem Brief von Schönfeld (14. 6.1792) sehen kann: 

"Und endlich, mein Br(uder) bitte ich Sie zu Ihrem eigenen Besten, thun Sie fernerhin 
ja keine Schritte aus dem Kreislaufe Ihrer eigenen Person in die Würkungskreise 
anderer, die Sie nicht genau kennen! Sie stören sich Ihre eigene Ruhe, verkürzen sich 
Ihre Tage, indem Sie sich dadurch den Augenblick vergällen! Sie bilden sich die 
Menschen immer so ein, wie sie zu seyn scheinen; wie oft aber hat Sie nicht unser 
verewigter H. Br(uder) Isch Zadick und ich selbsten vom Gegentheil ueberwiesen, und 
hier haben Sie zum Ueberflusse noch einen Beweis: ich kam nach Schleswic, um Sie 
von dorten mit mir weg zu nehmen. (...) Sie sprachen mir wiederum sehr viel von 
Ihrem dortigen Freunde - einem Baron (Carl von) Ecker - der zugleich ein 
vorzüglicher und eifriger O(rdens) Br(uder) seyn sollte. (...) Nach dem Speisen zeigte 
Er mir, wie Sie's mit ansahen seinen Schriftenvorrath von collectirten und compilirten 
Maurer Traditionen, der wahrlich ein sehr eckelhafter Dessert für mich ward. Nun fing 
der gute Mann von selbsten an ueber O(rdens) Sachen zu träumen. Bald spottete er 
über Offenbarung, über die heiligen Lehren Jesu C. und endlich über die Instruction 
und bald gestand er wieder freimüthig ein, dass er nichts von allem verstände. (...) 
Eben dieser Ihr vermeintlicher rechter guter Freund und O(rdens) Br(uder) erzählte 
dem Herzog Ferdinand in Braunschweig bald nach meiner Abreise: Sie wären mit mir 
bei ihm gewesen; er hätte mich sondirt und wahrgenommen, dass ich ein Jude wäre; 
ich hätte mich hierauf angetragen, dem Herzog Cabalistische oder Magische 
Experimente zu zeigen. (...) Das schönste ist noch bei der Sache, dass dieser gute 
Mann als Catholischer Christ wider die Lehre J. C. mit Ihnen herumzankt, die Sie 
wider ihn vertheidigen und am Ende mich fuer einen Juden ansieht. Diesen Irrtum 
wollte ich ihm herzlich gerne übersehen. (...) Nehmen Sie sich aber um so mehr in 
Obacht (...). Dies möge Ihnen nun zur letzten Warnung dienen!"137 

Schönfeld hatte sich 1791 nach Offenbach begeben, um am Begräbnis Franks teilzunehmen. 
Sein Besuch in Offenbach wird nicht nur durch Georg Forster bestätigt! 3 8^ sondern durch 
eine anonyme Anzeige gegen die Prager Frankisten. Der anonyme „B." behauptet dort, dass 



^" Circulare des Hochw. Generals-Kapitels an die Hoch und sehr Ehrw. Vier Haupt-Provinzen-Kapiteln, und 
im Wege der Gesetze an sämtliche Ordens- Stellen, die Exclusion des Ephraim Jo. Hirschel, vel Hirschfeld 
betreffend: 1749, Hamburg 1790. 

13 ' Zitiert nach: Gershom Scholem, Du frankisme au jacobinisme. La vie de Moses Dobruska, alias Franz 
Thomas von Schönfeld, alias Junius Frey, Paris (Gallimard Le Seuil) 1981, S. 98-99. 

138 Georg Forster, Sämtliche Schriften, hg. von G Gervinus, Leipzig 1843, Band 8, S.169. 



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Schönfeld keinerlei Erfolg in Offenbach gehabt hätte. 139 Aufgrund dieser Aussage zieht 
Scholem den Schluß, dass Schönfeld Franks Nachfolge abgelehnt hätte. 140 



Schönfeld kehrte laut Ruzicka noch einmal nach Wien zurück und ging erst im März 1792 
nach Strasbourg. Hirschfeld folgte ihm nach. Aber in Strasbourg trennten sich ihre Wege. 
Schönfeld ging nach Paris, Hirschfeld nach Offenbach. 

"Nach dem Ausbruch der Revolution wurde er (Hirschfeld), man erinnert sich nicht 
mehr wo (Schleswig), von Schönfeld, der von Wien aus geheime Aufträge nach Paris 
hatte, aufgesucht; dieser beredete ihn, ihn nach Paris zu begleiten. Unterwegs hatte 
Hirschfeld einen Traum, der ihm keinen Zweifel mehr Hess, dass seinem 
Reisegefährten in Paris ein trauriges Schicksal bevorstände. Dies veranlasste ihn sich 
von selbigem zu trennen." 141 

Ab 1792 lebte Hirschfeld in Frankfurt und in Offenbach. Trotz seiner - noch unklaren - 
Beziehungen zum Frankistenhof in Offenbach, und seiner propagierten religiöse 
Verschmelzung von Judentum und Christentum durch die Kabbala, konvertierte er aber nie 
zum Christentum. 

Er hatte auch regen Kontakt mit Franz Joseph Molitor, der im Frankfurter Philantropin 
unterrichtete und beeinflußte dessen kabbalistisches Denken. Schönfeld nannte sich in Paris 
Sigmund Gottlob Junius Brutus Frey. 142 Seine Geschwister David (1765-1794, getauft 1775 
als Emanuel Nepomuk Schönfeld, später Emanuel Ernst Frey) und Ester Leopoldine (1771- 
1795, getauft 1791) waren ebenfalls mit ihm nach Paris gegangen. Leopoldine hatte unter 
dem Einfluß ihrer Brüder Francois Chabot (1756-1794) geheiratet. Karniel vermutet, dass 

Leopoldine in Wirklichkeit seine Tochter Katharina gewesen sei. 143 Ruzicka behauptet, ein 
anderer berühmter Abenteurer des 18. Jahrhunderts, Friedrich Freiherr von der Trenck, sei ihr 

Zuhälter gewesen. 144 i m Paris der französischen Revolution führten die Brüder Frey ihr 
abenteuerliches Leben weiter. Sie nahmen am Sturm auf die Tuilerien am 10. August 1792 
teil, wurden aber im November 1793 als mutmaßliche Spione verhaftet. Sie wurden 
schließlich zusammen mit Chabot, Danton und Desmoulins am 5.4. (15. Germinal) 1794 

geköpft. 145 Leopoldine verschwand nach der Hinrichtung. 

Hirschfeld veröffentlichte schließlich 1796 in Offenbach auf eigene Kosten zusammen mit 
seinem Bruder Pascal das erste jüdisch kabbalistische Werk in deutscher Sprache, "Biblisches 



l-'"Die Anzeige wurde von Vaclav Zaeek veröffentlicht: Zwei Beiträge zur Geschichte des Frankismus in den 
böhmischen Ländern, in: Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der cechosloval. Republik, hg. 
von Samuel Steinherz, 9. Jahrgang, Prag 1938, S. 403-407. 

140 Scholem, DuFrankisme, S.57. 

141 Molitor über die asiatischen Brüder (1824), zitiert nach Gershom Scholem, Ein Frankist, S.82. Scholem 
besaß eine vollständige Kopie dieses unveröffentlichten Textes aus dem holländischen Freimaurer-Archiv in 
Den Haag, die ihm Katz zur Verfügung gestellt hatte. 

142 Nachlaß Ruzieka, Blatt 295. 

14-' Joseph Karniel, Jüdischer Pseudomessianismus und deutsche Kultur, der Weg der frankisti sehen Familie 
Dobruschka- Schönfeld im Zeitalter der Aufklärung, in: Jahrbuch des Instituts für Deutsche Geschichte, Beiheft 
4, hg. von Walter Grab, Tel Aviv 1982, S.51. 

144 Ruzieka, Blatt 281-283, siehe: Walter Grab, Friedrich von der Trenck, Hochstapler und Freiheits-märtyrer, 
Kronberg 1977. 

145 Scholem, Du Frankisme, S.93, Nachlaß Ruzieka Blatt 295. 



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Organon oder Realübersetzung der Bibel mit der mystischen Begleiting und kritischen 

Anmerkungen". Ein seltenes Buch. Jacob Katz nannte es quasi „unauffindbar". Scholem, dem 

keine jüdische Bibliothek bekannt war, die es besässe, schrieb aufsein Exemplar, das er nach 

jahrelangen Suchen kaufte, „Rarissimum !" Heute ist es in Besitz der hebräischen 

Nationalbibliothek. 

Das Organon ist ein kabbalistisch-theosophischer Kommentar und Übersetzung von Genesis. 

Es zeigt Hirschfeld Weg von der Haskala zur Mystik. Dabei ist es eine antiaufklärerische 

Mystik, die Bezüge zur Geisteshaltung der Prager Crypto-Frankisten aufweist. Peter Beer 

(1758-1838) erwähnt und zitiert es ausführlich 1823 in seiner Darstellung der Frankisten^o 

und erzählt über einen anonymen Prager Frankisten, der einen Adepten mit Hilfe dieses 

Buches in den Frankismus einweiht. Beers Schilderung des Frankismus - ohne 

Quellenangaben - beruht eindeutig auf Berichten und Dokumenten, die er von den damals in 

Prag ansässigen Frankisten bekommen haben muss. 

Das Buch besteht aus der fünfseitigen Anzeige, dann folgen Auszüge aus sechs Briefen an 

einen deutschen Prinzen über Offenbarung und Gottesdienst. 

Hirschfeld behauptet darin, dass die Aufklärung und ihr Vernunftglaube zum Unglauben 

führen würde: 

„Der Aberglaube tobte wie rasend, und stürmte schäumend - unterstützt durch Feuer 
und Schwert - auf alles los, was sich nicht auf der Stelle mit ihm in seinem Kreise, 
wie wahnsinnig, herumtummeln wollte, währenddessen der witzige Unglaube aus 
vollem Halse lachte, und meistentheils die siegreiche Oberhand erhielt. Die Religion 
(...) wurde matt - lau; der Gottesdienst (...) erkaltete." 147 
Danach folgt als Präsentation (mit neuer Paginierung, Seite 1-55) eine Probe des zur 
Subskription vorgestellten Werkes. Sie besteht aus dem hebräischen Text von Gen 1,1-5 und 
einer sogenannten Verbalübersetzung (Mendelssohn, Luther, Johannes Piscator). Dazu 
kommt die Realübersetzung (Organon), eine mystischen Deutung des Textes. Schließlich gibt 
es noch zahlreiche Anmerkungen, die unter dem Stichwort "Mystik" aufscheinen. Es ist 
seltsam, dass das Titelblatt beide Brüder als Verfasser nennt, da der Autor in der Einzahl 
spricht. Hirschfeld Kostprobe seines mystischen Kommentars, der niemals erschienen ist, 
besteht aus kabbalistischen Schöpfungsspekulationen, Überlegungen zu den Gottesnamen und 
Gematria. 

Die zehn Sefirot, die göttlichen Emanationen, nennt er darin Hauptkräfte, Radikalkräfte oder 
die zehn Blätter. Garniert ist das ganze mit französischen und lateinischen Zitaten, Hume und 
Kant kommen zu Wort. 

Hirschfeld gibt keine Konzession ans Christentum, wobei er sich dennoch von der jüdischen 
Tradition trennt. Er sah, ähnlich wie die christlichen Kabbalisten der Renaissance, in der 
Kabbala eine Uroffenbarung der Menschheit, die die Grundlage einer gemeinsamen Religion 
der ganzen Menschheit bilden könnte. Er kritisierte Judentum und Christentum. Ihre Vertreter 
verstehen ihre eigene Religion nicht wirklich, daher braucht man eine Reform und Reinigung. 
Durch die Kabbala könnten die unüberwindlichen Schwierigkeiten von Judentum und 
Christentum aufgelöst werden. 

Dieses Gedankengut vertrat Hirschfeld bis ans Ende seines Lebens, wie in einem Brief an den 
Landgrafen Karl von 1812 sehen kann: 



14" Peter Beer, Geschichte, Lehren und Meinungen aller bestandenen und noch bestehenden religiösen Sekten 
der Juden und der Geheimlehre oder Kabbalah, Brunn 1822/23, Band 2, S.390-400. 
147 E. J. Hirschfeld, Biblisches Organon, Offenbach 1796, Briefteil, S.12. 



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„Es gibt nur eine wahre Religion für alle Menschen, genau wie es nur eine 
menschliche Natur gibt. Da aber auch nur in den Grundstücken der wahren 
Kabbalistik die einzige wahre und allgemeine Religion liegt, so ist auch nichts 
natürlicher, als dass sich hier alle nur möglichen Religionsverwandte einigen. (...) 
Daher gleicht sich das reine Christentum und das reine Judenthum wie ein halber 
Tropfen Wasser dem anderen. "148 

In seiner Person vertrat Hirschfeld vielleicht den authentischsten Frankismus. 
Jakob Frank wollte ursprünglich keine Konversion zum Christentum, sondern eine neue 
Lehre, die auf der Kabbala, hauptsächlich dem Buch Sohar, basiert. Die Notwendigkeit der 
Taufe wurde erst später, durch den Druck der politischen Umstände, eingebaut. Das es auch 
einen anderen Weg gibt, zeigt das Phänomen der Prager Frankisten, die dennoch in Offenbach 
ihr spirituelles Zentrum sahen und ihre Kinder zum Lernen dorthin schickten. 

Als jüdische Freimaurer 1807 eine Loge in Offenbach gründen, versuchte Hirschfeld 
vergebens Einfluß zu gewinnen. Er starb am 27. Januar 1820 in Offenbach. Er gehört gemäß 
seinem Leben und Werk zur „Nachtseite" der Vernunft und ist ein noch sehr unbekannter 
Vertreter jener "dunklen" Seite der Aufklärung im 18. Jahrhundert. 

Seit dem ausgehenden 18. Jahrhhundert, als Moses Mendelssohn und die Aufklärung 
endgültig das Ende des jüdischen Mittelalters einläuteten, trat die Kabbala zunehmend in den 
Hintergrund. Nach der großen Popularisierung der lurianischen Kabbala hatten 
Sabbatianismus und der immer stärkere Zug des Rationalismus zunächst für ein Ende der 
Kabbala als festen Teil der jüdischen Tradition gesorgt. 
Sie überlebte im Chassidismus und in kleinen Kreisen. 



4 HASKALA 

Während sozusagen in Deutschland Moses Mendelssohn mit Lessing Schach spielte und sich 
mit Fragen der Ästhetik und Philosophie beschäftigte, lebten allerdings in Osteuropa 
bedeutende Zeitgenossen Mendelssohns, die ganz andere Formen jüdischer Tradition 
begründeten: 

• Israel ben Elieser (Akronym BeShT = Baal Shem Tov, 1700-1760) schuf den 
osteuropäischen Chassidismus, 

• Elia der ben Salomon Salman , der Gaon von Wilna (Akronym HaGra = Ha Gaon 
Rabbi Eliahu, 1720-1797), ein anerkannter Gegner von Chassidismus und Haskala, 
war der bedeutenste Vertreter der rabbinischen Gelehrsamkeit seiner Zeit. Und 

• Jakob Frank verwarf die ganze jüdische Tradition und entwickelte einen höchst 
eigentümlichen späten Ableger des radikalen Sabbatianismus. 

4.1 Mendelssohn 

Mendelssohn stand an der Schwelle einer neuen Zeit. 

Dennoch war er nicht der Erste, der sich um eine Befreiung aus dem Ghetto bemüht hat. 



148 Katz, Mendelssohn, S.306-307. 



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Es führen Brücken von der mittelalterlichen Aufklärung, deren bedeutendster Vertreter Moses 
Maimonides (1 135-1204) war, zur modernen Aufklärung des Moses Mendelssohn. 

Gelehrte des italienischen Renaissancejudentums wie Azaria dei Rossi (151 1-1578) oder 
Leone Modena (1571-1648) und tragische Einzelschicksale wie Uriel da Costa (1585-1640) 
und Baruch Spinoza (1632-1677) sind Pfeiler dieser Brücke. Bereits bei ihnen gab es 
Öffnungen zur weltlichen Kultur. Daneben finden sich in ihren Werken historisch-kritische 
Auseinandersetzungen mit den religiösen Traditionen der rabbinischen Gelehrsamkeit. 

Auch die messianische Bewegung um Sabbatai Zwi ( 1626-1 676) 149^ sowie in dessen Folge 
die sabbatianischen Kontroversen, wie der Amulettenstreit von Hamburg, hatten die jüdische 
Tradition in ihren religiös-nationalen Normen zwar erschüttert und geschwächt, aber nicht 
eingreifend verändert. 

Aber erst in der jüdischen Form der Aufklärung, der Haskala, an deren Anfängen Moses 
Mendelssohn steht, wurde nun die Integration der Juden in die bürgerliche Gesellschaft, die 
Akkulturation und die Reform des jüdischen Bildungswesens angestrebt, was die deutsche 
und hebräische Sprachpflege voraussetzte. 

Mendelssohn war nicht der Gründer, sondern eher der geistige Vater der jüdischen 

Aufklärung. 

Er hatte versucht, das Judentum für die moderne Welt zu öffnen. Diese Öffnung zur 

modernen Welt beinhaltete die Gleichheit der Rechte und die Aufnahme weltlicher Kultur. 

Als Gegenleistung dafür die Treue zur jüdischen Tradition aufzugeben kam Mendelssohn nie 

in den Sinn. Jüdische Tradition und die Öffnung zur äußeren Welt zeichnen sein Leben und 

Werk aus. 

Was bleibt von Mendelssohn, dessen Kinder sich schon taufen ließen und im deutschen 
Bildungsbürgertum völlig aufgingen? 

Nur der bedeutende jüdische Ahnherr einer Familie, in dessen Stammbaum wir Namen wie 
Dorothea Schlegel, Fanny Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy finden? 

Mendelssohn wird gerne etwas verächtlich als Popularphilosph bezeichnet, weil er das, was er 
zu sagen hatte, nicht in unlesbare Arbeiten einkleidete, sondern stattdessen eine klare Sprache 
bevorzugte. Nun, selbst wenn man das, was er dachte, mit dem vernichtenden Schlagwort 
nichts Neues bezeichnet, muss man zumindest das wie betonen. 

Mendelssohns Zeitumstände waren sein Kampf gegen das Ghetto von außen und innen. 

Er war kein zerrissener Mensch, der daran zerbrach, traditioneller Jude und deutscher 
Philosoph zugleich sein zu wollen. 
Er lebte bewußt in zwei Welten, er war 

• Mäuschen aus Dessau, wie er seinen Namen jüdisch-deutsch schrieb 

• und Moses Mendelssohn. 



14" Zu Sabbatai Zwi: Gershom Scholem, Sabbatai Zwi, der mystische Messias, Frankfurt a.M. 1992, Yehuda 
Liebes, On Sabbateanism and its Kabbalah, collected Essays (hebr.), Jerusalem 1995; zum Amulettenstreit und 
anderen Kontroversen um (vermeintliche) Anhänger Zwis: Elisheva Carlebach, The Pursuit of Heresy: Rabbi 
Moses Hagiz and the Sabbatian Controversies, 1990. 



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Unter dem Druck der Judengesetze Preussens musste er aber eine energieraubende Existenz 
als Buchhalter bei Tag und Philosoph in der Nacht führen. Zuweilen brach bei ihm die 
Hoffnungslosigkeit durch. 

Wenn man versucht, sich näher mit dem Leben und Wirken Mendelssohns 
auseinanderzusetzen, stößt man sehr leicht auf Legenden, die so fest verwurzelt sind, dass sie 
bereits wahr wurden. „ When the legend becomes fact, print the legend. " Dieser Ausspruch 
der amerikanischen Schriftstellerin Dorothy M. Johnson trifft auf Mendelssohn angewendet in 
vollem Umfang zu. Zahlreiche Schilderungen seines Lebens und Wirkens sind bereits kurz 

nach seinem Tod erschienen, 150 wo bei sich die Autoren zuweilen zu geradezu hymnischen 
Verehrungen hinreißen ließen. 

Davon ist auch die Schrift des Pester Rabbiners Moritz Meyer Kayserling (1829-1904)1^1 
nicht frei, die fast 100 Jahre lang ein Standardwerk war. 

Diese leicht romantisierte Betrachtung Mendelssohns stilisierte ihn zur Symbolfigur der 
sogenannten deutsch-jüdischen Symbiose. Ebenso schildert Sebastian Hensel (gest. 1898) 
Mendelssohn als Modellfall des deutschen Judentums in seinem Überblick zur gesamten 

Familie Mendelssohn. 1 52 

Erst Alexander Altmann (1906-1987)153 verfaßte die erste historisch-kritische Darstellung 

Mendelssohns, die allerdings englischsprachig ist und bis heute nicht übersetzt wurde. 



4.1.1 Isaak (Itzik) Abraham Euchel 



Eines der größten Probleme für die Biographen waren die Jugendjahre Mendelssohns, da er 
selbst, vielleicht aus Bescheidenheit, nur spärliche Mitteilungen gegeben hatte. So griffen alle 
Autoren meist auf die umfangreichste frühe Darstellung Mendelssohns zurück, die von einem 

Anhänger der Haskala, Isaak (Itzik) Abraham Euchel (1756-1804) verfaßt worden ist,154 
oder auf die Schriften eines ebenfalls prominenten Vertreters der Haskala, David Friedländer 
(1750-1834). 155 

Einige der hier berichteten Anekdoten sind zwar durchaus überzeugend, aber nicht mehr auf 
ihren Wahrheitsgehalt überprüfbar und verschwimmen so ins Legendenhafte. Erschwerend 



l-'O Siehe: JubA 23, Dokumente II, Die frühen Mendelssohn-Biographien, Stuttgart-Bad Cannstatt (Friedrich 
Frommann) 1998. 

1 -> 1 Meyer Kayserling, Moses Mendelssohn, sein Leben und seine Werke, nebst einem Anhange ungedruckter 
Briefe von und an Moses Mendelssohn, Leipzig (Hermann Mendelssohn) 1 862, die zweite überarbeitete 
Auflage enthält die Briefe allerdings nicht mehr: Moses Mendelssohn, sein Leben und Wirken, Leipzig 
(Hermann Mendelssohn) 1888. 

152 Sebastian Hensel, Die Familie Mendelssohn 1729-1847, nach Briefen und Lagebüchern, zwei Bände, Berlin 
(Georg Reimer) 1918 10 , S.l-43. 

1-" Alexander Altmann, Moses Mendelssohn, a biogaphical Study, Alabama (University of Alabama Press) 
1973. 

154 Zu Euchel: Moshe Pelli, Lhe Age of Haskalah, Leiden (Brill) 1979, S.; Shmuel Feiner, Isaak Euchel - 
„Entrepreneur" of the Haskalah Movement in Germany (hebr.), in: Zion 52, 4 (1987), S. 427-469; Shmuel Feiner. 
Mendelssohn and „Mendelssohn 's Disciples", a Re-examination, in: LBYB 40 (1995), S. 133-167; Reuven 
Michael, Über Isaak (Itzik) Abraham Euchel, in: JubA 23, Dokumente II, Die frühen Mendelssohn-Biographien, 
S.257-263. 

155 David Friedländer, Moses Mendelssohn, Fragmente von ihm und über ihn, Berlin (Friedrich Enslin) 1819; 
David Friedländer, Moses Mendelssohn, in: Jedidja 3/1 (1819), S. 226-249 (deutsche Übersetzung der franz. 
Biographie für die „Biographie universelle, ancienne et moderne, Band 28, Paris (Michaud) 1821, S. 274-282. 



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ist, dass Euchels Buch eine unter aufklärungspädagogischen Zwecken 

geschriebene Verschmelzung von Dichtung und Wahrheit ist. 

Mendelssohn tritt hier geradezu hinter dem Vorhang der Intentionen Euchels. Er 

veröffentlichte in Ha-Me 'osse/seine auf hebräisch verfaßte Mendelssohn-Biographie. 156 £ r 
erzählte darin zahlreiche Details über Mendelssohns Kindheit, Jugend und die ersten Berliner 
Jahre, die ihm zum Teil von Mendelssohns Freunden und dessen Familie erzählt worden sein 
sollen. Eingekleidet in eine enthusiastische Beschreibung Mendelssohns, entfaltet Euchel 
darin seine eigene Sicht der Haskala. Sein Zielpublikum lag eindeutig im Osten, das im 
Wirken Mendelssohns eine nachahmenswerte Persönlichkeit entdecken sollte. Daher schrieb 
Euchel auf hebräisch und ließ es in Raschi-Schrift drucken. 

Mendelssohn wird in dieser Biographie zur Symbolfigur aller Haskalabestrebungen. Das 
Werk ist weniger eine Biographie als eine Propagandaschrift der Haskala. Besonders wichtig 
war daher Mendelssohns Jerusalem für Euchel, das fast die Hälfte des ganzen Buches 
ausmacht und auszugsweise übersetzt wurde. Da Euchel sich für die Pflege der hebräischen 
Sprache und Grammatik inerhalb der Haskala einsetzte, beschrieb er ausführlich 
Mendelssohns Bemühungen für ein lebendiges Hebräisch und ein korrektes Deutsch. Er 
kritisierte scharf das traditionelle Schulsystem. Diese Kritik wurde wiederum unter der Folie 
der Biographie geübt. Da es früher bei den Schullehrern meist unüblich war, die hebräische 
Grammatik den Kindern zu lehren, behauptete Euchel, dass Mendelssohn bereits als kleines 
Kind die Notwendigkeit des Grammatikstudiums erkannt haben soll. 

Euchel vertrat trotz der Kritik an den jüdischen Erziehungsmethoden der „Fanatiker" 157 n i c ht 
etwa die Forderung nach einer umfassenden religiösen Reform. Noch bevor der Begriff „neo- 
orthodox" überhaupt geboren war, vertrat Euchel diese Position. Den Aufruf zur Pflege der 
deutschen und hebräischen Sprache wurde auch in seinen Artikeln mit heftiger Kritik an der 
Orthodoxie begleitet. Um das Unzeitgemäße der althergebrachten jüdischen Erziehung zu 
kritisieren, schrieb Euchel sogar eine Satire im sonst so geschmähten Jiddisch, Reh Henoch, 
oder was tut man damit, die den Untergang einer orthodoxen Familie beschrieb. Euchel 
erkannte in Mendelssohn die positive Verbindung zwischen Aufklärung und jüdischer 
Tradition. Um dieses Bild zu stärken, blendete er in Mendelssohns Biographie dessen 
Auseinandersetzungen mit traditionellen Rabbinern, wie Jakob Emden oder die 
Begräbniskontroverse, völlig aus. 



4.1.2 Biographie Mendelsohns 



Was erzählte nun Mendelssohn selbst über sein Leben? 

In einem Brief an Johann Jacob Spieß (1730-1814) von 1774 findet sich ein äußerst geraffter 

Lebenslauf. 

Mendelssohns Antwort wirkt wie ein Zeugnis der Bescheidenheit, da er in keiner Zeile seine 

zahlreichen Schriften erwähnt. Der Brief faßt in weniger als dreißig Zeilen sein bisheriges 

Leben zusammen, ohne sein Person in irgendeiner Form herauszustellen. Der Dessauer 

Rabbiner Max Freudenthal führte die Kargheit dieser Aussagen auf Mendelssohns Mangel 



^"Isaak Euchel, Toldot Rabenu haHacham Moshe ben Menachem, in Hame'asef 4 (1788), separat 1788 in 

Berlin (Orientalische Buchdruckerei), die neue Edition erschien 1814 in Wien (Georg Holzinger), Reuven 

Michaels deutsche Übersetzung wurde in JubA 23, Dokumente II, Die frühen Mendelssohn-Biographien, 

aufgenommen. 

15' Euchel, Toldot, S.8, JubA 23, Dokumente II, Die frühen Mendelssohn-Biographien, S. 1 15. 



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„an historischem Gefühl" und „Verständnis für geschichtliche Entwicklungen" zurück. 158 
Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte bei der Briefabfassung allerdings auch seine 
Nervenkrankheit, die seine geistige Arbeit und auch das Briefeschreiben erheblich 
eingeschränkt hatte. 

„Meine Lebensumstände sind von so geringer Erheblichkeit, dass ich Ihren Lesern 
keine sonderliche Unterhaltung davon versprechen kann; mir selbst haben sie so 
unwichtig geschienen, dass ich nicht das mindeste davon aufgezeichnet habe. Jetzt 
würde es mir unsägliche Mühe machen, verschiedene Partikularitäten meines Lebens 
ins Gedächtnis zu rufen und gehörig vorzutragen. Die Hauptfakta, auf die ich mich 
jetzt besinnen kann, sind ungefähr diese: Ich bin im Jahre 1729 (...) zu Dessau 
geboren. Mein Vater war daselbst Schulmeister und Zehngebotschreiber, oder Sopher. 
Unter Rabbi Fränkel, der damals in Dessau Oberrabbiner war, studirte ich den 
Talmud. Nachdem sich dieser gelehrte Rabbi, durch seinen Kommentar über den 
hierosolomitanischen Talmud, bey der jüdischen Nation grossen Ruhm erworben, 
ward er etwa im Jahre 1743 nach Berlin berufen, wohin ich ihm noch in demselben 
Jahr folgte. Allhier gewann ich durch den Umgang mit dem nachherigen Doctor der 
Arzneigelartheit, Herrn Aron Gumperz (der vor einigen Jahren zu Hamburg 
verstorben), Geschmack an den Wissenschaften, dazu ich auch von demselben einige 
Anleitung erhielt. Ich ward hierauf in dem Hause eines reichen Juden Informator, 
hernach Buchhalter, und endlich Aufseher über desselben seidene Waaren- 
Manufactur, welches ich noch auf diese Stunde bin. In meinem drei und dreißigsten 
Jahr habe ich geheirathet, und seitdem sieben Kinder gezeugt, davon fünfe am Leben. 
Übrigens bin ich nie auf einer Universität gewesen, habe auch in meinem Leben kein 
Collegium lesen hören. Dieses war eine der größten Schwierigkeiten, die ich 
übernommen hatte, indem ich alles durch Abstrengung und eigenen Fleiß erzwingen 
musste. "159 

Weitere spärliche Hinweise finden sich in Mendelssohns Schriften, wie z. b. in seiner Vorrede 
zur Übersetzung Manasseh Ben Israel' s Rettung der Juden^O oder in seinem Briefwechsel. 

Diese meist kurzen Bemerkungen reflektieren aber eher seine jeweilige persönliche Situation 
als seine Vergangenheit. 

Als Moses Mendelssohn am 6. September 1729 (12. Elul 5489)161 i m Hinterhaus der 
Hospital Straße 10 in Dessau, der Hauptstadt des damaligen Fürstentums Anhalt-Dessau 
geboren wurde, existierte die jüdische Gemeinde seit gerade 53 Jahren. 



15°Max Freudenthal, Aus der Heimat Mendelssohns, Moses Benjamin Wulffund seine Familie, die 
Nachkommen des Moses Isseries, Berlin (Franz Seeliger) 1900, S.l. 

1-^ JubA 12.2, Briefwechsel II. 1, Nr. 393 an Johann Jacob Spieß vom 1. März 1774, S.44, zuerst in: Johann 

Jacob Spieß, Brandenburgische historische Münzebelustigen, Teil 5, Anspach 1774, S. 103-104. Die Münze 

wurde zuletzt in Jub A 23, Porträts und Bilddokumente, S.73 abgedruckt. 

1"^ JubA 8, Schriften zum Judentum II, Stuttgart-Bad Cannstatt (Friedrich Frommann) 1983, S.4. 

161 Sem Geburtstag, ob am 12. Elul 5488 (1728) oder am 12. Elul 5489 (1729) ist umstritten. Fürchtegott 

Lebrecht (1800-1876) teilt in seiner Schrift Zum 150 Geburtstage Moses Mendelssohns (Berlin 1878), S.8., mit, 

dass Mendelssohn am 17. August 1728 (12 Elul 5488) geboren sei. Dies hängt mit der Inschrift auf 

Mendelssohns erstem Grabstein zusammen, der den 12. Elul 5488 nennt. Auch Markus Herz (in JubA, Band 3.2, 

S. 184) nannte Mendelssohn im Januar 1786 einen 57jährigen, folglich wäre er 1728 geboren. Euchel behauptete 

ebenfalls, dass Mendelssohn 57j ährig gestorben sei, nannte aber dennoch 1729 als Geburtsjahr. Ein Druckfehler 

oder ein Harmonisierungsversuch, das Geburtsjahr von Lessing und Mendelssohn gleichzusetzen? Die Inschrift 



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Die geographische Nähe zu Leipzig und Berlin sollte wirtschaftliche als auch geistige Impulse 
geben. 

1682 siedelten sich Saul Wahl (gest. 5. Juli 1717) und seine Gattin Sisa (Susanna, gest. 20. 
Oktober 1730) in Dessau an, Mendelssohns Großeltern mütterlicherseits. Er erhielt 1696 die 
Erlaubnis, die erste Schnapsbrennerei des Fürstentums einzurichten. 162 

Im selben Jahr siedelte sich die Familie Moses Benjamin Wulffs (ca. 1691-1729), ebenfalls 
Verwandte Mendelssohns mütterlicherseits, in Dessau an. Bela Rachel Sara war seine Nichte. 
Moses Wulff war Hoffaktor unter Johann Georg IL, seiner Witwe Henriette Katharina und 
schließlich unter seinem Sohn Leopold L, dem alten Dessauer. 

Er brachte dessen Finanzen in Ordnung, besorgte Gelder für den Armeeunterhalt, vertrat den 
Fürsten bei Prozessen vor Handelsgerichten. Er war so mit den Geschäften des Fürstenhauses 
verwoben, dass er nicht nur die vielen Kriegszüge Leopolds I. finanzierte, sondern auch die 
Erhebung von Leopolds bürgerlichen Frau Anna Luise in den Adelsstand. Wulff gründete ein 
Transport- und Postsystem, die Fürstlich Anhaltische Land- und Postkutsche . 

Er unterhielt ein privates Lehrhaus 163 unc j eme Druckerei 164 in seinem eigenen Haus, 
wodurch Dessau zum Anziehungspunkt von Gelehrten wurde. Moses Dessau, wie er genannt 
wurde, 165 starb am 29.8. 1729, ein paar Tage vor der Geburt des nächsten Moses aus Dessau. 

Die Familie Mendelssohn war stolz auf ihre berühmten Ahnen, darunter Moses Isseries 
(1520-1572), der bedeutende Verfasser der Mapa Schulchan Aruch, einer Bearbeitung des 
Gesetzescodexes Schulchan Aruch von Joseph Karo. 

Die Tochter von Saul und Sisa Wahl, Bela Rachel Sara (gest. 11.4. 1756, 11. Nissan 5516), 
heiratete in Dessau Mendel (Menachem) Heymann (1682-10.5.1766, 2. Siwan 5526). 
Nach der Liste der Dessauer Synagogsbediensten von 1726 war er Küster und Schulklopfer. 
Das hieß, dass er morgens die Gemeindemitglieder zum Gottesdienst rief, indem er an die 
Fensterläden klopfte. Er war außerdem So/er (Schreiber) und Gemeindesekretär. Sein 
Vorläufer war Ari Lob Lipschütz, der in Berlin 1736 starb. Mendels Aufgaben umfaßten das 
Schreiben und Verbessern von Torarollen, Heirats- und Scheidungsurkunden, sowie von den 
Gebetsinschriften für die Tefilin (Gebetskapseln) und Mezuzot (Gebetskapseln für die 
Türpfosten). Daneben war er Grundschullehrer. Die Grabinschrift seiner Gattin Bela Rachel 
Saras erwähnt ihren Vater Saul, aber ihren Mann Menachem Mendel mit keinem Wort. 



des ersten Steines ist abgedruckt in JubA 24, Porträts und Bilddokumente, Stuttgart-Bad Cannstatt (Frommann) 
1997, S. 131. Kayserling, Mendelssohn (1888), S.2, nannte dies einen Schreibfehler auf dem Grabstein, der um 
1861 bereits durch einen zweiten Stein ersetzt wurde, der 1729 nennt. Bei der Zerstörung des Friedhofs durch die 
Nationalsozialisten wurde er 1938 vernichtet, 1945 allerdings wiederum ersetzt. Als im Mai 1990 der 
mittlerweile vierte Grabstein eingeweiht wurde, diskutierte man erneut die Frage und entschied sich für 1729. 
Mendelssohn selbst hatte in seinem Brief an Spieß ebenfalls 1729 als Geburtsjahr genannt. Die Zeittafel, die in 
JubA Band 24, Porträts und Bilddokumente, abgedruckt ist, vermischt durch einen Druckfehler beide Daten: 
danach sei Mendelssohn am 17. August 1728 (12 EM 5489) geboren. Siehe: Eva J. Engel, Das Geburtsjahr 
Moses Mendelssohns, in: Aschkenas 1 (1991), S. 151-157. 

162 Freudenthal, Heimat Mendelssohns, S.l 18. 

163 F reudenthal , Heimat Mendelssohns, S.121. 

164 F reudenthal , Heimat Mendelssohns, S.1551T. 

165 Freudenthal, Heimat Mendelssohns, S.l 14. 



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Sie hatten vermutlich drei Kinder, Jente (gest. 12. August 1769), Saul und Moses, 
wahrscheinlich der Jüngste. 

Auf einem Foto in Freudenthals Schrift sind die Grabsteine Jentes und ihrer Eltern 
abgebildet. Der Stein Mendels trägt die Inschrift: 

„Am 2. Siwan 526 nach der kleinen Zählung verstarb in Ehren Menachem, genannt 
Mendel der Schreiber, und er wurde am folgenden Tag beerdigt. Während seines 
Lebens ging er den gerechten Weg. Seine Taten wurden mit Ehre vollzogen, und er 
war eine der Ersten, die morgens und abends in der Synagoge waren. Seine Seele 
verschied in Reinheit. Möge er zum Bund des Lebens eingebunden werden." 166 
Freudenthal beklagte den Zustand der Steine. Drei Jahre nach den Feierlichkeiten zu 
Mendelsohns 200. Geburtstag 1929 wurden die Steine restauriert. Während des 
Novemberpogroms 1938 wurden die Grabstätten der Familie Mendelssohn verwüstet. Erst 
vor wenigen Jahren sind sie unter erheblichen Mühen wieder in Stand gesetzt worden. 167 

Mendelssohn wurde in Erinnerung an Isseries und Wulff Moses genannt. Wulff wie auch 
Mendelssohn lebten in zwei Sphären. Wulff, der Hofjude und Moses, der Philosoph, waren 
nicht nur traditionelle Juden, die die Verbindung zu dieser Tradition pflegten. Wulff als 
Vertrauter und Helfer des Fürsten hatte sich, wie andere Hoffaktoren seiner Zeit, von der Welt 
des mittelalerlichen Judentums entfernt. Wulff lebte noch bewußt in diesen beiden Welten. 
Mendelssohn wollte als traditioneller Jude Teil der Gesellschaft sein, in der er als 
Kulturschaffender mitwirkte. Beide lebten unter dem fürchterlichen Damoklesschwert der 
Gnade und Ungnade ihrer Landesherrn. 

Was wissen wir weiter von Mendelssohns Eltern? 

Die Gestalt seines Vaters bleibt im Dunkeln. Der einfache Hintergrund Menachem 

Heymanns, seine ermüdende Tätigkeit, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, werden in 

Euchels Schrift zum Mahnung. 

„Versteht das, Freunde der Wahrheit! Ein Schreiber und Kinderlehrer war Mosis 
Vater. Ihr wißt, das ist der niedrigste Stand und ein verächtlichtes Amt; nur ein 
hoffnungsloser Mensch, der Zuflucht sucht vor der Not des Hungers, wird sich ihm 
ergeben. Weder Reichtum noch Ehre wird diesem Menschen zuteil. In diesem bitteren 
Exil hat man sie zu den Geringsten in dieser Welt herabgewürdigt. (...) Trotzdem teilte 
er mit ihm von seinem Brot und Trank, bis er seinen Geburtsort verließ. Er ließ ihn 
aber erst fortgehen, nachdem dieser sehr in ihn gedrungen war." 168 

Ungenau bleibt die Gestalt des Vaters. Euchel berichtet anrührend, dass er den schwächlichen 

siebenjährigen Moses „eingehüllt in seinen Mantel, um drei oder vier Uhr morgens" im 

Winter zur Schule trug. 

Dies hatte Euchel von Friedländer, „der berichtete, was er aus dem Mund des weisen 

Mendelssohn hörte."! 69 

Kayserling machte aus dem Mantel gleich einen „alten, abgeschabten Mantel", um die 

Wirkung des Bildes zu unterstreichen. 170 Mendelssohn selbst erwähnt seinen Vater 



166 F r eudenthal, Heimat Mendelssohns, gegenüber S.34. 

1"' Grossert, Der Israelitische Friedhof Dessau, S. 25-27. 

*"° Euchel, Toldot, S.5, JubA 23, Dokumente II, Die frühen Mendelssohn-Biographien, S. 1 1 1 . 

1"^ Euchel, Toldot, S. 6, JubA 23, Dokumente II, Die frühen Mendelssohn-Biographien, S.l 12. 

1 '^ Kayserling, Moses Mendelssohn (1888), S.4 (in der ersten Auflage erwähnt Kayserling auf S.2 die 

Anekdote ohne Hinweis auf Euchel). 



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mehrmals gegenüber seiner Braut Fromet und ermunterte sie, ihm zu schreiben.! 71 In einen 
weiteren Brief an Fromet beklagte er den Gesundheitszustand seines Vaters, dass er so krank 
sei, dass er „kaum nach die Schul schleichen" könne 172 un( j es zweifelhaft sei, dass er zur 
Hochzeit kommen wird. Geistreich-ironisch beschrieb er seinen Vater: 
„Er ist lang lebe er nahe an 80, mit solchen Kindern ist nit zu scherzen. Die können wenig 

Strapazien aushalten." 173 

In einem anderen Brief ist ein interessantes Bekenntnis Mendelssohns zu entdecken: 

„Mein Vater er möge leben, befindet sich Gott sei Dank vor seinem Alter recht sehr 
gut, und lebt vergnügt. Wer weiss nach welcher Etikette er Ihnen noch nit hat 
antworten können? Er ist ein Man aus der alten Welt, und hat seine besondren Grillen. 
Mit mir zankt er fast ale Post Tag, bald sol ich ihm fleissiger und nit so kurze Briwe 

schreiben. Bald sol ich gar nach Dessau komen, und dergleichen." 174 

Mendelssohn nannte seinen Vater „einen Mann aus der alten Welt". 

Damit deutete er sein Verlassen der traditionellen Lebenswelt seiner Familie an. Mendelssohn 

verstand sich als moderner Mensch, der Anteil an der Kultur der Umgebung hat. 

Durch den Schritt, deutschsprachige oder lateinische Literatur nicht als trefa (unrein) 

anzusehen und sie zu studieren, trennte er sich vom Dessauer Ghetto, aber nicht vom 

Judentum. 

Euchel beschreibt den kleinen Moses Mendelssohn als Kenner der rabbinischen Schriften und 

der Bibel. Auch diese Schilderung ist verbunden mit einer Kritik Euchels an der traditionellen 

Erziehung: 

„Moses wurde zur Schule gebracht und lernte dort auf dieselbe Weise wie alle Kinder unserer 

Nation, die von den Vorschriften über Scheidebriefe, Heiliges, Schaden und Schädling und 

über noch viele ähnliche Angelegenheiten, die ihr Verständnis übersteigen, plappern, bevor 

sie einen Vers in der Bibel gehörig lesen können." 175 

Nach der damals üblichen Erziehung im Cheder lernte man den Talmud und seine 

Auslegungen, aber nicht die Bibel. So soll Mendelssohn sich selbstständig mit der Bibel 

befaßt haben: 

„Die Bibel lernte er ohne Lehrer. Ein zuverlässiger Mann, der sein Jugendfreund in Berlin 

war, erzählte mir, dass er wirklich alle Bücher der Bibel auswendig kannte." 176 
Daneben bewundert Euchel dessen meisterliche Beherrschung des Hebräischen, so dass es 
ihm möglich gewesen sein soll, bereits mit zehn Jahren hebräische Gedichte zu verfassen. 

Dies hätte er aber wegen Mangel an poetischen Talents schnell aufgegeben. 177 

Zunächst wurde Mendelssohn wahrscheinlich vom eigenen Vater unterrichtet, bevor er zu 
einem Lehrer namens Hirsch kam, Sohn eines Mitglieds des Dessauers Rabbinatsgerichts (Bet 
Din). 



171 Jub A 20.2, Briefwechsel (1761-1785), Brief Nr. 63 vom 2. März 1762 an Fromet Gugenheim, S.100. 

172 Jub A 20.2, Briefwechsel (1761-1785), Brief Nr. 87 vom 25. Mai 1762 an Fromet Gugenheim, S. 132. 

173 JubA 20.2, Briefwechsel (1761-1785), Brief Nr. 82 vom 7. Mai 1762 an Fromet Gugenheim, S.124. 

174 JubA 20.2, Briefwechsel (1761-1785), Brief Nr. 79 vom 30. April 1762 an Fromet Gugenheim, S.122. 
1 ' D Euchel, Toldot, S.6, JubA 23, Dokumente II, Die frühen Mendelssohn-Biographien, S. 1 1 1 . 

1 '" Euchel, Toldot, S.6, JubA 23, Dokumente II, Die frühen Mendelssohn-Biographien, S. 1 13. 
I 77 Euchel. Toldot, S.6, JubA 23, Dokumente II, Die frühen Mendelssohn-Biographien, S.l 1 1-1 12. 



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SS 2003 Seite 56 

Kayserling erwähnt, dass dieser später die „Frömmigkeit, den Fleiß und klaren Verstand 
seines Schülers" gerühmt hätte. 178 \y] e man [ m Briefwechsel Mendelssohns sehen kann, 
bestand der Kontakt mit Hirsch über Mendelssohns Abreise aus Dessau hinaus. 179 

Diese Abreise ist eng mit der Gestalt seines Lehrers R. David Hirsch Fränkel (1707-1762) 

verbunden, einer der vier Menschen, die er in seinem biographischen Abriß an Spieß erwähnt 

hatte. 

Fränkel war zuvor als Kaufmann und Juwelier in Hamburg und Berlin tätig, bevor er in 

Dessau ab 1737 sein erstes Amt als Rabbiner annahm. 180 Fränkel war verwandtschaftlich 
ebenfalls mit der Familie Wulff verbunden. Sein Bruder Abraham war mit Deborah Wulff, 
der Tochter des Moses Benjamin Wulff, verheiratet. 

Durch die Memoiren Abraham Bri Bras (Abraham b. R. Josef b. R. Ahron), einem der 
Schüler Fränkels, sind wir über dessen Unterrichtsmethoden ein wenig informiert. 

Vom Nachmittag bis zur Zeit des Abendgebetes wurde der Talmud studiert, nach einer 
Pause widmeten sich die Schüler dem Schulchan Aruch und dem Kommentar Magen 
Abraham (Schild Abrahams). Die Fortgeschrittenen studierten bereits ab sieben Uhr in 

der Früh kompliziertere Passagen aus dem Gesetzescodex. 181 Fränkel half seinen 

Schülern, indem er sich um fianzielle Unterstützungen und Freitische bemühte. 

Ebenso durften sie stundenweise in seinem Haus allein lernen und seine Bibliothek 

benutzen, da Bücher unerschwinglich oder vergriffen waren. 
In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Fränkel für die Neuauflage der wichtigsten 
Werke des Maimonides verantwortlich war. 

1739 -1742 ließ er in Jessnitz die vierzehnbändigeMwc/zwe Tora und 
1742 den More Newuchim (Führer der Schwankenden) drucken. 

Der ursprünglich auf arabisch verfaßte More Newuchim, die theologische Hauptschrift 

des Maimonides 182^ wa r seit 1305 mit einem rabbinischen Bann belegt, der das 
Studium des Buches vor dem 25. Lebensjahr untersagte. Dies war einer der Gründe, 
warum es seit 1553 nicht mehr aufgelegt worden ist. Das Werk, das die aristotelische 
Philosophie mit den Elementen der jüdischen Religion zu vereinbaren sucht, erschien 
in der Neuauflage ohne die damals notwendigen rabbinischen Approbationen. Das läßt 
darauf schließen, dass Fränkel den Druck unterstützt hat. Denn sonst wäre er gar nicht 
möglich gewesen. 

Fränkel muss für Bildung jenseits des traditionellen Horizontes aufgeschlossen gewesen sein. 

Bereits in seinem Kommentar zum palästinischen Talmud erklärte er fremdsprachliche 

Begriffe durch deutsche Worte, die allerdings deutliche Spuren des Jiddischen tragen. 183 



178 Kayserling, Moses Mendelssohn (1888), S.4. 

179 JubA 20.2 , Briefwechsel (1761-1785), Brief Nr.94 vom 30. September 1766 an Naphtali Herz, S.151. 

180 y[ax Freudenthal, R. David Fränckel, in: Gedenkbuch zur Erinnerung an David Kaufmann, hg. von M. 
Brann und F. Rosenthal, Breslau (Schles. Verlags-Anstalt), 1900, Reprint Jerusalem 1970, S. 569-598; 

1°1 David Kaufmann, Aus Moses Mendelssohns Frühzeit, in: Allgemeine Zeitung des Judentums 55 (1891), 

S.476-478. 

*°^ Das arabische Original „Dalälät al-cha'irin", hg. von J. Kafah (Jerusalem 1972), engl. Übersetzung: The 

Guide of the Perplexed, hg. von Shlomo Pines, Chicago (Chicago University Press) 1963, zwei Bände. 

183 Freudenthal, Fränckel, S. 17, Fränkel's Kommentar zum Traktat Moed des palästinischen Talmud erschien 

unter dem Titel Kommentar zu Moed des Jeruschalmi Qorban ha-Edah vsgv icre, (Die Gabe der Gemeinde) 

Dessau 1743. 



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Aber es existiert darüber hinaus ein deutschsprachiges Dokument Fränkels mit seinem 

Namenssiegel in lateinischen Buchstaben. 184 

Daraus ist abzuleiten, dass er deutsch lesen und schreiben konnte. Dadurch unterscheidet er 
sich von jenen Rabbinern seiner Zeit, die sich von jeden nicht-hebräischen Buchstaben mit 
Grausen abwandten, da dies bereits eine Hinwendung zu weltlicher Kultur und damit eine 
Abkehr der traditionnellen Lebensweise sei. 

Diese Haltung Fränkels war für die weitere Entwicklung Mendelssohns nicht unbedeutend, 
der seit 1739 bei ihm lernte. Nach Euchel hat Mendelssohn den kontroversiellen Führer des 
Maimonides während dieser Lehrjahre in Dessau studiert. Er soll folglich seinen ersten Schritt 
zur Philosophie durch das mittelalterliche jüdisch-arabische Gedankengebäude des Moses 
Maimonides getan haben. Euchel, als auch Mendelssohn, erwähnen nicht, dass Fränkel mit 
seinen Schülern den Führer studiert hätte. Nimmt man die bereits erwähnten Memoiren des 
Abraham Bri Bra hinzu, erfährt man, dass es den Studenten erlaubt war, in einem Raum 
seines Haus allein in der Nacht zu studieren. So wäre es möglich, dass Mendelssohn sich in 
den Nachtstunden aus der zugänglichen Bibliothek schlicht bedient hat. 

Hierzu findet sich eine gern erzählte Anekdote bei Euchel. Er soll sich so sehr ins Studium 
vertieft haben, dass er seinen Körper sträflich vernachlässigt hat, was seine spätere 
Verwachsenheit zu Folge hatte. 

„Ein Mensch dagegen, der sich nur in vernünftige Gedanken vertieft, ohne seinen 
Körper und dessen Bedürfnisse zu berücksichtigen, sündigt gegen sein Fleisch und tut 
ihm weh. So geschah es mit Moses. Da er Tag und Nacht über die Weisheit 
nachdachte und sich mit seinen Gedanken in sie vertiefte, um zur endgültigen Absicht 
des Führers zu gelangen, schadete er seinem Körper, und er erkrankte; seine 
Erscheinung wurde entstellt, und er magerte bis auf den Tod ab. In seinem 
Freundeskreis äußerte er manchmal zum Spaß: 'Maimonides war der Grund zur 
Enstellung meiner Erscheinung. Er verdarb meinen Leib, und seinetwegen wurde ich 
schwächlich. Trotz alledem brachte ich ihm große Liebe entgegen, denn er 
verwandelte viele Stunden meines Lebens vom Leid zur Freude; und wenn er mir auch 
unabsichtlich Böses antat, indem er meinen Körper schwächte, so machte er es 

siebenfach wieder gut, indem er durch seine erhabenen Lehren meine Seele heilte. '185 

Das ungebrochene Interesse an Maimonides findet sich nicht nur bereits in Mendelssohn' s 

erster Zeitschrift, KohelethMusar, (Der Moralprediger). 1°" 

1761 wird er die einzige rein philosophische Schrift Maimonides, die arabische Jugendschrift 
Millot ha-higgajon, 1 87 hebräisch kommentieren. 188 Einflüsse des großen Denkers sind auch 
in Mendelssohn' s Spätwerk Jerusalem nachweisbar. 

Am 10. Juni 1743 verließ Fränkel Dessau, da er nach Frankfurt an der Oder berufen wurde. 
Als zwei Tage später der Verwalter des Berliner Rabbinats, Mordechai Tockeles, starb, 
beschloß die Gemeinde, Fränkel als Oberrabbiner von Berlin einzusetzen. Fränkel, der durch 



184 Freudenthal, Fränckel, S. 18-19. 

1°5 Euchel, Toldot, S.7, JubA 23, Dokumente II, Die frühen Mendelssohn-Biographien, S. 1 13. 

186 Hameass 1785 S. 118 

*°' Israel Efros hat das arabische Original, Makälah Fi-Sinä'at Al-Mantik, zusammen mit drei hebräischen und 

einer englischen Übersetzung herausgegeben: Treatise on Logic, in: American Academy for Jewish Research, 

Proceedmgs 8 (1938), S. 1-215. 

188 



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seine Arbeit am palästinischen Talmud einen Ruf als ausgezeichneter Gelehrter hatte, willigte 
ein und zog nach Berlin. 189 

Mendelssohns Verhältnis zu seinem Lehrer muss außergewöhnlich gewesen sein, da er ihm 
nach Berlin nachfolgte. Für die Verehrung Fränkels spricht das früheste Schriftstück, das wir 
von Mendelssohn besitzen, eine Buchwidmung. 

Wie kam der vierzehnjährige Moses nach Berlin? 

Seine Abreise aus Dessau, als auch seine Ankunft in Berlin ist mit Legenden umwoben. Er 
selbst schrieb an Spieß, dass er seinem Lehrer 1743 gefolgt sei. Mendelssohn lernte unter 
Fränkel und bekam Lust an der Gelehrsamkeit. Menachem Mendel ließ seinen Sohn Dessau 
verlassen, da er wußte, dass er bei Fränkel eine bessere Ausbildung erhalten kann als zuhaus. 

Angeblich hätte Mendelssohn die halbe Stadt umwandern müssen, da es damals Juden nur 
erlaubt gewesen sein soll, durch das „Rosenthaler Tor" die Stadt zu betreten. Als der 
Torwächter ihn fragte, was er denn in Berlin vorhabe, habe Mendelssohn geantwortet: 

„Lernen! "190 Da er sich auf Oberrabiner Fränkel berief, soll er eingelassen worden sein. Die 
Glaubwürdigkeit dieser Anekdote wird durch den Umstand in Frage gestellt, dass einreisende 
Juden nur durch das Hallische und das Prenzlauer Tor nach Berlin kommen durften. 191 

Nach einer damals gerade vorgenommenen Zählung lebten 333 jüdische Familien in Berlin, 
ca. 1945 Seelen. 

Die Einreiseformalitäten waren aber nicht das einzige Übel, unter denen die Juden Preußens 
leiden mussten. Der französisch sprechende Friedrich IL, jener aufgeklärte Monarch mit 
seiner Vorliebe für die Philosophie, dehnte seine Toleranzgedanken nicht auf die jüdischen 
Bürger seines Reiches. 

Eine Fülle von Reglements bestimmten das jüdische Leben Berlins, die sich in nicht weniger 
als sechs Klassen gliederten. Die größtmögliche Freiheit, die ein Jude in Berlin erlangen 
konnte, war 

• das Generalprivileg. 

Der stolze Besitzer konnte überall dort hinziehen, wo es Juden erlaubt war zu wohnen. 
Er besaß sogar Bürggerecht, das ebenso für seine Familie galt. 

• Die zweite Klasse bildeten die ordentlichen Schutzjuden. 

Diese konnten ihre Vorzüge nur auf ein Kind vererben. Die weiteren Kinder mussten 
in raffinierter Staffelung Gebühren zahlen, wenn sie ebenfalls ordentliche Schutzjuden 
werden wollten: 1000 Taler für das zweite Kind, 2000 für das dritte etc. Die 
Privilegien der außerordentlichen Schutzjuden waren nicht vererbbar. Die Familie 
musste nach dem Tod des Vaters die Stadt verlassen. 

• Die nächsten war die Gruppe der Gemeindebediensteten, 

die den gleichen Status wie die außerorderntlichen Schutzjuden hatten, nur war ihnen 
verwehrt, sich mit Handel abzugeben. Die tolerierten Juden hingen von der Patronage 
eines Schutzjuden ab. 



189 Freudenthal, Fränckel, S.29-30. 

190 Kayserling, Mendelssohn (1888), S.7. 

1 9 1 Ludwig Geiger, Geschichte der Juden in Berlin 



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• Die nächste Kategorie waren die Angestellten, 

die nur solange sie Arbeit in Berlin hatten, dort auch leben durften. Die Freuden einer 
Heirat waren ihnen verwehrt. 

Moses Mendelssohn fiel bei seiner Ankunft in Berlin in keine der Klassen. Er war nur 
geduldet, da der Oberrabbiner Fränkel für ihn bürgte und ihm Wohung und Essen gab. 
Fränkel bemüht sich um Mendelssohn, macht ihn mit Israel Samoscz (1700-1772), einem 
Talmudgelehrten und Aaron Salomon Gumperts (1723-1763), bekannt, bei denen er sehr viel 
europäische Bildung lernt. 

Nach Tätigkeiten als Hauslehrer wurde er Buchhalter in der Fabrik des Seidenfabrikanten 
Isaak Bernhard, was er zeitlebends blieb, da ihm 1771 durch einen Einspruch Friedrichs des 
Zweiten die Aufnahme in die Akademie der Wissenschaften verweigert wurde. 

Mendelssohn war kein „Hofjude", geschweige denn „ordentlicher Schutzjude". Erst nachdem 
er 1763 den 1. Preis der Berliner Akademie der Wissenschaften für seine „Abhandlung über 
die Evidenz in metaphysischen Wissenschaften" erhalten hatte wurde er „außerordentlicher 
Schutzjude". Im Gegensatz zum „ordentlichen Schutzjuden" wurde das Wohnrecht in Berlin 
nicht auf die Angehörigen vererbt. Den zweiten Platz gewann damals Immanuel Kant. Dieser 
hat es sich später in seiner „Kritik der reinen Vernunft" nicht nehmen lassen, den 
Mendel ssohnschen Seelenbegriff zu widerlegen. 192 

Während Mendelssohn neben dem Broterwerb fleißig profane Fächer studierte, arbeitete er 

zusammen mit Gotthold Ephraim Lessing und Friedrich Nicolai an der „Bibliothek der 

schönen Wissenschaften und der freyen Künste" (1756-1759) und an den „Briefen die 

Neueste Literatur betreffend" (1759-1763). 

Er war befreundet mit Herder, Wieland, Kant, Lichtenberg und den Brüdern Humboldt, die er 

Hebräisch lehrte. 

Sein lebenslanger Freund Lesing veröffentlichte sein erstes Werk, die „Philosophischen 

Gespräche" (1755). 

Mendelssohn schrieb zunächst Schriften zu Ästhetik und Philosophie, wie „Phädon" (1767). 
Er verstand sich als deutscher Philosoph, Religion war ihm, als orthodoxer Jude, 
Privatangelegenheit. Er versuchte seiner Idealfigur, Maimonides, nachzuleben. Kultur der 
Umgebung plus jüdische Tradition. Jiddisch lehnte er als „Jargon" ab, von Bewegungen wie 
dem Chassidismus, nahm er kaum etwas wahr. In sich hatte er Judentum und „Weltweisheit" 
vereinigt und sich dabei stets für die bedrängte Judenheit eingesetzt. 

Aber erst die Auseinandersetzung mit dem Schweizer Theologen Johann Caspar Lavater 
holte ihn in die gefährliche Manege der „christlich-jüdischen Disputationen". Danach sollte 
er seine Gedankenwelt in Schriften wie „Jerusalem" oder der Vorrede zur deutschen 
Übersetzung von Manasseh Ben Israels (1604-1657) „Vindiciae Judaeorum-Rettung der 
Juden" (1782) schöpferisch „mit allergnädigsten Freyheiten" (so das Titelbaltt zu 
„Jerusalem") ausformulieren. Natürlich war er bereits vor diesem Streit wiederholt in den 
Bannstrahl geraten. 



192 Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Band 2, Frankfurt a.M. 1974, S. 350-358. 



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Zeitgenossen wie Thomas Abbt hatten bedauert, dass der „Jude Moses" sich nie bekehren 
ließe und die Literaturbriefe waren aufgrund einer anonymen anklage 1762 kurzfristig 
verboten worden: 

„Es erscheine in Berlin eine schändliche Schrift (...), worin ein Jude in einem Aufsatz 
wider den Hrn. Hofprediger Cramer zu Kopenhagen die Gottheit Christi bestritten, 
auch die Ehrfurcht gegen des Königs Allerhöchste Person durch ein freches Urteil 
über die Poesies diverses aus den äugen gesetzt habe. Er finde sich in seinem 
Gewissen verbunden, diese Attenate des Juden der Allerhöchsten Behörde 
anzuzeigen." 193 

Als Mendelssohn zum Generalfiskal zitiert wurde, soll er -laut Nicolai - folgendes Wort fallen 
gelassen haben: 

„Wenn ich mit einem Christen Kegel schiebe, wäre es auch ein Hofprediger, so werfe 

ich alle Neune, wenn ich kann." 1 94 

Mendelssohn litt unter der drastischen Judenger setzgebung. Als Mendelssohn Frumet 
Gugenheim aus Hamburg heiratete, war er, wie jeder Jude Berlins, gezwungen worden, einen 
Posten aus der frisch gegründeten Berliner Porzellanmanufaktur zu kaufen - allerdings nicht 
nach freier Wahl! Lavater hatte einen Teil der frisch erschienenen „Palingenesie 
philosophique" von Charles Bonnets unter dem Titel „Herrn Carl Bonnets, verschiedener 
Akademien Mitglieds, philosophische Untersuchung der Beweise für das Christentum" in 
Zürich 1769 veröffentlicht und mit einer öffentlichen „Zuschrift" an Mendelssohn versehen. 
Darin forderte er ihn auf: 

„Nicht, diese Schrift mit philosophischer Unparteilichkeit zu lesen; denn das werden 
Sie gewiß, ohne mein Bitten, sonst thun: Sondern, dieselbe öffentlich zu widerlegen, 
wofern Sie die wesentlichen Argumentationen, womit die Thatsachen des 
Christentums unterstützt sind, nicht richtig finden: Dafern Sie aber dieselben richtig 

finden, zu thun, was Klugheit, Wahrheitsliebe, Redlichkeit Sie tun heißen." 195 
Das Christentum öffentlich zu widerlegen oder sich taufen lassen forderte Lavater von einem 
Juden, der mit seiner Familie stets ohne der drohenden Ausweisung lebte. 
Mendelssohn antwortete zurückhaltend, aber dennoch bestimmt: 

„Ich begreife nicht, was mich an eine, dem Ansehen nach so überstrenge, so allgemein 
verachtete Religion fesseln könnte, wenn ich nicht im Herzen von ihrer Wahrheit 

überzeugt wäre." 196 

Die Auseinandersetzung war keineswegs mit Mendelssohns Antwortschreiben beendet. 
Andere meldeten sich zu Wort und warfen Lavater war, er dürfe Mendelssohn nicht 
herausfordern. Mendelssohn blieb nach der öffentlichen Kontroverse zwar der „moralische" 
formale Sieger, wurde aber nervenkrank. Der eigentliche Kern der Debatte, Judentum oder 
Christentum, blieb nahezu unangetastet. 197 



1"-' Friedrich Nicolai, „Kritik ist überall, zumal in Deutschland, nötig", Satiren und Schriften zur Literatur, 

München 1987, S.450. 

194 ebd. S.448. 

l"-' Mendelssohn, Jubiläumsausgabe, Band 7, S.3. 

196 ebd. S. 9. 

I 9 ' Der gesamte Lavater- Streit wird im Band 7 der Jubiläumsausgabe von Simon Rawidowicz S.XI-CLVIII 

ausführlichst behandelt, ebenso sind alle Schriften, Briefe und Dokumente, dort abgedruckt 



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Der Hintergrund für Mendelssohns „Vorrede" war die von ihm angeregte Veröffentlichung 

von Christian Wilhelm Dohms „Über die bürgerliche Verbesserung der Juden" (1781), das 

die Emanzipation der Juden maßgeblich förderte, sowie die Toleranzpatente Josephs des 

Zweiten für die Juden Böhmens (1781) und Österreichs (1782). 

Mendelssohn dachte, dass es eine gute Stunde sei, die Gleichberechtigung auch in Preussen 

voranzutreiben. Wer konnte denken, dass dieser Kampf noch fast hundert Jahre dauern würde 

-bis 1871. 

Die knapp 25 Seiten starke Vorrede beinhaltete zunächst Reflektionen über die soziale und 

geistige Lage der Judenheit: 

„Man bindet uns die Hände, und macht uns zum Vorwurfe, dass wir sie nicht 

gebrauchen." 198 

Äußerst brisant ist auf den weiteren Seiten der Aufruf an die jüdischen Rabbinen und 

Gemeindevorstände, den rabbinischen Bann aufzugeben. Dies war ein - durchaus taktvoll 

formulierter - Angriff auf die gerichtliche jüdische Autonomie. 

Mendelssohn erklärt, dass eine Religion nur Geist und Herz sei und daher keine Arme und 

Finger brauche. 

„Die wahre, göttliche Religion maßt sich keine Gewalt über Meinungen und Urtheile 
an; giebt und nimmt keinen Anspruch auf irdische Güter, kein Recht auf Genuß, 
Besitz und eigenthum; kennet keine andere Macht, als die Macht durch Gründe zu 

gewinnen, zu überzeugen, und durch Überzeugung glückselig zu machen." 199 

Als Reaktion auf diese Vorrede erschien 1782 in Berlin die in Wien verfaßte Broschüre „Das 
Forschen nach Licht und Recht in einem Schreiben an Herrn Moses Mendelssohn auf 
Veranlassung seiner merkwürdigen Vorrede zu Manasseh Ben Israel". Das Verfasserkürzel 
„S." und der Ort Wien wies auf Joseph von Sonnenfels hin. Eine geschickte Maskerade vom 
tatsächlichen Autor August Friedrich Cranz (1737-1801), um auf seine Schrift mehr 
Aufmerksamkeit zu lenken. Cranz warf Mendelssohn vor, er habe das Judentum verlassen 
und sich dem Christentum genähert, da doch die Basis des Judentums ein zwingendes Recht 
sei. Wie könne also Mendelssohn der Religion seiner Väter treu sein, wenn er dessen Basis 
negiere? 

Mendelssohn antwortete seinem Widersacher mit „Jerusalem", sichtlich inspiriert von Hobbs 

und Spinoza. 

Der Staat und die religiösen Institutionen haben das Ziel, das Glück des Menschen zu 
fördern. Allerdings besitzt der Staat die Macht zu befehlen und die Religion sollte nur 
lehren und überzeugen. Die konträren rechtlichen Verhältnisse im alten Israel mit 
religiösem Zwang waren ein einmaliges Geschehnis, da Gott der König Israels 
gewesen sei. Das Judentum sei keine geoffenbarte Religion. Es hat ein anderes 
Verständnis von Offenbarung als das Christentum: Den Juden wurden Gesetze, 
Vorschriften und Geboten offenbart und übergeben, die sie allein halten sollen, nicht 
„ewige Heilswahrheiten". Diese religiösen ewigen Wahrheiten, die unerläßlich für das 
Glück des Menschen sind, können durch die menschliche Vernunft allein vollständig 
erreicht werden. Die Juden sind - bis der Messias kommt - , angehalten, die offenbarten 
Vorschriften zu erfüllen. 



1"° Jubiläumsausgabe Band 8, S.6. 
199 ebd. S.18. 



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Mendelssohn war traditioneller Jude und weltlicher Philosoph, der sich für die besseren 
Lebensverhältnisse seiner jüdischen Mitbrüder einsetzte. Er war kein Reformator der 
jüdischen Religion. Mendelssohn war Philosoph, der wie viele Vorgänger des Mittelalters, 
Philosophie und Offenbarung in Einklang zu verbringen. Er war unhistorisch, ja eigentlich 
desinteressiert an der Geschichte. 

Lessings Gedanke vom Fortschritt des Menschengeschlechts wurde von Mendelssohn 

abgelehnt. Der von der späteren Reform aufgenomme Gedanke, dass die Halacha sich stets 

wandle und daher gemäß den Anforderungen der Zeit verändert werden müßte, zeigt die 

Abhängigkeit von Lessings Gedankenwelt. 

Mendelssohn vertrat dagegen die Unabänderlichkeit der Halacha. 

Der Kreis um Mendelssohn sollte die Gedanken der Berliner Haskala weiter entwickeln und 

vorantreiben. Ohne die Träger der Aufklärung (Maskilim) wie Naftali Herz Wessely (1725- 

1805), Salomon Dubno (1738-1813), Herz Homberg (1749-1841), oder Lazarus Bendavid 

(1762-1832), wäre die von Mendelssohn unternommene Bibelübersetzung (in deutsch mit 

hebräischen Buchstaben plus Kommentar,der hebräisch verfaßte „Biur") und die hebräische 

Zeitschrift „HaMeassef = Der Sammler"200 n i c ht denkbar gewesen. 

Im „Biur" lehnt Mendelssohn die Bibelkritik ab und spricht von Heiligkeit des Textes und der 
Sprache. Es ist eine „jüdisch-rationale" Deutung der Bibel, die die Tradition nicht in Frage 
stellt. Dennoch wird sie von traditionellen Rabbinern (wie Eleasar Fleckeles oder Jecheskel 
Landau) abgelehnt, da die „Tora herabgewürdigt werde, indem man sie in die Rolle einer 
Dienerin zum Erlernen der deutschen Sprache benütze". 

4.2 Haskala 

Nicht nur Zeitungen, die Tätigkeiten von „Maskilim" als Hauslehrern in einflußreichen 
Familien, die Bibelübersetzung, sondern auch die neu gegründeten Schulen der Haskala 
sollten die Gedanken der Aufklärung in die Köpfe der Menschen bringen. Sie führten als 
Hauslehrer eigentlich ein Dasein einer sozialen Randgruppe, ein Wanderleben. 

Die wohlhabenden Kaufmannsfamilien in Berlin, Breslau und Königsberg bildeten durch ihre 
Hauslehrer die ersten Stätten der „Haskala". 

Der Mediziner Marcus Herz (1747-1803) und seine Frau Henriette Herz (1764-1847) hielten 
in ihrem Salon Vorlesungen und Lesungen ab. Es verkehrten Menschen wie Adalbert von 
Chamisso, Ludwig Börne, Heinrich Heine, Friedrich Schiller, Graf Mirabeau, Jean Paul, 
Madam de Stael, Karl Philipp Moritz oder Salomon Maimon. Der Unterschied zu anderen 
literarischen Salons war, dass beide jüdisch waren und blieben. 

Der Herz-Salon wurde zum Prototyp (Spandauer Straße, Neue Friedrichstraße) der „Berliner 
Salons". Auch Freidrich Schleiermacher verkehrte dort, besonders mit Henriette, wie auch der 
Minister Alexander Graf zu Dohna, Wilhelm von Humboldt und Friedrich Schlegel. 
Humboldt schwärmte so für Henriette, dass er ihr deutsche Briefe in hebräischen Buchstaben 
schrieb. 

Schlegel (1772-1829) verfaßte den „Skandal -Roman" „Lucinde". Das Vorbild für seine 
Heldin war Mendelssohns Tochter Brendel (1763-1839). Sie ließ sich taufen, bekam den 



200 Sie erschien 1784-1790, 1794-1797, 1809-1811. 



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Taufnamen Dorothea und wurde in zweiter Ehe die Frau Schlegels, den sie bei Herz 
kennengelernt hatte. Später konvertierte sie mit ihm zum Katholizismus, hielt in seinem Haus 
Vorlesungen zur Philosophie und Aufklärung ab. Der preussische Justizminister hörte sich 
begeistert seine Vorlesungen an, als „Amtsperson" verweigerte er jedoch Herz' Aufnahme an 
die Universität. 

Bald zeigten sich allerdings auch die Schattenseiten der Haskala in Mitteleuropa: das 
Schwinden der jüdischen Identität bis hin zur völligen Assimilation und bei einigen auch die 
Taufe. 

Vermittler der Aufklärung nach Osteuropa waren Vertreter aus habsburgi sehen Gebieten. Die 
im 19. Jahrhundert auf nationaler Grundlage entstandene Haskala in Osteuropa (vor allem 
Wilna und Odessa) brachte eine Renaissance der hebräischen Sprache für profanes Schriftum 
mit sich. Auch gelangte ironischerweise das von Mendelssohn polemisierte Jiddisch zu 
wahren Höhenflügen. Die osteuropäische Haskala wurde zum Wegbereiter des jüdischen 
Sozialismus und modernen Nationalismus. 

Von der Emanzipation zur Assimilation war für viele ein kleiner Schritt, der oft getan wurde. 
Der Verzicht auf die jüdische Tradition bedeutee für eine kleine Anzahl von Juden zu Beginn 
des 19. Jahrhunderts auch die Konversion. Dies war das „Eintrittsbillet zur europäischen 
Kultur", wie es der glücklose Konvertit Heinrich Heine formuliert hatte. Unter den 
Konvertiten war auch Abraham Mendelssohn, der Sohn von Moses und der Vater von Felix 
Mendel ssohn-B arthol dy . 

In Deutschland rief das Verlassen der alten Traditionen verschiedene Formen der Reaktion 
hervor: die bedeutendsten waren die jüdische Reformbewegung und die Altorthodoxie. 

Samson Raphael Hirsch bekämpfte beide und versuchte einen dritten Weg zu gehen, das als 
Neo-Orthodoxie bekannt wurde. Das Judentum aufrechterhalten, die Gebote erfüllen und die 
Kultur der Umgebung aufnehmen. 

5 RELIGIÖSE STRÖMUNGEN DER NEUZEIT I: 

DIE REFORMBEWEGUNG 

Giuseppe Tomasi di Lampedusa: 

Die Dinge müssen sich ändern, um die Gleichen zu bleiben (II gattopardo), und 
Federico Fellini: 

Je mehr sich die Dinge verändern, um so mehr bleiben sie, wie sie immer waren. Die 

menschliche Natur ist eben nur menschlich (Ich, Fellini). 

Die Geschichte der Reformbewegung, auch bekannt als liberales oder progressives Judentum, 
ist teilweise erforscht, vor allem die Schriften von Michael A. Meyer sind zu nennen - 
Response to Modernity 1988, regional gibt es hervorragende Arbeiten, wie die Schrift von 
Kershen und Romain zu England (1995), zu Deutschland ist der zweite Band der Deutsch- 
Jüdische Geschichte von Breuer, Graetz und Meyer zu nennen, der die Jahre 1780-1871 
behandelt, zu Wien gibt es die Arbeit von Landesmann und Brämer zu Rabbinern in Wien. 
Einzelgestalten, wie Geiger (z. b. S. Heschel), Holdheim, Hirsch und Frankel (A. Brämer) 
sind mittlerweile ebenfalls erforscht. 



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Innerhalb der Reformbewegung gibt es große lokale Unterschiede und man muss auch die 
Verlautbarungen der Reform jeweils vor ihren historischen Hintegrund sehen, da sie sich 
gemäß ihrem Inhalt den jeweiligen Zeitumständen versuchen anzupassen. 

Was ist nun eigentlich „Reform.." ? 

Die Halacha, die Welt der Gebote und Verbote, war stets im Fluß... und Öffnungen zur Kultur 
der Umwelt, sofern diese interessant war, hatte es u.a. neben dem spanischen Judentum auch 
im italienischen Judentum gegeben, Hand in Hand mit historisch-kritischen 
Auseinandersetzungen mit den religiösen Traditionen der rabbinischen Gelehrsamkeit. 

Die Reformbewegung ist eng mit Deutschland verknüpft, der Wiege der Reform, die heute in 
der ganzen Welt über 1 Million Anhänger hat. 

Als im 18. und 19. Jahrhundert die Ghettotore in Deutschland fielen, versuchte viele aus dem 

Bedürfnis heraus Brauchtum und Kultur der Umgebung in Einklang zu bringen, eine Art von 

Theologie und Ritus, der zeigt, dass das Judentum in der modernen Welt einen Platz 

beanspruchen kann. 

Die Geschichte der Reform hängt an vielen Strängen mit Schlagworten wie jüdische Identität, 

Nation, Assimilation, Wissenschaft des Judentums, usw. zusammen. Es ist eine tragische 

Geschichte. 

Nachdem die jüdische Tradition durch die messianischen Bewegungen erschüttert worden ist 
und die Haskala die Strukturen der Gemeinden zunehmend kritisierten und auf eine Trennung 
von Staat und Rabbinat pochten, war eine Reform des Ritus nur eine Frage der Zeit. 

Jüdische Menschen, die sich im Zuge der Haskala der idealistischen und romantischen 
deutschen Philosophie zugewendet hatten, erkannten das eine jüdische Gemeinschaft in 
Deutschland nur eine Chance hat, wenn sie sich nicht völlig auflösen oder in ein 
selbstgewähltes Ghetto gehen will: Veränderung. 

Als Reaktion auf die fortschreitende Assimilation und auch Konversionen entwickelten sie 
jüdische Lehren, die auf die Zeitumstände reagierten: von Anfang an aber war es nicht 
möglich, eine Reformlehre herauszubilden: so entstand reform, liberal, konservativ und neo- 
orthodox, die immernoch unveränderten traditionellen Juden fanden sich auf einmal im Lager 
der orthodoxen wieder. 

Die Reformbewegung entstand vor der Geschichte Deutschlands im 19. Jahrhundert, Vormärz 

und Revolution von 1848, und dem Kampf um die jüdische Emanzipation. 

Diese Emanzipation wurde von vielen als Bedrohung empfunden, was in den Hep-Hep- 

Unruhen von 1819 seinen Ausdruck fand. 

Von Würzburg aus griff der Aufruhr auf viele Städte, darunter am stärksten Heidelberg, 

Frankfurt, Hamburg. Hierosolyma es perdita (Jerusalem ist verloren). Das Eingreifen der 

Behörden gegen den Aufruhr war eher ein Abschirmen von revolutionären Kräften. Das 

Wartburgfest lag erst zwei Jahre zurück - 1817. 

Trotz des Erfolges der Haskala blieb die Mehrheit des deutschen Judentums bis in die Mitte 
des 19. Jahrhunderts traditionell. Dabei muss man auch sehen, dass sich diese von Region zu 
Region und Gemeinde zu Gemeinde unterschieden, durch unterschiedliche Herkunft und 
religiöse Lokalbräuche. 



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Zwar folgten alle Gottesdienste einer gemeinsamen Standardliturgie, aber einzelne Melodien, 
liturgische Ergänzungen und Bräuche waren verschieden. 

So besaß Frankfurt a. M. seit dem Mittelalter einen ganz besonderen eigenen Ritus. Die Kraft 
der Minhagim sollte neben der Kraft der Halacha nicht unterschätzt werden, z. b. im Süden 
und Westen Deutschlands gibt es die Zeremonie des Holekreisch, wobei ein vier Wochen 
alter Säugling zusammen mit der Wiege dreimal hochgehoben und der Namen gegeben wird. 

Jene Zeit war für die jüdischen Gemeinden gekennzeichnet durch politischen Druck von 
außen und gärenden Spannungen von innen. Die deutschen Staaten, die im Zuge des 
Nationalismus und der deutschen Einung versuchten ihre Verwaltung zu zentralisieren, 
konnten unabhängige jüdische Körperschaften nicht mehr länger tolerieren. Die einen waren 
bemüht, die neuen Forderungen einzugrenzen, und die anderen sahen sie als Zeichen einer 
neuen einer besseren Zeit für die Juden, geradezu eine messianische Erfüllung in Europa. 
Der nun entstehende absoulte Staat konnte keine unabhängige Machtquelle neben sich 
dulden: jüdische Zivil Streitigkeiten durften nicht mehr vor jüdischen Gerichten entschieden 
werden - Übertragung auf weltliche Gerichte, auch der Ehescheidung. 

Die gravierendste Konsequenz hatte das Verbot in Fällen der Religionsverletzung den Bann 
zu verhängen: 

• Juden konnten nunmehr ungestraft gegen religiöse Gebote verstoßen, 

• konnten frei entscheiden, welches Gebot sie befolgen und welches sie nicht einhalten 
wollen. 

Diese Gesetze begannen bereits 1750 in Preußen, endgültig abgeschafft wurde die jüdische 
Rechtsprechung 1797 in Preußen, im Emanzipationsedikt von 1812 wurde dies noch einmal 
betont, Österreich 1784, regional verschieden - z. B. im dänischen Altona erst 1863. 

Die Reformer in Deutschland sind eher die Erben Lessings und nicht Mendelssohns. Im 
Jahrhundert nach Mendelssohn geschah ein bedeutender Wandel. Mendelssohn hatte noch in 
nicht-geschichtlichen Kategorien gedacht - Vereinbarung des Judentums mit der Vernunft, 
nun als die modernen Wissenschaften sich entwickelten, versuchte man wissenschaftliches 
Geschichtsstudium auf das Judentum anzuwenden, als man diese Kritik auf das Judentum 
anwandte, kam man zu folgendem Ergebnis: Sturz des Rabbinats und religiöse Reformen, den 
Bau des Judentums zerstören, um es von neuem aufzubauen. 

Mendelssohn hatte das Judentum als unveränderlichen Glauben bezeichnet und blieb 
orthodox. Lessing postulierte, dass Religionen historischen Veränderungen unterworfen sind, 
dem Fortschritt. 

Die Reformer in Deutschland hatten die Vorstellung vom Judentum als eine rationale 
Religion, das Schlagwort „ethischer Monotheismus" ist hiermit verbunden. Es geschieht hier 
in Mitteleuropa etwas geradezu Unheimliches. Noch zur Zeit Mendelssohns waren die 
mystischen Strömungen des Judentums ein mächtiger Strang, jetzt wird die Mystik 
zunehmend als etwas „östliches" bezeichnet und im entstehenden Reformjudentum jener Zeit 
wird, wie auch in der Wissenschaft des Judentums damals, alles ausgeblendet, was 
kabbalistisch oder mythisch ist. Die Bilder werden zugehängt. Man begibt sich in den Salon. 
Dieses Denken wird so übermächtig, dass erst in den 20ger Jahren unseres Jahrhunderts die 
Kabbala von Wissenschaftlern wieder entdeckt wird. Jüdische Riten und die Beziehung zu 
einem jüdischen Staatswesen sind die Hauptkritikpunkte der Reform. Nicht das Judentum 
wird verändert, es geschieht keine wirkliche Reform jüdischen Denkens, jüdischer Werte, 



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nein. Es wird versucht prakt. religiöse Reformen durchzusetzen, die die neue 
gesellschaftliche Situation widerspiegeln - Anpassung und Gleichheit der Religion. 

Der Gottesdienst wird verändert, der Glaube an die Rückkehr ins Land der Väter und dem 
Wiederaufbau des Tempels muss dem deutschen Natioanlismus weichen. 
Aus diesen Gründen waren Leute wie Buber und Scholem so gegen die Reform des 19. 
Jahrhunderts - es war keine jüdische Renaissance, keine Umstrukturierung der alten 
Traditionen, sondern ein Werk der Angleichung unter Ausblendung vieler lebendiger Quellen 
des Judentums. 

Auch wenn sie zu sehr unter dem Banner der Ratio stehen und ihr Kampf um eine Art 
jüdisch-deutschen Gottesdienst nicht viel Begeisterung und Akzeptanz in der Umwelt 
hervorrief, so sind einige Elemente der jüdischen Reform, wie die veränderte Rolle der Frau, 
der Kampf gegen für die Privatisierung des Judentums gegen eine rabbinische Autonomie, 
herausragende Beiträge. 

Da sich die Reformer im Deutschland des 19. Jahrhunderts national-deutsch fühlten, 
verzichteten sie auf die Zionsgebete und die Hoffnung auf die Tempel errichtung - der Kampf 
zwischen Tradition und Reform begann damals und geht bis jetzt. Die Reformbewegung war 
die zentrale jüdische Reaktion auf die problematische Aneignung der deutschen Kultur. Sie 
versuchte das Motto Deutsch werden, jüdisch bleiben, in eine Lehre umzuwandeln. 

Man redet immer über deutsche Kultur, was bedeutete dies überhaupt für die Juden? 
Im 18. Jahrhundert war die Zahl der Juden, die sich im Besitz europäischer Bildung fühlten, 
verschwindend gering. Die Aufklärung und ihre Vision der geeinten Menschheit wirkte so 
stark auf deutsche Juden, dass sie den Kampf um politische und gesellschaftliche 
Gleichberechtigung aufgenommen hatten. 

Was hieß Bildung im 19. Jahrhundert: persönliche Sittlichkeit, geistige Fähigkeiten, 

gesellschaftlicher Schliff, Literatur, Kunst und Musikkenntnisse. 

Diese Form der Bildung wurde für viele Juden zu einer Art weltlicher Religion, als sie in der 

jüdischen Religion keinen Sinn mehr fanden. 

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurde die deutsche Lektüre zur jüdischen 

Leidenschaft in den Städten. Lessing, Schiller (sein Humanitätsgedanke war ungeheuer 

populär, der Schillertheaterbesuch wurde zur Tradition), Goethe wurde zunächst weniger 

gelesen, seine Sinnlichkeit in Werken wie Werther und Faust war unter den religös fühlenden 

verpönt, seine elitäre Haltung wurde von den eher politisch orientierten abgelehnt, er wurde 

erst Ende des 19. Jahrhunderts unter den Juden populär. 

Zu frühen Goetheverehrern zählte Rahel Varnhagen, die ihm eine Art von religiösen Kult 

widmete. Da in einigen jüdischen Familien diese deutsche Bildung keineswegs eine 

gewachsene war, sondern man sich diese Bildung erst als Erwachsener zugelegt hatte, kam es 

mitunter zu grotesken Erscheinungen, die von judenfeindlichen Strömungen aufgenommen 

wurden. 

Der unvollkommen gebildete Jude, der mit seiner Bildung dennoch prahlt, wurde zur 
Spottfigur der Bühne, wie „Unser Verkehr" von 1813 Karl Borromäus Sessa. Das „Schenie" 
dieses populären Stücks behauptet, ein „schainer" Geist zu sein, der französisch könne und 
die Dichtung. Die politische Dimension des Stückes ist vehement: die Bildung des Juden kann 
nur oberflächlich und unecht sein, er benutzt sie als Gewand,um sich in die Gesellschaft 
einzuschleichen und zu betrügen. Juden, die versuchten nicht nur als Konsument, sondern 



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auch beizutragen waren u.a.: Heinrich Heine (1797-1856), Berthold Auerbach (1812-1882), 
Moritz Gottlieb Saphir (1795-1858), Leopold Kompert (1822-1886), polit. Gabriel Riesser 
(1806-1863), Johann Jakoby (1805-1877), Ludwig Börne (1786-1837), der Maler Moritz 
Oppenheim (1800-1882), der Komponist Giacomo Meyerbeer (1791-1864). 

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts traten einzelne Reformatoren auf, wie Saul Asher, der eine 
Reformation des Judentums forderte, das den Ballast der Gesetze abwerfen soll, wobei als 
Modell das Christentum dient. Glaubensinhalte plus Kants Philosophie. 

Der Kantianer Lazarus Bendavid forderte eine Art Naturreligion, die reine Lehre Moses, in 
der das jüdische Ritual vollständig gestrichen war. 

Israel Jacobson (1768-1828) ist einer der wichtigen Pioniere. 

Er war Hoffaktor des Königs Jerome von Westphalen (1808 volle Gleichberechtigung) und 

gründete dort das Konsistorium der Israeliten. 

1810 errichtet er eine Synagoge in Seesen, Tempel genannt. Dieser hatte einen Glockenturm 

mit Glocke und ein zentrales Tora-Lesepult. Der Universitätschor sang eine Kantate. Es gab 

Orgelmusik und einen Chor, deutsche Gebete und Predigten, da man hebräisch immer 

weniger verstand, worauf sich heftige orthodoxe Opposition regte. Nach dem Fall Napoleons 

endete das Experiment - Reformen können nicht erzwungen werden, sondern müssen sich 

entwickeln. 

1813 ging er nach Berlin, wo er auf Jakob Herz Beer traf (1769-1825), der ihm in seinem 

Haus eine private Synagoge einrichtete, in der hauptsächlich die Berliner jüdische Jugend 

verkehrte. Es gab eine Orgel und einen Knabenchor. Frauen und Männer saßen sich 

gegenüber. Ca. 1000 Juden, Va der jüdischen Bevölkerung, besuchte diese Synagoge. Hier 

wurden auch Mädchen konfirmiert, und man sang nach der sephardischen Aussprache, weil 

man glaubte, diese sei authentischer. Friedrich-Wilhelm III schloß 1823 den Beer-Tempel - 

entweder sollten die Juden den alten Riten folgen oder konvertieren, der Beer-Tempel sei zu 

christlich. Es war politisch keine günstige Zeit für jüdische Reformen. 

1827: bei einer Friedhofseinweihung schritt die Polizei ein, weil eine deutsche Predigt 

gehalten wurde - als Nachahmung christlicher Sitten war dies nicht erlaubt. Auch wenn Ende 

der 30ger Männerchor, Amtstracht Talar und Barrett oft eingeführt wurden, so blieb die 

Liturgie unverändert. Mit 1840 Friedrich Wilhelm IV wurde es besser. 

1844, 1845 und 1846 wurden Rabbinerkonferenzen in Brunswick, Frankfurt und Breslau 

abgehalten, um einen einheitlichen Charakter zu entwickeln, was mißlang. Sie wollten 

verhindern, dass die Reform als Sekte angesehen wird und hielten Abstand zur radikalen 

Berliner Gemeinde. 

Nach 1848 wurde die Gesetzeslage so günstig, dass immer mehr Juden nach Berlin zogen, bis 

1880 verfünfachte sich die jüdische Bevölkerung (54000 Juden, 4,8 % Gesamt). 

1845 wurde die „Genossenschaft für Reform im Judentum" gegründet. Daraus wurde die 

Berliner Reformgemeinde. Sie hatten den Hauptgottesdienst am Sonntag, Männer und Frauen 

zusammensaßen, es gab fast kein Hebräisch und keine Kopfbedeckung bei den Männern. 

1866 wurde die Neue Synagoge in der Oranienburgerstraße eingeweiht. Diese 

Reformgemeinde blieb mit ihren 300 Familien immer innerhalb der Gesamtgemeinde, die 

Orthodoxen 

Adass Jisroel spaltete sich 1869 ab. 

1872 wurde in Berlin die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums gegründet, ein Jahr 

später gründete Esriel Hildesheimer das modern-orthodoxe Rabbinerseminar eben da. Sie 

zogen später beide in die Artilleriestraße, worauf man von der leichten und schweren 

Artillerie sprach. Sie bestand bis 1938. 



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Hamburg war damals einer der größten jüdischen Gemeinden, bis zu 6000 Juden. 

Eduard Kley vom Beer-Tempel gründete dort mit anderen einen Tempelverein, der bis in die 

Nazizeit bestand, sie verfaßten ein Gebetbuch, das bis heute mustergültig ist: Deutsch und 

hebräisch. 

Orthodoxe Gegner wandten sich an die Stadt, um den Tempel schließen zu lassen, was 

mißlang, der Senat ließ sich nicht in diesen religiösen Streit ein. Es wurde eine 

Responsensammlung verfaßt, die gegen den Tempelverein war. Es gab eine Orgel und 

Veränderungen der Liturgie. 

Die Reform in Deutschland zersplitterte, vier der zentralen Gestalten stehen für vier 
Richtungen: 

• Abraham Geiger (1810-1874) und 

• Samuel Holdheim (1806-1860), 

• Frankel und 

• Hirsch. 

Geiger 

wurde in Frankfurt a. M. geboren, wo er eine orthodoxe Erziehung genoß, mit 19 Jahren ging 
er nach Heidelberg, eigentlich um seine rabbinischen Studien weiterzuführen, aber, 
Heidelberg, Hauptstadt der deutschen Romantik lockte ihn zum Uni-Studium und 
Studentenkreisen, er studierte Kant und griech. Philosophie, in Bonn studierte er weiter. Der 
Kreis von Kollegen in Bonn plante eine Revolution des Judentums. Sie wollten es verändern, 
um es zu retten. Hirsch war einer davon. Geiger war kein Rabbinertyp, er wollte immer nur 
Univ-Professor werden, was ihm versagt blieb. 

Für seine Schrift „Was hat Mohammed dem Judentum entnommen" bekam er 1823 einen 
Preis. 1832 wurde er Rabbiner in Wiesbaden. Er gründet Zeitschriften, wie die 
„Wissenschaftliche Zeitschrift für jüd. Theologie 1835-1841". In Breslau (1854 Jüdisch- 
Theologisches Seminar) geht er nicht an das Rabbinerseminar, da Frankel jeden ablehnt, der 
ihm zu liberal ist. 

1863 geht Geiger nach Frankfurt, 1869 nach Berlin, wo er an der Hochschule für die 
Wissenschaft des Judentums endlich unterrichten kann. 1942 wurde die Hochschule 
geschlossen. Geigers Position ist absolut universalistisch, seine Basis ist die ethische 
Botschaft der Propheten. 

Die Tora ist vom göttlichem Geist durchwebt, aber nicht wörtlich von Gott offenbart. Die 
Reform muss ein System haben, nicht nur punktuell sein, der Talmud muss der Kritik 
unterworfen werden. Geist des zeitgenössischen Judentums muss erneuert werden. Das 
Judentum ist eine historische Religion, deren Verbindung mit der Geschichte erhalten bleiben 
muss und wissenschaftlich erforscht werden muss. Tora und Talmud sind menschliche 
Schöpfungen, wer die Gebote zur geistigen Erhebung befolgt, dem sei es gestattet, für 
Gesetze, wie die Speisegesetze, sieht er keinen Grund, sie zu bewahren, da sie 
gesellschaftsfeindlich sind, Beschneidung ist ein barbarischer Brauch, religiöse Lebensformen 
müssen gemäß der Natur der Zeit umgestaltet werden, die Kraft des Judentums soll erneuert 
werden, keine Angleichung an das Christentum. 

Samuel Holdheim stammt aus Posen. 

Er hat einen orthodoxen Hintergrund, lernt in Prag, Berlin und wird traditioneller Rabbiner in 

Frankfurt a. O. 

1836, durch die Schriften von Geiger beeinflußt, geht er nach Leipzig und promoviert, wird 

dann Landesrabbiner von Schwerin-Mecklenburg. Bei den Rabbinerversammlungen in 

Braunschweig, Frankfurt und Breslau 1844-46 gilt er als zu radikal, verzettelt sich in lange 



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Polemiken mit Frankel u.a., seine Werke spiegeln wider, wie er die fortschrittliche 
Entwicklung der jüd. Religion sah: er vertrat einen rein biblischen positiven 
Offenbarungsglauben, das rabb. Judentum und die allgem. Religiosnprinzipen werden als 
Gesetze für den israel. Staat abgelehnt. Er möchte die rabbinische Jurisdiktion, das Ehe- und 
Familienrecht, abschaffen und die Juden an die Landesgesetze binden. Er sah die 
Beschneidung als leer, überflüssig und bedeutungslos an und anerkannte auch Ehen mit 
NichtJuden als religiös gültig. Er lehnte alle zweiten Feiertage ab und legte den Schabbat auf 
den Sonntag. Holdheim war neben Geiger der bedeutendste Theoretiker des 
Reformj udentums . 

Während in Deutschland versucht wurde, das Reformjudentum innerhalb der Gemeinden zu 
etablieren und sie einen großen Erfolg hatten, blieb es in England, USA, Ungarn und 
Frankreich außerhalb der traditionellen Gemeinden. 

Sie hatten einen eher noch traditionellen Einschlag und nannten sich lieber liberal als Reform, 
nur die Berliner, die barhäuptig beteten und am Sonntag ihren Gottesdienst hielten, war die 
Reformgemeinde. 

In den USA wurden die radikalen Ideen von Holdheim übernommen. Es gab eine eher 
gemäßigte Reform mit Isaac M. Wise und eine radikale mit David Einhorn. Diese radikale 
Seite verlautb artete 1885 die Pittsburgh Platform: darin steht u.a. eine völlige Ablehnung der 
rabbinischen Gesetze, keine Nation, sondern religiöse Gemeinschaft, Ablehnung der 
Zionshoffnung. Dies wurde dann wieder in der Columbus Platform von 1937 geändert. Aus 
Antizionismus wurde Zionismus, Jüdische Volksgemeinschaft: CCAR: Central Conference of 
American Rabbis. 

World Union for Progressive Judaism wurde 1926 gegründet, Rabbinerseminare in London, 
Paris, Hebrew Union College Cincinnati, New York, Los Angeles, Jerusalem seit 1963, erste 
Smicha 1980, Kedem in Tel Aviv, Or Chadasch in Haifa seit 1964, Har-el in Jerusalem. Es 
gibt Reformgemeinden z. B. in Ramat Gan, Rishon le-Zion, Beersheva trotz intensiver 
Opposition. Eine eigene Schule ist die Leo Baeck School in Haifa. Sie kämpfen für die 
Anerkennung der Refomehe in Israel. Die Berliner Hochschule für die Wissenschaft des 
Judentums, gegründet 1872, fiel der Schoa zum Opfer. Wichtig ist, dass die UAHC Union of 
american hebrew congregations seit 1989 auch Homosexuelle gleiches religiöses Recht 
einräumen, also auch Rabbiner u.Ä. werden können. 

Wie sah es hier in Österreich aus? 

Seit dem Toleranzpatent von 1782 gab es einen öffentlichen Gottesdienst, Rabbiner und eine 
Gemeinde, aber eine Synagoge war nicht erlaubt, es kam erst 1825 zur Grundsteinlegung, die 
1826 eingeweiht wurde. 

Mit Isaak Noah Mannheimer, der als Reformer begann und in Wien konservativer wurde, 
entwickelte sich der „Wiener-Ritus", der eine Mischung aus Reformelementen darstellt: 
deutsche Predigt, Männerchor, Streichung vieler Pijutim. 

Je nach Gemeindevorstand änderte sich die Reformfreundlichkeit, als die Synagoge zu eng 
wurde, gründete man 1858 den Tempel in der Leopoldstadt, an den der Reformer Adolf 
Jellinek (1830-1893) geholt wurde, der sich mit dem Nachfolger Mannheimers, Güdemann, 
befehdete, Jellinek sei areligiös, führe einen unkoscheren Haushalt etc. Jellinek verlor den 
Kampf um die Orgel, erfreute sich aber einer großen Zuhörerschaft, was Güdemann mit „Kein 
Wuder, die Wiener laufen halt gerne zum Heurigen" kommentierte. Trotz dieses Wiener- 
Ritus, der ein Wiener Pendant zur deutschen Reform darstellt, gibt es hier in Wien keine 
gewachsene Reform. Seit 1991 gibt es die Refomgemeinde „Or chadasch" in Wien, die seit 
kurzem in der Hauptgemeinde integriert ist. 



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In Deutschland sieht es sehr problematisch aus: 

nach der Shoah wurden dort die Gemeinden hauptsächlich von Dps (Überlebende aus den Kzs 
gegründet), die meist aus Osteuropa stammten und keinerlei Verbindung zu einem deutsch- 
jüdischen Erbe hatten. 

Erst nachdem eine neue Generation heranwuchs, sollte es zu neuen Reformgemeinden in 
München, Frankfurt oder Heidelberg kommen. Auch wenn die Reform seit 1848 Frauen zum 
Minjan zählt und die Konservativen seit 1973, wird die Praxis örtl. Rabbinern überlassen - 
ebenso mit Rabbinerinnen (Reform 1940, Konservative 1972). Auch wenn sie den Abschluß 
machen, heißt es noch nicht, dass eine Gemeinde sie übernimmt. 



6 RELIGIÖSE STRÖMUNGEN DER NEUZEIT II: 
NEO-ORTHODOXIE: SAMSON RAPAHEL HIRSCH 

Die Herausforderung durch die Reformbewegung wurde von der Orthodoxie in Deutschland 
aufgenommen durch Samson Raphael Hirsch (1808 - 1888), vor allem seine beiden 
Schriften: 

• 19 Briefe über das Judentum, Altona 1835 (Ps. Ben Usiel) und 

• Horeb, oder Versuche über Jissroels Pflichten in der Zerstreuung, Altona 1837. 

Durch die Abwertung der Offenbarung in der Reform sah er den Charakter und die Existenz 

der jüdischen Religion gefährdet. Anpassung an die Lebensumstände ohne Aufgabe der 

Tradition. Allerdings entwickelte er eine nichtzionistische Lehre, die zu einer kulturellen und 

nationalen Assimilation führt. Spiritualisierung der Begriffe Volk und Nation, Land Israel und 

Gottesherrschaft. 

Während Mendelssohn das Judentum nach außen hin darstellte, wandte sich Hirsch an die 

Juden, nicht mehr, um sie zur modernen Welt zu öffnen, sondern um sie auf den Weg der 

Tradition zurückzuführen. 

In seinen „19 Briefen", dem „Choreb" und in weit über hundert Artikeln in seiner Zeitschrift 

Jeschurun, sowie in seinem Pentateuchkommentar hat er sich in einer Fülle von Gedanken 

über Religion und religiöses Leben ausgesprochen. 

Hirsch war ein ernster Bewunderer der klassischen deutschen Kultur unter der Bedingung, 
dass man sie nicht einfach für die jüdische Tradition ersetzte. Er war ein Erzieher der 
Menschen und der Gemeinschaft, dem an der Schaffung eines Erziehungssystems mehr lag 
als an der Darstellung eines rigorosen Denksystems. Er wollte für die Tradition wirken, 
werben, verwirrte Seelen für das Judentum begeistern, ihren Willen festigen, sich freudig der 
Leitung des Gottesworts hinzugeben. Er wollte Menschen bilden, die mit Feuer und Liebe 
hangen am Namen Jude. Er schrieb nicht für die Wissenschaft, sondern für „jissroels 
denkende Jünglinge und Frauen." 

Hirsch schuf ein Werk, dass die moderne Orthodoxie bis heute befruchtet hat. Natürlich steht 
es im Geist der Romantik, spiritualisiert Begriffe wie „Nation". Es erlaubte den orthodoxen 
Juden, sich der Kultur der Umgebung zu öffnen, ohne die jüdische Tradition abzustreifen. 
Mendelssohn und Hirsch sind beide offen für die weltliche Kultur der Umgebung. Sie haben 
allerdings unterschiedliche Einstellungen zur jüdischen Tradition, was auch mit der 
jeweiligen historischen Situation zusammenhängt. Mendelssohn wandte sich an eine 
Judenheit, die der Kultur fast völlig fremd gegenüberstand und wollte sie ihr näherbringen. 



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Hirsch versuchte gegen die um sich greifende Assimiltion ein neues Judentum heranzuziehen, 
in dem Kultur und jüdische Tradition keine unvereinbaren Gegensätze bilden. Für ihn war die 
Philosophie nur ein Vehikel, um seine religiösen Überlegungen zu formulieren - Mendelssohn 
war Philosoph, der wie viele Vorgänger des Mittelalters, Philosophie und Offenbarung in 
Einklang zu verbringen. Er war unhistorisch, ja eigentlich desinteressiert an der Geschichte. 
Lessings Gedanke vom Fortschritt des Menschengeschlechts wurde von Mendelssohn 
abgelehnt, von Hirsch aufgenommen. 

Dennoch hatte Hirsch Mendelssohns Idee der Verbundenheit von Tora und Kultur 
aufgenommen und dass sich mit Hilfe der Gebote Leben und Lehre verbinden sollte, gleich 
ob sie nun zu ewigen oder Geschichtswahrheiten weisen. Hirsch hatte versucht den Geist der 
Mendel ssohnschen Ideen in ein praktisches Erziehungsprogramm umzusetzen. Er stand damit 
Mendelssohn vielleicht näher als so mancher Vertreter der jüdischen Reformbewegung oder 
der Haskala.Hirsch fand in seinen 19 briefen wirklich prophetischen Akzente. Das Ideal der 
Vertreter der Emanzipation: Jude zuhause, Mensch draußen. Er hätte sicherlich gesagt Jude 
zuhause und Jude draußen. 

1808 in Hamburg geboren, lernte Talmud mit seinem Großvater Mendel Frankfurter, wo die 
Anhänger der Reform einen Tempel 1818 errichteten. Die Stadt wurde zum Schauplatz eines 
heftigen Streites, der alle jüdischen Gemeinden entflammen sollte. Sein Vater Raphael (1777- 
1857), wechselte Frankfurter zu Hirsch, ein Traditionalist, der nahe der Bewegung der 
Haskala war, dachte ihm eine kaufmännische Lehre zu. Er nahm jedoch ein aktives Studium 
der jüdischen lehre bei dem Hamburger Rabbiner Isaac Bernays (1792-1849), der an der 
Würzburger Talmudschule und an der philosophischen Fakultät der Würzburger Universität 
studiert hat. Er fühlte sich als Pionier einer neuen Art des gesetzestreuen j Judentums. Er ließ 
sich als geistlicher Beamter anstellen und nicht Rabbiner, sondern „chacham = Weiser" 
nennen -nach sefardischer Sitte. Der Name Rabbiner,raw, war in Mißkredit geraten -es 
herrschte die Tendenz zum Geistlichen nach christlichem Vorbild, der Seelsorger und Lehrer 
der Ethik und Ideen des Judentums war, und der Grad an talmudischer Gelehrsamkeit 
entschied nicht mehr. Raphael untertsützte den aufgeklärten chacham Isaak Bernays, der 
säkulare Studien in seiner Talmud Tora aufgenommen hatte. Hirsch war von Bernays, aber 
auch Jakob Ettlinger beeinflußt, sowie von Schiller, Hegel. Mit 20 ging Hirsch nach 
Mannheim, um an der Schule Ettlingers zu studieren.Bei Ettlinger sollte er den geistigen 
Vater der Reform kennenlernen, Abraham Geiger. Beide begaben sich an die Uni Bonn, um 
dort Studien zu betreiben. Hirsch sollte 1830 alles beenden,um Landesrabbiner des 
Großherzogtums von Oldenburg zu werden, wo er sich praktisch wie ein Rabbiner des 
Reformfeldes verhält. Er richtet einen Chor ein, trägt keinen Bart, hält Predigten auf Deutsch, 
treibt das Bibelstudium voran, bekämpft den pilpul, die dialektische Talmuddiskussion, macht 
Kürzungen im „kol nidre", die er jedoch in seinen Siddur später wieder integrieren wird. 
Während dieser 1 1 Jahr im Norden verfaßte er seine bereits genannten berühmten Schriften. 
Die romantischen 19 Briefe bestehen aus den Fragen des verwirrten aufgeklärten jungen 
Juden Benjamin in Brief 1 und den 18 Antworten des traditionellen älteren Naphtali. Heinrich 
Graetz (1817-1891), der Historiker, wurde von den Briefen so beeindruckt, dass er 1837 nach 
Oldenburg ging und drei Jahre bei Hirsch wohnte. Durch das Tagebuch von Heinrich Graetz 
wissen wir mit Genauigkeit, wie ein Lehrplan nach Hirsch in der Praxis aussah: Graetz hatte 
sich 1837 nach Oldenburg begeben, um bei seinem Lehrer zu leben und unter seiner 
Anleitung zu studieren: 

Tagesplan:6-8 Bibel und Frühstück 

8-10 Talmud 

10-12 Griechisch 

13 Mittgaessen 



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13-15 Geschichte, Latein, Physik 

15-17 Mathematik und Geographie. 

18-20 religiöse Codixes und Bibel 
Nach dem Abendessen wurden zwei Stunden der Lektüre in deutsch, hebräisch, französisch, 
lateinisch gewidmet. 

Doch Graetz trennte sich von Hirsch, da er sich überhaupt nicht mit dessen Frau arrangieren 

konnte. 

1841 siedelte er nach Emden, wo er sechs Jahre das Landesrabbinat versah. Dort begann er 

gegen die Reform zu kämpfen und formulierte zuerst seine Lehre von Tora im derech eretz. 

1 846 bis 1851 wurde er Landesrabbiner der österreichischen Provinz Mähren und zum 

Stadtrabbiner der Gemeinde Nikolsburg-Mikulov gewählt. 

Die orthodoxe Gemeinde beargwöhnte ihn, der zwischen Reform und ihren Ideen stand, da er 

z. b. Hochzeiten eher in der Synagoge hielt, deutsche Predigten hielt und einen Talar trug. Er 

leitete eine Jeschiwa, gemäß seiner Prinzipien von traditionellen Lernen und säkularen 

Studien. 

Erst 1851 fand er in Frankfurt a.M. eine orthodoxe Gemeinde nach seinem Herzen. 1850 war 

in Frankfurt die „Israelitische Religionsgesellschaft" (Adass Jeschurun) gegründet worden, 

aufgrund der Übernahme der Gemeindeorganisation durch die Reformbewegung. 

Es war die Zeit des Kulturkampfes. Die preussischen Behörden hatten die Maigesetze 

verabschiedet, die das Austrittgesetz einrichteten. 

Man konnte nun die Gemeinde verlassen, ohne die Kirche zu verlassen. Bismark wollte die 

Pontificalautorität unterhöhlen-ursprünglich wurde dies nur für christliche Kirchen 

angewendet. Hirsch wollte, dass dieses Gesetz auch für die Juden galt. 

Im Juli 1876 erhielt er den Gewinn - die Separartgemeinde. Nur eine Minderheit der 

Orthodoxie folgte ihm, doch war sein Erfolg für die allgemeine Erstarkung des traditionellen 

Judentums von großer Bedeutung. 

Seine Gründung der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" 

(1885) legte den Grundstein für die organisatorische Erfassung und Aktivierung der 

europäisch-jüdischen Orthodoxie. 

Vorbild für Mainz, Darmstadt und Berlin. 

Er gründete 1854 die Zeitschrift Jeschurun, bis 1870, 

schrieb zwischen 1867-78 seinen Pentateuchkommentar, symbolische Deutung, 

1882 seinen Pslamenkommentar, sein Siddurkommentar erschien 1906 posthum. 



1880 hätten die Juden mit einer einzigen Stimme sprechen müssen, statt sich weiter zu 
zersplittern (man denke an die Entwicklung des Antisemitismus durch Stoecker oder 
Treitschke, sowie an die Pogrome im zaristischen Russland). Hirsch war die gelebte Synthese 
zwischen jüdischen Kultur (Halewi, Maimonides, Nachmanides, Mendelssohn) und der 
deutschen Kultur (Goethe, Schiller, Fichte, Hegel, Kant). Hirschs Werk hat den Juden erlaubt, 
sich der modernen Welt zu öffnen, ohne sich zu verleugnen. Das überlieferte Judentum sollte 
mit seinen Gesetzen und Gebräuchen salonfähig, europäisch werden. Er war Erzieher, nicht 
Philosoph oder Theologe, er suchte nicht die Wahrheit, er versuchte sie zu lehren. 

Seine Lehre basierte auf seiner Deutung der Pirke Avot 2,2. Das Studium der Tora zusammen 
mit derech eretz, d.h. bei ihm säkulare Erziehung. Sein Ideal war der Jissroelmensch, ein 
aufgeklärter Jude, der die Gebote einhält. Dies waren die Motti der drei Schulen, die er 
gründete. 



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Die Neo-Orthodoxie entwickelte sich nicht aus sich selbst heraus, sondern auch immer im 
Kampf mit der Reform - Philanthropin in Frankfurt Creizenach Reform. Er kämpfte gegen 
die Vorstellunge, dass es unmöglich sei in christlicher Umgebung alle Gebote einzuhalten, 
Die Religion im Bunde mit dem Fortschritt 1854. Er verteidigte das Hebräische als 
Gebetssprache und Sprache für religiöse Inhalte, führte aber dennoch zweimal im Monat eine 
deutsche Predigt ein. 

Zunächst stieß er bei den Altorthodoxen vor allem in Osteuropa auf Ablehnung, aber seine 
Erben, vor allem aus der Familie Breuer haben diese moderne Orthodoxie verbreitet. Isaak 
Breuer (1833-1946), jüdisch-traditionelle, kabbalistischen Ideen. Ähnliche Formen 
entwickelten sich in Frankreich und England. In den USA seit 1898 die Union of Orthodox 
Jewish Congregations of America, 1902 Union of Orthodox Rabbis of the USA, 1923 
Rabbinical Council of america, ab 1944 Rabbinical Alliance of America strikt orthodox, 
Das konservative Judentum, deren geistiger Vater Frankel aus Prag (1801-1875) war, kann 
nur kurz behandelt werden. Im 19. Jahrhundert nannte man diese Form historisches Judentum 
oder die historische Schule, erst zur Jahrhundertwende sprach man vom konservativen 
Judentum. Emanzipation, Akkulturation standen diese positiv geggenüber, Trennung von Staat 
und Kirche. Sie sahen die jüdische Geschichte als eine Geschichte der Veränderungen, ein 
lebendiger Organismus. Sie sind für Veränderungen, solange diese nicht die Grundpfeiler 
angreife: hebräisch als Liturgiesprache, kashrut, und den Schabat. Frankel studierte in Pest 
und wurde Oberrabbiner von Dresden. Er war ein Mensch der Mitte, gegen Orthodoxie und 
Reform. Ein Mittelweg, der die Einheit der deutschen Juden bewahren sollte. Positiv- 
historische Sicht ist ein Begriff, der von der prostet. Theologie stammt. Kern der jüdischen 
Religion ist positiv, geoffenbart und daher nicht der rationalen Kritik oder Veränderung 
unterworfen. Allerdings gibt es auch eine geschichtliche Entwicklung der Traditionen und der 
nachbiblischen Gesetze, die stets uminterpretiert wurden. Daher müßten sie es auch weiterhin 
sein. Halacha hat sich stets verändert, also auch in der Gegenwart. Fortbildung statt Reform, 
Fortsetzung eines Prozesses, der schon im Judentum selbst angelegt ist. Religiöse 
Verbesserungen, nicht Neuerungen. Vermittelt zwischen Tradition und Religionsreform, 
zwischen Glaube und historischer Kritik, wie an Frankeis Jüdisch-Theologischen Seminar in 
Breslau. 

In den USA gab es eine parallele Bewegung, die am anfang von Frankel beeinflußt war, aber 
dann ihren eigenen Weg ging, mit Salomon Schechter (1847-1915) Isaac Leeser im 19. Jh. 
1887 Gründung des Jewish theological Seminary of America. United Synagogue of America 
1913, Rabbinical Assembly 1901, Brücke zwischen Reform und Orthodoxie: 
Family seating in der Synagoge, Frauen gehören zum minjan und werden seit 1973 auch zur t 
Toralesung aufgerufen, Rabbinnerinnen seit 1977-79, sie erlauben seit 1950 das Fahren am 
Schabat und den Gebrauch der Elektrizität. Vier Menschen - Hirsch, Frankel, Geiger, 
Holdheim - die vieles gemeinsam trotz unterschiedlicher Ideologien hatten. Jeder hatte an der 
Uni studiert, jeder war ein Rabbiner neuen Typs, nach dem Modell des christl. Seelsorgers, 
nach der Mode der Zeit gekleidet - Hirsch trug am Anfang keinen Vollbart - sie sprachen und 
schrieben deutsch mit Kanzel, Talar und Beffchen. Gottesdienste waren würdevoll, es gab 
erbauliche Predigten und Musik. Sie hatten in ihrem äußerlichen Erscheinen mehr 
miteinander als mit den orthodoxen Rabbinern Osteuropas, sie waren Erscheinungen eines 
spezifisch deutschen Judentums, desssen Erbe vor allem in den USA und England fortgesetzt 
wurde. Osteuropa war für sie der Inbegriff kultureller Rückständigkeit, des traditonellen Stils 
jüdischer Erziehung oder gar des Chassidismus oder der Kabbala, die ja auch im Westen noch 
einige Vertreter gehabt hatte. Sie waren Verfechter von Emanzipation und Akkulturation - 
deutsch sein wie die NichtJuden, sie sahen das Judentum nicht als Nation im modernen Sinn, 
vielmehr die Religion verbindet. Tora, nicht Land und Boden, so Hirsch, sei das 
Einigungsband. Mission Israels unter den Völkern sei, als Priestervolk reines Menschtum 



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vorzuleben, Europa habe noch nicht alles aufgenommen, was das Judentum zu bieten habe. 
Die Auserwähltheit Israels wurde nach außen gedreht. 



7 JUDISCHE HISTORIOGRAPHIE 

1. Traditionelles jüdisches Geschichtsverständnis 

2. Verein für Cultur und Wissenschaft der Juden. 

3 . Begründer der Wissenschaft des Judentums 

4. Gescheiterter Versuch, Lehrstuhl für jüdische Theologie zu errichten. 

5. Rabbinerseminare (Jüdisch Theologisches Seminar Breslau, Hochschule für die 

Wissenschaft des Judentums Berlin, Landesrabbinerschule Budapest) 

6. Neue Generation der Wissenschaft des Judentums vor dem 1. WK, Forscher, 

die teilweise ausgewandert und in Amerika oder England ihre Arbeit fortgesetzt 
haben, wie Alexander Altmann (1905-1988) oder aber auch Simon Dubnow, Anfänge 
einer jüdischen Sozialgeschichte. 

7. Kritk an der Wissenschaft des Judentums: Gershom Scholem (1897-1982), Martin Buber 

(1878-1965) 
8. 1925 Gründung der Hebräischen Universität Jerusalem - zionistische Historiographie mit 

Isaak Baer oder Ben Zion Dinur. 
9. USA Jewish Studies, Fortsetzung der Wissenschaft des Judentums mit neuen Akzenten; 

Europa: Judaistik (Wien, Berlin, Halle, Frankfurt a.M., Köln - Jüdische Studien 

Heidelberg, Potsdam, Erfurt, Leipzig) und Israel 

Die Geschichte der jüdischen Historiographie in den letzten 150 Jahren ist eine Ahnengalerie 
der Persönlichkeiten von Leopold Zunz über Julius Guttmann bis zu Michael A. Meyer und 
Peter Schäfer. 

7.1 Gershom Scholem 

Ich möchte hier keine Abfolge von Personen führen. Ich möchte einen kurzen Überblick 
geben, wobei ich den Schwerpunkt auf den „Erneuerer" der Wissenschaft des Judentums 
legen möchte, Gershom Scholem, da sich in seiner Kritk viele der Probleme wie in einem 
Brennglas spiegeln. 

Das Judentum war Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland aufgewühlt worden durch 
Assimilation und Antisemitismus. Im Zuge der mißverstandenen Emanzipation bedeutete der 
Weg in die Gesellschaft und zur bürgerlichen Gleichstellung für viele Assimilation und in 
einigen Fällen die Taufe. 

Um nun als Bürger aufgenommen zu werden, kam es zu einem Bruch mit der früheren 
Identität von Volk und Religion. Es wurden daher verschiedene Versuche unternommen, der 
jüdischen Existenz eine an die neuen Bedingungen angemessene Form zu geben. Sie brachten 
das Judentum auf verschiedene Weise mit den Fragen der Zeit und der Kultur in Beziehung. 

Die damals vorherrschenden jüdischen Strömungen oder Ideologien, sei es die die 
Anschauungen des "Centralvereines der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" (CV) 
oder der "Zionistischen Vereinigung" (ZVfD), sind unterschiedliche Formen dieser Reaktion. 
Wobei auch hier neue identitätsstiftende Merkmale eher verschwommen vorhanden waren. 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

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7.1.1 Culturverein 



Der CV verstand sich als Abwehrorganisation gegen den Antisemitismus und betrachtete das 
Judentum als reine Religionszugehörigkeit - unabhängig von der Staatsbürgerschaft. 

Die Zionisten vertraten auf der anderen Seite ein nationales - oft religionsloses - Judentum. In 
der Reformbewegung wurde die "jüdische Nation" negiert und in der Neo-Orthodoxie 
spiritualisiert. Der bürgerlichen Emanzipation der Juden mangelte es an einer wahrhaften 
Emanzipation, oder besser gesagt "Erneuerung" des Judentums. 

Was bedeutete "Judentum" in einer Judenheit, die sich weit von der Tradition entfernt hatte? 

Mit dem zunehmenden Verlust der jüdischen Bildung wurde die Beziehung zum Judentum 

bei den assimilierten jüdischen Schichten immer unklarer und läßt sich am besten mit dem 

Wort "Unsicherheit" beschreiben. 

Mit der zunehmenden Abwendung von der jüdischen Tradition kam auch ein Verlust des 

jüdischen Geschichtsbewußtseins. Im Gegensatz zur traditionellen Form des "Lernens", 

entwickelte sich in Berlin die "Wissenschaft des Judentums". Sie hatte ihre Wurzeln in dem 

Schülerkreis um Mendelssohn. 

Aber erst zwischen 1816 und 1817 begann sie sich langsam in dem "Wissenschaftszirkel" zu 

organisieren. Um die Unterschiede zwischen frühen Vertretern, wie Leopold Zunz (1794- 

1886) und Heinrich Graetz und späteren, wie Gershom Scholem zu sehen, ist die Frage nach 

dem jeweiligen "Geschichtsbild" notwendig. 

Die eigentlichen Väter der "Wissenschaft des Judentums" hatten sich 1819 in dem "Verein für 

Cultur und Wissenschaft der Juden" (u.a. Eduard Gans [1798-1839], Leopold Zunz, 

Immanuel Wohlwill [1799-1847]) zusammengeschlossen. Sie waren beeinflußt durch das 

Hegeische Geschichtsbild und die aufkommende Tendenz, Dinge in ihrem historischen 

Zusammenhang zu betrachten. So wurde auch das Judentum objektiv und distanziert 

untersucht. 

Über der Arbeit des "Culturvereines" schwebte das Hegeische Motto: "Was vernünftig ist, das 
ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig". (Vorrede zur Rechtsphilosophie 1821) 
Alle Strömungen, die vor der Schranke der "Vernunft" bestehen konnten, besaßen 
"Existenzrecht". 

Eine der Ziele des "Culturvereines" war es, das Judentum vor der Auflösung zu retten, indem 
man bewies, dass das Judentum eine historische Erscheinung und Teil der allgemeinen Kultur 
ist. Die assimilierenden Juden, bei denen die weltliche Kultur anstelle der jüdischen Tradition 
getreten war, sollten erkennen, dass das Judentum kein Gegensatz zur Kultur darstellt. 

Auch hoffte der "Culturverein" mit seinen Leistungen einen Schritt zur Beschleunigung der 
Emanzipation der Juden zu erreichen. 

1817 hatte Leopold Zunz bereits die programmatische Schrift "Etwas zur rabbinischen 
Litteratur" verfaßt. Zunz dachte, dass aus Anerkennung der jüdischen Literatur als 
gleichwertiges Kulturgut, auch die Gleichstellung der Juden hervorgehen würde. 
Ausgeschlossen aus der Traditionskette betrachtete die "Wissenschaft des Judentums" 
Geschichte, Literatur und Soziologie der Juden. Der Großteil ihrer Vertreter waren historisch- 
kritische Altertumswissenschaftler, die sich von den Theologen emanzipiert und zur 
geschichtlichen Anschauung erhoben hatten. 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

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Sprachrohr des kurzlebigen Culturvereines wurde 1823 die "Zeitschrift für die Wissenschaft 
des Judentums", die nach einem Jahrgang verschwand. 

Heinrich Heine, der auch Mitglied im "Culturverein" gewesen war, schrieb über die 
Zeitung: "Wüßte ich nicht zufällig, was Ludwig Marcus und Dr. Gans wollen, so 
würde ich nichts von ihr verstehen". 201 

1824 wurde der "Culturverein" aufgelöst. Die Gründe hierfür ergaben sich aus der politisch- 
soziologischen Stellung der Juden in dem Jahrhundert des "Kampfes für die Emanzipation". 
Besonders im Schicksal des Vorsitzenden des "Culturvereines", Eduard Gans, trat dies 
illustriert zu Tage. Gans musste sich taufen lassen, um eine akademische Position in Berlin zu 
erlangen., H. Reissner, Eduard Gans, Tübingen 1965. 

In einem Brief von Gans an den Minister v. Altenstein von 1821 findet sich folgender 
Ausspruch: 

"Ich gehöre zu der unglücklichen Menschenklasse, die man haßt, weil sie ungebildet 

ist, und die man verfolgt, weil sie sich bildet." 

Nach dem Ende des "Culturvereines" lebte die "Wissenschaft des Judentums" nur noch in 
Privat-Gelehrten wie in Zunz oder Moritz Steinschneider (1816-1907) weiter. Der große 
Bibliograph Steinschneider war ein Gegner jeglicher theologischer Einengung und 
Apologetik. 

"Ich habe meine Forschungen zunächst für mich selbst angestellt; es hat stets Männer 
gegeben, welche das Forschen zu den selbstzweckdienlichen Tätigkeiten zählen, wie 
andere Männer andere Genüsse. (...) Ich schreibe über Juden, aber nicht für sie, nicht 
pro domo. Judenfeinde belehrt man nicht, am wenigsten durch Geschichte." 202 



7.1.2 „Wissenschaft des Judentums" 



Die "Wissenschaft des Judentums" war allerdings nicht allein auf den deutschen Raum und 
die deutsche Sprache beschränkt. Die hebräischsprachige Seite der "Wissenschaft des 
Judentums" wurde von Nachman Krochmal (1785-1840) in Galizien, von Samuel David 
Luzzatto (1800-1865, er lehrte an dem 1829 gegründeten Collegio Rabbinico in Padua) und 
Salomo Jehuda Leib Rapoport (1790-1865) in Prag vertreten. Zunz soll Rapoport mit den 
Worten "Das war nicht ich, das war Rapoport" die "Vaterschaft" der "Wissenschaft des 
Judentums" zugewiesen haben. 

Zunz und Steinschneider vertraten eine un-theologische Richtung in der "Wissenschaft des 
Judentums", die später weitgehendst von Rabbinern bestimmt wurde. 
Abraham Geiger (1810-1874) versuchte mit seinen Zeitschriften "Wissenschaftliche 
Zeitschrift für jüdische Theologie" und "Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben" 
nicht nur eine Plattform für die "Wissenschaft des Judentums" zu schaffen, sondern einen 
praxi sorientierteren Weg einzuschlagen, um die "Wissenschaft des Judentums" als Instrument 
bei der "Reform" des Judentums zu verwenden. 

Geiger setzte sich - zeitgleich mit Ludwig Philippson (181 1-1889) - für die Errichtung einer 
Lehrstätte für die "Jüdische Theologie" ein. 



201 In: Heinrich Heine: Briefwechsel. Hrsg. von Friedrich Hirth, 1914, Band I, S.240. 

202 (bei Kurt Wilhelm, Wisenschaft des Judentums, Band 1, S. 18) 



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Doch erst 1854 wurde das "Jüdisch-Theologische Seminar Fraenkel scher Stiftung" in Breslau 
gegründet, ort lehrte neben Zacharias Frankel (1801-1875) z. B. Heinrich Graetz (1817-1891). 
1872 wurde die "Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" in Berlin gegründet. Ein 
Jahr später folgte das orthodoxe Rabbinerseminar von Esriel Hildesheimer (1820-1899). 1877 
gründete man die Landesrabbinerschule in Budapest, wo Wilhelm Bacher (1850-1913) oder 
Ignaz Goldziher (1850-1921) oder David Kaufmann (1852-1899) unterrichteten. 

In Metz wurde bereits 1830 und in Paris 1859 eine wissenschaftliche Rabbiner-Lehranstalt 

gegründet. 

1855 folgte das orthodoxe "Jews College" in London, 

1862 die "Israelitisch-theologische Lehranstalt" in Wien und 

1877 das orthodoxe Rabbinserseminar in Budapest. 

Zacharias Frankel (1801-1875), der 1854 der erste Direktor des Breslauer Seminars wurde, 
hatte 1851 die "Monatschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" ins Leben 
gerufen. Die "Monatsschrift" erschien bis 1939. Dieser letzte von Leo Baeck herausgegebene 
Jahrgang wurde erst 1941 zur Auslieferung freigegeben und sofort von der Gestapo 
vernichtet. Da einige Exemplare erhalten blieben, konnte 1963 ein Nachdruck dieses 
Jahrganges bei J. C. Mohr in Tübingen erscheinen. 

Mit Einrichtung der Seminare hatte die "Wissenschaft vom Judentum" begonnen, sich von der 
distanzierten Gelehrtenwelt zu entfernen. Sie versuchte in einer keineswegs einheitlichen 
Linie die Tradition nicht zu verwerfen. Stattdessen entwickelte sie eine jüdische Theologie, 
die religiöses Denken und Wissenschaft verbinden sollte. 

Diese Theologie brachte erneuernde Impulse für das Judentum hervor, die unter einem ideel- 
romantischen Einfluß standen. Davon sind auch spätere Wissenschaftler, wie Ismar Elbogen 
(1874-1943) und Julius Guttmann (1880-1950). 

Gerade bei Guttmanns Philosophie des Judentums kann man jene Schwäche sehen, die sich 
wie einr oter Faden von Graetz über Geiger bis zu ihm zieht: Zwei Elemente der jüdischen 
Geistesgeschichte waren stets schwierige Problemfelder für die "Wissenschaft des 
Judentums" gewesen - das "nationaljüdische Gefühl" und die Kabbala. Die meisten Anhänger 
der "Wissenschaft des Judentums", wie Graetz, Geiger oder Rapoport, befeindeten unter dem 
Banner des Rationalismus die Kabbala und sahen in ihr nichts mehr als eine Reaktion auf den 
Rationalismus. Aus der Reihe der wenigen Forschern des 19. Jahrhunderts, die der Kabbala 
vorurteilsfrei gegenüber standen, seien David Heymann Joel (1815-1882), Adolf Jellinek 
(1820-1893), Salomon Munk (1803-1867), Adolfe Franck, Meyer Hirsch Landauer, Nachman 
Krochmal, Philip Bloch und Georg Langer genannt, die die Kabbala als ein Teil des 
Judentums sahen, das es verdient, zum Objekt wissenschaftlicher Betrachtungen zu werden. 

Adolf Jellinek, der einige wichtige wissenschaftliche Schriften über die Kabbala veröffent- 
lichte, schrieb 1852 in seinen Beiträgen zur Geschichte der Kabbala, 1, S.III,: 

"Es haben (...) die verwitterten Ruinen der Kabbala bis jetzt eine so geringe Anzahl 
von Kennern und Gönnern gefunden; ihre Entwicklungsgeschichte hat noch so wenig 
Forscher angelockt." 

Die "Wissenschaft des Judentums" in Deutschland war symptomatisch für das Leben der 
deutschen Judenheit - Apologetik im Ringen um die Emanzipation unter zunehmenden Druck 
des Antisemtismus. 



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Gershom Scholem, in Berlin geboren, wurde zum Erneuerer der „Wissenschaft des 
Judentums". Er übernahm ihre Methoden und wandte sie auf die bislang vernachlässigten 
Themen an und hütete sich vor Apologetik, dafür wurde er manchmal ein Opfer seiner 
Polemik. 

Er entwarf auf seine Weise das pluralistische Bild einer jüdischen Geschichte, in dem jede 
Strömung - ob irrational oder rational - ihren Platz hatte. Es ist ein Geschichtsbild, das frei 
von den Bindungen einer apologetisch orientierten Geschichtswissenschaft ist. 

Das Judentum wurde von Scholem nicht statisch, sondern als ein geistiger Prozeß, der noch 

nicht vollendet ist, gesehen. Ihm lag ein Ziel vor Augen - eine Neuorientierung des 

Judentums, das sich in Auflösung und "Verwirrung" befand. 

Das Judentum brauchte eine "Wiederbelebung der Knochen", wie es in Ezechiel 37, 11 heißt. 

Diese konnte weder durch Assimilation, noch durch Orthodoxie erfolgen. Ihre Intention war 

eine Wiedergewinnung der "Jüdischen Totalität", die einherging mit einer neuen jüdischen 

Geschichtsschreibung. 

Eine zentrale Frage wurde leider in den meisten Werken der Geschichtsschreibung außer Acht 
gelassen, weil sie vielleicht in den Bereich der Philosophie und Geistesgeschichte gehört, und 
sich daher eher Menschen wie Franz Rosenzweig (1886-1926) oder Leo Baeck (1873-1956) 
damit auseinandergesetzt haben. Der einzige, der es anhand der historisch-kritisch- 
philologischen Methode probiert hat, war Gershom Scholem. 

Was hat das Judentum durch seine lange wechselvolle Geschichte am Leben gehalten? 
Was war der Motor des Judentums? 

Scholem gehörte einer Gruppe an, die man als "Erneuerung der Wissenschaft des Judentums" 
bezeichnen kann. Ein Teil dieser Gruppe versuchte Phänomene zu entdecken, die von der 
Wissenschaft des 19. Jahrhunderts vernachlässigt worden sind. Dabei ließen sie allerdings die 
Werte im Dienst der neuen zionistischen Bewegung wiederauferstehen. Der andere Teil der 
"Erneuerung" oder "Vollendung" schuf eine "neue" Geschichte. 

Es war kein Aufpolieren alter Werte, sondern ein radikales Umstürzen der Tradition. Micha 
Berdichevsky (=Micha Josef Bin Gorion, 1865-1921) bedienten sich dabei zunächst der 
Lebensphilosophie Nietzsches. Salman Rubaschow (= Schneur Salman Schasar, 1889-1974) 
und Shai Ish-Hurwitz (1860-1922) trugen ähnliche Ideen ohne den Nietzsche-Impuls vor. 

Rubaschow, den Scholem im Berlin der Nachkriegszeit kennenlernen sollte, attackierte die 
"Wissenschaft des Judentums" in einigen seiner Schriften sehr heftig. In "Erstlinge der Entju- 
dung" erklärte er eine akademische Assimilation für einfach undurchführbar und eine Syn- 
these zwischen Deutschen und Juden für unmöglich. Jüdische Wissenschaft könne nur durch 
jüdischen Nationalismus verwirklicht werden. 203 

Ebenso wie Shai Ish-Hurwitz, schrieb Rubaschow Arbeiten über den Sabbatianismus. Er 
beeinflußte Scholems spätere Arbeiten über den Sabbatianismus und den Frankismus. 
Scholem stand außerhalb dessen, was man als normatives Judentum betrachtet. Er war weder 
Rabbiner, wie die meisten der Gelehrten der "Wissenschaft des Judentums", noch waren sie 



(Der Lehrstuhl, in Der Jude 2) 



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"religiös-liberal", "konservativ" oder "orthodox". D. h. sie betrachteten die Geistesgeschichte 
des Judentums "säkularisiert". 

Scholem hatte sein Verhältnis zur "Wissenschaft des Judentums" in seiner für ihn eigenen 
polemisch-kritischen Weise in nahezu allen seinen Hauptwerken und in vielen Artikeln 
geäußert. 

Scholem begann früh eine Richtung einzuschlagen, die sehr von Rebellion bestimmt war: er 
opponierte gegen das deutsch-assimilierte Judentum. Er wandte sich einem radikalen 
Zionismus zu, der eher von ostjüdischen Ideen getragen wurde. Dazu lernte er die hebräischen 
Quellen, ohne den Weg der Orthodoxie zu wählen. Er warf den Vertretern der "Wissenschaft 
des Judentums" vor, die großen Gebiete der jüdischen Mystik vernachlässigt, bzw.polemisiert 
zu haben. Scholem glaubte, dass eine freie Neuorientierung des Judentums nur in Palästina 
gegeben sei, wo sich die jüdische Historiographie frei von apologetischen und 
emanzipatori sehen Gesichtspunkten entfalten könnte. 

So verwundert es nicht, dass er, der ursprünglich Mathematik und Philosophie studiert hatte, 
bereits 1923 nach Palästina einwanderte. Scholem hatte in den Jahren 1915-1919 zaghaft 
begonnen, kabbalistische Texte zu studieren. Dann ging er nach München, um in der dortigen 
Handschriftenabteilung ein intensives Quellenstudium zu betreiben. Scholems Interesse für 
Kabbala war nicht allein durch die Ablehnung der Vertreter der "Wissenschaft des 
Judentums" erwachsen, sondern auch durch den Einfluß von Hurwitz, Rubaschow, Walter 
Benjamin (1892-1940) und Buber. 

Scholem sah in der verschütteten und vielfach geschmähten Kabbala einen Teil der jüdischen 
Geistesgeschichte, der revolutionäre und anarchistische Utopien aufwies. 

Das Interesse für kabbalistische Themen entsprach auch jenem Zeitgeist der 20er Jahre: die 
seltsamen Bücher von Gustav Meyrink und die obskuren Spekulationen eines Oskar 
Goldberg, die Scholem beide persönlich gekannt hatte , erfreuten sich großer Beliebtheit. 
Ebenso blühten die Logen aller Schattierungen, für die die Kabbala stets ein mit 
"geheimnisvoller jüdischer Magie" gleichzusetzendes Schlagwort war - unterstützt von 
Scharlatanen wie A. Crowley und Eliphas Levi. 

Oskar Goldberg war der Autor der konfusen Schriften "Die fünf Bücher Mosis, ein 
Zahlengebäude" und "Die Wirklichkeit der Hebräer", die die im Mittelalter so gern betriebene 
Gleichsetzung von Kabbala mit Magie fortsetzte. 

Scholem schrieb über den esoterischen Kreis um Goldberg, der das Vorbild für eine Figur in 

Thomas Manns "Doktor Faustus" wurde: 

"Ich war diesen Leuten nicht nur dadurch interessant, dass ich Zugang zu den 
hebräischen Quellen hatte, sondern vor allem, weil (...) ich Kabbala studierte. Kabbala 
aber stand hoch im Kurs, nicht so sehr wegen der religiösen und philosophischen 
Aspekte, die mich zu ihrem Studium zogen, als wegen ihrer magischen Implikationen, 
von denen Goldberg die extravagantesten Vorstellungen hatte." 204 



(Scholem, Walter Benjamin, S.125) 



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Zu dieser Zeit plante Scholem bereits einen kritischen Aufsatz über die Wisenschaft des 
Judentums zu verfassen, wie wir Scholems autobiographischer Schrift über Walter Benjamin 
entnehmen können. 

"Ich war in vielen Hinsichten ein großer Verehrer dieses Mannes [gemeint ist Moritz 
Steinschneider; A.d.V] und habe Benjamin in dieser Zeit oft über ihn als eine der 
wesentlichsten Figuren in der Gruppe der tiefgelehrten Liquidatoren des Judentums 
erzählt, als ich durch mein Studium in enge Berührung mit seinen Schriften kam. Ich 
dachte damals viel über den Selbstmord in der sogenannten Wissenschaft vom 
Judentum nach und plante 1921, in Benjamins Zeitschrift Angelus Novus einen 
Aufsatz darüber zu schreiben." 205 

Doch Scholem schrieb erst seine Aufsätze über die "Wissenschaft des Judentums", nachdem 
er Erfahrungen durch seine Arbeit an der "Hebräischen Universität" in Jerusalem gesammelt 
hatte. 

Allerdings findet man in zwei Buchbesprechungen Scholems aus den Jahren 1920 und 1921, 
die im fünften und sechsten Jahrgang von Martin Bubers Zeitschrift "Der Jude" erschienen 
waren, Kritk an der Wissenschaft des Judentums und programmatische Stellungnahmen. In 
seiner durchdachten Rezension von Meir Wieners Anthologie "Lyrik der Kabbala" tadelte 
Scholem zunächst die "Wissenschaft des Judentums". Er wies auf die Vernachlässigung der 
mystischen Literatur durch die jüdische Forschung hin. 

Scholem warf der "Wissenschaft des Judentums" vor, dass sie "jene Literaturkreise, die vom 

apologetischen Standpunkt aus unergiebig oder gar widerhaarig waren" , unbeachtet gelassen 

habe. " 

Ein Forscher vom Range Abraham Geigers erklärte sich durch tödliche Langeweile für 

verhindert, den Sohar zu lesen 

". Er erwähnte aber auch das breite Bedürfnis, sich mit einführenden Werken und 
Übersetzungen der kabbalistischen Literatur zu beschäftigen. "Die Werke, die von 
ihr handeln, sind gesucht wie wenige (...) Weil die Gelehrten (und gerade die 
jüdischen) sich wenig produktiv (...) zeigten, (...) um die hier liegenden lebendigen 
Dinge (...) unverfälscht sehen und weitergeben zu können, (...) patscht mancher 
Amhaarez , von Verantwortung für die Verführung seiner Leser ungehemmt, dunkel 
und anspruchsvoll im mystischen Meer." 

Scholem schonte seine Zeitgenossen nicht, indem er die stets beliebten Anthologien angriff, 
da sie nur einen matten Schimmer von der Gestalt und Kraft des ursprünglichen Werkes 
widerspiegeln würden. 

"Es ist keine gute Stunde für ein Volk, wenn ihm nur noch der Widerschein seiner 
Werke geboten wird, bevor noch jene selbst auch nur erkannt und erforscht sind (...) 
Was wir brauchen, ist ehrliche Arbeit (...), die ohne falsche Aspirationen und 
Bumbumstil den Weg zur Erkenntnis (...) öffnet, die der Auferstehung unserer alten 
Weisheit in uns vorangehen muss." 

Scholem wehrte sich gegen den Gedanken, dass begeisterte "Metaphysiker", wie Schmuel 
Hugo Bergman (1883-1975) oder Buber sich der Kabbala annähmen und nicht geschulte 
Philologen. Scholem entwarf in zwei Sätzen ein anderes Programm, indem er die Werkzeuge 
der "Wissenschaft des Judentums" mit säkularisierter Objektivität verband: 
• "Sach- und Sprachkenntnis; 



205 (ebd. S.117) 



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• philologisches Gewissen, 

• Vorurteilslosigkeit und 

• Vorsicht bei der Deutung." 

Bei seinem 60. Geburtstag sagte Scholem, dass er von Walter Benjamin gelernt habe, was es 
heißt, zu denken: 2 

„Wenn du etwas nicht vollkommen sagen kannst, ist es besser zu schweigen." 

In Scholems Werk kann man eine Wandlung sehen, die sich in der Mitte der 30ger Jahre 
vollzogen hat. 

In den Schriften bis zu "Erlösung durch Sünde" im Jahre 1937 begann sich Scholem spürbar 
von dem mitunter recht trockenem Stil der "Wissenschaft des Judentums" zu befreien und 
seine eigene Linie zu finden, die man einmal als "wissenschaftliche Prosa" bezeichnet hatte. 

Seine späteren Werke, wie "Sabbatai Zwi", sind in einem viel leidenschaftlicheren Stil 

geschrieben. 

1937 - nachdem Scholem bereits 12 Jahre an der "Hebräischen Universität" als Dozent für 

"Jüdische Mystik" gearbeitet hatte - schrieb er einen kleinen Aufsatz über "Kabbala- 

Forschung und jüdische Geschichtsschreibung in der Universität Jerusalem". 

In dem Artikel ging er der Frage nach, inwiefern die unter anderen Gesichtspunkten in 

Palästina betriebene Historiographie gute Früchte eingebracht hat. 

Scholem verstand die "Hebräische Universität" als eine Stätte der erneuerten Fortführung der 

"Wissenschaft des Judentums" - frei von Apologetik. 

"Man darf vielleicht die Aufgabe, die sich für die Wissenschaft vom Judentum an der 
Universität Jerusalem erhebt, dahin präzisieren, dass sie ein neues Bild der jüdischen 
Geschichte zu entwerfen hat, wie es sich aus den Bestrebungen ergibt, jüdische 
Geschichte aus positiven Perspektiven zu sehen. Aus positiven Perspektiven - also 
nicht mehr, wie in den Blütezeiten der Wissenschaft vom Judentum in der Mitte des 
vorigen Jahrhunderts und im Grunde ununterbrochen bis zu unserer Generation, von 
apologetischen und emanzipatori sehen Rücksichten beeinflußt, sondern aus den 
eigenen Kräften und Bewegungen, die die jüdische Geschichte von innen her bestimmt 
haben." 206 

Scholem hoffte, dass es in Jerusalem möglich sei, die Kabbala zu erforschen und ihr den 
rechtmäßigen Platz in der jüdischen Geistesgeschichte zuzuweisen. Er kritisierte an der 
"Wissenschaft des Judentums", das sie sich weder in Darstellung, noch in Analyse den 
kabbalistischen Systemen zugewandt haben und es Pseudo-Wissenschaftlern und 
Scharlatanen überlassen blieb, sich mit der Kabbala zu befassen. 

"So kann zwar jedermann erfahren, wie Isaak Lurja dem Judentum geschadet, 

niemand aber, was er wirklich gedacht hat." 

Fast eine Seite des ca. fünfseitigen Artikels nehmen Fragen ein. Fragen, die das Programm 
von Scholems Kabbai a-Erforschung darstellen. Einige hat Scholem durch sein Werk 
beantworten können, andere stehen noch immer offen. 

"Soviel auch uns und vielleicht den künftigen Forschern daran unverständlich und 
verschlossen bleiben wird, ist doch die Hoffnung nicht ganz grundlos, aus diesem 



206 (Kabbala Forschung und jüdische Geschichtsschreibung in der Universität Jerusalem, Der 
Morgen 13 (1937-1938), S. 26-27) 



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ungeheuren geistigen Trümmerfeld den ursprünglichen Bau und seine Gestalt- 
Veränderung wiederherstellen zu können." 

1945 schrieb Scholem auf hebräisch eine eingehendere Auseinandersetzung mit der 
"Wissenschaft des Judentums" (Judaica 6), der eine Rede 1959 in London, "Wissenschaft 
vom Judentum einst und jetzt" folgen sollte. (Judaica 1) 

Scholem sah den Hauptfehler der "Wissenschaft des Judentums" in den in ihr wirkenden 
unterschiedlichen Tendenzen: wie konnte sich wissenschaftliche Objektivität mit einer 
Apologetik verbinden, die im Dienste der Emanzipation der Juden stand? Dazu kamen zwei 
gegensätzliche Elemente in der Arbeitsweise: Liquidation (Destruktionstendenz) und 
romantische Verklärung (Konstruktionstendenz) - Tendenzen, die zu einer Zensur führen 
mussten. 

Der angestrebte Rationalismus traf auf die von der deutschen Romantik beeinflußten ideell- 
romantischen Vorstellungen der Geschichtsperspektive. Hierin lag die Gefahr, zu einer reinen 
"Geistesgeschichte" im wahrsten Sinne dieses Wortes zu werden. 

"Der Versuch, das Judentum auf eine rein geistige, ideale Erscheinung zu reduzieren, 
die noch dazu nach bestimmten zeitbedingten Wertungen und Wertbetrachtungen 
beurteilt wurde, musste notwendigerweise dazu führen, dass Dinge, die unter dieser 
Perspektive der Spiritualisierung des Jüdischen fernlagen, in den Hintergrund traten. 
(...) Es gilt das für große Gebiete der jüdischen Literatur, des jüdischen Lebens, der 
Kultur, die unter den Gesichtspunkten eines aufklärerisch gesonnenen, eines geläutert 
rationalen Judentums des 19. Jahrhunderts nicht recht verwertbar schienen und daher 
als unjüdisch, allenfalls als halbheidnisch, herausgeworfen wurden, wie etwa alle 
Phänomene der jüdischen Mystik." 

„Etwas von dem Hauch des Begräbnisartigen haftet in der Tat der Atmosphäre dieser 
Wisenschaft hundert Jahre lang an. Es ist schon manchmal etwas Unheimliches an diesem 
Schriftum." Peter Schäfer bezeichnet mit„Furchterregende Riese in einen Gartenzwerg" zu 
den Unter schiedend zwischen der hebräischen und englischen Rede. 

Scholem sah die "Wissenschaft des Judentums" als ein Instrument der von ihm so heftig 
angefeindeten deutsch-jüdischen Bourgeoisie, der seine Eltern angehörten. Sie wurde so zu 
einer reaktionären Kraft in der Erhaltung des " Status quo" und nicht zu einer Wissenschaft, die 
zur Mitgestaltung des jüdischen Lebens der Zukunft beiträgt. 

"Die Wissenschaft des Judentums wurde zum Sprachrohr der Bourgeoisie, die die 
Schlagworte Destruktion und Konstruktion gleich wütend machte." 

Eine andere Schwierigkeit erkannte Scholem darin, dass die führenden Häupter der 
Wissenschaft des Judentums, abgesehen von Leopold Zunz und Moritz Steinschneider, von 
der rabbinisch-theologischen Seite kamen. 

So fehlte eine wissenschaftliche Institution, die nicht von theologischen Ausgangslagen 
bestimmt war. Erst durch den Zionismus hätte sich die Chance eröffnet, das Judentum als 
lebendigen Organismus zu betrachten, und ohne Apologetik in Beziehung zur nichtjüdischen 
Umwelt zu stellen. Dies wurde schließlich durch die Gründung der judaisti sehen Zentren in 
Palästina, bzw. Israel verwirklicht, wobei Scholem aber auch die umgekehrte Gefahr durch 
eine zionistische Revision erkennt. 



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„Alle diese Plagen haben jetzt ein nationales Gewand angezogen. Vom Regen in die 
Traufe: Nach der Leere der Assimilation kommt eine andere, die der 
großsprecherischen nationalen Phrase. Statt des religiösen Predigtstiles und der 
religiösen rhetorik haben wir einen nationalen Predigtstil und eine nationale rhetorik in 
der Wissenschaft kultiviert. (...) Wir haben mit der Arbeit begonnen, wir hatten uns 
vorgenommen, sie gewissenhaft zu tun, die Augen gingen uns auf und wir 
ernüchterten." 207 

Scholems zionistisch orientierte Historiographie wollte zeigen, dass die jüdische Geschichte 
kein klar zu bestimmendes "Wesen" hat. Sie besitzt kein theologisches Dogma. Sie stellt 
einen dialektischen Kampf dar, in der irrationale Kräfte anderen Richtungen gegenüberstehen 
und zusammen die jüdische Geschichte formen - "Mythos" und "Monotheismus", "Mystik" 
und "Rationalismus". 

Im undogmatischen Widerstreit von rationalen und irrationalen und häretischen und 
unhäretischen Vorstellungen entwickelt sich die jüdische Geschichte für Scholem, der damit 
jeder Richtung in der jüdischen Geschichte ihre Rechtmäßigkeit und Gleichwertigkeit in den 
Möglichkeiten der zeitlichen Umstände zuweist. Dabei verneinte Scholem die Dogmatik einer 
"Wissenschaft des Judentums" ebenso wie den radikalen Säkularismus einer zionistischen 
Historiographie. 

In Israel entstand wie gesagt eine neue Form der Wissenschaft des Judentums, die in ihrer 
Abwertung der Diaspora manchmal zu „zionistisch" wurde. 

In Europa entstand nach der Shoah eine neuer Wissenschaftszweig, die Judaistik. Dort wird 
mit den Methoden der Wissenschaft des Judentums „nüchtern" Geschichte und Texte des 
Judentums untersucht - der Hintergrund des jeweiligen Wissenschaftlers sollte dabei keine 
Rolle spielen. 

Im Kontrapunkt dazu entstand die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, die neben 
Gemeindeausbildungen betont nur jüdische Wissenschaftler unterrichten läßt, wobei Herkunft 
oft über Qualität entscheidet. 

Als Kontrapunkt wiederum zu den eher philologisch ausgerichteten Judaistikinsti tuten 
entstand das Potsdamer Jüdische Studieninstitut, das eher „kulturgeschichtlich" ausgerichtet 
ist und bei dem das Gebetbuch keine Rolle spielt. 



8 ANTISEMITISMUS IM 19. JAHRHUNDERT 

Das Phänomen des Antisemitismus ist ein unheimlicher Gegenstand, weil er sich so sehr der 
Vernunft entzieht. Es gibt keinen Grund dafür, zu sagen, Juden wären minderwertiger, 
hinterhältiger, verabscheuungswürdiger als andere Menschen. Doch durch Vernunft und 
Aufklärung kann man ihn nicht habhaft wehren. 

Widerlegt man alle antisemitischen Argumente bleibt schlicht das Vorurteil übrig, dem nicht 
beizukommen ist. Das bleibt unergründbar. 



207 (Judaica6, S. 50-51) 



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Wie sie wissen, beginnt der Judenhaß nicht bei den Nazis, es gibt Vorbilder in Antike und 

Mittelalter. 

Ich möchte heute die Entwicklung des modernen Antisemitismus im 19. Jahrhundert 

aufzeigen, der kurz nach der bürgerlichen Gleichstellung der Juden entstand. 

Das Problem dieser bürgerlichen Gleichstellung der Juden war die Frage, an der sich die 
Gemüter erhitzten, auch nach der vollzogenen Gleichberechtigung, in Österreich-Ungarn 
1867, in Deutschland 1869. 

Im Deutschen Reich wuchs zwischen 1871 bis 1910 die jüdische Bevölkerung von 1 12.000 
auf 615.000 an, in Berlin allein 106.000. 

In Wien lebten 1880 72.600 Juden und ihre Zahl wuchs bis 1910 auf 175 318 Menschen an, 
so dass Wien damals den zweitgrößten jüdischen Bevölkerungsanteil nach Warschau aufwies. 

Im Deutschen Reich konnten trotz der Emanzipation Juden weder Offiziere noch höhere 
Beamte werden. In Preußen gab es eine kleine Zahl jüdischer Richter, Hochschullehrer. 

Nach der Reichsgründung kam schnell der Katzenjammer, der Alltag : 
Das hieß 

• Staatliche Zwänge, 

• zu rasche Industrialisierung, 

• Wirtschaftskrisen, 

• soziale Mißstände. 

Die Unzufriedenheit fand auch bald ihren Sündenbock, die Juden 

Nach der Revolution hatte in Deutschland kein parlamentarischer Liberalismus, sondern ein 
Obrigkeitsstaat gewonnen, der fest in den Händen der Monarchie lag. Es gab eine 
Reichsverfassung, die eine Volksvertretung hervor gebracht hatte, die Regierung blieb aber 
beim Kaiser und konnte vom Reichstag nicht erfolgreich bekämpft werden. Politisch blieben 
Arbeiter, Gewerbetreibenden und Bauern machtlos. 

Der Judenhaß wurde zum Ventil der Frustrationen, in der breite Bevölkerungsschichten sich 
abreagierten. Es entstand ein politischer antisemitismus, dessen Hintergrund aber eine 
politische Ohnmacht war. 

Es entstanden politische Gruppierungen, die reaktionär und antiaufklärerisch waren, die das 
deutsche Volkstum, die deutsche Rasse und die deutsche Gesittung verherrlichten. Der 
Judenhaß war ein bequemes Mittel, um von den wirklichen Ursachen abzulenken, der 
christlich-germanische oder nur noch germanische Antisemitismus in From von organisierten 
Volksbewegungen benutzte auch den Antisemitismus als Integratiosnmittel für verschiedene 
Gruppen. 

Ihre Popularität schwankte zwar mit dem auf- und ab der Wirtschaftslage, aber er diente als 
kleinster gemeinsamer Nenner bei Wahlen. Einigkeit zeigte sich gegen den inneren Feind, den 
Juden und dem äußeren, dem Franzosen. 



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Es gab natürlich auch andere Sündenböcke im Wilhelminischen Deutschland: die 
übernationalen Katholiken, die verräterischen Sozialdemokraten neben den jüdischen 
Weltverschwörern. 

Antisemitismus war eine Reaktion auf die Emanzipation der Juden, die Furcht vor der 
jüdischen Allmacht. 

Die Jahrhunderte lang entrechteten Juden wurden, kaum dass sie gleichberechtigt waren, nun 
in der antisemitischen Literatur dieser Zeit zu unglaublichen Supermenschen. Sie waren 
unglaublich reich, hatte die Presse, Kunst und Literatur in der Hand, beherrschten den 
Marxismus, den Sozialismus, den Liberalismus, verführten die schwachen germanischen 
Frauen und waren die geheimen Herrscher der Welt. 

In Deutschland und Österreich waren die Themen gleich: der Angriff des Judentums auf 
traditionelle Formen des Eigentums, auf Landwirtschaft und Handwerk, auf politische 
Strukturen, seine Andersheit und Fremdheit galt es auszuschalten, um das Volkstum zu 
schützen. 

Wiener Zeitungen wie die „Wiener Kirchenzeitung" unter Sebastian Brunnder, Albert 
Wiesinger, oder „Das Vaterland" Karl Freiherr von Vogelsang, sind typisch dafür. 

Vogelsang, der in Wien gegen die Maschinen und gegen ein System schrie, in dem der Jude 
den Handwerker ausrottet und ein spekulierender Jude Schuhmacher zugrunde richtet. 
Juden behielten alle ihre Ghettoeigenschaften, aber auch ungeheurer Macht, eine Bedrohung 
mit den Waffen Presse, Banken Handel, Geld, die Judenherrschaft. Man beklagt die 
Unsicherheit der Gründerzeit, aber verbindet damit eine eigentümliche Rassenlehre, dass die 
Rasse der Deutschen von der Rasse der Juden bedroht sei. 

C. Wilmann in Berlin, Stadtgerichts-Rat, gegen die Börsen und Banken, die alle jüdisch seien. 
Die goldene Internationale, Berlin 1876. Antisemitismus mit antiliberalismus. 

Chefideologe war z. B. Wilhelm Marr (1818-1904), Publizist und Journalist, Verfasser des 

„Judenspiegels" (1863) und Gründer der „Antisemiten-Liga" (26.9. 1879), einem Jom- 

Kippur. 

Er setzte die Judenfeindschaft mit rassistischer Grundlage im politischen Tageskampf ein. Er 

brachte das bereits bekannte Wort Antisemitismus in Umlauf und konstruierte den Gegenstaz 

zwischen Juden und Deutschen. 

Ziel: Vernichtung jüdischer Herrschaft mittels Aufrichtung des deutschen Volksbewußtseins. 

Ebenso Otto Glagau, „Der Börsen- und Gründungsschwindel in Berlin" (1876), Juden hätten 
Schuld am Börsenkrach von Berlin 1873, Schuld an der industriellen Entwicklung und deren 
negativen Folgen. Der Dämon der Wellverschwörung der degenerierten Race: 

„Sie schieben uns Christen stets beiseite, sie drücken uns an die Wand, sie nehmen uns 

die Luft und den Atem." 
Dessen Schriften waren zunächst als Fortsetzungsgeschichte in der „Gartenlaube" erschienen. 

Die Verbindung säkularer plus religiöser demente. D.h. das traditionelle bild vom Juden als 
Feind der Christenheit mit dem Bild des Juden als Wirtschaftsfeind schmolz bei August 
Rohling zusammen, Bibelprofessor aus Prag, Münster 1871 



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Der Talmudjude, ein teilweise Plagiat von Andreas Eisenmengers Entdecktes Judenthum von 
1710. Antitalmudismus plus Judenherrschaft über das Universum. Zahlreiche Auflage, 6. 
Auflage wurden z.b. 38000 Gratisexemplare verteilt. 

Ebenso Pfarrer Josef Deckert in Wien, 1893 „Vier Tiroler Kinder, Opfer des chassidischen 
Fanatismus", „Ein Ritualmord." Die Erinnerungen von Bloch mit vielen Dokumenten sind in 
der Bibliothek, ebenso auf Anfrage Der Talmudjude, der bei mir ist. 

Diese Hetzte der Straße wurde nun auch nicht mehr von mehr oder weniger windigen 
Journalisten, sondern nun auch vom deutschen Hofprediger Adolf Stöcker (1835-1909) 
aufgenommen, seit 1874 Hofprediger, der am 19.9.1879 seine ersten Judenrede in Berlin 
hielt, „Unsere Forderungen an das moderne Judenthum". 

Dem christlichen AntiJudaismus gab er eine soziale Tönung. Er gründete die „christlich- 
soziale Partei". 

Er kämpfte gegen den liberalen und sozialistischen Materialismus und gegen das 
Manchestertum in der Wirtschaft, all das sei jüdisch, den christlichen Geist entgegen 
gesetzt und eine Gefahr für das deutsche Volk, die Juden würden das deutsche Volk 
vergiften: „Gerade weil wir diese Blutvergiftung gefühlt haben, weil wir es zuletzt hier 
in unseren Berliner Verhältnissen nicht mehr aushalten konnten, darum, bis aufs Blut 
getrieben, sind wir endlich losgebrochen und haben gegen das Gift, das an dem 
Gemütsleben der Nation frißt, endlich die Hand erhoben und ausgerufen: das geht so 
nicht weiter. Aber sie, die Juden, sind die Vergifter." 208 

Er forderte als Wahlredner die Juden von Berufen auszuschließen. Er wurde 1881 der erste 
betonte Antisemit im Reichstag, für ihn war Judentum = Ausbeutertum. Jüdischer Mammon 
gegen deutsch-christlichen Geist. Für alle industriellen Veränderungen, Eisenbahn, Presse, 
Juden verantwortlich. 1890 wurde er wegen seines massiven Antisemitismus als Hofprediger 
entlassen. 

Paul de Lagarde, ebenfalls ein Theologe, identifiziert Industrialisierung, Liberalismus und 

„Verjudung" noch deutlicher. 

An all dem Zusammenbruch alter Wertvorstellungen, der Verelendung von Volksschichten 

sei alles Jüdische schuld. 

Die Rettung der Menschheit hängt von der Vernichtung der Urheber des Unglücks ab. 
„Es gehört ein Herz von der Härte der Krokodilhaut dazu, um mit den armen 
ausgesogenen Deutschen nicht Mitleid zu empfinden und die Juden nicht zu hasen und 
jene, die aus Humanität diesen Juden das Wort reden, oder die zu feige sind, dies 
Ungeziefer zu zertreten. Mit Trichinen und Bazillen wird nicht verhandelt, Trichinen 
und Bacillen werden auch nicht erzogen, die werden so rasch und gründlich wie 
möglich unschädlich gemacht." 209 

Dieser ganze Haß wurde von dem Historiker Treitschke als „Ausdruck eines tiefen, lang 
anhaltenden Zornes", als „natürliche Reaktion des germanischen Volksgefühls gegen ein 
fremdes Element" entschuldigt. 
Er machte den Antisemitismus salonfähig und holte ihn an die Uni. 



208 Adolf Stöcker, „Christlich-sozial", Berlin 1890, Die Berliner Juden und das öffentliche 
Leben. 

209 „Juden und Indogermanen", 1888. 



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Im November 1879 erschien in den Preußischen Jahrbüchern der Artikel „Unsere Aussichten" 

des Geschichts-Prof. Heinrich von Treitschke: 

„Bis in die Kreise der höchsten Bildung hinauf, unter Männern, die jeden Gedanken 
kirchlicher Unduldsamkeit oder nationalen Hochmuts mit Abscheu von sich weisen 
würden, ertönt es heute wie aus einem Munde: die Juden sind unser Unglück." 

Er war nicht nur gegen die Juden, gegen den Liberalismus, gegen die Bildung, gegen den 
Sozialismus, gegen die Aufklärung, gegen den Unglauben, gegen die Strafrechtsreform, 
gegen den Materialismus und gegen die Emanzipation. Es war ein national begründeter 
Antisemitismus. Der Antisemitismus ging nun auch vom Katheder aus. Er entfachte dadurch 
an der Berliner Uni einen Antisemitismus-Streit, indem entweder Juden, wie z. B. Heinrich 
Graetz aus Breslau oder Hermann Cohen aus Marburg gegen ihn auftraten oder konvertierte 
Juden, einzig Theodor Mommsen und Karl Fischer, ein Frankfurter Gymnasialprof 
Der Blätterwald rauschte. 

Die Berliner Uni hat Treitschke moralisch isoliert, nur drei Professoren standen auf seiner 
Seite: Heinrich Brunner, Karl Wilhelm Nitzsch und Herman Grimm. 

Ein anderer bekannter Antisemit jener Zeit war Eugen Dühring (1833-1921), einen 
physiologischen Antisemitismus, „Die Judenfrage als Frage der Racenschädlichkeit für 
Existenz, Sitte und Kultur der Völker" (1881). 

Dühring war Volkswirt an der Uni Berlin. Ziel der Juden sei, die anderen Völker zu 
unterhöhlen, um ihre Habe zu bekommen, sie hätten nichst für die Welt geleistet und auch 
nicht fähig zur Leistung, Beweis dieser Wahrheit seien die judenfeindlichen Instinkte des 
niederen Volkes und gewöhnlichen Bürgerstandes. 

Dies sei biologisch und daher nützten auch Taufe und Erziehung nichts. Die beste Lösung sei, 
die Juden ganz loszuwerden, Beschlagnahme ihrer Banken, Ausschluß von staatlichen 
Ämtern, Presse, Literatur und gesellschaftlichen Vereinigungen. Gegen den zersetzenden 
Einfluß der Juden in der Kunst hatte bereits 1850 Richard Wagner in seinem Artikel „Das 
Judentum in der Musik" gewettert und die jüdische Eigenart auf ihre Race zurückzuführen 
sei. Erst 1869 bekannte er sich zu dem anonymen Artikel. 

Das Grundlagen werk der späteren nationalsozialistischen Rassenlehre wurde die Schrift von 
Wagners Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain aus England, „Die Grundlagen des 
19. Jahrhunderts" von 1898. Relph: 744. 

Chamberlain lehrte, dass alle Staatsschöpfer, Denker und Künstler die das Schicksal der Welt 
bestimmen, Angehörige der arischen Race seien. Die gesamte Kultur sei ihr Werk, 
Kennzeichen ihre Blondheit und ein länglicher Schädel. Seltsam, dass diese Kulturträger bis 
zum MA warteten, um in ihrem eigenen Land eine Kultur zu schaffen. Der Gegenpol des 
wahren Germanentums sind die Juden, eine Rassenmischung und Ausbund aller 
Verworfenheit, von ihnen kann nichts Gutes kommen. Was in der Bibel Anerkennung 
verdiene, stamme von den Israeliten, dies seien keine Juden, Jesus habe nicht der jüdischen 
Race angehört. Die christliche Religion solle sich gründlich von allem Jüdischen trennen, der 
Jude in der modernen Welt müsse als Schädling entfernt werden. 

Eine wahnwitzige Irrlehre, die Schule mache sollte, wie zum Beispiel in den 
Veröffentlichungen des Hammer- Verlages von Theodor Fritsch: „Handbuch zur Judenfrage" 
die bis 1944 49 Auflagen erlebte. 
Dieser gründete die „Deutsche Antisemitische Vereinigung". 



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Liebermann und Fritsch gründeten 1885 die „Antisemitische Korrespondenz". 

1882 Dresden der erste internationale Antisemitenkongreß 10.-12.9., 3000-4000 Teilnehmer, 

10. -1 1.6.1889 Bochumer Antisemitentag. Daraus ging die Antisemitische Volkspartei hervor. 

Der agressive Nationalismus und Antisemitismus fand zahlreiche Anhänger, die teils in 
Parteien und Interessenverbänden organisiert waren.: 

• Christlich-soziale Partei (Adolf Stöcker), 

• die Allgemeine antisemitische Vereinigung (Otto Böckel), 

• die Deutsch-soziale Partei (Bernhard Förster und Liebermann von Sonnenberg) und 

• die Deutsch-soziale Reformpartei (Liebermann von Sonnenberg und Zimmermann). 

1890 gab es 5 betonte Judenhasser, 
1907 bereits 25, sie forderten: 

• ein Judenmatrikelgesetz, das zunächst bestimmen solle, wer nach Abstammung Jude 
sei, 

• ferner Ausschluß der Juden vom Militär, 

• ihrer Wählbarkeit, 

• Beschränkung ihrer Tätigkeit als Juristen, Ärzte, Techniker, 

• überdies soll eine sachverständige Untersuchung des Talmuds auf staatsgefährdende 
Stellen eingeleitet werden. 

1899 wurden auf dem Parteitag der Deutsch-sozialen Reformpartei Leitziele beschlossen, 
Judenfrage wird im 20. Jahrhundert eine Weltfrage sein, die von allen Völkern gemeinsam 
durch völlige Absonderung, und, wenn es die Notwehr gebietet, schließlich durch 
Vernichtung des Judentums gelöst werden. Schulthess, Deutscher Geschichtskalender 1899, 
S.69. Bund der Landwirte, Deutschnationale Handlungsgehilfenverband, der Verein deutscher 
Studenten, Alldeutsche Verband. Hauptprogramm, Intergrationsmittel, Agitationsmittel. 

Zeitweilig unterstützt und aber auch abgelehnt von den größeren Parteien. Katholische 
Zentrumspartei dagegen, ebenso die liberalen, dennoch einzlne Abgeordnete antisemitisch, 
rechte Flügel der Konservativen bekannte sich 1892 zur antisemitischen Agitation, riefen zum 
Boykott jüdischer Geschäfte auf. 

1880/81 brachten Förster und von Sonnenberg, Gymnasi eil ehrer, der andere Leutnant, rund 
250 000 Unterschriften für eine antisemitische Petition zusammen, die dem Reichskanzler 
überreicht wurde: 

• Schädlichkeit der jüdischen Race, 

• Ausschluß der Juden von staatlichen Ämtern, 

• Einschränkung ihrer Lehrtätigkeit, 

• Zensus für die jüdische Bevölkerung, 

• Einwanderungsbeschränkung etc. 

Es folgte am 12. November 1880 eine Erklärung der 75 gegen Antisemitismus, was gegen die 
beiden, aber auch gegen Treitschke gerichtet war, darunter Theodor Mommsen und Rudolph 
Virchow. 

Das Parlament gab sich damit zufrieden, die verfassungsmäßige Gleichberechtigung nicht 
aufzuheben, dem Rassenhaß wurde nicht Einhalt geboten. 



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Derweil verbreiteten Leute wie Hermann Ahlwardt ihre Hetze, 
1892: Die Judenflinten, darin behauptete er, die Waffenfabrik des Ludwig Löwe habe 
schlechte Waffen geliefert, um das Heer gegen das Weltjudentum wehrlos zu machen. 
Berliner Schulrektor, wurde als Rektor der Deutschen gefeiert und gelangte in den Reichstag. 

Schlesiens Graf Pückler aus Klein-Tschirne forderte die Landbevölkerung auf, die Juden aus 
dem Land zu vertreiben. Er landete im Irrenhaus. 

1891 Xanten 5j ähriger Bub tot, Adolf Buschhoff, Metzger soll ihn rituell geschachtet haben, 
trotz Freispruchs mussten viele Juden ihre Heimat verlassen aus Angst vor der aufgewiegelten 
Bevölkerung. 

Daran konnte auch der 1892 gegründete Verein zur Abwehr des Antisemitismus nichts 

ausrichten. 

Der Einfluß der antisemitischen Parteien erreichte 1911 fast eine halbe Million Stimmen. 

Dennoch glaubten viele Juden, der Antisemitismus sei eine Übergangserscheinung. Als die 

Berliner Gemeinde den Kaiser bitten wollte, die Juden gegen den parlamentsfähigen 

Antisemitismus in Schutz zu nehmen, schrieb Rapahel Löwenfeld 1893 die Broschüre, 

Schutzjude oder Staatsbürger? 

Der Schutz durch den Kaiser wäre ein Rückschritt zum mittelalterlichen 

Schutzjudentum. 

3. Juli 1869 verbürgten gleichen politischen Rechte zu verwirklichen, nicht kaiserlicher 
Schutz, sondern staatsbürgerliche Selbsthilfe, Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen 
Glaubens gegründet, 26.3. 1893, Aufklärung und Rechtsschutz, unter der Führung der 
Berliner Juristen Maximilian Horwitz und Eugen Fuchs, 

1918 13 Landesverbände und 174 Ortsgruppen: 

Leitsätze vom 27.9. 1893: 

Wir deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens stehen fest auf dem Boden der 
deutschen Nationalität. Unsere Gemeinschaft mit den Juden anderer Länder ist keine 
andere als die Gemeinschaft der Katholiken und Protestanten Deutschlands mit den 
Katholiken und Protestanten anderer Länder. Wir erfüllen als Staatsbürger freudig 
unsere Pflicht und halten fest an unseren verfassungsmäßigen Rechten. Wir gehören 
als Juden zu keiner politischen Partei. Die politische Meinung ist, wie die religiöse 
Sache des einzelnen. Wir wehren uns gegen die leichtfertige und böswillige 
Verallgemeinerung, mit der Vergehen einzelner Juden der jüdischen Gesamtheit zur 
Last gelegt werden." 

Antisemitismus durch Vernunft heilbar, trotz der antisemitischen Behauptungen gehören die 
Juden zur deutschen Nation, beides bestritten die Zionisten, die sich wenige Jahre danach 
organisierten. 

In Österreich erwachte in den 80er Jahren ein Antisemitismus, der vor allem ein Wiener 
Phänomen war und von da aus weiterging. 

Georg von Schönerer (1842-1921) zu nennen, ein politischer Vertreter eines rassischen 
Alldeutschtums, er unterstützte zahlreiche studentischen Vereinen, die wie die Wiener 
Liberias 1878 erklärte, dass Juden nicht als Deutsche anzusehen seien, auch wenn sie getauft 
sind und erkannten ihnen 1881 die Satisfaktionsfähigkeit ab, dem sich 1896 alle anderen 



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Burschenschaften anschlössen, da der Jude der Ehre nach unseren deutschen Begriffen völlig 
bar sei. 

Schönerers Interesse lag zunächst beim Deutschtum. 

Als liberaler Abgeordneter des linken Flügels arbeitete er am Linzer Programm von 1882 mit, 

Erweiterung der Bürgerrechte und den Schutz der deutschsprachigen Bevölkerung Österreichs 

durch Einführung des Deutschen als Staatssprache in den überwiegend von Deutschen 

bewohnten Gebieten forderte. 

Antisemitismus war kein Teil von Schönerer. 

Drei Jahre später fügt er einen 12. Punkt ein, die Beseitigung des jüdischen Einflusses aus 

allen Bereichen des öffentlichen Lebens ist unerläßlich für die Durchführung der angestrebten 

Reformen. 

Er erkannte den Antisemitismus als politische Demagogie. 

Als er den Deutschnationalen Verein gründete, Antisemitismus sei der Pfeiler 

deutschnationalen Denkens, gegen die jüdische Rasse. 

Er brachte im Reichsrat eine antisemitische Gesetzesvorlage nach der anderen ein. 

1882 legte er eine Petition vor, unterschrieben von 37.068 Menschen, dass man die Opfer der 

russischen Pogrome nicht aufnehmen solle, da die Juden die Pogrome selbst provoziert hätten. 

1888 drang er mit Schlagstöcken in das Neue Wiener Tagblatt ein, was ihm vier Monate 
Gefängnis einbrachte, der Adelstitel wurde aberkannt. 

Der christlichsoziale Karl Lueger (1844-, Wiener Gemeinderat, Liberaler) 

1885 in den Reichsrat, 

er stimmte 1887 mit 19 Parlamentsabgeordneten die für Schönerer Beschränkung der 

jüdischen Einwanderer. 

Ebenso wie Schönerer benützte er den Antisemitismus um politisch zu wirken. Er war aber 

kein Alldeutscher, sondern für Habsburg und den Katholizismus. 

Schönerer ein rasssistischer Judenhasser, Lueger dagegen ein altmodischer religiöse, 

kulturelle und ökonomischer Antisemitismus, der opportunistische Gründe für den populären 

Politiker hatte, wenn er sich mit konvertierten Juden abgab, sagte er „Wer ein Jude ist, 

bestimme ich." 

Antisemitismus, um an die Macht zu kommen, wie in seiner Rede am 23.9. 1887, wir hassen 

das erdrückende Großkapital, das sich in den Händen der Juden befindet. Zur selben Zeit 

erschütterte ein Ritualmordfall Österreich-Ungarn, TiszaEszlar, 1882, Esther Solymossi. 



9 ANFANGE DES ZIONISMUS. 



Die Idee eines jüdischen Nationalismus in seiner modernen Form, nämlich der Zionismus, 
geschah relativ spät, erst als sich in Europa der Nationalismus bereits stark verbreitet hatte 
und tatsächliche Nationalstaaten in Europa ins Weltgeschehen traten. 

Zionismus hängt mit dem Wort Zion zusammen, das bereits in antiken Zeiten zum Synonym 
für Jerusalem wurde. 

Besonders nach der Zerstörung des 1 . Tempels wird die Hoffnung auf die Rückkehr ins 
Heimatland mit Pslamen ausgedrückt, wie Ps. 137, 1. 



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Im Mittelalter drückte es ein Jehuda HaLevi in seinen Zionsliedern ähnlich aus. 

Der moderne Zionsimus als Zeichen der jüdisch-nationalen Bewegung ist im 19. Jahrhundert 
entstanden (Selbstemanzipation 1. April 1890) 

Es gab Vorläufer in der Zeit vor der Emanzipation, wie R. Juda Alkalai (1798-1878). 

Er verband alte messianische Hoffnungen mit einer konkreten Rückkehr nach Israel, 
als die Gemeinde von Damaskus 1840 nach einem Ritualmordvorwurf durch Adolphe 
Cremieux und Sir Moses Montefiore gerettet wurde, glaubte er, die messianische Zeit 
sei gekommen. Die Erlösung könne durch die eigene menschliche Aktion geschehen, 

Semlin bei Belgrad. Er begann als ein Prediger, der aber seine Botschaft der 

Wiederbesiedlung durch Reisen verbreitete und selbst nach Israel emigrierte. 

Ähnlich Zwi Hirsch Kalischer (1795-1874), ein deutscher rabbinischer Gelehrte. Durch die 
Emanzipation der Juden in Frankreich und Deutschland unter Napoleon glaubte er an 
das Ende des Exils. Er dachte, dass nun die Einwanderung der Juden nach Israel 
stattfinden solle, er versuchte Meyer Anschel Rothschild und Montefiore zu 
überzeugen, er solle Israel kaufen. Emanzipation durch den Menschen, so auch die 
nächste Phase der Erlösung durch den Menschen. Alter Messianismus durch 
historische Erfahrungen neu interpretiert. 

Beide sind frei von antisemitischen Vorstellungen, dass die Juden zur Sicherheit eine 
Heimat brauchten. 

Einer der zionistischen Vorläufer unter einem philosophischen Gesichtspunkt war Moses 
Hess (1812-1875). 

Hess kam von Hegel, Fichte und Spinoza. Damit die Juden ihrer historische Mission 
erfüllen können, müssen sie ihren eigenen Staat errichten, wie Italien 1859, das letzte 
Nationalitätenproblem. 

Wobei Hess auch vom Sozialismus beeinflußt war. Hess, der Vorläufer eines 
sozialistischen Zionismus, und sein Werk Rom und Jerusalem erhielt von jüdischer 
Seite keine positive Antwort. Später, nachdem die ersten zionistischen Organisationen 
gegründet wurden, wurde es bereitwillig aufgenommen. Inhaltlich hat es sicher 
Schwächen. Nach ihm kann der nationale Geist des Judentums nur durch die Rückkehr 
in die antike Heimat wieder erweckt werden. 

Alle drei kannten sich, konnten aber keine nennenswerten Erfolge verbuchen. 

Während in den palästinafreundlichen Kreisen des 19. Jahrhunderts religiöse Motive 
dominierten, kam es nach den politischen Ereignissen des Jahres 1881 zu einer deutlichen 
Veränderung. 

Im Zuge der reaktionären Politik des Zaren Alexanders III brach eine Welle von grausamen 
Pogromen in Südrußland aus, die über hundert jüdische Gemeinden vernichtete. 
Die "Mai-Gesetze" 1882 ließen die Ansiedlung der russischen Juden nur in einem begrenzten 
Gebiet (russisch: Rayon) zu. Der Kampf für die Emanzipation der Juden Osteuropas schien 
verloren und die Frage einer Massenauswanderung wurde heftig diskutiert. 

In einer Delegiertenkonferenz "Jüdischer Notabein" in Petersburg 1882 sagte ein Delegierter 
aus Kiew, Max Mandelstam: 



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"Entweder erhalten wir die Bürgerrechte, oder wir emigrieren. Unsere 
Menschenwürde wird zu Boden getrampelt, unsere Frauen und Töchter geschändet, 
wir werden bestohlen und betrogen; entweder erhalten wir die uns zustehenden 
Menschenrechte, oder sonst wollen wir dahin gehen, wohin unsere Augen uns führen 
werden." 210 

Eine der größten Auswanderungen in der jüdischen Geschichte setzte ein. Das 
Bestimmungsziel war meist Amerika. 

Deutschland und Österreich wurden zu Durchgangsländer. Viele, denen es an Geld oder Kraft 
für die Weiterreise mangelte, ließen sich in Städten wie Wien oder Berlin nieder. 

Es entstanden Vereine in Russland, die die Kolonisation Palästinas propagierten und sich 
"Chibbath Zion=Zionsliebende" oder "Chowewe Zion=Zionsfreunde" nannten. Hauptsächlich 
wurden sie in Russland, Polen, Rumnänien gegründet. Sie flössen später mit der Zionistischen 
Organisation Herzls zusammen, einige existierten noch formal bis zum Ersten Weltkrieg. 

Ende des Exils, Erlösungshoffnung und Rückehr nach Israel fügte sich hier zusammen. 

Den ideologischen Hintergrund gaben Leute wie Perez Smolenskin, der ab 1868 Ha-Schachar 
edierte und den jüdischen Nationalismus gegen die Assimilation stellte. Auch ein Eliezer 
Ben-Jehuda publizierte dort, der die Rückehr des Hebräischen als gesprochene Sprache 
vorantrieb. 

Andere Zeitungen waren Ha- Maggid oder Ha-Meliz oder Gesellschaften wie die 
Studentenbewegung Ahavat Zion 1881 in St. Petersburg. 

Der russiche Arzt und Politiker Leon Pinsker (1821-1891) war ein begeisterter Verfechter der 

jüdischen Assimilation in Russland. Aber er veränderte seine Anschauungen dergestalt, dass 

er in den 8oger Jahren sich für eine Nation der Juden einsetzte. 

Seine Schrift "Autoemanzipation" vom September 1882 forderte, dass die "Judenfrage" nur 

behoben werden kann, wenn die Juden wieder eine Nation werden. 

"Was uns fehlt ist nicht die Genialität, sondern das Selbstgefühl und das Bewußtsein 
der Menschenwürde, das ihr uns geraubt. (...) So weit sind wir gesunken, dass wir fast 
übermütig werden vor Freude, wenn, wie im Okzident, ein geringer Bruchteil unseres 
Volkes mit den NichtJuden gleichgestellt wurde. Wer gestellt werden muss, steht 
bekanntlich schwach auf den Füßen. (...) Die Vaterlandslosen wurden 
vaterlandsvergessen. (...) müssen wir (...) einsehen lernen, dass, solange wir nicht wie 
die anderen Nationen ein eigenes Heim haben, wir ein für allemal die edle Hoffnung 
aufgeben müssen, mit den anderen gleichwertige Menschen zu werden." 211 

Pinsker wurde Mitglied einer der Chibbat Zion Vereine. Zusammen mit Max Mandelstamm, 
Lilienblum und Hermann Schapira gründete er im September 1883 die Zerubavel Gesellschaft 
in Odessa zur Besiedlung Israels. 

Kurz danach entstand die Warschauer Gesellscgaft unter Saul Pinchas Rabbinowitz und Isidor 
Jasinowski. 



210 (L. Greenberg, The Jews in Russia, New York, S.63) 

211 (Autoemanzipation, Berlin 1936) 



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Trotz der Gegenerschaft der osmanischen Herrschaft wanderten einzelne ein, 1882 verbat die 
osmanische Regierung die weitere Einwanderung. 

1882 hatte Zalman Levontin Rischon le-zion gegründet, Petach Tikvah war 1878 gegründet 
worden. Diese Siedlungen hatten mit enormen ökonomischen Problemen zu kämpfen. 
Baron de Rothschild unterstützte fast alle finanziell. 

1884 gab es die erste Chibbat Zion Konferenz in Kattowitz am 6. November mit 35 

Delegierten aus Russland, Rumänien, Deutschland, England, Frankreich. 

Insgesamt ca. 100 Gesellschaften mit 14000 Mitgliedern damals. 

Es war keine Einwanderung möglich, die Unterstützungen für die Vereine stagnierten, kaum 

ein Verein in Deutschland oder England konnte Bedeutung erringen, nur die Kadima in Wien 

kämpfte wacker weiter. 

Nathan Birnbaum hatte in Wien die nationaljüdische Verbindung "Kadima = Vorwärts" 

mitgegründet und seit 1885 eine Zeitung unter dem Titel von Pinskers "Selbstemanzipation" 

herausgegeben. 

In seiner Schrift "Die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes" bezeichnete er die 

nationaljüdische Bewegung als "Zionismus". "Und hat sich denn auch in Wirklichkeit die 

national -jüdische Partei, welche sich deshalb auch die zionistische nennt, für dieses Land, für 

Palästina entschieden." 212 

Pinsker hatte die Meinung vertreten, dass die Juden sich nicht assimilieren können, da sie 
nicht toleriert würden- daher Gründung einer eigenen Nation. Nationale Normalität. 

1887 gab es die zweite Konferenz, diesmal in Druskininki in Russland und nannte die 
Gesellschaft in Choveve Zion um. Nach der Verleihung der Juden aus Moskau 1891 gab es 
eine große Aliya und die Türken wiederholten ihr Verbot der Besiedlung und Einwanderung. 

Zwischen 1881 und 1914 wanderten ca. 2.600000 Juden aus Russland und seinen 
Nachbarländern in die USA ein. 

9.1 ThedorHerzl 

Der freie Schriftsteller Theodor Herzl (1860-1904) fing an, die nationaljüdischen Vereine zu 
sammeln und zu organisieren und wurde zum Begründer des sogenannten politischen 
Zionismus. 

Seine Schrift "Der Judenstaat" (1886) wurde die Programmschrift des Zionismus. 

Herzl organisierte den Ersten Zionistenkongreß in Basel 1897. 

Herzl war Journalist, Politiker, aber kein Philosoph. 

Die ideologische Strömung des "Kulturzionismus" opponierte gegen Herzls Anschauungen. 



212 (Nathan Birnbaum, Ausgewählte Schriften zur jüdischen Frage, Czernowitz 1910, Band 1, 
S.9) 



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Ihre markantesten Gestalten waren Achad ha- Am (= Einer aus dem Volk) (1856-1927) und 
Martin Buber (1878-1965). 



9.1.1 Achad ha-Am 



Achad ha-Am sah im Zionismus eine geistige Erneuerung des jüdischen Volkes. Palästina 
sollte ein Kultur- und Geisteszentrum für die Juden aus aller Welt sein, der Zionismus nicht 
eine politische Bewegung, sondern ein Weg, der die Juden wieder zu sich selbst führt. Er 
weist in einer seiner Schriften auf das biblische Buch Ezechiel hin: 213 

"Und was ihr euch in den Sinn kommen lasset, das soll nicht geschehen; dass ihr 
sprechet: Wir wollen sein wie die Völker, wie die Geschlechter der (anderen) Länder, 
Holz und Stein zu dienen. "Ez 20,32 "Und er sprach zu mir: Menschensohn, diese 
Gebeine sind das gesamte Haus Jisrael. Siehe, sie sprechen: Verdorrt sind unsere 
Gebeine und geschwunden unsere Hoffnung; wir sind verloren. "Ez 37, 1 1 

Diese Wiederbelebung der Knochen sollte durch eine "Wiederbelebung der Herzen" 
kommen. Erst eine "neue" jüdische Gemeinschaft könnte praktische Arbeit in Palästina tun. 

Ascher Ginzberg (= Achad Ha-Am, 1856-1927) stammte aus Kiew. 

Am 4. März 1889 war in dem hebräischen Tageblatt "Hameliz" sein Artikel "Lo Ze ha- 
Derekh" erschienen. Achad Ha-Am kritisiert dort die Methoden der Zionsfreunde, in deren 
Odessaer Komitee er Mitglied war. Die Not der Juden könne nicht durch eine 
Massenaussiedlung behoben werden. Das zu lösende Problem ist die geistig-sittliche Krise 
des Judentums, verursacht durch Emanzipation und Assimilation. Nur so könne in Palästina 
ein geistiges und kulturelles Zentrum für die gesamte Judenheit entstehen. 

1896 gründete er in Odessa die erste moderne hebräische wissenschaftliche Zeitschrift "Ha- 
Schiloach", die er selbst bis 1902 redigierte. Sie wurde zur Plattform von Achad Ha-Ams 
Kulturzionismus. 

Es gab verschiedenste Richtungen im Zionismus, wie 

• Jakob Klatzkin (1882-1948), der sich für die Einheit von Land (Palästina) und Sprache 
(Hebräisch) einsetzte. 

• Ber Borochov (1881-1917) war ein sozialistisch-zionistischer Denker, der stark von 
Marx beeinflußt war. Die Idee des Klassenkampfes wurde auf die „jüdische Frage" 
angewendet. Die Diaspora hätte die Juden zu unproduktive Tätigkeiten verdammt, 
ohne unabhängige ökonomische Basis. Bedingungen der Produktion unterscheiden 
den jüdischen Arbeiter vom nicht-jüdischen. 

• Nicht-marxistische Sozialistische Zionisten gäbe es natürlich auch, wie A. David 
Gordon oder Berl Katznelson. 

Sie bilden die Wurzel des Zionismus, der bis heute an Denkern und Historikern die 
verschiedensten Blüten aber auch Unkraut beschert hat, von Abraham Joshua Heschel, bis zu 
Andre Neher, Emanuel Levinas und Yeshayahu Leibowitz. 



(Am Scheideweg, Berlin 1913, S. 3 7) 



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9.2 Zu Martin Bubers Zionsimusauffassung: 

Buber vertrat in seiner Form des "Kulturzionismus" radikale Ideen. 

In ostjüdischen Studentenkreisen war Micha Josef Berdyczewski (1865-1921) einer der 
bedeutendsten Nietzsche- Anhänger. 

Er propagierte, die Kunst und die Lebensfreude in einer "Jüdischen Renaissance" zu 
verbinden. So würde sich die Erneuerung des Judentums als Teil einer allgemeinen 
Menschheits-Renaissance vollziehen. 

Berdyczewski warf Achad Ha-am "Einseitigkeit" und "Weltfremdheit" durch die 
"Überbetonung des Geistes" vor. Er sah, wie später Buber, im Chassidismus den Prototyp für 
sein anarchistisches Geschichtsbild. 

Er ist einem breiteren Publikum durch seine Sagen- und Mythensammlung "Born Judas" 
bekannt, die unter dem Namen Micha Josef Bin Gorion erschienen ist. 

Berdyczewskis Gedanken zeigten Buber, wie man mit Hilfe der bildenden Künste eine 
Erneuerung des Judentums vorantreiben könnte. 

Mit dieser Form des Zionismus war Buber in der Lage, das von Nietzsche beeinflußte 
Künstlertum mit jüdischen Ideen zu verbinden. 

Wo allerdings Berdyczewski auf radikale Weise mit der gesamten Tradition der Diaspora 
bricht und an die biblische Vorzeit in seinem Zionismus anknüpft, setzt Bubers anarchistische 
"Traditionskette" ein. 

Buber entwickelt ein Judentum, in dem er jüdische Elemente mit Teilen der allgemeinen 
Kultur verbindet. Dieses geschaffene Judentum setzt er auf romantische Weise mit einem 
UrJudentum in Verbindung. Um die beiden "Judentümer" miteinander zu verknüpfen, bildet 
er die Traditionskette. Sie ermöglicht es Buber, die talmudisch-orthodoxe Lehren des Exils zu 
verneinen und aus Sekten oder größeren Bewegungen eine neue Kette der Überlieferung 
mosaikartig zusammenzusetzen. Deren Glieder sind die Propheten, die Rechabiter, die 
Essener, die Urchristen, kleine kabbalistische Zirkel im Mittelalter und der Chassidismus. 
Sie finden ihren Gegenpart im "offiziellen" Judentum. 

Bubers "Einwurzelung ins Judentum" war keine Rückkehr, sondern der Beginn einer eigenen 

Identitätssuche. 

Er bekannte sich zu einem Judentum, das erst noch in einer "Jüdischen Renaissance" 

geschaffen werden musste. 

Auch hier klingen einige Topoi aus dem Werk Nietzsches in Bubers Kulturzionismus an: 

Buber fordert die innere " Vervollkommnug" des Menschen und Nietzsche propagiert den 

Übermenschen. 

Ebenso erinnert Bubers Dienst an "Erez Israel" an Nietsches Motto, der "Erde treu zu sein". 

Durch seine Aufgabe, das innere Judentum zu erneuern, erhält Buber die Beziehung mit dem 
Judentum aufrecht, obwohl er dessen äußere Formen abgelegt hat. Mit dem Zionismus als 
Instrument und dem Chassidismus als Modellfall des tatsächlichen, aber "unterirdischen 
Judentums", gibt er sich selbst eine jüdische Legitimation. 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

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SS 2003 Seite 96 

Bubers Werk wurzelt im Judentum und in der Moderne. Buber setzt mit Bausteinen aus dem 
Judentum und der allgemeinen Kultur ein neues jüdisches Denken zusammen. Während Herzl 
in der zionistischen "Bewegung" eine politisch-territoriale Losung vertrat, war Buber der 
Ansicht, dass das Judentum eine innere Verwandlung durch eine menschlich-künstlerische 
Erneuerung benötige. 

Während des vierten Zionistenkongresses wurde bereits beschlossen, eine demokratisch- 
progressive Fraktion oder Partei zu bilden. 

Ein paar Tage vor dem fünften Kongreß trafen sich über 40 Delgierte dieser neuen Fraktion. 
Ihr gehörten russiche Studenten, wie Leo Motzkin oder Chaim Weizmann, aber auch Buber, 
Feiwel und E. M. Lilien an. Als geschlossene Fraktion sollten sie nur auf dem fünften 
Kongreß auftreten. 

Was waren ihre Ziele? 

Sie strebten eine Synthese von kultureller und politischer Arbeit an. Außerdem wollten sie die 
zionistische Organisation demokratisieren. Ein weiterer Punkt war die Kolonisation in 
Palästina, sowie die Verbindung zwischen Juden in Palästina und der Diaspora. Ein 
Programm, dem Max Nordau "echte jüdische Weltfremdheit" vorwarf 214 

Buber hielt als Sprecher der demokratischen Fraktion auf dem fünften Kongreß ein Referat 
über "Jüdische Kunst". 

Bubers leidenschaftliches Rede rief Befremdheit und teilweise Gelächter hervor, besonders 
als er erklärte, dass er und seine Freunde durch diese "keimende Volkskultur" ihren "innersten 
Zusammenhang mit dem Zionismus" hätten. 

Buber legte eine Resolution vor, die die "kulturelle Hebung als Erziehung des jüdischen 
Volkes" definierte und als einen der "wesentlichen Elemente des zionistischen Programmes" 
erklärte. 

Diese Definition nannte Achad Ha- Am 1902 in Minsk eine "Verlegenheitslösung". Es gab 
heftige Auseinandersetzungen, da Herzl zunächst keine längere Debatte über die Kulturfragen 
wollte. Schließlich wurde in letzter Minute ohne Debatte über die Resolutionen abgestimmt 
und bis auf die Unterstützung des "Jüdischen Verlages" alle angenommen. Das Ende des 
Kongresses bedeutet auch ein zunehmendes Erkalten der Beziehungen zwischen Herzl und 
Bub er. 

1902 gründen Buber, Lilien, Feiwel und Davis Trietsch den "Jüdischen Verlag" in Berlin. 

Er war sehr aktiv in der Jugendbewegung. 

Der Zionismus mit seinem nationalen Ideal sah sich von Anfang an in Deutschland im Kampf 
mit der sogenannten "Assimilation". Das lag auch zum großen Teil daran, dass die 
Emanzipation und die bürgerliche Gleichberechtigung eher dem Wunschdenken, als der 
Wirklichkeit entsprach. Die "Gleichberechtigung" musste doch letztendlich immer wieder 
individuell errungen werden. 



214 (Max Nordau, Zionistische Schriften, Berlin 1923, S.130). 



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So lesen wir bei Jakob Wassermann oder Hermann Cohen, die beide bedeutende Vertreter 
und Verteidiger der deutsch-jüdischen Kultur waren, wie schwer der tatsächliche Alltag von 
"Deutschtum" und "Judentum" gewesen war. 

Der Zionismus setzte in diese Orientierungslosigkeit ein und leistete vor allem bei der Jugend 
entscheidende Hilfe bei der Findung ihrer eigenen jüdischen Identität. Die aufgegebene 
jüdische Tradition wurde nun oft ersetzt durch ein Bekenntnis zum Zionismus. Dieses 
Bekenntnis war in vielen Fällen nur eine Hülle ohne Inhalt. 
Emanuel Levinas schrieb einmal: 

"Wer sich nach seiner eigenen jüdischen Identität fragt, hat sie bereits verloren. 
Zugleich aber bedeutet diese Frage, sich an diese Identität zu klammern. Andernfalls 
würde man diese Befragung vermeiden. Zwischen diesem >schon< und diesem 
>noch< zeichnet sich eine Grenze ab, die einem straff gespannten Seil ähnlich, jenes 
Gebiet bildet, auf dem das abendländische Judentum sich vorwagt und sich im selben 
Moment auch auf die Probe stellt." 215 

Scholem schrieb rückblickend über den deutschen Zionismus: 

"Was bedeutete die Losung des Zionismus für einen modernen Juden jener Jahre ? 

Ich würde diese Bedeutung in drei Punkten formulieren, die auch für Bubers Haltung 

wichtig waren: 

1 .Das Bewußtsein von der tödlichen Krise der rabbinischen Tradition des Judentums, 
von der Sinnlosigkeit und Gewichtslosigkeit einer Religion, die zur sozialen 
Institution erstarrt ist. 

2.Das Bewußtsein einer jüdischen Identität und Loyalität, eines sich jenseits solcher 

Institution entfaltenden Lebens, in dem der Jude beheimatet und verwurzelt ist 
und das Ansprüche an ihn stellen darf. 

3. Die Utopie einer lebendigen Zukunft und einer Wiedergeburt dieses Volkes in 

seinem Land, die sich in einer schöpferischen Metamorphose der alten Gestalt 
vollziehen würde, vielleicht aber auch in einem revolutionären Neubeginn. Das 
Schwanken zwischen diesen beiden Polen hat, nicht nur für Buber selbst, das 
Gesicht der zionistischen Bewegung so unsicher gemacht (...) seine Haltung 
beruhte, so artikuliert sie von Anfang an war, nicht auf einer theoretisch 
durchdachten Konzeption. 

Sie beruhte auf dem aufwallenden Gefühl eines jungen Romantikers und 

Revolutionärs, der die Wiedergeburt seines im Exil erstarrten und irreal gewordenen 

Volkes zu befördern (...) suchte." 216 

Was bedeutete der deutsche Zionismus in der post-assimilatorischen Zeit ? 
In der Jugend, die sich in Studentenvereinen und anderen Verbänden organisiert hatte, 
genügte oft nur ein bloßes "Bekenntnis". Viele blieben bei dieser Entscheidung zum 
Zionismus, die in den meisten Fällen mit großen gesellschaftlichen Schwierigkeiten 
verbunden war, stehen. Ein reines Bekenntnis, das mit recht dürftigen Inhalten angefüllt war. 
Schlagwörter, wie "Jüdische Nationalität" reichten aus, um die eigene jüdische Identität aus 
der Opposition heraus zu definieren. Ein "Trotzjudentum", wie Ernst Simon es nannte. 

Siegfried Kanowitz schrieb über den deutschen Zionismus: 



215 (Pardes 5, Paris 1987) 

216 (Scholem, Judaica2, Frankfurt a. M. 1987, S.139-140) 



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"Der Zionismus unserer Epoche war basiert auf Ideologie. Unsere Substanz wurde 
nicht verwandelt, wir wurden nicht >jüdischer<, wir wanderten nicht in Massen nach 
Palästina, aber wir fanden eine neue Kraft in uns, wir fanden eine neue Deutung 
unseres Lebens und des geistigen und gesellschaftlichen Raumes, in dem wir lebten 
(...). Es vollzog sich an uns das Wunder einer inneren Neugeburt." 217 

Welche Rolle sollte die jüdischen Tradition in dieser "Erneuerung" spielen ? 

Es gab in den meisten Fällen eine starke Abkehr von der jüdischen Tradition, die einhergeht 

mit der Übernahme von europäischen Kulturinhalten. 

Der Einfluß der Romantik und der Lebensphilosophie Nietzsches spielte eine große Rolle im 

deutschen Zionismus. 

Dies kann man sehr ausgeprägt in Gruppen der jüdischen Jugendbewegung, wie "Blau-Weiß" 

erkennen. 

"Die Beschäftigung mit Nietzsche, oder mit Hölderlin, vermag uns stärker zu Juden zu 
machen als die erzwungene Rückkehr zu einem Ritual, an dessen Sinn wir nicht 
glauben." 

Das Abschneiden von der jüdischen Tradition gipfelte im kompromißlosen Verneinen des 
Diasporajudentums bei Berdyczewski. 

Viele junge Zionisten meinten jedoch mit "jüdischer Tradition" die degenerierte Form von 
Judentum in ihren assimilierten Familien. So erklärt sich die sentimental-romantische 
Verklärung und Idealisierung des Ostjudentums. 

Bubers Beschäftigung mit dem Chassidismus in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts war das 
Zentrum der Wieder entdeckung des "Ostjuden" im Fin-de-siecle. In Reaktion auf die mitunter 
sehr verächtliche Haltung der "assimilierten Westjuden" gegenüber den ostjüdischen 
Zuwanderern, entstand vor allem in der zionistischen Jugend eine Verehrung des 
"Ostjüdischen", das mit der Wiederentdeckung des "Jiddischen" einherging. Die "geordnete" 
Welt des Ostjudentums wird für viele Jugendliche aus assimiliertem "westjüdischem" Haus 
zum idealisierten Zufluchtsort. Sie sahen in den Ostjuden ein reineres, unverstelltes Judentum. 
Diese Haltung sollte ihren stärksten Auftrieb durch die Begegnung mit Ostjuden im 1. 
Weltkrieg bekommen. 

9.3 Der 1. Weltkrieg 

Der 1. Weltkrieg zeigt, wie unsicher das Fundament des deutschen Zionismus war. 

Nicht wenige Juden dachten, dass der 1 . Weltkrieg mit der Erprobung ihres Patriotismus ein 
letzter Prüfstein für die "jüdische Emanzipation" sei. 

100 000 Juden kämpften in der deutschen Armee, 78 % an der Front. 10 000 hatten sich als 
Freiwillige gemeldet. Darunter war auch Franz Rosenzweig: 

Ernst Simon schreibt: 

"Wenn wir verwundet wurden, so legten wir in das Mysterium des warmen, fließenden 
Blutes die erhebene Auslegung hinein, dass dieser lebendige Saft uns nun auf ewig 



217 (Aufsätze, gesammelt aus Anlaß des 50. Jahrestages der Gründung der Maccabaea, Tel 
Aviv 1954, S. 14) 



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den Brüdern verkitten würde, und gingen, froh und fast sicher in uns selbst, zum 
zweiten Male hinaus." 218 

Trotzdem blieben auch diese patriotischen Juden nicht durch ihr "Eisernes Kreuz" vom 
Antisemitismus verschont. 

1916 wurde die vom Preußischen Kriegsministerium angeordnete "Judenzählung" 
durchgeführt, die Menschen wie Ernst Simon ihre "Selbsttäuschung" vor Augen führte. 

Das Verhalten der zionistischen Juden im 1. Weltkrieg zeigt die Besonderheit des deutschen 
"Nationaljudentums". Viele deutsche Zionisten fühlten sich als "deutsche Patrioten". 

Die "Zionistische Vereinigung für Deutschland" unterzeichnete zusammen mit dem 

"Reichsverein der Deutschen Juden" folgenden Aufruf 1914: 

"Deutsche Juden! In dieser Stunde gilt es für uns aufs neue zu zeigen, dass wir 
stammesstolzen Juden zu den besten Söhnen des Vaterlandes gehören. (...) Wir 
erwarten, dass unsere Jugend freudigen Herzens freiwillig zu den Fahnen eilt. Wir 
rufen Euch auf, im Sinne des alten jüdischen Pflichtgebots mit ganzem Herzen, ganzer 
Seele und ganzem Vermögen Euch dem Dienste des Vaterlandes hinzugeben." 219 

Und Heinrich Loewe schrieb in der "Jüdischen Rundschau": 

"Wir Juden, wir Zionisten, die wir in den Zeiten des Friedens uns scheuten, mit 
Patriotismus zu prunken, die wir allen Nachdruck auf unser Judentum legten, das der 
Betonung mehr bedurfte als unsere selbstverständliche Treue zum deutschen 
Vaterlande, wir werden heute als deutsche Bürger freudig alle Forderungen an Hab 
und Gut, an Leben und Blut erfüllen. (...) Alle unsere jungen Hasmonäer und V.J.St.er, 
alle Bar-Kochbaner und Makkabäer stehen bereits in den Reihen der 
Kriegsfreiwilligen." 220 

Das jüdische "Nationalgefühl" in dieser Zeit wirkt paradox. 

An der Westfront bekämpften sich deutsche und französiche Juden in den Schützengräben. 
An der Ostfront hofften deutsche Juden durch den Sieg über Russland die Ost- Juden von der 
Unterdrückung zu befreien. 

So schreibt Sammy Groneman in seinen Kriegserinnerungen "Hawdoloh und Zapfenstreich" 

von 1924: 

"In den ersten Kriegsjahren aber herrschte eitel Jubel und Begeisterung ob der 
Entdeckung der Ostjuden als der Wahrer deutscher Art und Sprache. (....) Der 
Feldmarschall Hindenburg und Exzellenz Ludendorff ließen Proklamationen, sogar 
durch Flugzeuge, in jiddischer Sprache an die Juden in Litauen und Polen verbreiten, 
in denen die Befreiung der armen russichen Juden vom zaristischen Joch durch die 
freiheits- und judenfreundlichen deutschen Heere angekündigt und die enge 
Zusammengehörigkeit und geistige Verwandtschaft von Deutschen und Juden 
dargelegt wurde." 



218 (Ernst Simon, Brücken, Heidelberg 1965, S.20) 

219 (Jehuda Reinharz, Dokumente zur Geschichte des Deutschen Zionismus, Tübingen 1981, 
S. 170-171) 

220 (Reinharz, S. 146-147) 



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Bei einer zionistischen Chanukka-Feier 1914 vergleicht Buber den 1. Weltkrieg als eine 
befreiende Erfahrung. Sie hätte eine Verwandtschaft mit dem Krieg der Makkabäer. 
Die Rede erschien unter dem Titel "Die Tempelweihe": 

"Es ist doch auch das Schicksal des Judentums, das sich in dieser Zeit, gleichsam 
unterirdisch entscheidet; und wenn Scharen von Juden gegeneinander kämpfen, so 
kämpfen sie doch - in einem Sinn, der sich heute noch nicht völlig zu erschließen 
vermag - mitsammen um ihr Judentum." (Die jüdische Bewegung, S.231) Kurz - der 
Krieg sei das so lange zu erwartende "Gemeinschaftserlebnis". 

Gustav Landauer schreibt 1916 eine heftige empörte Kritik an Buber. 
Auf Landauer geht die Bezeichnung "Kriegsbuber" zurück. Solange Bubers Haltung zum 
Krieg sich nicht ändert, wird Landauer nicht am "Juden" mitarbeiten wollen. Er nennt die 
"Losung" und die Rede "Der Geist des Orients und das Judentum" "sehr schmerzlich, sehr 
widerwärtig und sehr nahe an der Unbegreiflichkeit". 221 

"Trotz all Ihrem Einspruch nenne ich diese Art Ästhetizismus und Formalismus und 
ich sage, dass Sie - sich selbst gegenüber - kein Recht haben, über die politischen 
Ereignisse der Gegenwart, die man den Weltkrieg nennt, öffentlich mitzureden und 
diese Wirrnisse in Ihre schönen und weisen Allgemeinheiten einzuordnen: es kommt 
völlig Unzulängliches und Empörendes heraus. Ich gestehe, mir kocht das Blut. (...) 
Die (...) führen Krieg (...) in Erfüllung übermächtiger Pflicht. Das ist eine fast 
kindliche Simplifikation. (...) Schade auch, dass Sie sich in diesen Krieg hineinverirrt 
haben. Wie schade es ist, werden sie später an Folgen merken: (...) Sie werden um 
Ihrer selbst willen auszulegen, hinzuzufügen, einzuschränken und zu bedauern haben.' 

222 

Buber hat bei der Herausgabe des Landauer-Briefwechsels den Brief von Landauer 
ausgelassen. Ebenso hat Buber seinen Biographen Hans Kohn davon überzeugt, die Haltung 
zum 1. Weltkrieg in seiner Buber-Biographie von 1930 zu verfälschen. 

"Noch im Jahre 1916, als der >Jude< zu erscheinen begann, hatte Buber keine klare 
und scharfe Haltung zu der Problematik des Weltkrieges und der ihm verflochtenen 
politischen Konstellation. In seinen Worten war niemals eine Verherrlichung des 
Krieges und nie eine Verkennung seiner Dämonie." 223 

Von Bubers politisches Intermezzo im Ersten Weltkrieg blieben seine teilweise 
erschreckenden Texte übrig. 

In seiner Reden- Sammlung "Der Jude und sein Judentum" von 1961 ließ Buber die frühen 
zionistischen Texte wohlweislich aus oder unterzog sie, wie die Rede "Der Geist des 
Orients...", einer gründlichen Selbstzenzur. Buber hatte im Testament seinem literarischen 
Nachlaßverwalter untersagt, noch nicht veröffentlichte Texte herauszugeben, die vor 1916 
geschrieben worden sind. 

In Palästina und später in Israel bleibt er weiterhin politisch aktiv, wie sein Engagement im 
"Brit Schalom" oder "Ichud" zeigt. 



221 (Briefwechsel I, S.434) 

222 (Briefwechsel I, S.434) 

223 (Kohn, S.163) 



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Beide Gruppen versuchten zur Verständigung zwischen Arabern und Juden beizutragen. Paul 
Mendes-Flohr hat 1983 eine Auswahl von Bubers Schriften zu diesem Thema unter dem Titel 
"Ein Land und zwei Völker" zusammengetragen. 

In der bewußt empfundenen „Endzeit" um die Jahrhundertwende traten im deutschsprachigen 
Raum vornehmlich Juden als Kulturträger in Dichtung, Kunst, Musik, Architektur und 
Psychoanalyse auf. 

Bei der Auseinandersetzung mit dem Werk dieser jüdischen Literaten, Künstler und 
Wissenschaftler des beginnenden 20. Jahrhunderts gerät man leicht in eine Vielzahl von 
Problematiken. 

Gerne wird „Rassenpolitik mit umgekehrten Vorzeichen"224 betrieben: Menschen, in deren 
Leben und Werk keine Spur von einer Auseinandersetzung mit dem Judentum zu finden ist, 
ja, deren Eltern mitunter schon getauft waren, werden oft zu den „jüdischen Künstler des Fin 
de Siecle" gezählt. Ein illustres Beispiel dafür ist Hugo von Hofmannsthal (1874-1929), 
dessen Großvater Augustin Emil bereits die Tochter des herzoglich Leichtenbergischen 
Sekretärs Anton Maria von Rhö geheiratet hatte und zum Katholizismus übergetreten war. 
Sein Enkel, Hugo von Hofmannsthal, war ein frommer Katholik und es gibt nur wenige 
Hinweise in seinem Werk auf sein „jüdisches Erbe". 

Aus dieser Fülle von genialen Köpfen sollen im folgenden drei Menschen herangezogen 
werden, die beispielhaft für jene Zeit sind: 

• Richard Beer-Hofmann, 

• Moritz Goldstein und 

• Jacob Wassermann, 

da sich in ihnen die Probleme jüdischer Identität um die Jahrhundertwende wie einem 
Brennglas brechen. 

Die nach der Emanzipation der Juden in Österreich und Deutschland folgenden Jahrzehnte 
bildeten den Höhepunkt der sogenannten "Deutsch-jüdischen Symbiose" bis zu Beginn der 
Naziherrschaft. 

Die Vertreter des jüdischen Bildungsbürgertums verloren oder verwässerten ihre jüdischen 
Traditionen und ersetzten sie durch andere: Goethe, Schiller, Lessing und Kant nahmen die 
Plätze von Talmudstudium und Orthopraxis ein. 225 

Das Verhältnis des assimilierten jüdischen Bürgertum zum Judentum war häufig ein sehr 

gespaltenes. 

Dieses "innere" Problem der jüdischen Identität entzieht sich weitgehend der Genauigkeit 

wissenschaftlicher Erörterung, da es sich in der Verborgenheit der menschlichen Seele 

versteckt und meist nur „zwischen den Zeilen" zu entdecken ist. 

Eine Nation wollten sie nicht sein, das Judentum als Religion aber nicht aufgeben. Dies war 
das Fundament einer Organisation wie des deutschen „Centralvereins deutscher Staatsbürger 



224 Harry Zolin, „...ich bin ein Sohn der deutschen Sprache nur..." Jüdisches Erbe in der österreichischen 
Literatur, Wien 1986, S. 9. 

225 Siehe: Mordechai Breuer, Jüdische Orthodoxie im Deutschen Reich, 1871-1910, Frankfurt a.M. 1986. 



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jüdischen Glaubens", der den Vorwurf einer „doppelten Nationalität" schon durch die 
Namensgebung abwehren möchte. 

9.4 Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens 

Der 1893 gegründete „CV" verstand sich u.a. als ein Kämpfer gegen antisemitische Vorwürfe 

und versuchte sie durch vernünftige Argumente in einer Rechtsschutzkommission zu 

widerlegen. 

So betrieb er „Aufklärung" über das Judentum, indem er bspw. den „Philo- Verlag" gründete, 

um so "Jüdisches" Juden nahezubringen, die gar keinen Bezug mehr zur Tradition hatten, und 

NichtJuden die Möglichkeit zu geben, Informationen und nicht antisemitische Hetze zu lesen. 

Die absolute Gegenbewegung zur Ideologie des „CV" waren die zionistischen Vereinigungen. 

Der deutsche post-assimilatorische Zionismus wirkte in einem Stadium, in dem das, was man 
„jüdische Nationalität" nannte, immer substanzloser und fragwürdiger wurde, es einer 
Definition zu unterziehen. 

Der Glaube an die Deutschen als Väter von Klassik und Idealismus und damit prädestinierte 

Vertreter eines humanen, vernünftigen Menschenbildes, hielt sich besonders verstärkt im 

Ostjudentum bis in die späten 20ger Jahre hinein. 

So schrieb Joseph Roth: 

„Der Ostjude sieht mit einer Sehnsucht nach dem Westen, die dieser keinesfalls 
verdient.(...) Dem Ostjuden ist Deutschland zum Beispiel immernoch das Land 
Goethes und Schillers, der deutschen Dichter, die jeder lernbegierige jüdische Jüngling 
besser kennt als unser hakenkreuzlerische Gymnasiast."226 

Emil Schorsch, von 1927-1938 liberaler Ortsrabbiner in Hannover, erinnert sich: 

„Religiöse Unwissenheit war eine weit verbreitete Tatsache. (...) Es war noch immer 
so, dass die Gesellschaft die Zugehörigkeit zu einer Religion erwartete. Wo Kirchen 
waren, da mussten auch Synagogen sein, sonst wäre die jüdische Gemeinschaft als 
kommunistisch abgestempelt worden. (...) Aber das machte die Aufgabe des Rabbiners 
nicht leichter. Er fühlte die kalte Hand des Unglaubens, der Indifferenz, der 
Feindseligkeit gegen alles Religiöse in einem Maße, das seine Wirksamkeit beinahe 
strangulierte. "227 

Trotz der Vorbehalte gegen Assimilation und Emanzipation haben diese Faktoren erst das 
vielgerühmte „jüdische Erbe" in Literatur und Wissenschaft erst ermöglicht: 

„Es ist aber auch eine unabweichliche Tatsache, dass ohne die Emanzipation und die 
damit verbundene geistige Transformation durch Aufnahme der europäischen 
Denkweise in Kultur und Wissenschaft die Spitzenleistungen von Juden in diesem 
Jahrhundert nicht möglich gewesen wären. "228 

Am Anfang und am Ende der sogenannten „deutsch-jüdischen Symbiose" steht eine 
Bibelübersetzung. 



226 Joseph Roth, Juden auf Wanderschaft, Köln 1 985, S. 1 1 . 

22 ' Jüdisches Leben in Deutschland, Selbstzeugnisse zur Sozialgeschichte 1918-1 945, New York 1 982, S. 1 84. 

22 ° Robert Weltsch, Die deutsche Judenfrage, ein kritischer Rückblick, Königstein/Ts. 1 98 1 , S. 1 8. 



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Moses Mendelssohns Pentateuchüb ertragung wollte den Juden in die Sprache der Umwelt 

einführen, Martin Buber und Franz Rosenzweig beabsichtigten mit ihrer Bibelübersetzung 

den hebräischen Urtext durch das Deutsche hörbar zu machen. 

Gershom Scholem sagte bei der Feier zur Vollendung der Übersetzung: 

"Ihre Übersetzung (...) war etwas wie das Gastgeschenk, das die deutschen Juden dem 
deutschen Volk in einem symbolischen Akt der Dankbarkeit noch im Scheiden 
hinterlassen konnten. (...) Ist sie nicht mehr das Gastgeschenk der Juden an die 
Deutschen, sondern, es fällt mir nicht leicht, es zu sagen - das Grabmal einer in 
unsagbarem Grauen erloschenen Beziehung. "229 

9.5 Moritz Goldstein 

Moritz Goldstein (27.3. 1880 Berlin - 3.9.1977 New York, Pseudonym Michael Osten), ein 

jüdischer Schriftsteller und Journalist, ist heute der Allgemeinheit so unbekant, dass Kurt 

Koszyk, der Herausgeber seiner Erinnerungen, ihn zur „vergessenen 

Journalistengeneration"230 zählt. 

In der „Encyclopaedia Judaica", in der selbst Gangstern wie „Bugsy" Siegel ein Artikel 

gewidmet ist, findet sich kein Eintrag zu Goldstein. 

„Ich habe nicht Ungewöhnliches erlebt, und niemand fragt nach mir und meinen 
Umständen. Wenn ich mich dennoch immer wieder getrieben fühle, von mir selbst zu 
berichten und dabei, wenn nicht mein Leben, so doch aus meinem Leben zu erzählen, 
so ist meine wahre Absicht, die Partei meiner geistigen Leistung zu ergreifen, ihre 
Sache zu führen, so wie man einen Prozess führt, zur Abwehr von Unrecht und in 
Verteidigung des Rechts. Dies ist das Unrecht, gegen das ich mich wehre: Ich erhebe 
den Anspruch, eine schöpferische Leistung von Rang vollbracht zu haben. Aber ich 
lebe im Dunkeln, unbekannt, unerkannt, vereinzelt und vereinsamt. (...) Mein 
Anspruch stützt sich auf eine geschriebene Leistung, die, wenn man sie gedruckt 
zusammenfasse, viele Bände füllen würde. (...) Sie ist teilweise unveröffentlicht 
geblieben und also unbekannt, teilweise übersehen, teilweise längst vergessen und tief 
versunken. "231 

Goldstein wuchs in einer liberalen jüdischen Familie auf. 

Sein im oberschlesischen Chorzow noch orthodox aufgewachsener Vater wurde in den 

Textilhandel nach Berlin geschickt, wo er sich „in schweren seelischen Kämpfen"232 von d er 

Orthodoxie trennte. 

Feiertage wie Pessach, Channuka oder die „hohen Feiertage" wurden, wie auch in der Familie 

seiner Mutter, noch eingehalten. 

„Die Folge davon war, dass die Sitten des jüdischen Lebens mir fremd blieben. Ich 
hörte zwar davon und las auch darüber; aber das schafft nicht jene absichtlose 
Vertrautheit, die man offenbar nur erwirbt, wenn man das Ritual in der Kindheit um 
sich her mit angesehen und daran teilgenommen hat. (...) Niemals bin ich in dem 
Gefühl meiner Zugehörigkeit zum Judentum oder besser zu den Juden schwankend 
geworden. Aber freilich: ich lehne das Ritual ab. (...) Ich widersetze mich auch der 



229 Gershom Scholem, Judaica 1, Frankfurt a.M. 1963, S.215. 

•"0 M or it z Goldstein, Berliner Jahre, Erinnerungen 1880-1933, hg. von Kurt Koszyk, München 1977, S.6. 

231 ebd. S.9 

232 ebd. S.101. 



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Zumutung, dass, weil ich als Jude geboren bin, gewisse Anschauungen und Lehren für 
mich gelten sollen. Wäre es dem jüdischen Volke vergönnt geblieben, sein natürliches 
Leben auf eigener Scholle wie andere Völker zu führen, so wäre der Streit um ' das 
Gesetz' vielleicht noch immer nicht entschieden. Aber der Kampf zwischen 
Orthodoxie und geistiger Selbstbestimmung hätte sich unter freien Himmel abgespielt 
wie überall sonst auf der Welt; und dabei wäre ich ganz gewiss mit Leidenschaft auf 
der Seite der Selbstbestimmung zu finden gewesen. "233 

Goldsteins erstes, von ihm selbst vernichtetes, Drama, drehte sich um Jerusalem in fünf Akten 
und hatte den Titel „Die Jüdin von Passau". 

1912 verfaßte er den Aufsatz "Deutsch-jüdischer Parnass", der einen wahren „Kulturkampf 
auslöste. Die Aktivität der Juden in der deutschen Kulturwelt wurd evon Goldstein darin 
beschrieben und analysiert. Goldsteins Schrift war die Frucht seines geistigen Ringens mit 
dem „jüdischen Problem". Er, der nie aktiv in der zionistischen Bewegung war, wollte kein 
politisches Programm veröffentlichen: 

„Er macht keinen Vorschlag zur Lösung und treibt überhaupt keine Politik, wie er 
vielfach missverstanden worden ist. Er stammt aus der seelischen Not des deutschen 
Juden, der schreibt, und bekennt diese Not. Wenn man will, mag man ihn lyrisch 
nennen. Erst als die Arbeit fertig vorlag, fing ich an, darüber nachzudenken, was ich 
denn nun damit anstellen sollte, um sie an die Öffentlichkeit zu bringen; an eine 
möglichst große Öffentlichkeit."234 

Goldstein hat die aufsehenerregende Geschichte seines Aufsatzes in einen späteren Aufsatz 
nachgezeichnet.235 

Der „Deutsch- Jüdische Parnass" erschien im ersten Märzheft der pangermanischen Zeitschrift 
"Der Kunstwart", die Ferdinand Avenarius herausgab. Avenarius bezeichnete sich selbst als 
nationalistisch, aber nicht antisemitisch. „Der Kunstwart" distanzierte sich in dem Vor-und 
Nachwort zu Goldsteins Aufsatz, regte aber zugleich zu einer weiteren Auseinandersetzung 
an: 

„Es versteht sich von selbst, dass wir sie nicht als unsere Meinung wiedergeben, und 
dass dieser Beleuchtung von einer Seite die Beleuchtung von einer andern her folgen 
muss. Aber Goldsteins Aufsatz scheint uns ganz ungewöhnlich geeignet als 
Ausgangspunkt einer Erörterung. "236 

Was war der Inhalt von Goldsteins „Parnass"? Es beschrieb die Rolle der Juden im 
deutschsprachigen Kulturbetrieb. Er erkannte die Problematik und Schwierigkeit seines 
Themas: 

„Dass wir lieber nicht davon sprächen, gebe ich zu; es geht auch mir gegen das 
Schamgefühl, vor aller Welt zu sagen, was ich nur vor Juden sagen sollte. Auch ich 
wünschte, dass wir unsere schmutzige Wäsche im eigenen Hause waschen könnten. 
Aber wir haben kein eigenes Haus. Es gibt keine jüdische Öffentlichkeit; es ist in 



233 ebd. S.101-102. 

234 ebd. S.104. 

23 - > Moritz Goldstein, German Jewry's Dilemma, The Story of a Provacative Essay, in: LBIYB II (1957), S.236- 

254. 

236 Goldstein, Berliner Jahre, S.213. 



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Deutschland, besonders in Westeuropa nicht möglich, zur Gesamtheit der Juden als 
Juden zu sprechen, soviel wir auch über uns sprechen lassen müssen. "237 
Goldstein kam zu der These: 

„Wir Juden verwalten den geistigen Besitz eines Volkes, das uns die Berechtigung und 
Fähigkeit dazu abspricht. (...) Aber mögen wir uns immerhin ganz deutsch fühlen, die 
anderen fühlen uns ganz undeutsch. (...) Wir mögen Max Reinhardt heißen (...) oder 
Max Liebermann (...): wir mögen uns deutsch nennen, die andern nennen es jüdisch, 

sie hören das 'Asiatische' heraus, sie vermissen das 'germanische Gemüt'. " 2 3 8 

Goldstein entwarf im Anschluß einige Möglichkeiten, dieses Dilemma zu lösen. Zunächst 

verwarf er die „Aufklärung" der Antisemiten: 

„Wir können unsere Gegner leicht ad absurdum führen und ihnen zeigen, dass ihre 
Feindschaft unbegründet ist. Was ist damit zu beweisen? Dass ihr Haß echt ist. Wenn 
alle Verleumdungen widerlegt, alle Entstellungen berichtigt, alle falschen Urteile über 
uns verbessert sind, so bleibt die Abneigung selbst als unwiderleglich übrig. Wer das 
nicht einsieht, dem ist nicht zu helfen. "239 

Goldstein sah eine mögliche Lösung durch den Zionismus und die Schaffung einer neuen 

hebräischsprachigen Literatur: 

„Für das Volk - den Zionismus, für die Kunst - die Wiederbelebung hebräischer 
Sprache und hebräischer Poesie. "240 

Dennoch erkannte Goldstein auch hier die Unmöglichkeit dieser Lösung für die meisten der 

Kulturschaffenden : 

„Denn wir deutschen Juden, wir heute Lebenden, wir können ebensowenig hebräische 
Dichter werden, wie wir nach Zion auswandern können. (...) Denn trotz Verfolgung, 
Verhöhnung, Mißachtung ist das Judentum im Laufe einer mehr als tausendjährigen 
Gemeinschaft mit dem Deutschtum so eng in den Wurzeln verwachsen, dass beide 
nicht mehr gelöst werden können. Die rassereinen Germanen mögen sich sträuben wie 
sie wollen, sie mögen (mit echt germanischer Logik) alles Gute für sich in Anspruch 
nehmen und alles Übel den Juden zur Last legen; sie werden doch die Tatsache nicht 
aus der Welt schaffen, dass deutsche Kultur zu einem nicht geringen Teil jüdische 

Kultur ist." 241 
So kam Goldstein zu dem Schluß: 

„Das Problem aufzuzeigen war meine Absicht. Es ist nicht meine Schuld, dass ich 

keine Lösung weiß." 242 
Goldsteins Aufsatz erregte großes Aufsehen: 

„Die erste Reaktion, die mir vor Augen kam, war eine kleine Notiz in einem 
antisemitischen Blatte. Dann erschienen ähnliche Hinweise in anderen Blättern, 
zustimmend, ablehnend, dann größere Aufsätze, und schließlich erscholl die ganze 
deutsche Presse vom Lärm des Streites um den Deutsch-jüdischen Parnass. Auch das 
Ausland nahm teil. Die 'deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens' protestierten in 
wilder Wut; die Zionisten spendeten jubelnd Beifall. Der 'Kunstwart' selbst öffnete 
seine Spalten der Diskussion, die zum Teil in plumpester Form geführt wurde - dies 



237 ebd. S.214. 

238 ebd. S.214-217. 

239 ebd. S.218. 

240 ebd. S.221. 

241 ebd. S.221. 

242 ebd. S.222. 



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war schließlich das Organ eines verbohrten Veteranen des Judenhasses, des Kritikers 
und Literaturhistorikers Adolf Bartheis.. "243 

Zionistische Kreise klatschten begeistert Beifall, obwohl sie sich nicht völlig mit Goldsteins 
Ideen identifizieren konnten. Sie begrüßten es, dass die „Judenfrage" Gegenstand einer 
öffentlichen Debatte wurde: 

"Der Verein jüdischer Studenten erhob den Aufsatz zur Pflichtlektüre in seinem 
Unterricht. (...) Man forderte mich zu Vorträgen auf. (...) In Ausnützung meines 
Erfolges hätte ich die Laufbahn eines jüdischen Politikers einschlagen können, aber 
das lag mir in keiner Weise. (...) Ich sah wohl, was man von mir erwartete und was 
man brauchte. Aber das beruhte auf einer Verkennung dessen, was ich geschrieben 
und gewollt hatte. (...) Was an dem Kunstwartaufsatz literarische Leistung ist, 
erkannten nur wenige. "244 

In zwei weiteren Heften des „Kunstwartes" und in anderen Blättern, wie die antisemitische 

„Deutsche Tageszeitung", wurde die Diskussion weitergeführt. 

Unter dem Titel „Deutschtum und Judentum" kritisierte der Dichter Ernst Lissauer Goldstein. 

Wie zu erwarten, lehnte Lissauer, ein CV-Mitglied, den Aufsatz scharf ab: 

„Goldstein aber weiß vom Geschichtlichen, wie ich zeigen werde, nichts, und in einer 
Ungeduld, die zuinnerst auf einem unorganischen und unhistorischen Wesen erwuchs, 
rennt er stampfend, blind und zornig gegen die Tatsachen an. Er meint, klar zu sehen 
und ist gefühlich vage. Bevor ich ihm antworte, muss ich aussprechen, dass ich nicht 
etwa nur andrer Meinung bin, sondern ihn für unfähig halte, repräsentativ für gebildete 
deutsche Juden zu sprechen. "245 

Nach dieser Kampfansage widmete sich Lissauer der Frage nach einem „jüdischen Volk": 

„Ich bestreite, dass die Juden, die im Ghetto noch ein Volk waren, heute noch ein Volk 
sind: alle Kriterien dafür mangeln. Es fehlen die gemeinsame Sprache, die 
gemeinsamen Sitten, der gemeinsame Boden, das gemeinsame Klima, die 
gemeinsamen Gesetze. Sollte man mir aber entgegnen, dass weite Mengen Juden etwa 
im Osten Sitten und Sprache noch im Gegensatz zu den anderen Völkern gemeinsam 
haben, so sage ich, dass wir deutschen Juden eben nicht das Jargon sprechen, Kaftan 
und äußerliche Peijes abgelegt haben und mit jenen nichts gemeinsam haben als die 
äußerliche Bezeichnung der großenteils innerlich nicht mehr bekannten 
Konfession. "246 

Lissauers üble Polemik und die Ablehnung des Ostjudentums und des Jiddischen ist 
symptomatisch für die emanzipierte deutsch-jüdische Bourgeoisie, für die diese Thesen auch 
zutreffen - sie waren gewiß kein jüdisches Volk. Die eingewanderten Ostjuden erinnerten 
viele der emanzipierten deutschen Juden an ein „ghettohaftes" Judentum, wovon sie doch 
glaubten, es längst überwunden zu haben. 247 



243 ebd. S. 104-105. 

244 ebd. s. 105. 

24 - 5 Ernst Lissauer, Deutschtum und Judentum, in: Der Kunstwart 25,1. Aprilheft 1912 (Heft 13), S.6 

246 ebd. S.7. 

24 ' Arthur Schnitzler beschreibt dies sehr treffend in „Der Weg ins Freie", Frankfurt a.M. 1 96 1 . 



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Zudem beschlich manche jüdische Gemeinde die Angst, die mühsam errungene Stellung in 
der deutschen Gesellschaft sei durch den Zulauf solcher „Betteljuden" gefährdet. Die 
Mitgliederzahlen in jüdischen Großgemeinden, wie Berlin und Wien stieg durch die 
Zuwanderung rapide an. 

Die Gemeindevorstände sahen die Gefahr, dass durch die Ostjuden ihr Bild vom reformierten, 
assimilierten Judentum äußerlich verschoben werden könnte. So war das Wahlrecht der 
Ostjuden in den Gemeinden ein heftig diskutiertes Thema.248 

Weiters übersah Lissauer, dass die Gemeinden Deutschlands und Österreichs keineswegs nur 
aus emanzipierten Juden bestanden. Die traditionellen Juden Wiens und Österreichs waren 
nicht nur frisch Zugewanderte aus dem Osten und die Ostjuden wiederum keineswegs alle 
traditionell. Das Judentum Polens und Russlands war die Wiege des Zionismus, des jüdischen 
Sozialismus und der neuen hebräischsprachigen Literatur. Allerdings hatten selbst die 
nichttraditionellen Juden aus dem Osten einen anderen Nationalitätsbegriff. 

Salman Rubaschoff, Samuel J. Agnon oder Micha Y. Berdichevsky betrachteten die Juden - 
anders als die deutschen Zionisten - als Volk und sahen sich tief im Inneren mit dem 
Judentum verbunden. Lissauer machte Hofmannsthal rund 2o Jahre vor den Nürnberger 
Rassegesetzen zum „Halbjuden"249 un( j ^^ ohnehin sehr obskure Vorstellungen von einer 
„jüdischen Rasse", die sich z. b. im „angezücheteten Scharfsinn"250 ze ige. 

Lissauers Polemik gipfelte in folgender These: 

„Nur zweierlei ist möglich: entweder auswandern; oder: deutsch werden. Dann aber: 
sich eingraben, einwurzeln mit aller Kraft, mit allen Adern, allen Muskeln sich zum 
Deutschtum erziehen, die Sache der Deutschen zu der eigenen machen. Und in dieser 

seiner Pflicht aushalten: trotz Hohn und Spott' von Antisemiten und Zionisten. 251 
Andere Stellungnahmen folgten u.a. von Ferdinand Avenarius, Franz Quentin (recte Ludwig 
Strauss), Jakob Löwenberg und Philip Stauff Avenarius freute sich über die rege Diskussion, 
da sie doch zeigen würde, „wie unsere Juden denken". 252 

In Stauffs Hetzartikel „Die Juden in Literatur und Volk" wird neben üblen antisemitischen 
Stereotypen auch gefordert, dass die Deutschen sich endlich vom Christentum befreien und 
zum Germanentum zurückkehren sollen: 

„Der dumpfe Schlag der Mitternacht verhallte. Aufsteigt der Tag! Allvatergeist, du 

walte!" 2 53 

Nach dem Rauschen im Blätterwald wurde es still um Goldstein. Der „Deutsch- Jüdische 
Parnass" wurde allerdings immer wieder zitiert, vor allem von Antisemiten wie Julius 



248 Siehe: Trade Maurer, Ostjuden in Deutschland 1918-1935, München 1986. 
24 " Lissauer, Deutschtum, S.U. 

250 ebd. 

251 ebd. S.12. 

252 Ferdinand Avenarius, Aussprachen mit Juden, in: Der Kunstwart 25, 2. Augustheft 1912 (Heft 22), S.225. 
2 -" Goldstein, German Jewry, S.249. 



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Streicher, die sich bemühten, Goldsteins Thesen gründlich mißzuverstehen und für ihre 

Zwecke auszubeuten. 254 

„Wie wenig auch unter Juden meine Verfasserschaft noch bekannt war, dessen wurde 
mir ein tragikomisches Zeugnis geliefert, während ich nach unserer Emigration in 
Italien lebte. Ein Bekannter erzählte mir, er habe in Berlin vor seiner Abreise mit 
jemandem über den Aufsatz gesprochen und dabei bemerkt: 'Der Verfasser ist der 
Inquit der Vossischen Zeitung. Er lebt jetzt in Florenz, ich fahre zu ihm'. Darauf der 
Gesprächspartner: 'Wenn Inquit behauptet, er sei der Verfasser des 
Kunstwartaufsatzes, so schmückt er sich mit fremden Federn. Der echte Moritz 
Goldstein ist gefallen'. "255 

9.6 Jakob Wassermann 

Der Aufsatz wurde erst wieder in Goldsteins Erinnerungen von Koszyk wieder abgedruckt. Er 
spiegelt provokativ die geistigen Nöte und Problematiken jüdischer Literaten, wie z. b. Jakob 
Wassermann, wider. 

Wassermann wurde als Sohn eines Fürther Kleinhändlers geboren und wurde, nach 
verschiedenen gescheiterten Versuchen als Kaufmann, Schriftsteller. Er, der deutsche 
Literatur schaffen wollte, empfand das Dasein als Deutscher und Jude als eine 
Zwitterhaftigkeit. 

Der Autor großer Romane, wie „Caspar Hauser" oder „Der Fall Maurizius" hatte sich in 

mehreren Schriften zu der deutsch-jüdischen Problematik geäußert.256 i n der instabilen Zeit 

der Weimarer Republik schrieb er „Mein Weg als Deutscher und Jude", ein schmerzendes, 

kämpferisches Buch. 

Wassermann wollte mit allen Fasern seines Seins deutscher Schriftsteller sein. 

Er liebte den deutschen Geist in unerwiderter Liebe. Sein Bestreben war es, deutsche Kultur 

zu schaffen, aber viele lehnten sie als „jüdisch" ab. Nach schweren Anfangsjahren wurde er 

als Schriftsteller bekannt. 

Doch die Schwierigkeiten, die er mit seiner „Doppelexistenz" als Deutscher und Jude hatte, 
und die er mit Schriften, wie „Mein Weg." erklären wollte, wurden nicht verstanden. 

„Es war eine wichtige Sache, die mir wie Eisenlast monatelang auf der Brust lag, bis 
ichs endlich herunterschrieb. (...) Wenn es nur hundert Köpfe in Deutschland zur 
Besinnung bringt, hat es schon seine Schuldigkeit getan. Natürlich hoffe ich auf mehr; 
wir armen Narren hoffen ja immer auf die ganze Menschheit. In dieser Illusion sind 
wir überhaupt erst innerlich möglich und existenzfähig. "257 



254 ebd. S.236. 

255 ebd. S.105. 

■"" Sie wurden gesammelt in: Jakob Wassermann, Deutscher und Jude, Reden und Schriften 1904-1933, hg. 
von Dierk Rodewald, Heidelberg 1984. 
257 ebd. S.258. 



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Wie schwer sich Wassermann mit dieser kurzen Autobiographie tat, zeigen die verschiedenen 
erhaltenen Entwürfe. 25 8 Verlorene Träume, sein hoffnungsloses Kämpfen, das Schwanken in 
seiner Identität spricht aus vielen Zeilen: 

„Es durfte vor der deutschen Öffentlichkeit nicht wahr sein, dass ein Jude ein so 
eigentümliches deutsches Buch [gemeint ist „Caspar Hauser"] schrieb. Wohlwollende 
noch deuteten an: ja, ja, alles recht und schön, aber dies vergrübelte Wesen ist von 
fremdem Ursprung; diese psychologische Bohr- und Grubentechnik hat nichts mit 
unserer Stammesart gemein. (...) Es handelt sich nicht darum, was ich gewirkt und 
gewonnen. Es handelt sich um die Lüge, die wurmhaft vor mir herkriecht und von Zeit 
zu Zeit ihr gesprenkeltes Haupt erhebt, um mich anzuspeien. Um die unbesiegbare 
Lüge handelt sich's, in die sich der Geist eines ganzen Volkes gehüllt hat, und der kein 
Augenschein, kein Opfer, keine Liebe, kein Beweis etwas anzuhaben vermag. (...) Du 
[die Juden werden hier angesprochen] kannst überhaupt froh sein, dass ich dir 
Spielraum gewähre, da es ja meine unerschütterliche Überzeugung ist, dass alles, was 
du bildest und formst, weder nützlich, noch erfreulich sein kann. "259 

Ein Höhepunkt seiner Schrift ist die Frage: „Warum schlagt ihr die Hand, die für euch 
zeugt?" 260 

Wassermann will keine tragische Bilanz ziehen, er möchte aufrütteln, auf die Not der 

deutschsprachigen jüdischen Autoren aufmerksam machen: 

„Kaum je hat ein gedichtetes Werk solch spontanes Echo aufgerufen. Ich beklage 
mich nicht, es ist nur seltsam und charakterisiert die heutige Verfassung der Gemüter, 
oder mehr noch der Geister. Ärgerliches, zu Unbegreifliches ist auch darunter. (...) So 
antwortete mir Thomas Mann mit einer beredten und ausführlichen Epistel, deren 
Quintessenz war, nachdem er mir viel Schmeichelhaftes und Bewunderndes gesagt: ja 
worüber haben sich denn die Juden schließlich zu beklagen? Was wollen sie? Sie 
beherrschen die Welt, ist das nicht genug? Und ich, meinte er, mit meiner Wirkung auf 
breites Publikum und meinen Erfolgen sei ganz und gar unberechtigt, mich zu 
beschweren. Dabei vergißt der Gute, dass diese meine heutige Position mir gerade erst 
das Recht verleiht, die Bilanz zu ziehen und dass man, würde man die Schrift 
überhaupt beachten, sie ohne diese Erfolge als ein Produkt der Verbitterung und des 

Ressentiments auffassen müsse." 26 ! 

Wassermann lebte ab 1919 bis zu seinem Tod 1934 in Wien und Altaussee, wo ihn die 
Österreicher als „Fremdling, Wildling, Findling" 262 betrachteten. 

Die Schwierigkeiten der jüdischen Identität damals scheinen dem heutigen Leser entrückt und 
zuweilen geradezu unverständlich. 

Die neuen Probleme jüdischer Identität in Deutschland und Österreich der Post-Shoah sind 
näher. 



258 ebd. S.258ff. 

259 ebd. S.95-97. 

260 ebd. S.98. 

261 ebd. S.265-266. 

262 ebd. S.12. 



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Das deutschsprachige Judentum des „Fin de Siecle" und in den Jahrzehnten danach hatte das 
nötig, was Martin Buber gewünscht hatte, eine „Renaissance", eine Revitaliserung. Sie fand 
nicht statt. Sie endete im physischen Tod der Shoah oder im geistigen Tod der Emigration. 

Die Forderung nach einer „Jüdischen Renaissance" der Juden Deutschlands oder Österreichs 
ist allerdings heute genau so aktuell wie damals. 

Es gilt nicht nur das geistige Erbe würdig zu erhalten, sondern es auch fortzusetzen, da sich 
sonst Tschechows Zitat aus der „Möwe" bewahrheiten wird: 

„Früher, da hatten wir mächtige Eichen, aber jetzt sieht man nur noch 

Baumstümpfe. "263 



10 SHOAH - PSYCH. PROBLEME DER „FIRST AND SECOND 
GENERATION" 

Schoa (hebr , 

die unterschiedl. Begriffe Schoa u. Holocaust werden synonym als Bezeichnung für die 
Verfolgung und Ermordung der Juden während der Naziherrschaft (1933-1945) benützt. 

Das Wort Schoa . stammt aus Jes. 10,3 u. wird mit Vernichtung, Verderben oder Verwüstung 

übersetzt. 

Während sich in Israel der Ausdruck Schoa . als Kennzeichnung der größten u. grausamsten 

Verfolgung des Judentums in der Geschichte durchgesetzt hat, dominiert in anderen Sprachen 

eher der Terminus Holocaust. 

Es ist ursprünglich eine griech. Übers, von Rauch- , bzw. Brandopfer (hebr. kqk ° f ) und 

wurde in die engl. Bibelübersetzung übernommen (Gen 1,22 und 1 Sam 7,9). 

Die biblische Bedeutung von Holocaust., ein Gott dargebrachtes Opfer. 

Opfer, ist als Bezeichnung für die Verfolgung der Juden völlig unpassend u. sinnentstellend. 

Die Vernichtung von ca. 6 Millionen Juden ist nicht mit der Abraham-Geschichte zu 

vergleichen. 

Abraham liebte Isaak, den er opfern wollte. 

Bei den Nazis herrschte dagegen ein entsetzlicher Judenhass. 
10.1 „Ausschaltung" der Juden, KZ und Tod 

Nachdem A. Hitler u. die NSDAP 1933 an die Macht gekommen war, begann eine 
systematische „Ausgliederung" der Juden in Deutschland u. der unter deutscher. Herrschaft 
stehender Gebiete. Das Ziel war, das Reich „judenrein" zu machen. 

Obwohl im Antisemitismus der Nazis alle vorhandenen antijüdischen Vorurteile und 

Stereoptypen benutzt wurden, war er nicht religiös, sondern rassistisch begründet. 

Die Juden galten als unwerte Rasse, Untermenschen, bzw. Ungeziefer, das vernichtet gehört. 



263 Anton Tschechow, Die Möwe, Stuttgart 1994, S.13. 



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Als Unterstützung dieser wahnwitzigen Theorien wurden 1935 die Nürnberger Gesetze zum 
„Schutze des deutschen Blutes" verabschiedet. 

Die Ausschaltung der Juden begann mit zahlreichen Unternehmungen, wie 

• der Kennzeichnung und der Boykottierung jüdischer Geschäfte, die zunächst zur 
völligen Enteignung jüdischen Eigentums („Arisierung") führte. 

• Ab dem 17. 5. 1938 mussten Juden die Vornamen Sara oder Israel tragen. 

• Die Höhepunkte der Stigmatisierung waren die Stempelung des Buchstabens „J" in 
jeden Ausweis(5.10.1938)und 

• das Tragen des gelben Sterns (ab 1939). 

In der Nacht vom 9.-10. 11. 1938 wurden die Synagogen des Reichs demoliert oder 
angezündet. 

Als im Zuge des Weltkrieges immer mehr Länder mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil, 
wie z. B. Polen, zum Reich gehörten, kulminierte der Antisemitismus der Nazis in der 
„Endlösung der Judenfrage". 

Die bereits seit 1939 begonnene Massenvernichtung der Juden Europas wurde am 20.1. 1942 
in der Wannsee-Konferenz koordiniert. 

In den Todeslagern der Nazis erreichte der makabre Vernichtungswille ein schauerliches 
Finale: sie vergasten das „jüdische Ungeziefer" wie Ratten mit dem Gift Zyklon B. 

Etwa 75000 Menschen überlebten die Konzentrationslager. 

Es mag heute selbstverständlich vorkommen, dass die Leiden dieser Betroffenen sich im 

Alltagsleben fortsetzen würde, diese Einsicht ist aber erst nach enormen Widerstand errungen 

worden. 

10.2 Die Überlebenden, die 2. Generation 

Während sich Wissenschaftler in Kanada, USA und Israel sich schon vereinzelt in den 50er 
Jahren mit der Problemen Überlebender beschäftigt haben, kam es in Deutschland zu näheren 
Untersuchungen erst Ende der 60er Jahre, im Zuge der „Wiedergutmachungsverfahren" (siehe 
Christain Pross, Der Kleinkrieg gegen die Opfer) . 

Viele Anträge wurden abgelehnt, da die Störungen anlagebedingt seien. 
Die materielle Entschädigung wurde mit administrativer Pedanterie berechnet (5 DM pro Tag 
im KZ ! !) und entspricht dem normalen Vorgang der Rentengewährung. Prozess der 
Gesetzgebungsfindung zog sich jahrelang hin, die Anwendungspraxis war sehr demütigend 
und entwürdigend. 

1956 kam endlich das Bundesentschädigungsgesetz, wobei versucht wurde, die Geldbeträge 

zu minimieren. 

Die Ärzte sahen sich als verlängerten Arm des deutschen Staates, wollten ihn vor 

unberechtigten Forderungen schützen. 

Nicht wenige Gutachter waren in der NS-Bürokratie oder in den „rassehygienischen" 

Instituten tätig gewesen. 



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Was waren die Bedingungen der Überlebenden ? 

Trotz der Variationen der Bilder - von Psychosen, Borderline-Strukturen, Psychosomatosen, 
Neurosen- bestimmtes klar umschriebenes Syndrom - hängt mit einer gewissen 
Einheitlichkeit der Traumatisierung in den Konzentrationslagern zusammen - trotz der 
Lagerunterschiede. 

Die Extremtraumati sierung im KZ ist die Kombination von extremtraumatischen 
Bedingungen im Sinne der Realisierung eines psychotischen Kosmos: 

• das Herausgerissensein der Gefangenen aus dem vertrauten sozio-kulturellen Milieu 

und dem Familienverband, 

ständige Trennungsangst bezüglich Nahestehender, 

Miterleben von Folter und Mord, 

ständige Erwartung des eigenen Todes, 

Aushungerung, 

Zwangsarbeit, 

Experimente, 

Unterbindung j eglicher Eigeniniative, 

barbarische Reinfantilisierung, 

Entindividualisierung, 

Nummerierung, 

Wegnahme aller persönlichen Dinge, 

Zerstörung der Privatheit, 

Niederreißen der Schamschranken, 

systematisches Außerkraftsetzen des Kausalitätsprinzips (für das was geschah, gab es 

keine vernünftigen Gründe), 

Entzug der strukturierenden Zeitdimension, 

permanente Entwürdigung und Erniedrigung als zu vernichtende Minorität, als 

auszurotttendes Ungeziefer. 

Drei Phasen der Traumatisierung: 

1 . Anfangsphase der Verfolgung. 

2. Aufenthalt im KZ / Versteck etc. 

3. Nachkriegszeit mit allen Schwierigkeiten der Wiedereingliederung. 

zu 1. 

Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz, Auflösung der vertrauten Umgebung, 
Ghettoi sierung, Verschwinden und/oder Ermordung von Angehörigen, Freunden, 
Kameraden, Atmosphäre von Spannung, Terror, Angst, daraufhin oft Verleugnung der realen 
Situation als Abwehrmechanismus: 

Bruno Bettelheim (Erziehung zum Überleben): Beispiel Anne Frank: Familie sah zwar ein 
unterzutauchen, wollte aber als Familie untertauchen, was fast unmöglich ist, versuchte im 
Versteck ein normales Leben zu führen. 

zu 2. 

Ankunft im Lager: Selektion, bei denen, die nicht gleich ermordert wurden: Nach 

entpersönlichenden Maßnahmen und Stigmatisierungen Entlassung in das KZ-Dasein: 



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chronische Unterernährung, unzureichende „Wohnbedingungen", entkräftende Zwangsarbeit, 
stundenlanges, oft tagelanges Appellstehen, psychische und physische Tortur, Seuchen, 
Krankheiten und Verletzungen bei miserabler ärztlicher Versorgung, als Reaktion auf Angst 
und Schrecken: allmähliches inneres Absterben, Töten jeder Gemütsregung als Schutz vor 
Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, nur noch reine Lebenserhaltung. 
Beim Erlöschen aller Selbsterhaltungsmaßnahmen wurde der Mensch zum wandelnden 
Leichnam (Begriff „Muselmann", der die Füße beim Laufen nicht mehr hebt). Dieser starb 
meist bei der nächsten Selektion, verhungerte oder starb einfach. 

zu 3. 

Die Befreiung konfrontierte die Überlebenden mit dem Ausmaß der Verfolgung. 

Die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit der Familie war meist nur eine Illusion, das Zuhause 

zerstört oder von Fremden bewohnt, die religiösen und kulturellen Einrichtungen existierten 

nicht mehr, das soziale Netz der Beziehungen war zerrissen. 

Halt durch die DP-Camps (displace person camps), die eigentlich nur eine Zwischenstation 

auf dem Weg in ein Einwanderungsland bilden sollten, viele blieben jahrelang dort (letzte 

Lager wurde 1957 in Föhrenwald, Bayern, geschlossen). 

Der Weg zurück in ein normales leben schien vielen abgeschnitten zu sein, so war es 

einfacher, in der vorgebenen Struktur der Auffanglager zu bleiben. Dort fehlte es an 

psychologisch geschulten Betreuern. 

Problematik ihres Überlebens: 

hatten quasi als „Auserwählte" ganzer Familien überlebt, es kam zu belastenden Schuld-und 

Schamgefühlen, man habe auf Kosten anderer überlebt, sei mitschuldig an ihrem Tod, da man 

nicht eingegriffen hatte - Überlebensschuld. 

Das sogenannte „survivor Syndrome" hat William G. Niederland 1961 formuliert, 

Kennzeichen nach William G. Niederland: 

schwere psychosomatische und depressive Reaktionen, sexuelle Dysfunktion, 
phobische Zustände, Flachheit des Gefühlslebens und der Objektbeziehungen, 
Überlebensschuld, schwere Beeinträchtigung des „Ichs" sowie der Realitätsprüfung, 
alles beherrschende depressive Stimmung, generelle Apathie, mürrisches Verhalten 
mit gelegentlichen Wutausbrüchen, Tendenz zum Rückzug, Unsicherheit, 
Hilflosigkeit, fehlen von Initiative und Interesse, selbstablehenende Einstellungen und 
Ausdrucksweisen (lebender Leichnam), teilweise oder vollständige Somatisierung, 
rheumatisch-neuralgische Leiden und Schmerzen, Kopfschmerzen, Zittern bis hin zu 
psychosomatischen Störungen, wie Magengeschwüre, Collitis, Atmungs-und 
Herzgefäßsyndrome, hypochondrische Symptome, Angst und Erregungszustände, 
Schlaflosigkeit, Alpträume (jede Nacht wieder im KZ), Unruhe, innere Spannung, 
Furcht vor Verfolgung, paranoide Vorstellungen, chronisch ängtlich,gequält, bei 
Überlebenden, die als Kinder oder Jungendliche im KZ waren: 
Persönlichkeitsveränderungen, Zusammenbruch des gesamten Reifungsprozesses, 
Verhaltens und Aussehens; Psychosen, psychoseähnliche Störungen: 
Wahnvorstellungen. 

Grubrich-Simitis (Über die Unfähigkeit zu trauern): 

Erfahrungen des Weltunterganges bei psychotischen Menschen - Zusammenbruch der 
inneren Realität in seinem Wahn, seiner Phantasie, bei KZ-Überlebenden dagegen ein 
apokalyptisches äußeres Geschehen bei menschen, die die Umwelt realistisch 
einschätzen - Realisierung eines psychotischen Kosmos., sie sind meistens die 
wenigen Überlebenden von ganzen Familien, waren die letzte Generation, mit der 



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gründung von neuen Familien beginnt die Zählung von neuem, sie werden so zur 1., 

die kinder zur 2. generation. 

Lebenslegitimation in Gründung von neuen Familien gesucht. 

bei manchen: alte Identität völlig abstreifen, integrieren in Kultur und Traditionen des 

Emigrationslandes, Veränderung der Namen, stillschweigende Übereinkunft nicht 

über die Vergangenheit zu sprechen, möglichst in eine Gegend mit geringer oder 

kleiner jüdischer oder Verfolgtenpopulation, andere zog es in die Gesellschaft von 

Überlebenden, blieben stark mit Traditionen und Werten verbunden, mieden Kontakt 

mit den Einheimischen. 

Probleme der 2. Generation: 
Sinn-und Dimensionsgeber der Eltern: 

Wünsche mit Forderungen verbunden, Ende der 40er Jahre bis Mitte der 60er Jahre in 
Auffanglagern und Emigrantenländern geboren, Situation vom religiösem, sozialen, 
kulturellen Umfeld geprägt, Atmosphäre abhängig vom Verfolgungstrauma der Eltern, der 
Beziehung zwischen den Eltern und ihrer Erziehungsfähigkeit (erste Untersuchungen Ende 
der goer, bzw. in den 70er Jahren, wie Helen Epstein) - kein Syndrom: aber die 
Extremtraumati sierung der ersten Generation ist in der zweiten als kumulatives Trauma 
wirksam geworden. 

Ihre Existenz ist nicht etwas Selbstverständliches, sondern etwas Spezielles: hätten die Eltern 
nicht überlebt, wären sie nicht am Leben: „Ich soll das leben meiner Eltern lebenswert 
machen, dann erhalte auch ich die Berechtigung zu leben." 

Sie sollten für die Eltern die Brücke zum Leben sein, sollten als Symbol des Sieges über die 
Verfolger fungieren, die traumatischen Erlebnisse annulieren, die Ermordeten ersetzen, 
sollten das Leben der Eltern mit Sinn erfüllen und es einer neuen Dimension aufschließen, 
sollten gute Kinder sein, den Eltern keine Sorgen bereiten, ihnen Freude und Befriedigung 
verschaffen, sollten die Eltern vor zukünftigen Verfolgungen schützen, ihnen bei der 
Bewältigung ihres Leides helfen: Trost spenden, erfolgreich sein, um das zu erreichen, was 
die Eltern durch den Krieg versäumt hatten - in deren abgebrochene Biographien schlüpfen 
und dort zu leben anfangen, wo diese zu leben aufhören mussten. Kinder werden unbewußt 
zur psychischen Genesung eingesetzt, nicht separate Persönlichkeiten, sondern verlängerter 
Arm, der ihnen eine neue starke Identität verschaffen sollte. Die Kinder fühlten sich 
verpflichtet, diesen Erwartungen zuentsprechen. Starke Schuldgefühle als sie versuchten, sich 
von ihren Eltern abzugrenzen. Keine normale Erziehung, sondern „KZ-Erziehung" zum 
„Überleben". Das Streben nach Autonomie hätte im Lager den sicheren Tod bedeutet, also 
wird es den Kindern verwehrt, da es den Überlebensnerv der Eltern trifft. Kostbare Zeit nicht 
mit Nachdenken vergeuden, sondern mit zweckdienlichen Aktivitäten füllen - eine 
entwickelte Lagerüberlebensstrategie wird in die gegenwart übertragen. War ein Kind 
rebellisch und unfolgsam, wurde es mit Hitler und den Nazis identifiziert: „Habe ich wegen 
Dir Ausschwitz überlebt?" 

„Streng dich an: sei materiell erfolgreich, damit du dir dein Leben erkaufen kannst. Sei nie 
abhängig, damit du in der Not schnell handeln kannst." "Sei vorsichtig: sei wachsam und 
informiert, damit du weißt, wenn es los geht." Blitzschnell reagieren, denn jeder Fehler kann 
fatal sein. Erfolgs und Anpassungszwang- diverse Schulschwierigkeiten, Streitsucht, 
Suizidversuche. Angst vor Erfolg- Kinder wollen versagen, sabotieren masochistisch ihre 
potentiellen Karrieren, um die elterliche Mißbilligung ihrer wachsenden Selbstständigkeit zu 
vermeiden. 

Es gibt keine keine Generalisierung einer Störung, wegen mangelnder Übereinstimmung kann 
man nicht von einem Syndrom der Kinder Überlebender sprechen, trotzdem sind Parallelen 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

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zum Überlebenssyndrom unverkennbar, ähnliche Alpträume wie die Eltern, Ängste in 
verschiedenen Lebensbereichen, Sinn - und Zukunftslosigkeit, Depressionen und 
Schuldgefühle, Überlebensschuld kehrt als Trennungsschuld wieder. 

Kestenberg spricht vom „child of survivors complex", entstand in Analogie zum Ödipus- 
Komplex, um zu zeigen, dass dieser bei allen Kindern vorhanden ist aber nicht pathologische 
Konsequenzen haben muss. 

Dieser umfaßt ein Spektrum von Störungen, vor allem in den Bereichen der Selbst-und 
Identitätsbildung, der Unterscheidung von Selbst und Objekt bei der Separation- 
Individuation, Probleme mit Schuldgefühlen, Aggressionen, Verzerrung der Realität, 
mangelnde Differenzierung zwischen Phanatasie und Wirklichkeit - kein psychotischer 
Verlust des Realitätssinnes, sondern um eine lokalisierbare Trübung beim Einschätzen der 
Wirklichkeit. 

10.3 „MAUS" - Art Spiegelman 

Israel und die USA sind die beiden großen Zentren, die nach dem 2. Weltkrieg für die Kultur 
und Identität der Juden weltweit bestimmend waren und sind. 1994 lebten 4,335,200 Juden in 
Israel, und 5,800.000 in den USA. 

Die Probleme der Juden in diesen beiden Ländern könnten ganze Vorlesungsreihen füllen. 
Ich möchte sie nur an zwei Beispielen anreißen, zum einen einen Artikel von Henryk Broder, 
sowie etwas zu Art Spiegelman, dem Autor von MAUS. 

In der amerikanisch-jüdischen Geschichte wurden die Probleme der Juden in den USA am 
signifikantesten in der Kunst, oft durch einen leicht psychologischen Touch, ausgedrückt. 
Der Kabbaretist Lenny Bruce beschrieb viele Paranoias in Form von zynischen Witzen. 
Ebenso Woody Allen oder Philip Roth, die auf ironisch-zynische Weise sich über jüdische 
Ängste und auch Wertvorstellungen lustig machten oder tragikomisch beschrieben. Dies trug 
ihnen oft den Ruf des jüdischen Selbsthasses zu. 
Anders bei Art Spiegelman, der das in Form von Comics tat. 

Wer ist Art Spiegelman? 

1948 in Stockholm geboren, seine Eltern Vladek und Anja hatten beide die Kzs überlebt. 

1951 zogen sie nach Rego Park in Queens, New York. Er war als Kind etws isoliert, da er 

nicht in Ballspielen etc. interessiert war und ging lieber in die Bibliothek. 1962 verkaufte Art 

seine ersten Zeichnungen an die Long Island Post, ab 1965 studiert er am Harpur College in 

Bighampton, seine Arbeiten erscheinen in Undergroundmagazinen wie East Village Other 

und The Realist. 

Er erleidet einen Nervenzusammenbruch in dieser Zeit. 1968 verübt seine Mutter Selbstmord. 

Art geht 1971 nach Kalifornien und beginnt autobiographisches Material zu verarbeiten, wie 

die KZ-Erfahrungen seiner Eltern und den Selbstmord der Mutter. In diesen Jahren entwickelt 

er die Idee, national und ethnische Gruppen als Tiere darzustellen. 

Die erste kurze Version von MAUS erscheint in Funny Animals, sein anderes 

autobiographisches Cartoon Prisoner on the Hell Planet wird 1973 in Short Order Comix 

veröffentlicht, das später in MAUS ebenfalls enthalten ist. Er wird Herausgeber von Douglas 

Comix, schreibt für Young Lust, Real Pulp, Bizarre Sex und andere Undergrund Cartoons. 



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Ab 1974 beginnt er an der San Francisco Academy of Arts zu unterrichten. 1975 geht er 
zurück nach New York, wo er 1978 zusammen mit Francoise Mouly Raw Books & Graphics 
gründet. 

Er arbeitet an der langen Version von MAUS. Er unterrichtet an der School of Visual Arts in 
New York, das erste Kapitel von Maus erscheint 1980 im Raw Magazine, wo auch die 
anderen Kapitel erscheinen werden. 1982 stirbt Vladek Spiegelman. Pantheon Books 
veröffentlicht 1986 den ersten Band von MAUS. Ein phänomenaler Erfolg, das Buch wird in 
18 Sprachen übersetzt. 1991 erscheint der zweite Teil und 1992 erhält Spiegelman den 
Pulitzer Preis für MAUS. 1993 entwirft er ein provokatives Cover für das Valentinstagsheft 
des New Yorkers. Ein Chassid küßt eine schwarze Frau, als zur gleichen Zeit eine Reihe von 
schweren Zusammenstößen zwischen Schwarzen und Chassidim Brooklyn erschüttert hatte. 
Beide Gruppierungen waren gegen das Cover. 1994 erscheint die CD-ROM the Complete 
Maus, Arbeitsprozess zeigt, frühe Versionen etc. 1995 illustriert er das Gedicht The wild 
Party von Joseph Moncure March und 1996 erscheint sein Kinderbuch I am a dog. Er schreibt 
weiter für The Nation, the New Yorker Magazine, The New York times, Bilder und Comic- 
Strips, ebenso entwirft er CD-Covers und beginnt Artikel zur Geschichte der Comics zu 
veröffentlichen, hält Vorlesungen in Universitäten, Kunstschulen und Museen. Zur Zeit lebt 
er in New York mit seiner Frau Francoise und seinen Kindern Nadja und Dashiell. 

Was ist MAUS? 

Es entzieht sich denn gängigen Genres. Es ist Biographie, Autobiographie, Geschichte, Prosa, 

Comic etc. 

Zuerst war es auf der Liste der Fiction-Bestseller in der New York Times. 

Auf Spiegelmans Wunsch wurde es in die Non-Fiction-Liste aufgenommen. 

Einige Kritiker warfen Spiegelman vor, dass er die Shoah in Form eines Comics darstellte. 

Aber er entgegnete, dass er das Comic-Genre gegen den Strich benützt hätte, indem er funny 

talking animals, eine alte Comic-Tradition, in einer entschieden unkomischen Weise 

einsetzte. Mäuse als Juden, Nazis als Katzen, Nichtjüdische Polen als Schweine. 

Dies wurde stark kritisiert, weil dadurch ethnische Stereotypen gezeigt würden. Spiegelman 

sagte, dass diese Metapher von den Nazis stamme, da sie die Juden als Ungeziefer bezeichnet 

hätten. Außerdem sind es ja nicht Tiere, sondern Tiermasken. 

Als Spiegelman Spielbergs Schindlers Liste kritisierte, indem er sagte, dass die KZ-Insassen 

nicht überzeugend ausgesehen hätten, antwortete man ihm, Spiegelman denkt wohl, sie hätten 

wie Mäuse ausgesehen. 

Spiegelmans MAUS zeigt nicht nur die Geschichte der Shoah, sondern auch die Problematik 
der Kinder der Überlebenden. 



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11 ANHANG 

11.1 Film „Der Traum vom freien Heimatland" - 
Juden im Polen des 19. und 20. Jhdt 

• 10 % der Bevölkerung in Polen waren Juden; 
90 % orthodoxe Juden (Schläfenlocken); 
ein Drittel der städtischen Bevölkerung waren Juden 
Namen entsprachen den Berufen 

untereinander wurde jiddisch gesprochen, zu den (armen) Bauern polnisch 
immer wieder Progrome, ausgehend von der Armee 
1919 Minderheitenschutz lt Versailer Konferenz 
Polen war ein Vielvölkerstaat 

die Polen waren strenggläubige Katholiken; die Juden waren die „Mörder Christus" 
viele jungen Juden nach USA und Palästina ausgewandert 
„Bund Israels" - antizionistische Bewegung der orthodoxen Juden 
Nationaldemokratische Partei waren starke Antisemiten 
„Jüdischer Arbeiterbund" (sozialistisch) sorgte für Schulen, 
seine Philosophie „Wir Juden sind ein Teil Polens" 
1934 wird Minderheitenschutzvertrag aufgekündigt 
rechte Regierung; konservativer Kardinal, 
Boykott jüdischer Geschäfte, Wirtschaftskrise wegen der Juden; 
3 Mio Juden sollten das Land verlassen 
„Juden raus nach Palästina" 
Ghettobänke auf den Unis 

Koscheres Schlachten (schachten) wurde verboten 
1.9.1939 2. Weltkrieg -> Deutsche maschieren in Polen ein 

17.9.1939 -> Russenebenfalls 

„Polen ist ausgelöscht" 

bei der Essensverteilung werden die Juden von den Polen „markiert"; 
orthodoxe Juden (Schläfenlocken) wurden gequält 
November 1939 -> Davidsstern 
„abgesperrte Gebiete" nur für Juden 
-> Warschauer Ghetto 

November 1940: 500.000 Juden 
1 84 cal pro Tag für einen Juden 
SS-Einsatztruppen; KZs, 

ab Sommer 1942 Ausschwitz, Treblinka, und andere 

April 1943: Aufstand im Warschauer Ghetto: nach 27 Tagen war es ausgelöscht 
3 Mio Juden insgesamt getötet 



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Davidowicz Version 06.07.2003 

SS 2003 Seite 118 



11.2 BIBLIOGRAPHIE 

(Die folgende Bibliographie versteht sich als Auswahlbibliographie, in unserer Bibliothek sind 
die meisten relevanten Bücher zum Thema Geschichte in der Neuzeit unter GII, RELPH, R, 
zu beachten sind auch die zahlreichen Zeitschriften und Reihenbände, 
wo Signaturen fehlen, sind die Bände entweder nur in der ÜB, bzw. noch nicht erfasst ) 264 

Allgemeine Literatur 

Salo Wittmayer Baron, A Social and Religious History of the Jews, 18 Bände, Philadelphia 
1952-1983. 

GII:00005 
Simon Dubnow, Weltgeschichte des jüdischen Volkes. 10 Bände, Berlin 1925 -193 0. 

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Todd M. Endelman, The Jews of Britain, 1656 to 2000, Berkeley 2002. Daniel H. Frank, Oliver 
Leaman (ed.), History of Jewish Philosophy, London 1997. 

RELPH:00751/2 
Heinz-Mosche Graupe, Die Entstehung des modernen Judentums, Geistesgeschichte des modernen 
Judentums 1650-1942, Hamburg 1977. 

Hermann Greive, Die Juden, Grundzüge ihrer Geschichte im mittelalterlichen und neuzeitlichen 
Europa, Darmstadt 1982. 

GII: 0025 8 
Judah Gribetz, Edward L. Greenstein (ed.), The Timetables of Jewish History, New York 1993. 

GII: 01405 
Maurice-Ruben Hayoun, Le Judaisme Moderne, Paris 1989 

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Jacob Katz, Tradition and Crisis. Jewish Society at the End of the Middle Ages. New York 1993. 

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Johann Maier, Geschichte der jüdischen Religion, Freiburg i. Br. 1992. 
NEUSNER Jacob, Judaism in Modern Times. A Introduction and Reader, Oxford 1995. 

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W. D. Rubinstein, The Jews in the modern world since 1750, London 2002. 
Israel Zinberg, A History of Jewish Literature, übersetzt und hg. von Bemard Martin, 12 Bände, 
Cincinnati /New York 1973-1976 jidd. Originalausgabe Wilna 1929-1937). 

L:00176 

Historische Überblicke zu Einzelthemen (Fülle von Büchern unter GII) 

ARBEL Benjamin, Trading Nations, Jews and Venetians in the Early Modern Eastern Mediterranean, 

Leiden (Brill) 1995. 

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GOLDBERG Harvey E. (ed.), Sephardi and Middle Eastern Jewries, History and Culture in the 
Modern Era, Bloomington (Indiana University Press) 1996. 

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Magdalena Opalski, Israel Bartal, Poles and Jews, a failed Brotherhood, Hanover 1992. 
Raphael Patai, The Jews of Hungary, Detroit 1996. 

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PARFITT Tudor, The Road to Redemption, the Jews in Yemen 1900-1950, Leiden (Brill) 1996. 

GIL01339 



264 gescannt, daher Einlesefehler oder rein deutsche Schreibweise möglich. 



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4. Religiöse Strömungen der Neuzeit 

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SS 2003 Seite 126 

11.3 Zeittafel 



2. Jh. vdZ Die Erzväter 

1290-24 Herrschaft des Pharaos Ramses IL, Auszug aus Ägypten 

13./12Jh. Landnahme 

12./llJh Zeit der Richter 

Um 1007 David wird König von Juda. 

Um 1000 David wird König über ganz Israel; Jerusalem wird Hauptstadt wie auch 

religiöses Zentrum seines Reichs. 

Um 967 König David stirbt. Salomo vernichtet seine Rivalen. 

Um 965 Salomo beginnt den Bau des Ersten Tempels. 

928 Salomo stirbt. Teilung des Königreichs 

622 Religiöse Reformen durch König Josia 

597 Joj achin, König von Juda, und ein Teil der Bevölkerung werden nach 

Babylonien ins Exil gebracht. 

586 Nebukadnezar, König von Babylon, zerstört Jerusalem und den Salomonischen 

Tempel. 

538 Kyros-Erklärung 

515 Einweihung des Zweiten Tempels in Jerusalem 

458 Esra kommt nach Jerusalem. 

445 Nehemia kommt nach Jerusalem. 

332 Alexander der Große erobert Palästina. 

301 Ptolemaios 1 . erobert Palästina. 

Um 250 Übersetzung der Bibel ins Griechische (Septuaginta) 

198 Der Seleukide Antiochos III. wird Herrscher über Juda. 

167 Beginn des Makkabäer- Aufstands 

164 Wiedereinweihung des Tempels. Erste »Chanukka«-Feier 

140 Unter Simeon wird das Amt des Hohenpriesters und Fürsten erblich. 

Beginn der Dynastie der Hasmonäer 

63 Pompeius erobert Palästina. 

37-4v.d.Z Der ldumäer Herodes ist König von Judo. 

37-100n.d.Z. Flavius Josephus, jüdischrömischer Geschichtsschreiber 



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66-70 Jüdischer Krieg. Eroberung Jerusalems und Zerstörung des Tempels durch den 

Sohn Kaiser Vespasians, Titus 
um 70-85 (95?) Jochanan ben Zakkai wirkt in Jawne. 

um 85 (95?)- 110 Rabban Gamaliel in Jawne 
117-138 Regierungszeit des römischen Kaisers Hadrian 

132-135 Bar Kochba- Auf stand 

ca. 200 Schlußredaktion der Mischna durch Rabbi Jehuda ha-Nassi 

219 Gründung der zwei berühmten babylonischen Jeschiwot in Nehardea und Sura 

425 Abschaffung des Amts des Patriarchen (Nassi) in Palästina 

um 425 Abschluß des Jerusalemer Talmud in Tiberias 

474 Arianische Westgoten erobern Spanien. 

6./7. Jh. Abschluß des Babylonischen Talmud 

7. Jh. Verfolgung und Zwangsmissionierung der Juden im westgotischen Spanien 

638 Die Muslime erobern Jerusalem. 

711 Islamische Eroberung Spaniens 

9.-1 1 . Jh. Entwicklung und Blüte der rheinischen Judengemeinden 

9. Jh.- 1 146 Blütezeit des nordafrikanischen und spanischen Judentums unter 

islamischer Herrschaft 
915-976 Chasdai ibn Schaprut 

um 960-1028 (oder 1040) Gerschom ben Jehuda, genannt die »Leuchte des Exils« 
1040- 1 105 Rabbi Salomo ben Isaak, genannt Raschi 

1090 Privilegien Kaiser Heinrichs IV. für die Juden in Speyer und Worms 

27. 1 1 . 1 095 Kreuzzugsaufruf Papst Urbans 1 1 . in Clermont, Frankreich 
1096-99 Vernichtung zahlreicher jüdischer Gemeinden während des 1. Kreuzzugs 

1 1 Jh. Im Zusammenhang mit den Kreuzzügen Beginn der jüdischen 

Wanderungsbewegung von Westen nach Osten 
1135- 1204 Rabbi Moses ben Maimon, genannt Maimonides 
1 146 Machtübernahme der Almohaden auf der Iberischen Halbinsel; Beginn der 

jüdischen Massenauswanderung 
1 146-1300 Goldenes Zeitalter des spanischen Judentums unter christlicher Herrschaft 
um 1 150-1217 Jehuda ben Samuel he-Chassid, wichtigste Persönlichkeit der 

ethischmystischen Frömmigkeitsbewegung in Deutschland 
Um 1 165 Zwangsbekehrung zum Islam. Auftreten eines Pseudo-Messias im Jemen 



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1 172 Trostbrief des Maimonides an die Juden des Jemen 

1195-1270 Rabbi Moses ben Nachman 

13. -15. Jh. Bildung von größeren jüdischen Gemeinden in Nord- und Mittelitalien durch 

Flüchtlinge aus Süditalien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal und 

der Levante 
1215 Viertes Laterankonzil unter Innozenz 111. Erneuerung und Verschärfung der 

kirchlichen antijüdischen Gesetzgebung 

1235 Erste Ritualmordbeschuldigung in Deutschland (Fulda) 

1236 Ein Privileg Kaiser Friedrichs 1 1 . bezeichnet die Juden erstmals als 
„Kammerknechte« . 

1240/42 Disputation und Talmudverbrennung in Paris 

1263 Disputation von Barcelona 

1264 Generalprivileg Boleslaws des Frommen für die polnischen Juden: Statut von 
Kaiisch 

um 1280 Das Buch Sohar 

1282/97 Sizilien (1282) und Sardinien (1297) kommen unter die Herrschaft des 

spanischen Königreichs Aragon. 
1290 Vertreibung der Juden aus England durch König Eduard 1 . 

1348-50 Pestpogrome in ganz Europa 

1391 Ausgehend von Sevilla Verfolgungen in Kastillien und Aragon 

1391-1496/97 Einwanderung spanischer und portugiesischer Flüchtlinge in den Maghreb 
1394 Vertreibung der Juden aus Frankreich 

15/6. Jh Vertreibung der Juden aus den meisten deutschen Städten; Herausbildung des 

Landjudentums in Deutschland; Auswanderung noch Polen, Litauen und 

Oberitalien. 
1413/14 Disputation von Tortosa 

1438 In Fez, Marokko, wird die erste Mellah ein obligatorisches jüdisches Viertel, 

eingerichtet. 
1453 Eroberung Konstantinopels durch Sultan Mehmet 1 1 . 

1475 Trienter Ritualmordaffäre 

1484-1527 Die Soncinos drucken in verschiedenen italienischen Städten 
3 1 .3 . 1492 Das spanische Austreibungsedikt zwingt alle Juden, das Reich bis zum 3 

1.7. 1492 zu verlassen. 



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1492/93 Vertreibung von ca. 40 000 Juden von den unter spanischer Herrschaft 

stehenden Inseln Sizilien und Sardinien 

1496/97 Vertreibung der Juden aus Portugal 

16./17.Jh Noch der Vertreibung der Juden aus Spanien (1492) und Portugal (1496/97) 
bedeutete die Inquisition mit ihren Scheiterhaufen für die verbliebenen 
»Neuchristen« oder Marranen eine ständige Gefahr, besonders wenn sie im 
Verborgenen an jüdischen Gebräuchen festhielten. Daher wandern viele im 
16./17. Jh. in Länder aus, in denen sie ohne Gefahr leben und sogar zum 
Judentum zurückkehren können, z. B. ins Osmanische Reich oder in die 
Niederlande. Amsterdam wird zum »Jerusalem des Westens«. 

ca. 1500-1648 Höhepunkt der Einwanderung nach Osteuropa und Blütezeit des 

polnisch-litauischen Judentums 

1516 Einrichtung des ersten »Ghettos in Venedig 

151 6-48 Daniel Bomberg druckt in Venedig. 

1516- 1917 Das Heilige Land unter osmani scher Herrschaft 

um 1525-72 Moses (ben Israel) Isseries 

1527/30 Gerschom Soncino eröffnet Druckhäuser in Saloniki und Konstantinopel. 

1553 Talmud- Verbrennungen in Rom und Venedig 

1555 Die kirchlich-antijüdische Politik erreicht mit der Bulle Cum nimis absurdum 

Papst Pauls IV. ihren Höhepunkt. Sie ordnet die Ghettoisierung derJuden an. 

1564 Sultan Süleyman überlässt Don Joseph Nassi Tiberias zur Gründung einer 

jüdischen Siedlung. 

1568 Bücherverbrennung in Venedig 

1578 Der Schul chan Aruch wird erstmals mit den Glossen von Moses Isseries in 

Krakau gedruckt. 

1580-1764 Vieri ander synode als Organ der Selbstverwaltung in Polen 

17/18. Jh Der Niedergang des Osmanischen Reiches führt auch zu verschlechterten jüdischen 

Lebensbedingungen 

1602 Gründung der ersten sefardischen Gemeinde in Amsterdam 

1604-57 Menasse ben Israel 

1626 Menasse ben Israel gründet in Amsterdam die erste hebräische Druckerei. 

1626-76 Der »falsche Messias« Sabbatai Zwi 

1635 Gründung der aschkenasischen Gemeinde in Amsterdam 



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Seit 1648 Aufstieg der »Hofjuden« in den absolutistischen Fürstentümern 

1648/49 Chmielnicki-Pogrome in der Ukraine, Weißrußland, Podolien und Wohynien. Beginn 

der Rückwanderung nach Westen 
1630-54 Im brasilianischen Pernambuco entwickelt sich unter niederländischer Herrschaft eine 

blühende jüdische Gemeinde. 

1654 Die Portugiesen erobern Pernambuco zurück und führen die Inquisition ein. 23 

jüdische Flüchtlinge aus Pernambuco erreichen Neu-Amsterdam (seit 1664 New 

York). 
1655/56 Manasse ben Israel aus Amsterdam verhandelt mit Oliver Cromwell über die 

Wiederzulassung der Juden in England. 
1656 Bann über den Philosophen Baruch de Spinoza 

1671 50 aus Wien vertriebene jüdische Familien dürfen sich in Berlin und der Mark 

Brandenburg niederlassen. 
1698-1738 Josef Süß Oppenheimer 

1700-60 Rabbi Israel ben Elieser, genannt Baal Sehern Tow (»Meister des göttlichen 

Namens«), Begründer des osteuropäischen Chassidismus 
1729-86 Moses Mendelssohn 

1743-1812 Meyer Amschel Rothschild, Gründer des weltberühmten Bankhauses Rothschild 
1772-1793 -1795 Die drei polnischen Teilungen 

1778 Gründung der »Jüdischen Freischule« in Berlin 

1780-83 Moses Mendelssohns Bibelübersetzung ins Deutsche wird gedruckt. 

178 1 Christian Wilhelm von Dohm: Über die bürgerliche Verbesserung der Juden 

1782 »Toleranzpatent« von Kaiser Josef II. für die österreichischen Juden 

1791 Staatsbürgerliche Gleichstellung der französischen Juden; Katharina 11. verfügt die 

Einrichtung des Ansiedlungsrayons, 
1796 Volle bürgerliche Gleichstellung der holländischen Juden 

1796-99 In den von Frankreich besetzten Gebieten erfolgt mit der bürgerlichen Gleichstellung 

die Abschaffung der Ghettos. 
1801 -75 Zacharias Frankel, Theoretiker des konservativen Judentums 

1804 Gründung des »Philanthropin« in Frankfurt 

1808-88 Samson Raphael Hirsch, Begründen der Neo-Orthodoxie 

ab 1810 Erste reformierte Gottesdienste in Seesen 1810, Berlin 1815 und Hamburg 1818 

181 0-74 Abraham Geiger, Verfechter des Reformjudentums 

1812 Preußisches Emanzipationsedikt 

1814/15 Wiener Kongress; Restauration diskriminierender Judenordnungen 



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1819 Hepp-Hepp-Krawalle in Deutschland; Gründung des »Vereins für Kultur und 

Wissenschaft der Juden« in Berlin 
ab 1820 Masseneinwanderung mitteleuropäischer, ab 1880 osteuropäischer Juden in die USA 

1827 Zar Nikolaus 1. führt die 25jährige Wehrpflicht für Juden ein. 

1840 Damaskus-Affäre. Danach häufen sich Ritualmordbeschuldigungen im Osmanischen 

Reich. 
1 844-46 Versammlungen reformgeneigter Rabbiner in Braunschweig, Frankfurt am Main und 

Breslau 
1848 Bürgerliche Gleichstellung der Juden durch die Frankfurter Nationalversammlung, die 

nach dem Scheitern der 48er Revolution wieder aufgehoben wird. 
185 1-1939 Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums (MGWJ) 
1854 Gründung des ersten modernen Rabbinerseminars in Deutschland: das konservative 

»Jüdisch-Theologische Seminar« in Breslau 
1856 Die Juden im Osmanischen Reich erhalten volle Bürgerrechte. 

1860 Gründung der » Alliance Israelite Universelle« 

1862 Moses Hess: Rom und Jerusalem 

1869/71 Staatsbürgerliche Gleichstellung im Norddeutschen Bund bzw. im Deutschen 

Kaiserreich 

1872 Gründung der liberal ausgerichteten »Hochschule für die Wissenschaft des 
Judentums« in Berlin 

1873 Gründung des »Rabbinerseminars für das orthodoxe Judentum« in Berlin 
1876 Das preußische »Austrittsgesetz,< 

1878 Gründung der antisemitischen »Christlich Soziale Arbeiterpartei« durch Adolph 

Stoecker, Beginn des modernen Antisemitismus 
1880-86 Im Verlag Witwe Romm erscheint die erste Auflage der berühmten Wilnaer 

Talmud- Ausgabe. 
1 88 1/82 Progrome in Rußland und der Ukraine; Beginn der Massenauswanderung 

Seit 1881 In russischen Städten bilden sich Vereine, die die Kolonisierung Palästinas 

propagieren. 
1882/1908 Erste Auswanderungswellen noch Palästina 

1882 Russische Juden gründen die erste jüdische Kolonie »Rischon le Zion« (hebr. »Erste 

in Zion«) in Palästina. 
1893 Nathan Birnbaum prägt den Begriff »Zionismus« für die nationaljüdische Bewegung. 

Gründung des »Central -Vereins Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens« (CV) 
1894-1906 Dreyfus- Affäre in Frankreich 
1896 Theodor Herzl: Der Judenstaat 



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1897 Erster Zionisten-Kongreß in Basel; Gründung des BUND, der ersten sozialistischen 

(nichtzionistischen) Partei in Osteuropa 
1905 Erste Veröffentlichung der Protokolle der Weisen von Zion 

1909 Gründung von Tel Aviv 

um 1910 Die Lower East Side, das Viertel der jüdischen Einwanderer in New York, ist nach 

Bombay die am dichtesten besiedelte städtische Ansiedlung der Welt. 
1917 Balfour-Deklaration 

4/1920 Die Konferenz von San Remo gibt Großbritannien das Mandat über Palästina. 

1929-48 Der Imam Yahya verbietet den jemenitischen Juden auszuwandern. 

1/1933 Adolf Hitler wird deutscher Reichskanzler, Beginn der NAZI-Herrschaft 

4/1933 Boykott jüdischer Geschäfte, Arztpraxen und Anwaltskanzleien; Gesetz zur 

»Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« 
9/1933 Gründung der »Reichsvertretung der deutschen Juden« 

9/1935 Nürnberger Gesetze«: Die Juden verlieren die Bürgerrechte. 

3/1938 »Anschluss« Österreichs an das Deutsche Reich 

8/1938 Beschluss über die Einführung der Zwangsvornamen »Sara« bzw. »Israel« ab Januar 

1939 
10/1938 20.000 polnische Juden werden aus dem Deutschen Reich zur Grenzstation Zbaszyn 

deportiert (»Polenaktion«). 
7.11.193 8 Attentat von Herschel Grynszpan auf den Gesandtschaftssekretär Ernst vom Rath in 

Paris 

9.11.1938 Progrome in ganz Deutschland (»Reichskristallnacht«) 

17.5. 1939 Die britische Regierung beschrankt in einem Weißbuch die jüdische Einwanderung 
nach Palästina. 

1.9. 1939 Mit dem deutschen Überfall auf Polen beginnt der Zweite Weltkrieg. 

9/1941 Juden im deutschen Reichsgebiet müssen den »Gelben Stern« tragen. 

20. 1 . 1942 Wannseekonferenz 

1943 Etwa 44 000 Juden aus Saloniki in Griechenland werden noch Auschwitz deportiert. 

19.4. 1943 Beginn des Aufstands im Warschauer Ghetto 

1944/45 Anne Frank und ihre Familie werden in ihrem Versteck entdeckt und in Bergen Belsen 

ermordet. 
27. 1 . 1945 Die Rote Armee befreit Auschwitz. 

8.5. 1945 Kapitulation Deutschlands, Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa 

1 1/1945-10/1946 Nürnberger Prozesse 

29. 1 1. 1947 UN -Vollversammlung stimmt für die Teilung Palästinas. 
14.5. 1948 David Ben Gurion proklamiert den Staat Israel; Beginn des Unabhängigkeitskriegs 



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1948-73 Nach der Entstehung des Staats Israel kommt es zu Massenauswanderungen von 

Juden aus islamischen Ländern. 
1949/50 Inder Aktion »Fliegender Teppich« werden ca. 50.000 jemenitische Juden noch Israel 

ausgeflogen. 
1950 Gründung des »Zentralrates der Juden in Deutschland« 

10/1956 Suez-Krise 

1965 Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland 

und Israel 
5.-10.6.1967 Sechs-Tage-Krieg 
10/1973 Jom-Kippur-Krieg 

9/1978 In Camp David kommt es durch Vermittlung des amerikanischen Präsidenten Jimmy 

Carter zu einem Rahmenabkommen für den Frieden zwischen Israel und Ägypten. 
1979 Gründung der »Hochschule für Jüdische Studien« in Heidelberg 

26.3. 1979 Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten 

6. 10. 198 1 Der ägyptische Präsident Sadat wird von islamischen Fundamentalisten ermordet. 

6/1982 Libanon-Krieg 

12/1987 Beginn der Antifada« 

8/1990-2/1991 1. Golfkrieg 
13.9. 1993 Washingtoner Rahmenabkommen zwischen Israel und der PLO für eine 

eingeschränkte Autonomie in Jericho und Gaza 

1994 Einrichtung eines Bet Din (»Haus des Gerichts«) in Deutschland 

25.2.7994 Der jüdische Siedler Baruch Goldstein erschießt in der Ibrahim-Moschee in Hebron 29 

betende Muslime. 
4.5.1 994 Rabin und Arafat unterzeichnen das Gaza Jericho-Abkommen. 

26. 10. 1994 Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien 

1995 Die jüdischen Gemeinden in Deutschland zählen rund 50.000 Mitglieder. 
4. 1 1. 1995 Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Jzchak Rabin bei einer 

Friedensdemonstration in Tel Aviv durch den jüdischen Studenten Yigal Amir 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

Davidowicz Version 06.07.2003 
SS 2003 Seite 134 

n.4 Glossar 265 

Ansiedlungsrayon 

Die zaristische Regierung erließ seit 1791 eine Reihe von Dekreten, die das Wohnrecht der 
Juden auf ein bestimmtes Gebiet im Westen Rußlands beschränkten. Diese Regelung behielt 
mit wenigen Änderungen bis zum Ersten Weltkrieg Gültigkeit. Im Ansiedlungsrayon machten 
die Juden im 19. Jh. ein Neuntel der Bevölkerung aus. 

Aron ha-Kodesch: Siehe Tora-Schrein 

Aschkenas, aschkenasisch, Aschkenasim: 

Aschkenas ist ursprünglich der Name eines in Genesis 10,3 erwähnten Volks. 

Im Mittelalter wurde Aschkenas die geläufige hebräische Bezeichnung für Deutschland und 

Nordostfrankreich. 

Von der Zeit der Kreuzzüge an umfaßte der Begriff auch die nach Rußland und Polen 

geflohenen Juden und ihre Nachfahren. 

Bar Mizwa: Wörtl. »Sohn des Gebots«. 

Bezeichnung eines Knaben, der mit Vollendung des 13. Lebensjahrs die religiöse 
Volljährigkeit erreicht. Er ist nun ein vollwertiges Mitglied der Gemeinde mit allen Rechten 
und Pflichten, die das Religionsgesetz festlegt. Der Beginn der religiösen Mündigkeit wird mit 
der Bar-Mizwa-Feier festlich begangen. 

Bat Mizwa: Wörtl. »Tochter des Gebots«. 

Bezeichnung eines Mädchens, das mit Vollendung des zwölften Lebensjahrs religiös 
volljährig wird. Bat-Mizwa-Feiern sind erst im 19. Jh. entstanden und werden v.a. im 
Reformjudentum begangen. 

Bet Din: Wörtl. »Haus des Gerichts«. 

Rabbinisches Gericht, das aus mindestens drei rabbinischen Richtern bestehen muss. 

Bet ha-Knesset: Wörtl. »Haus der Versammlung«. 

Hebräische Bezeichnung für Synagoge (s. u.). 

Bima: Wörtl. »Pult, Podium«. 

Lesepult in der Synagoge, von dem die Tora-Lesung erfolgt. 

Brit Mila: Wörtl. »Bund der Beschneidung«. 

Die Beschneidung wird am 8. Tag noch der Geburt eines Jungen durch den Mohel vollzogen. 
Sie wird auf Abraham zurückgeführt (Gen 17, 9-14) und ist das äußere Zeichen für den Bund 
Gottes mit dem jüdischen Volk. 

Challa, pl. Challot: 

Weißbrot in Zopfform, das am Schabbat gegessen wird. 

Chanukka: Wörtl. »Einweihung«. 

Achttägiges Lichterfest, beginnend am 25. Kislew (Nov. /Dez.), das an die Wiedereinweihung 
des Tempels in Jerusalem durch Judo Makkabi im Jahr 164 v.d. Z. erinnert. Nach einer 
talmudischen Legende reichte das Fläschchen mit reinem Öl, das die Makkabäer im Tempel 
vorfanden, in wunderbarer Weise acht Tage lang. In Erinnerung daran wird an der Chanukkia 
(s. u.) acht Tage lang erst ein, dann jeden Tag jeweils ein weiteres Licht angezündet. 



265 Grübel 1996 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

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SS 2003 Seite 135 

Chanukkia, pl. Chanukkiot (Chanukka-Leuchter): 

Der beim achttägigen Chanukka-Fest verwendete besondere Leuchter mit acht Brennstellen 
und einer neunten (genannt Schon> masch, »Diener-), die nur zum Anzünden der Lichter 
dient. 

Chassid, pl. Chassidim: Wörtl. »Fromme< 

Schon zur Zeit der Makkabäer im 2.1 1. J h. v. d. Z. nannte sich eine religiöse Richtung 

»Chassidim«. Auf deren Tradition berief sich im Mittelalter die Bewegung der »Frommen von 

Aschkenas«. 

Im 1 8 Jh. bezeichnete der Chassidismus eine religiöse Erneuerungsbewegung, die in 

Osteuropa entstand und eine volkstümliche, verinnerlichte Frömmigkeit vertrat. 

Chuppa: Traubaldachin, 

unter dem die Hochzeitszeremonie vollzogen wird 

Dhimma, Dhimmi: 

Die Rechtsstellung der Juden in den islamischen Ländern war in einem Pakt, der sognannten 
Dhimma, geregelt. Die Nutznießer dieses Pakts nannte man Dhimmi. 

Als Dhimmi werden alle Nichtmuslime eingestuft, die Anhänger einer monotheistischen, auf 
Offenbarung gegründeten, Religion sind, also v o Juden und Christen 

Dönmeh: Wörtl. »Abtrünnige«. 

Die Dönmeh waren Anhänger des PseudoMessias Sabbatai Zwi und traten mit ihm zum Islam 
über. Sie führten ein Doppelleben als Muslime und Juden, die wenigen Dönmeh, die heute 
noch in der Türkei leben, sind weitgehend assimiliert. 

Frankisten: 

Jüdische Sekte, die im 18. Jh. mit ihrem Gründer Jakob L. Frank zum Christentum übertrat. 

Gemara: Wörtl. »Vollendung«. 

Die Gemara ist die Erläuterung und Erörterung der Mischna, wie sie in den Lehrhäusern 
Palästinas und Babyloniens stattfand. Mischna und Gemara zusammen bilden den Talmud. 

Haggada: Wörtl. »Erzählung«. 

Im engeren Sinn die Erzählung vom Auszug aus Ägypten und der Befreiung aus der 

ägyptischen Knechtschaft. 

Die Haggada wird am Seder- Abend, dem Vorabend des Pessach-Fests, vorgelesen. 

Haskala: Hebräischer Begriff für »Aufklärung«. 

Die im letzten Drittel des 18. J h. aufkommende Haskala ist eine auf die religiöse, kulturelle 
und soziale Emanzipation der Juden ausgerichtete Bewegung. 

Sie entstand zwar mit Moses Mendelssohn in Deutschland, erreichte aber in Osteuropa mit 
beträchtlicher zeitlicher Verzögerung im 19. Jh als eigenständige Bewegung großen Einfluss. 

Hawdala: Wörtl. »Unterscheidung, Trennung«. 

Der Begriff bezeichnet die Zeremonie am Ende des Schabbats oder eines Festtags, um die 
»Unterscheidung« zwischen dem heiligen Festtag und dem profanen Werktag bewusst zu 
machen. Man spricht den Segen über Wein und wohlriechenden Kräutern. Die Kräuter werden 
in besonderen Büchsen, den Bessamim— Büchsen aufbewahrt. 

Holocaust: Wörtl. »Brandopfer, Ganzopfer«. 

Der überwiegend im angelsächsischen verwendete Begriff Holocaust bezeichnet die 
ideologisch vorbereitete und systematisch durchgeführte Ermordung von 6 Mio. Juden im 
nationalsozialistischen Machtbereich 1933-45. 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

Davidowicz Version 06.07.2003 
SS 2003 Seite 136 

Israel: 

In der vorexilischen Zeit wird die Gemeinschaft, von der die hebräische Bibel spricht, 

insgesamt als Israel bezeichnet. 

Seit der Reichstrennung noch Salomos Tod bekommt der Begriff Israel eine doppelte 

Bedeutung: Einerseits bezeichnet er in einem engeren politischen Sinn das Nordreich, dem das 

Südreich Juda gegenübersteht; andererseits bleibt Israel aber stets auch die 

Gesamtbezeichnung für das Volk, das unter David und Salomo eine politische und staatliche 

Einheit gebildet hat. 

Dies gilt v.a. im religiösen Sprachgebrauch: die Gemeinschaft, die in einer besonderen 

Beziehung zu Gott steht, das Gottesvolk, heißt Israel, unabhängig von Territorium oder 

Staatsform. So sollte die Wohl des Namens »Israel« für den modernen jüdischen Staat auch 

einen über das Politische hinausgehenden Anspruch signalisieren. 

Iwrit: 

Das in Israel gesprochene und geschriebene NeuHebräisch. 

Jiddisch: 

Die vor Verfolgung und Vertreibung nach Osteuropa fliehenden Aschkenasim bewahrten in 

der neuen Heimat ihre mittelhochdeutsche Umgangssprache, die - speziell im religiösen und 

kultischen Bereich - mit hebräischen und aramäischen Begriffen durchsetzt war. 

Durch die Ostwanderung der Aschkenasim kam das Jiddische in den Einflussbereich der 

baltischen und slawischen Sprachen und entwickelte sich durch Aufnahme neuer sprachlicher 

Elemente weiter, es wurde die Alltagssprache des Schtetls. 

Das Jiddische wird wie das Ladino der Sefardim mit hebräischen Buchstaben geschrieben. 

Jischuw: Wörtl. »bewohnter Ort, Ansiedlung« 

Die jüdische Bevölkerung Palästinas vor Gründung des Staats Israel. 

Jom Kippur: Wörtl. >Versöhnungstag« 

Der Versöhnungstag ist der höchste jüdische Feiertag, Höhepunkt und Abschluss der zehn 
Bußtage vom 1. bis 10. Tischri. 

Er wird mit Fasten und Gebet in der Synagoge verbracht. Im Schlussgottesdienst wird das 
Schofar geblasen. 

Kabbala: Wörtl. »Überlieferung, Tradition«. 

Jüdische Mystik und Geheimlehre, die im 12. Jh. in der Provence entstand, sich in Spanien 

(v.a. Gerona) weiterentwickelte und mit dem Buch Schar (»Buch des Glanzes«) des Moses de 

Leon zur ersten Blüte gelangte. Von dort verbreitete sich die Kabbala rasch in der ganzen 

Judenheit. 

Im 16. Jh. war Safed in Galiläa ihr neues Zentrum. Die Kabbala hatte großen Einfluss auf den 

Chassidismus. 

Kaddisch: 

Altes aramäisches Gebet, in dem die Heiligkeit Gottes gepriesen wird. Es ist Bestandteil des 
täglichen Gottesdienstes und Trauergebet, das am Grab und in der Trauerzeit von den 
nächsten Angehörigen gesprochen wird. 

Kascher, jidd. koscher: Wörtl. »rein, erlaubt, tauglich« 

Kaschrut: Wörtl. »rituelle Tauglichkeit/Eignung«. 

Die Kaschrut spielt v.a. bei der Ernährung im Blick auf reine und unreine Lebensmittel und 
deren Zubereitung unter Beachtung der Speisegesetze eine große Rolle. 

Ketubba: 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

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SS 2003 Seite 137 

Heiratsurkunde, Ehevertrag. Bis auf den heutigen Tag wird die Ketubba in Aramäisch, der 
Sprache des Talmud, geschrieben. 

Kibbuz, pl. Kibbuzim: Wörtl. »Sammlung«. 

Auf sozialistischen Prinzipien beruhende Siedlung mit gemeinsamem Eigentum, gemeinsamer 
Produktion und gemeinsamer Arbeit. Der Kibbuz sorgt für Wohnung, Nahrung, Kleidung, 
Kinderbetreuung und andere private Bedürfnisse der Kibbuzniks. Der älteste Kibbuz 
(Deganya) wurde 1909 gegründet. 

Kiddusch: Wörtl. »Heiligung«. 

Segensspruch über einem mit Wein gefüllten Becher, der am Schabbat und anderen Feiertagen 
vor der Mahlzeit gesprochen wird. 

Klesmer, pl. Klesmorim: 

Verballhornt aus dem Hebräischen Kle Semer (»Musikinstrumente«). Bei den osteuropäischen 
Juden Bezeichnung für eine volkstümliche Musikkapelle (aber auch für das einzelne 
Mitglied). Typische Instrumente einer Klesmer Kapelle sind Cymbal (eine Art Hackbrett), 
Geige, Flöte, Klarinette und Kontrabaß. 

Knesset: Wörtl. »Versammlung«. 

Israelisches Parlament mit Sitz in Jerusalem. 

Ladino: 

Auch als »Spaniolisch« oder »Judäospanisch» bezeichnete Sprache der iberischen Juden und 
ihrer vertriebenen Nachfahren. Ladino wird wie das Jiddische mit hebräischen Schriftzeichen 
geschrieben. 

Lulaw: 

Feststrauß für Sukkot (Laubhüttenfest). Er besteht aus vier Pflanzen: einer Zitrusfrucht, 
Myrtenzweigen, Bachweidenzweigen und einem Palmzweig (Lulow). Da der Palmzweig 
größer als die übrigen Pflanzen ist, hat er dem Strauß seinen Namen gegeben. 

Machsor: Wörtl. »Kreislauf, Zyklus«. 

Gebetbuch für die Feiertage. 

Mazza, pl. Mazzot: 

Ungesäuertes Brot, das während der acht Tage des Pessach-Fests gegessen wird, um an den 
eiligen Auszug aus Ägypten zu erinnern, als keine Zeit blieb, den Teig säuern zu lassen. 

Megilla, pl. Megillot: Wörtl. »Rolle«. 

Bezeichnung der fünf biblischen Bücher Ruth, Hohelied, Klagelieder, Prediger und Esther. 
Wird der Terminus Megilla ohne nähere Erläuterung verwendet, ist in der Regel das Buch 
Esther gemeint, das an Purim gelesen wird. 

Minjan: Wörtl. »Zahl«. 

Erst durch die vorgeschriebene Zahl von zehn jüdischen Männern über 13 Jahre wird eine 
Gemeinde konstituiert. Sie ist daher für die Abhaltung eines öffentlichen 
Gemeindegottesdienstes erforderlich, 

Mischna: Wörtl. »Wiederholung, Lehre«. 

Die Mischna ist eine Sammlung von religionsgesetzlichen Vorschriften, die um 200 n.d.Z. von 
Rabbi Jehuda ha-Nassi geordnet und schriftlich niedergelegt wurde. Mischna und Gemara 
zusammen bilden den Talmud. 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - 16.Jb.dt. bis Gegenwart 

Davidowicz Version 06.07.2003 
SS 2003 Seite 138 

Mischne Tora: Wörtl. »Wiederholung der Tora< 

Der von Maimonides verfasste systematische Kodex der gesamten Halacha in 14 Büchern 
(1 180), auch Jod Chasaka (»starke Hand«) genannt, weil hier ein Systematiker mit »starker 
Hand« den religionsgesetzlichen Stoff ordnete. 

Mikwe: 

Rituelles Tauchbad 

Mizwa, pl. Mizwot: Wörtl. »Gebot, gute Tat« 

Mohel: 

Der Vollzieher der Beschneidung (siehe Brit Mila) 

More Newuchim: Wörtl. »Führer der Verwirrten/ Unschlüssigen«. 

Religionsphilosophisches Hauptwerk des Maimonides (um 1190). 

Moschaw, pl. Moschawim: Wörtl. »Siedlung«. 

Genossenschaftlich organisierte Siedlung in Israel, Die Siedler verpflichten sich zu 
gegenseitiger Hilfe sowie zu Einkaufund Vermarktung auf genossenschaftlicher Basis. Im 
Unterschied zum Kibbuz führt jedoch jeder Siedler seinen eigenen Betrieb und bewohnt ein 
eigenes Haus. 

Pentateuch: Wörtl. »Fünfrollenbuch«. 

Griechische Bezeichnung für die Fünf Bücher Mose, die Tora. 

Pessach: Wörtl. »Überschreitung«, 

denn Gott »überschritt« d. h. verschonte die Häuser der Israeliten, als er die Erstgeborenen 

Ägyptens tötete. 

Achttägiges Fest vom 14. bis 2 1. Nissan (März/ April) zur Erinnerung an die Befreiung des 

Volks Israel aus der ägyptischen Knechtschaft. 

Charakteristisch für das Pessach-Fest ist das häusliche Festmahl (Seder), bei dem die Haggada 

gelesen und symbolische Speisen (z. B. Mazzot) verzehrt werden. 

Pilpul: 

Abgeleitet vom hebräischen pilpel (»Pfeffer«). Bezeichnung der scharfsinnigen talmudischen 
Dialektik zur Klärung von Widersprüchen und Vertiefung des Verständnisses in halachischen 
Fragen. 

Pogrom: Wörtl. »Massaker, Verwüstung«. 

Russische Bezeichnung für eine mit Plünderungen und Mord verbundene 
Judenverfolgung. 

Purim: 

Ausgelassenes Freudenfest am 14./15. Adar zur Erinnerung an die Errettung der 
persischen Juden durch Königin Esther (siehe auch Megilla). 

Rabbi/Raw, pl. Rabbinen Rabbiner: Rabbi (wörtl. »mein Meister, mein Lehrer«) 

war der Titel der Gelehrten in Palästina in talmudischer Zeit, die die Vorschriften der Tora in 

verbindlicher Weise festlegten. 

Dem entsprach in Babylonien der Titel Raw. 

Rosch ha-Schana: Wörtl. »Kopf des Jahres«. 

Das jüdische Neujahrsfest. Rasch ha-Schana wird am 1./2. Tischri gefeiert und leitet die 
zehn Bußtage ein, die mit Jom Kippur ihren Höhepunkt erreichen. 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - 16.Jb.dt. bis Gegenwart 

Davidowicz Version 06.07.2003 

SS 2003 Seite 139 



Schabbat: Abgeleitet vom hebräischen schawat (»ruhen«). 

Siebter Wochentag, an dem die Juden ruhen und keinerlei Arbeit verrichten sollen. 

Der Schabbat erinnert an das Ruhen Gottes nach Erschaffung der Welt (Ex 20, 1 1) und an den 

Auszug aus Ägypten (Dt 5,12-15). 

Er beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend noch Eintritt der Dunkelheit und soll 

nur der Erholung und dem Gebet gewidmet werden. 

Schächten: 

Schlachten reiner, gesunder Tiere gemäß den religiösen Vorschriften. Das Schächten erfolgt 
durch einen Fachmann, den Schochet. 

Schawuot, pl. von Schawua: Wörtl. »Woche«. 

Das »Wochenfest« wird sieben Wochen nach Pessach gefeiert. Es erinnert an die göttliche 
Offenbarung am Sinai (daher Lesung der Zehn Gebote) und ist zugleich das Fest der 
Erstlingsfrüchte. 

Schoa: Wörtl. »Vernichtung«. 

Das hebräische Wort Schoa ist der in der jüdischen Welt gebräuchliche Begriff für den 
Holocaust (siehe oben). 

Schofar: 

Widderhorn, das am Neujahrsfest sowie zum Abschluss von Jom Kippur geblasen wird. 

Schtetl: 

Kleinstadt-Gemeinde in Osteuropa, in der Juden die Mehrheit der Bevölkerung bildeten. 
Die Schtetl waren die Zentren der ostjüdischen Kultur, in der die Juden in relativer Isolation 
von der nichtjüdischen Umwelt ihre Identität, Tradition und Gesetze pflegten. Der Alltag war 
durch den mühseligen Erwerb des Lebensunterhalts, ständig drohende Angriffe von außen und 
restriktive Maßnahmen der Obrigkeit bestimmt. Die Revolution in Rußland und der Holocaust 
löschten das Schtetl-Leben mit seiner spezifischen Kultur aus. 

Seder: Wörtl. »Ordnung, Reihenfolge«, 

Bei der häuslichen Seder-Feier am Vorabend des Pessach-Fests wird an den Auszug aus 
Ägypten erinnert. Der Ablauf der Feier orientiert sich an der in der Haggada vorgegebenen 
»Reihenfolge«. 

Sefarad, sef ardisch, Sefardim: 

Sefarad ist ursprünglich eine Länderbezeichnung in der Bibel (Obadia 20), wurde aber bald 

die geläufige hebräische Bezeichnung für die Iberische Halbinsel. 

Als sefardisch bezeichnet man die vom spanischen und portugiesischen Judentum geprägte 

Kultur und Tradition. 

Die Nachkommen der vertriebenen spanischen Juden nennt man in der ganzen Welt bis heute 

Sefardim 

Siddur: Wörtl. »Ordnen, Regelung«. 

Gebetbuch 

Simchat Tora: Wörtl. »ToraFreude«. 

Fest, an dem der letzte Abschnitt der Tora (Dt 24) nach dem einjährigen Zyklus im 
Gottesdienst gelesen und sofort der neue Zyklus mit Genesis 1 begonnen wird. 
Charakteristisch sind fröhliche Umzüge mit den Tora-Rollen, die die Freude an der Tora zum 
Ausdruck bringen. 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

Davidowicz Version 06.07.2003 
SS 2003 Seite 140 

Sukkot, pl. von Sukka: Wörtl. »Laubhütte«. 

An Sukkot soll das siebentägige Wohnen in der Laubhütte jeden Juden daran erinnern, dass 
seine Vorfahren einst aus der Sklaverei in die Freiheit geführt wurden und dabei 40 Jahre lang 
in provisorischen Hütten wohnten. 

Synagoge: 

Die Synagoge (wörtl. Versammlungshaus, Gemeinde«) wurde noch der Zerstörung des 

Tempels wichtigster religiöser und gesellschaftlicher Mittelpunkt des jüdischen 

Gemeindelebens. 

Dem griechischen Wort Synagoge entspricht die hebräische Bezeichnung Bet ha-Knesset 

(»Haus der Versammlung«). 

Tallit: 

Gebetsmantel, der vom Tag der Bar-Mizwa an von den Männern beim Morgengebet 
getragen wird. 

Talmud: Wörtl. »Lehre, Lernen, Studium«. 

Der Talmud ist das Hauptwerk des rabbinischen Judentums, das aus der mündlichen 

Überlieferung entstanden ist und bis heute als die autoritative Quelle der Religionslehre und 

des Religionsgesetzes gilt. 

Er besteht aus zwei Teilen, der Mischna und der Gemara. 

Entsprechend den beiden Zentren der rabbinischen Gelehrsamkeit in Palästina und Babylonien 

entstand der Talmud in zweifacher Form: 

• als palästinischer oder Jerusalemer Talmud (um 425 n. d. Z.) und als 

• babylonischer Talmud (6. Jh.), 

Der umfangreichere babylonische Talmud erlangte bald kanonische Geltung und verdrängte 
den älteren palästinischen. 

Tefillin: 

Lederne Gebetsriemen mit zwei Kapseln, die der erwachsene Jude an Werktagen, jedoch nicht 
am Schabbat und an Feiertagen, anlegt Ein Junge darf an seinem 13. Geburtstag zum ersten 
Mal das Morgengebet mit Tefillin sprechen. 



Tik: 



In orientalischen Ländern übliches festes Behältnis für die Tora-Rolle, anstelle des bei den 
Aschkenasim gebräuchlichen Tora-Mantels. 



Tora: Wörtl. »Lehre, Unterweisung«. 

Im engeren Sinn wird der Begriff Tora für die ersten fünf Bücher der Bibel verwendet, also 

Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri und Deuteronomium, die nach der jüdischen 

Überlieferung Moses am Sinai durch Gott offenbart wurden. 

Für den Gebrauch im Gottesdienst sind diese »Fünf Bücher Moses« auf eine Pergamentrolle, 

die Tora-Rolle, geschrieben. 

In einem weiteren Sinn wird der Begriff für die ganze Bibel mit den prophetischen und 

historischen Büchern und schließlich für das ganze Korpus der religiösen Traditionsliteratur 

verwendet. 

So wird ein Kundiger der Heiligen Schriften als Tora-Gelehrter bezeichnet. 

Die Tora bildet mit den prophetischen und historischen Büchern der Bibel die sogenannte 

»schriftliche« Lehre, wahrend der Talmud und andere rabbinische Texte als »mündliche« 

Lehre gelten. 

Tora-Rolle: 



Geschichte und Religion des Judentums (D) - lö.Jhdt. bis Gegenwart 

Davidowicz Version 06.07.2003 
SS 2003 Seite 141 

Für die liturgische Lesung in der Synagoge wird der Text der Tora in hebräischer 
Quadratschrift auf Pergament geschrieben, die aneinandergenähten Pergamentstücke werden 
als Rolle auf zwei Holzstäbe aufgewickelt. 

Tora-Schrein: 

Schrein oder Schrank, in dem die Tora-Rollen aufbewahrt werden. 

Der Tora-Schrein wird in Anlehnung an die biblische Bundeslade Aron haKodesch (»Heilige 

Lade«) genannt. Er befindet sich in der Regel an der Jerusalem zugekehrten Wand, d. h. in der 

westlichen Diaspora an der Ost-Wand. 

Die Tora-Rollen werden nur zur Lesung herausgehoben. 

Versöhnungstag: 

Siehe Jom Kippur